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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Erst jetzt sah er, daß Boron noch lebte. Der Magier hatte sich mühsam auf Hände und Knie erhoben und kroch ein Stück von der gewaltigen Spinne fort. Der Blick des Ungeheuers folgte ihm kalt, aber selbst Torian spürte, daß sie ihn nicht angreifen würde. Sie war hier, um ihre Brut zu schützen, mehr nicht. Blutspinnen waren keine Kämpfer. Trotz ihrer Größe und ihrer Beinahe-Unverwundbarkeit waren sie feige.

Langsam stemmte sich Boron in die Höhe, wich so weit von der gewaltigen Spinne zurück, wie es der Platz überhaupt zuließ, und drehte sich erst dann zu Torian um. In seinem Blick lag Angst, aber auch ein böser, zynischer Triumph. Langsam hob er die Hand und machte eine rasche, flatternde Bewegung.

Die Front der Cra’thal wandte sich von der Spinne ab und Torian zu.

Und das Ding in ihm wurde wieder stärker. Noch übernahm es seinen Willen nicht, aber es war bereit. Er hatte keine Chance, es zurückzuhalten.

»Nun, Torian?« fragte Boron lauernd. »Was wirst du tun? Leben und so werden wie sie«, er deutete auf die Spinne, die ein fürchterliches Rasseln ausstieß, sich aber nicht bewegte, »oder sterben und mir damit zur Macht verhelfen?« Er kicherte. Es klang wie das Lachen eines Wahnsinnigen. »Entscheide dich, du Held. Aber bedenke, daß alles, was du tun wirst, falsch ist. Packt ihn!«

Die beiden letzten Worte galten den Cra’thal, die sich gehorsam auf Torian zu in Bewegung setzten, allerdings ohne sonderliche Hast.

»Kämpfe«, sagte Boron. Seine Stimme war leise, aber von suggestiver Kraft. »Kämpfe, Torian Carr Gönn. Du kannst sie besiegen. Wenn es einen Mann auf der Welt gibt, der es kann, dann du!«

Hinter ihm regte sich die Spinne. Boron machte eine knappe, fast nicht sichtbare Handbewegung, und das gewaltige Tier erstarrte wieder.

Und endlich begriff Torian.

Die Erkenntnis stand so klar und plastisch vor seinem inneren Auge, daß er eine kostbare Sekunde damit verschwendete, sich zu fragen, wieso er Borons niederträchtiges Spiel nicht von Anfang an durchschaut hatte.

Nichts – aber auch gar nichts – von allem war Zufall. Boron hatte alles geplant, selbst das Auftauchen der Spinne, die wie die Cra’thal seinem Willen gehorchte, und sein scheinbares Entkommen aus der Grube. Er durfte gar nicht in dieses silberne Licht geraten, sollte er nicht sterben wie Argor vor ihm. Alles hatte nur einen einzigen Sinn: die Macht in ihm.

Sie war es, die Boron wollte. Es war die finstere Kraft der Spinne, dieses uralte, böse Etwas, das in ihm heranreifte. Sie war es, die das Herz zu neuem Leben erwecken würde, nicht sein Tod. Wenn er sie hier entfesselte, hatte Boron gewonnen.

Und Caracon war verloren.

Armar war nur der Anfang, das begriff er plötzlich. Der Stein, der die Lawine ins Rollen bringen konnte, eine Lawine, die vielleicht diese ganze Welt und ihre Kultur verschlingen mochte. Es war eine Kausalkette von brutaler Klarheit: Wenn die Cra’thal ihn erreichten – in zwei, allerhöchstens drei Sekunden – und wenn sie ihn angriffen – woran kein Zweifel bestand –, würde das Ungeheuer in ihm vollends erwachen. Vielleicht würde es gnädig sein und sein Bewußtsein auslöschen, vielleicht ihn auch grausam am Leben lassen, als Gefangener in seinem eigenen Körper, der hilflos mit ansehen mußte, wie er erst seelisch und dann auch körperlich zu einem Ungeheuer wurde.

Boron hatte recht. So oder so – er war verloren. Vielleicht würde er noch eine Weile weiterexistieren, auf die eine oder andere Weise – aber nicht mehr leben.

Aber es gab noch etwas, was er tun konnte.

Langsam, den Blick starr auf die näher rückenden Cra’thal gerichtet, drehte sich Torian herum.

Und sprang in die Grube hinab.

Ein ungläubiger Aufschrei entrang sich Borons Kehle, und auch die Cra’thal fuhren wie unter einem Hieb auseinander. Das Ding in Torian bemerkte den Verrat im letzten Moment, aber nicht einmal seine Reaktion kam schnell genug. Torian spürte, wie sich seine Muskeln gegen seinen Willen bewegten, wie sein Körper versuchte, die einmal begonnene Bewegung aufzuhalten und rückgängig zu machen.

