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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Vielleicht war das der wahre Grund, aus dem die Cra’thal niemals bis hierher vorgedrungen waren – weil es unmöglich war. Selbst er, der sehen konnte und über die Macht der Spinne verfügte, hätte es beinahe nicht geschafft. Für ein Wesen, das nicht sehen konnte, konnte dieser Weg nur in den Tod führen.

Und auch für ihn führte er nicht mehr zurück.

Torian hatte schon auf halber Strecke begriffen, daß er den Rückweg unmöglich bewältigen konnte. Selbst wenn es ihm gelang, das Herz zu vernichten – was unwahrscheinlich war –, und selbst wenn es ihm gelang, darüber hinaus auch noch am Leben zu bleiben – was noch unwahrscheinlicher war-, würde er nie wieder zurückkommen. Der Abstieg hatte ihn all seine Kräfte gekostet; allein die Vorstellung, diese entsetzliche Wand hinaufsteigen zu wollen, war lächerlich.

Aber vielleicht wollte er das gar nicht mehr.

Torian lauschte in sich hinein, während er auf das gewaltige strahlende Herz hinabblickte. Da war nichts. Das finstere fremde Ding in ihm schwieg, und für einen Moment – so absurd es ihm selbst vorkam – hatte er fast Angst, daß es nicht mehr dasein könnte und alles umsonst gewesen wäre. Aber das war natürlich Unsinn. Es war da und stärker als je. Allein die Tatsache, daß er den Weg bis hierher geschafft hatte, bewies dies zur Genüge.

Seine Hand tastete zum Schwert, aber dann führte er die Bewegung nicht zu Ende, als ihm bewußt wurde, wie ungemein lächerlich die Waffe in diesem Moment war. Was willst du tun, du Narr? dachte er. Mit einer Waffe aus Stahl gegen dieses Ding kämpfen ? Das war schon nicht mehr lächerlich – dafür mußte er ein neues Wort erfinden.

Vorsichtig richtete er sich auf, suchte auf dem geröllübersäten Untergrund nach einem festen Stand und balancierte mit weit ausgebreiteten Armen weiter auf die Grube zu, in deren Zentrum das weiße Herz aus Licht schlug.

Der Anblick verlor nichts von seiner Gespenstigkeit, als er näher kam. Im Gegenteil – was er sah, erschien ihm mit jedem Moment unheimlicher, und zu dem Gefühl des Fremden und Feindseligen, das er verspürte, gesellte sich nun ganz profane Angst.

Das Herz war sehr viel größer als ein Mann, das erkannte er, als er sich näherte. Es hatte wirklich – ungefähr – die Form eines menschliehen Herzens, und es pulsierte wie ein solches, wenn auch in einem sehr, sehr viel langsameren, irgendwie arhythmischen Takt. Es hing schwerelos zwei Handbreit über dem Boden einer vielleicht drei Meter tiefen und gut zehnmal größeren kreisrunden Grube, deren Boden wie glasiert wirkte und mit einem verwirrenden Muster aus roten und schwarzen Linien verziert war.

Behutsam näherte sich Torian dem Rand dieser Grube, ging in die Hocke und stützte sich mit beiden Händen auf dem Fels ab, ehe er sich vorbeugte, um mehr erkennen zu können. Der Felsen war warm, und er erzitterte wie steinhartes Fleisch, jedesmal, wenn das riesige Herz schlug.

Wie, zum Teufel, sollte er dieses Ding vernichten?!

Er beugte sich weiter vor, spürte, wie der Rand der Grube unter seinen Fingern zu bröckeln begann, und richtete sich hastig wieder auf. Torian kroch ein kleines Stück zurück, rutschte in eine etwas bequemere Position, ohne aus der Hocke aufzustehen, und dachte angestrengt nach. Er konnte jetzt erkennen, daß es außer dem dumpfen Pulsieren des Herzens noch einen zweiten Rhythmus gab: das Herz dehnte sich aus, ganz langsam, so daß man die Bewegung mit dem bloßen Auge kaum verfolgen konnte, aber beständig.

