Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Als er sich wild und atemlos wieder aufrappelte, konnte er die Schritte des Eindringlings auf sich zukommen hören.
Er stürzte auf die Treppe zu. Jetzt machte er sich nicht mehr die Mühe, seine Flucht geheimzuhalten. Die Schritte beschleunigten sich. Kein Schattenwesen, dachte er – das würde lautlos auftauchen. Also die Föderation. Aber nur einer? Warum nur einer?
Er erreichte die Treppe und stolperte hinauf. Über ihm wurde als schwache Silhouette die Falltür sichtbar. Er fragte sich plötzlich, ob dort oben vielleicht schon andere warteten, ob er in eine Falle getrieben wurde. Sollte er lieber bleiben, wo er war, und dem einen gegenübertreten, als zuzulassen, daß er den anderen zugetrieben wurde? Aber das waren alles nur Spekulationen, und abgesehen davon war keine Zeit mehr, sich zu entscheiden. Er hatte die Falltür bereits erreicht.
Er drückte von unten dagegen. Die Falltür bewegte sich nicht.
Pfeile verblassenden Tageslichts bahnten sich ihren Weg durch Ritzen in den schweren Holzbrettern, tanzten über sein schweißüberströmtes Gesicht und nahmen ihm kurzzeitig die Sicht. Er senkte den Kopf und drückte ein zweites Mal nach oben. Die Tür saß fest an ihrem Platz. Er blinzelte an dem Licht vorbei und versuchte herauszufinden, was geschehen war.
Etwas Großes und Unförmiges war da oben auf der Falltür.
Verzweifelt warf er sich gegen das Hindernis, aber es bewegte sich nicht von der Stelle. Er stieg die Stufen wieder hinab und warf einen schnellen Blick über seine Schulter. Sein Herz schlug so laut in seinen Ohren, daß er kaum die gedämpfte Stimme hören konnte, die seinen Namen rief.
»Par? Par Ohmsford?«
Es war ein Mann, jemand, den er offenbar kennen mußte, aber er war nicht sicher. Die Stimme klang bekannt und fremd zugleich. Der Sprecher befand sich noch immer irgendwo in der Dunkelheit der Tunnel. Der Getreidemühlenkeller erstreckte sich niedrig und eng zu der dunklen Öffnung hin, Staubteilchen tanzten in der dämmrigen Luft wie ein Nebel und verwandelten alles in Schatten. Par schaute erneut zu der Falltür hinauf und dann zurück zum Keller.
Er war gefangen.
Er preßte seine Lippen fest zusammen. Schweiß rann von der Anstrengung und der Angst seinen Körper hinab, und seine Haut zog sich zusammen.
Wer war dort hinten?
Wer war es, der seinen Namen kannte?
Er dachte wieder an Damson und fragte sich, wo sie war, was aus ihr geworden und ob sie in Sicherheit war. Wenn sie gefangengenommen worden war, dann war er der einzige, mit dem sie noch rechnen konnte. Er konnte sich nicht fangen lassen, denn dann wäre niemand mehr da, der ihr helfen konnte. Oder ihm. Damson. Er sah ihr flammend rotes Haar vor sich, den besonderen Zug um ihren Mund, wenn sie ihn anlächelte, und das Strahlen ihrer grünen Augen. Er konnte ihre Stimme und ihr Lachen hören. Er konnte spüren, wie sie ihn berührte. Er erinnerte sich daran, wie sie darum gekämpft hatte, sein Leben zu retten und ihn dem Wahnsinn zu entreißen, der sich nach Colls Tod seiner bemächtigen wollte.
Die Gefühle, die ihn in diesem Augenblick überwältigten, waren so intensiv, daß er sie fast hinausgeschrien hätte.
Zorn und Entschlossenheit traten an die Stelle seiner Angst. Er griff hinter sich und begann das Schwert von Shannara herauszuziehen, ließ es dann aber wieder in seine Scheide zurückgleiten. Das Schwert war für andere Dinge gedacht. Er würde seine Magie gebrauchen, obwohl sie ihn jetzt ängstigte wie ein alter Freund, der plötzlich fremd und unvertraut geworden ist. Die Magie war unzuverlässig, phantastisch und gefährlich.
Und völlig nutzlos, wie er plötzlich erkannte, wenn sein Gegner ein Mensch war.
Seine Gedanken zerstreuten sich und ließen ihn ohne Hoffnung zurück. Er griff ein zweites Mal hinter sich und zog das Schwert heraus. Es war immerhin seine einzige Waffe.
Ein Schatten erschien am Eingang des Tunnels, und Atem wurde in der plötzlichen Stille leise hörbar. Dort erschien eine verhüllte Gestalt dunkel und ohne bestimmte Züge im schwächer werdenden Licht. Anscheinend war es ein Mann, größer als Par und auch breiter.
