Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Cogline war da nicht so sicher. Walker hatte schon die beiden anderen Visionen des Grimpond falsch gedeutet. Warum war er so überzeugt davon, daß er hier nicht auch etwas Falsches vermutete? Die Visionen waren niemals, was sie zu sein schienen, sie waren irrige und verdrehte Bruchstücke von Halbwahrheiten, die zwischen Lügen verborgen lagen. Er ging ein entsetzliches Risiko ein. Die erste Vision hatte ihn seinen Arm gekostet, die zweite Quickening. Sollte ihn die dritte nichts kosten? Es schien logischer, daß er davon ausging, daß die Vision ihm mehrere Interpretationen erlaubte, die unter den entsprechenden Umständen wahr werden könnten, darunter auch jene mit Walkers Tod. Mehr noch störte Cogline, daß Walker keine klare Vorstellung davon hatte, wie der Gebrauch des Schwarzen Elfensteins seine Umwandlung bewirken sollte, wie er den Wachhund der Druiden bezwingen sollte, wie Paranor selbst vollständig zum Leben erweckt werden sollte – wie überhaupt irgend etwas davon funktionieren sollte. Es würde nicht so einfach sein, wie es bei Walker klang. Nichts, was mit dem Gebrauch der Elfenmagie zusammenhing, war jemals einfach gewesen. Es würde Schmerz damit verbunden sein, ungeheure Anstrengung und die sehr reale Möglichkeit eines Fehlschlags.
So hatten sie ihre Argumente ausgetauscht, hin und her, länger, als Walker eigentlich vorgesehen hatte, bis sie jetzt, Stunden später, zu müde waren, um noch etwas anderes zu tun, als eine letzte Kunde oberflächlicher Belehrungen auszutauschen. Walkers Meinung stand fest, und sie beide wußten das. Er würde seine Theorie ausprobieren, um das, was Allanon in Paranor freigelassen hatte, zu suchen, und er würde die Magie des Schwarzen Elfensteins benutzen, um es wieder einzusperren. Er würde die Wahrheit über den Schwarzen Elfenstein entdecken und auch der letzten der verhaßten Visionen des Grimpond ein Ende setzen.
Wenn er sich nur dazu bringen konnte, von diesem Tisch aufzustehen, den Zauber aufzunehmen und weiterzumachen.
Obwohl er bemüht gewesen war, seine Gefühle mit schroffen Blicken und zuversichtlichen Worten vor Cogline zu verbergen, hielt das Entsetzen ihn gefangen. Soviel Unsicherheit, so viele Vermutungen. Er zwang seine Finger, sich wieder über dem Schwarzen Elfenstein zu schließen, so hart zuzupacken, daß er den Schmerz spüren konnte.
»Ich werde mit dir gehen«, bot Cogline an. »Und Rumor auch.«
»Nein.«
»Wir können dir vielleicht auf irgendeine Weise helfen.«
»Nein«, wiederholte Walker. Er schaute auf und schüttelte langsam den Kopf. »Nicht, daß ich dich nicht gern dabei hätte. Aber dies ist nichts, wobei du mir helfen könntest, keiner von euch beiden. Es ist nichts, bei dem mir irgend jemand helfen könnte.«
Er konnte einen Schmerz spüren, wo sein fehlender Arm sein sollte. Es war, als sei er irgendwie da, ohne daß er ihn sehen konnte. Er bewegte sich unbehaglich und versuchte, seine Muskeln zu entspannen, die sich verspannt und verkrampft hatten, während er mit dem alten Mann zusammen gesessen und diskutiert hatte. Die Bewegung gab ihm Auftrieb, und er zwang sich, sich zu erheben. Cogline tat es ihm nach. Sie sahen einander in dem Halblicht an, in der verblassenden Transparenz des Keep.
»Walker.« Der alte Mann nannte ihn ruhig bei seinem Namen. »Die Druiden haben uns beide zu ihren Geschöpfen gemacht. Wir sind in alle Richtungen gezogen und gedreht worden und gezwungen worden, Dinge zu tun, die wir nicht tun wollten. Wir sind in Angelegenheiten hineingezogen worden, um die wir uns lieber nicht gekümmert hätten. Ich würde es mir nicht erlauben, jetzt den Wert ihres Vorgehens zu diskutieren. Wir sind beide jenseits des Punktes angelangt, wo das wichtig sein könnte.«
Er beugte sich vor. »Aber ich möchte dir eines sagen und dich bitten, dich daran zu erinnern, daß sie ihre Paladine weise gewählt haben.« Sein Lächeln wirkte erschöpft und traurig. »Viel Glück für dich.«
Walker kam um den Tisch herum, legte seinen gesunden Arm um den alten Mann und drückte ihn fest. Er hielt ihn einen Moment lang umfangen, ließ ihn dann los und trat zurück.
