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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Er bemerkte eine plötzliche Bewegung an der Ecke der Mauer vor ihm, wo diese abbog und der Straße westwärts auf den Fels zu folgte. Damson tauchte auf. Sie hastete geduckt heran und kam atemlos und mit gerötetem Gesicht zu ihm in die Schatten.

»Zwei andere sichere Verstecke sind entdeckt worden«, sagte sie. »Bevor ich sie sah, konnte ich schon den Gestank der Wesen riechen, die auf uns warteten.« Ihr langes rotes Haar, das mit einem Stoffband über ihrer Stirn zurückgebunden war, war zerzaust und klebte feucht an ihrem Gesicht und ihrem Hals. Ihr Lächeln kam unerwartet. »Aber ich habe eines gefunden, das sie übersehen haben.«

Sie streckte die Hand aus und streichelte seine Wange. »Du siehst so müde aus, Par. Heute nacht wirst du gut schlafen. Dieser Ort – endlich ist er mir wieder eingefallen. Ein Keller unter einer alten Getreidemühle, die einmal etwas anderes war, was ich aber vergessen habe. Das Versteck ist seit mehr als einem Jahr nicht mehr benutzt worden – von niemandem. Einmal haben Padishar und ich...« Sie hielt inne, die Erinnerung war zu schmerzhaft und daher brach sie ab – zu quälend, sagten ihre Augen, zuviel kommt wieder hoch. »Das werden sie nicht kennen. Komm mit. Wir werden es noch einmal versuchen.«

Sie eilten in die Nacht davon, ein doppelter Schatten, der im Handumdrehen auftauchte und wieder verschwand. Par spürte das Gewicht des Schwertes von Shannara glatt und hart auf seinem Rücken, und das erinnerte ihn an die Farce, die seine Suche geworden war, und an die Verwirrung, die ihn quälte. War dies tatsächlich der uralte Zauber, den zu finden er ausgesandt worden war, oder war es ein Trick von Rimmer Dall, der ihn in den Untergang trieb? Wenn es das Schwert war, warum hatte er seine Macht dann nicht gebrauchen können, als er dem Ersten Sucher gegenübergestanden hatte? Wenn es aber nur eine Kopie war, was war dann aus dem richtigen Schwert geworden?

Aber diese Fragen brachten wie immer keine Antworten, und wie schon so oft schob er sie schnell beiseite. Daß sie überlebten, war alles, was im Moment zählte, die Vernichtung der schwarzen Wesen und, noch wichtiger, ein Entkommen aus der Stadt. Ihre Flucht hatte ihn an die Bewegung von Ratten in einem Labyrinth erinnert. Sie waren gefangen hinter Mauern, aus denen sie nicht entkommen konnten. Alle Versuche, aus Tyrsis herauszukommen, um das offene Land dahinter zu erreichen, waren vereitelt worden. Die Tore wurden sorgfältig beobachtet, alle Ausgänge waren bewacht, und Damson war in der Abgeschiedenheit des Mole nicht in der Lage gewesen, sich in den Tunneln unterhalb der Stadt zurechtzufinden. Sie allein boten einen Fluchtweg. Also blieb ihnen nichts anderes übrig, als weiterzulaufen und sich zu verbergen, von einem Versteck zum nächsten zu hasten und auf eine Gelegenheit zu warten, hervorzukommen, oder darauf, daß sich ihnen eine Möglichkeit zu ihrer Befreiung bot.

Sie gingen eine Seitenstraße mit Lichtsprenkeln hinab, die durch Fensterläden vor den hochliegenden Fenstern einer Hofmauer drangen, und hörten Gelächter und das Klingen von Trinkgläsern aus einem Bierhaus. Feucht und stinkend lag Müll auf der Straße. Tyrsis trug in diesem Viertel sein billigstes Parfum, und der Geruch ihres Körpers war üppig und schamlos, wo die Armen und Obdachlosen von den Besitzern verjagt worden waren. Die einst so stolze Dame war jetzt verbraucht und angeschlagen, ein willfähriges Ding im Besitz der Föderation, eine Beute des Krieges, der vorbei gewesen war, bevor er begonnen hatte.

Damson hielt inne, beobachtete aufmerksam den leeren Raum einer beleuchteten Kreuzung, lauschte einen Augenblick auf Geräusche, die nicht dahin gehörten, und führte ihn dann schnell hinüber. Sie gingen eine andere Seitenstraße hinunter, die so still und muffig war wie eine ungeöffnete Kammer, dann durch einen Durchgang und in einen Weg, der wieder zu einer Straße führte. Par dachte erneut an das Schwert von Shannara und fragte sich, wie er wohl herausfinden konnte, ob es das richtige war, und welcher Prüfung er es unterziehen mußte, um die Wahrheit zu erfahren.

»Hier«, flüsterte Damson und drängte ihn abrupt durch ein Loch, das in eine uralte Bretterwand gebrochen war.