Der Mann trat aus der Dunkelheit heraus und richtete sich auf. Er ging weiter und blieb dann plötzlich stehen, sah Par auf der Kellertreppe, mit der Waffe in der Hand. Das lange Messer in seiner eigenen Hand schimmerte dumpf. Einen Moment lang standen sie einander gegenüber, ohne sich zu bewegen, und versuchten, den anderen zu erkennen.
Dann hob der Eindringling langsam die Hände und streifte die Kapuze seines staubigen, schwarzen Umhangs zurück.
24
Triss richtete sich auf. Seine Bewegungen waren auf einmal schwerfällig und steif. Sie sahen einander schweigend an, der Hauptmann der Leibgarde, Wren und Garth, ohne ihre Gesichter im Dunkel voller Vog erkennen zu können. Sie standen wie Statuen um die zusammengekrümmte Gestalt von Dal herum, als seien sie als Wachtposten um ihn herum aufgestellt worden und eingefroren in der Zeit. Sie waren die einzigen, die von jenen neun übriggeblieben waren, die aus Killeshans Schatten aufgebrochen waren, um Arborlon und die Elfen aus ihrem vulkanischen Grab wieder in ein Leben in den Wäldern des Westlandes zurückzubringen. Drei, machte sich Wren in ihrer Seelenqual deutlich, denn Gavilan war für so sicher verloren, wie sie sich ihrer eigenen Schuld bewußt war.
Wie hatte sie so dumm sein können?
Triss bewegte sich plötzlich und warf die imaginären Fesseln ab. Er machte ein paar Schritte und beugte sich hinab, um den Boden zu untersuchen. Dann richtete er sich wieder auf und schüttelte den Kopf. »Wer könnte das getan haben? Es muß Spuren geben...« Er schleppte sich davon.
Wren und Garth tauschten einen Blick. Triss wußte es offenbar noch immer nicht. »Es war Gavilan«, sagte sie leise.
»Gavilan?« Der Hauptmann der Leibgarde wandte sich um. Er sah sie offen an.
»Gavilan Elessedil«, wiederholte sie. Sie gebrauchte seinen vollen Namen in der Hoffnung, daß dadurch für sie real werden würde, was geschehen war. Faun zitterte auf ihrer Schulter noch immer. »Er hat Dal getötet und den Ruhkstab mitgenommen.«
Triss rührte sich nicht. »Nein«, sagte er sofort. »Eure Hoheit, das kann nicht passiert sein. Ihr irrt Euch. Gavilan ist ein Elf, und kein Elf würde einem anderen Schaden zufügen. Und außerdem ist er ein Prinz von Elessedilblut! Er ist darauf eingeschworen, seinem Volk zu dienen!«
Wren schüttelte verzweifelt den Kopf. Sie hätte damit rechnen müssen. Sie hätte es in seinen Augen erkennen müssen, in seiner Stimme und an seinem veränderten Verhalten. Und sie hatte sich einfach geweigert, es zu erkennen. »Stresa«, rief sie.
Der Stachelkater tauchte aus der Dunkelheit auf. Seine Stacheln waren herausfordernd aufgerichtet. »Hssssst! Ich habe dich vor ihm gewarnt!«
»Danke, daß du mich daran erinnerst. Erzähle mir einfach, was die Zeichen sagen. Deine Augen sind die schärfsten, deine Nase kann es besser beurteilen. Lies sie bitte für mich.«
Ihre Worte klangen sanft und schmerzerfüllt. Der Stachelkater erkannte es und ging leise fort. Sie beobachteten, wie er die Lichtung zu umkreisen begann, überall schnüffelte und jede Spur kritisch prüfte, wie er dabei häufig innehielt und dann weiterging.
»Das hätte er niemals tun können«, murmelte Triss erneut, und seine Stimme klang hart vor Unglauben. Wren antwortete nicht. Sie schaute ins Nichts. Der Harrow war eine graue Wand hinter ihnen, der In Ju ein schwarzes Loch vor ihnen und der Killeshan ein entferntes Rumpeln. Morrowindl krümmte sich über ihnen wie ein Tier über einem Knochen.
Dann kam Stresa zurück. »Niemand – phfffft – außer uns hat in den letzten Stunden den Platz hier überquert, auf dem wir stehen. Ssssst. Unsere Spuren führen aus dem Harrow heraus und wieder hinein und erneut heraus – dort drüben. Nur unsere – nicht die von Monstern, nicht die von Eindringlingen, nichts dergleichen.« Er hielt inne. »Und dort«, er deutete in die entgegengesetzte Richtung, »dort gibt es ein neueres Spurenmuster. Es führt von hier fort, westwärts auf den In Ju zu. Es ist sein Geruch. Es tut mir leid, Wren Elessedil.«