»Ich danke dir«, flüsterte er.
Es gab nichts mehr zu sagen. Er atmete tief ein, ging hinüber, um Rumor zwischen seinen aufgestellten Ohren zu kraulen, schaute in seine leuchtenden Augen, wandte sich dann um und ging durch die Tür hinaus.
Mit vorsichtigen Schritten schlich er durch die weiten, leeren Gänge, als könnten die Mauern ihn kommen hören und könnten sein Vorhaben erahnen. Er näherte sich dem Mittelpunkt des Keep. Schatten wanden sich in farblosen Windungen um ihn herum wie ein geheimnisvolles Tuch, das seine Gedanken bedeckte. Er suchte Zuflucht in der Verborgenheit seines Geistes und zog seine Entschlossenheit und Willenskraft als schützende Schichten um sich, wobei er von tief innen die Festigkeit heraufbeschwor, die ihm eine Chance zum Überleben gewähren würde.
Denn die Wahrheit bei seinem Vorhaben war, daß er keine richtige Vorstellung davon hatte, was geschehen würde, wenn er dem Wachhund der Druiden gegenübertreten und die Magie des Schwarzen Elfensteins anrufen würde, um ihn zu überwältigen. Cogline hatte recht. Es würde schmerzvoll werden, und der Prozeß würde Fragen aufwerfen und schwieriger werden, als er sich jetzt eingestehen mochte. Er würde kämpfen müssen, und er würde vielleicht nicht als Sieger daraus hervorgehen. Er wünschte, er hätte eine genaue Vorstellung davon, was ihn erwartete. Aber es hatte keinen Sinn, sich etwas zu wünschen, was niemals sein konnte, was niemals gewesen war. Die Wege der Druiden waren schon immer im verborgenen geblieben.
Er wandte sich dem Hauptgang zu und steuerte den Türen entgegen, die sich in den Keep öffneten – und dem Schacht zu, in dem der Wachhund schlummerte. Oder vielleicht ruhte er nur, denn es schien ihm, als sei die Magie erwacht und beobachte ihn, als folge sie ihm mit den Augen, während er durch das Schloß schritt. Es war, als begleite sie ihn in dem Auf und Ab des Lichts, das sich ständig veränderte, als gebe es einen Hinweis auf ihre unsichtbare Gegenwart. Allanons Schatten war auch da. Er spürte ihn als Spannung in seinem Rücken, als ein Verkrampfen seiner Schultermuskeln, wo die großen Hände zupackten. Er wurde beinahe festgehalten, dachte er bei sich. Er wurde auf diese Auseinandersetzung zugetrieben wie ein Stück totes Holz, das auf den Kämmen eines reißenden Flusses dahingetragen wird, und er konnte nicht ausweichen.
Sprich zu mir, Allanon, bat er im stillen. Sage mir, was ich tun soll.
Doch er bekam keine Antwort.
Die Türen leerer Räume und die dunklen Tunnel weiterer Gänge und Flure kamen und gingen. Er spürte erneut den Schmerz in seinem fehlenden Arm und wünschte, seine Glieder wären wieder vollständig, wenn auch nur für den Augenblick der bevorstehenden Auseinandersetzung. Er umklammerte den Schwarzen Elfenstein fest mit seiner gesunden Hand und spürte dessen glatte Flächen und scharfe Kanten beruhigend an seiner Haut. Er konnte die Macht darin anrufen, aber er konnte nicht vorhersehen, was sie tun würde. Dich vernichten, dieser Gedanke kam ungebeten. Er atmete langsam und tief durch, um sich zu beruhigen. Er versuchte sich an den Abschnitt der Druidengeschichten zu erinnern, der von dem Gebrauch der Elfensteine handelte, aber sein Gedächtnis narrte ihn plötzlich. Er versuchte sich daran zu erinnern, was er auf den vielen Seiten in all jenen Büchern gelesen hatte, aber er konnte es nicht. Alles schmolz in ihm davon, verloren in dem Ansturm von Angst und Zweifeln, der gierig und drohend durch ihn hindurch brauste. Laß es nicht zu, ermahnte er sich. Erinnere dich daran, wer du bist, was dir versprochen wurde und was du dir über das Kommende gesagt hast.
Die Worte waren wie totes Laub, das in einem Sturm herumgewirbelt wurde.
Über ihm öffnete sich eine breite Nische in das Gestein der Mauern, gewölbt und so tief und schattig, daß sie schwarz wie die Nacht war. Und dort sah er ein Paar hoher Eisentüren, die geschlossen waren.