Sie standen in einem scheunenähnlichen, düsteren Raum. Die Dachbalken über ihnen waren in dem schwachen Licht der anderen Gebäude, das durch Risse in den zerborstenen, morschen Brettern der Wände sickerte, kaum sichtbar. Maschinen kauerten auf dem Boden wie sprungbereite Tiere, und Reihen von Verschlägen gähnten ihnen leer und schwarz entgegen. Damson führte ihn durch den Raum, wobei ihre Stiefel in der tiefen Stille auf dem Stein und dem Stroh raschelten. Nahe der Rückwand blieb sie dann stehen, griff hinab, packte einen Eisenring, der in den Boden eingelassen war, und zog eine Falltür auf. Ein Lichtschimmer beleuchtete Stufen, die in die Dunkelheit hinabführten.

»Du zuerst«, befahl sie und bedeutete ihm, er solle hinabsteigen. »Nur hinein, und dann bleib stehen.«

Er tat, wie ihm geheißen, lauschte auf den Klang ihrer Schritte, als sie ihm folgte, dann auf das Geräusch der Falltür hinter ihnen. Sie standen einen Moment horchend da, dann schob sie sich vorsichtig an ihm vorbei und tastete in der Dunkelheit lautlos umher. Ein Funke wurde geschlagen, eine Flamme erschien, und das Pech einer Fackel fing Feuer und begann zu brennen. Schwaches und verschwommenes Licht erfüllte den Raum, in dem sie standen, und machte einen niedrigen, mit alten eisenbeschlagenen Fässern und Lattenverschlägen gefüllten Keller sichtbar. Sie bedeutete ihm, er solle ihr folgen, und dann gingen sie durch das Durcheinander weiter. Der Keller zog sich weit dahin und endete dann an einem Durchgang. Damson bückte sich in die Dunkelheit, hielt die Fackel vor sich und ging dann hindurch. Der Durchgang führte sie hinab zu einem Raum, der früher wohl ein Schlafraum gewesen war. Ein altes Bett war an eine Wand gestellt, ein Tisch und Stühle an eine andere. Ein zweiter Durchgang führte auf der anderen Seite aus dem Raum hinaus in die Dunkelheit. Wo das Fackellicht endete, konnte Par gerade noch den Anfang einer uralten Treppe ausmachen.

»Hier sollten wir heute nacht sicher sein, vielleicht auch länger«, erklärte sie ihm. Als sie sich jetzt umwandte, beleuchtete das Licht ihre Züge, so daß er das helle Leuchten ihrer grünen Augen, die Weichheit ihres Lächelns sehen konnte. »Das ist nicht viel, nicht wahr?«

»Wenn es sicher ist, ist es das Größte«, erwiderte er und lächelte zurück. »Wohin führt die Treppe?«

»Zurück zur Straße. Aber die Tür ist von außen verschlossen. Wir müßten sie aufbrechen, wenn wir auf diesem Wege fliehen wollen und nicht den Kellereingang benutzen können. Dennoch ist es auch zumindest ein gewisser Schutz vor dem Gefangenwerden. Denn niemand wird auf den Gedanken kommen, dort nachzusehen, wo ein altes und verrostetes Schloß noch an seinem Platz hängt.«

Er nickte und nahm ihr die Fackel aus der Hand. Einen Moment schaute er sich um, dann trug er sie zu einer alten Halterung und steckte sie an ihren Platz. »Da hängt sie«, erklärte er, nahm das Schwert von Shannara ab und lehnte es gegen das Bett. Seine Augen verweilten einen Augenblick auf dem Zeichen auf seinem Heft, der hochgehaltenen Hand mit einer brennenden Fackel. Dann wandte er sich ab. »Gibt es in dem Schrank etwas zu essen?«

Sie lachte. »Wohl kaum.« Impulsiv trat sie zu ihm, legte ihre Arme um ihn, hielt ihn einen Moment umfangen und küßte dann seine Wange. »Par Ohmsford.« Ihre Stimme war weich, als sie seinen Namen aussprach.

Er umarmte sie, streichelte ihr Haar und spürte ihre Wärme durch sich hindurchrinnen. »Ich weiß«, flüsterte er.

»Es wird alles gut werden für dich und mich.«

Er nickte schweigend, denn er war überzeugt, daß es so sein würde, daß es so sein mußte.

»Ich habe ein wenig frischen Käse und Brot in meinem Rucksack«, sagte sie und entzog sich ihm. »Und etwas Ale. Gut genug für Flüchtlinge wie uns.«

Sie aßen schweigend und lauschten auf die dumpfen Geräusche des Eisens, das in die Mauern des Gebäudes eingelassen war und jetzt abkühlte. Ihre Spannung nahm zu, als die Nacht tiefer wurde. Ein- oder zweimal hörten sie so entfernt, daß die Worte nicht zu unterscheiden waren, Stimmen von der Straße. Sie wurden durch die mit einem Vorhängeschloß gesicherte Tür und über die uralte Treppe hinabgetragen. Als sie ihre Mahlzeit beendet hatten, packten sie sorgfältig ein, was übriggeblieben war, löschten die Fackel und wickelten sich in ihre Decken. Dicht nebeneinander legten sie sich auf das schmale Bett und schliefen dort schnell ein.

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