Wahrscheinlich würde es die ganze Grube ausfüllen, wenn es seine größte Ausdehnung erreicht hatte, und sich anschließend wieder zusammenziehen.

Aber auch das, dachte er mürrisch, war noch keine Antwort auf die Frage, wie, um alles in der Welt, er dieses Ding zerstören sollte. Er mußte...

Torian sah die Bewegung aus den Augenwinkeln, aber seine Reaktion kam zu spät. Mit einem Fluch fuhr er hoch und herum, führte die Drehung aber nur halb zu Ende, dann traf ihn ein heftiger Schlag gegen die Brust und ließ ihn rückwärts taumeln.

Einen Moment lang kämpfte er mit wild rudernden Armen um sein Gleichgewicht, versuchte auf dem unsicheren Boden irgendwo festen Stand zu finden –

— und trat ins Leere.

Der Aufprall raubte ihm fast das Bewußtsein, denn der Boden, auf den er drei Meter tiefer aufschlug, schimmerte nicht nur wie Glas, er war auch ebenso hart. Einen Moment lang blieb er mit geschlossenen Augen liegen und versuchte den hämmernden Schmerz in seinem Rücken und seinen Schultern zu ignorieren, dann hob er vorsichtig die Lider.

Er war dem Herzen ganz nahe.

Sein Sturz hatte ihn fast bis in die Mitte der Grube geschleudert, und der Ball aus leuchtendem Silberlicht war kaum noch eine Armeslänge von ihm entfernt; wenn er sich bei einem seiner mühsamen Pulsschläge ausdehnte, sogar nur noch eine Handbreit. Das Gefühl, mit dem ihn die unmittelbare Nähe des Herzens erfüllte, war sehr unangenehm, aber mit Worten nicht zu beschreiben, denn es glich nichts, was Torian je erlebt hatte.

Hastig stemmte er sich hoch, kroch rückwärts vor dem pulsierenden Ball aus Helligkeit davon und stand erst auf, als er den glasierten Fels der Grube hinter sich fühlte. Er hatte plötzlich das unangenehme Gefühl, ziemlich genau zu wissen, was den Stein zu Glas zerschmolzen hatte.

Ein Schatten erschien am gegenüberliegenden Rand der Grube, und erst jetzt erinnerte er sich wieder an den Schlag, der ihn getroffen und hier heruntergeschleudert hatte.

Dann erkannte er die Gestalt, die, in einen schwarzen Mantel gehüllt, über ihm stand und ihn aus kalten Augen musterte, und für die nächsten fünf Sekunden dachte er gar nichts mehr.

Über ihm stand Boron.

Der Mann, der vor seinen Augen erschossen worden war.

»Du täuschst dich nicht, Torian«, sagte der Magier ruhig, fast als hätte er seine Gedanken gelesen. Es war wohl kein besonderes Kunststück, sie von seinem Gesicht abzulesen in diesem Moment. »Aber das ist...«

»Unmöglich?« fragte Boron, als Torian nicht weitersprach. Er lächelte – auf eine sehr kalte, sehr falsche Art –, schüttelte den Kopf und hob die Hand. Eine zweite, kleinere, in hauteng anliegendes braunes Leder gehüllte Gestalt trat neben ihn, dann eine dritte, vierte, fünfte...

Sie waren zu weit entfernt, als daß Torian ihre Gesichter erkennen konnte, aber er sah zumindest, daß es Gesichter ohne Augen waren, und jetzt endlich begriff er, wie grausam Boron ihn getäuscht hatte. »Argor?« murmelte er, noch immer fassungslos, wenn auch jetzt eher vor Zorn als vor Unglauben. »Und... Ygan? Ihr...«

»Es war nicht ihre Schuld«, sagte Boron lächelnd. »Sie gehören nicht zu der Art von Kreaturen, die an irgend etwas schuld sein können.«

Zorn stieg in Torian auf. Er machte einen wütenden Schritt auf den Magier zu und blieb wieder stehen, als Argor drohend seinen Speer hob.

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