Es gelang ihm nicht. Aus dem federnden Satz wurde ein haltloses Stolpern, aus seiner eleganten Bewegung ein grotesker Hüpfer mit rudernden Armen; aber er stürzte trotzdem hinab in die Grube, drei Meter tief und auf Stein, der hart wie Glas war.

Der Aufprall betäubte ihn fast. Wie aus weiter Ferne hörte er Borons gellenden Schrei, und plötzlich war da noch ein Geräusch, ein unglaublich lautes, unglaublich angstvolles Zischeln und Rascheln, und ein ungeheuerlicher Schatten wuchs über dem Rand der Grube auf.

Torian versuchte, sich hochzustemmen, aber sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Sein Sprung war nicht zielsicher gewesen – statt ins Zentrum des ätzenden silbernen Lichtes war er eine Handbreit neben den pulsierenden Ball aus Silber geschleudert worden, und das Ding in ihm hinderte ihn mit Macht, weiter darauf zuzukriechen, das einzige zu tun, was ihm blieb: sich zu töten.

Aber das war auch nicht nötig. Das Herz pulsierte, ganz sacht nur, aber es war jetzt groß genug, um bei seinem nächsten Aufblähen die Grube zur Gänze auszufüllen, und...

Der monströse Riesenschatten über ihm wuchs weiter heran, und wieder hörte er dieses ungeheuerliche, panische Kreischen, einen Laut, wie ihn kein anderes lebendes Wesen hervorbringen konnte, zugleich Borons entsetzten Schrei, der im allerletzten Moment begriff, was geschah, aber nichts mehr tun konnte.

Das Herz dehnte sich mit einem lautlosen Schlag aus. Das silberne Licht berührte Torians Hände mit kalter Hitze, und die Spinne sprang.

Ihr droschkengroßer Körper tauchte in den lodernden Ball aus Silberschein ein und flammte auf, begann in einem unheimlichen inneren Licht zu glühen wie Argor zuvor, aber gleich, wie schnell es ging, die Auflösung brauchte Zeit. Die Blutspinne war nur mehr ein flackernder Schemen mit wirbelnden Beinen, als sie das dunkle, pulsierende Zentrum des Herzens berührte, aber im selben Moment, in dem sie es tat, schien die Welt zu explodieren.

Torian sah noch einen kurzen, unerträglich grellen weißen und orangefarbenen Blitz, der das Universum von einem Ende zum anderen spaltete.

Und dann nichts mehr.

Es war sehr still, als er erwachte. Das silberne Licht war erloschen, und die gewaltige Grube glühte düster im Widerschein normaler Flammen, deren Knistern das einzige war, was die unheimliche Stille durchbrach, die sich über der Höhle ausgebreitet hatte. Torian registrierte, daß er noch lebte, aber er empfand weder Freude noch Erleichterung. Eigentlich, dachte er und auch diesen Gedanken ohne eine Spur irgendeiner Emotion, empfand er gar nichts. Er lebte, und das war eine Tatsache, und er registrierte sie. Mehr nicht.

Vorsichtig richtete er sich auf. Sein Körper schmerzte an unzähligen Stellen, aber er spürte auch fast sofort, daß er nicht ernsthaft verletzt war. Eine Menge blauer Flecken und Hautabschürfungen und Prellungen, aber keine gebrochenen Knochen, die hier unten das sichere Todesurteil bedeutet hätten.

Er stand auf, wunderte sich wieder ein wenig über die sonderbare Kälte, mit der er all dies dachte, und lenkte seine Konzentration auf seine Umgebung.

Er war noch in der Grube, und er konnte nicht allzulange bewußtlos gewesen sein, denn die Spinne – oder was von ihr übrig war – brannte noch. Es war nicht sehr vieclass="underline" nichts mehr von der monströsen Kreatur, die Boron für seine Zwecke ausgenutzt hatte, sondern ein verschmortes Etwas, das wie ein Haufen brennender Lumpen aussah und dort lag, wo das Zentrum des Herzens gewesen war. Vielleicht war es auch nicht die Spinne, sondern das dunkle Ding, das das eigentliche Herz gewesen war. Er wußte es nicht. Und er wollte es auch gar nicht wissen.

Torian betrachtete den brennenden Haufen undefinierbarer Schwärze einen Moment lang, dann wandte er sich um, sammelte das bißchen Kraft, das noch in ihm war, und sprang nach dem oberen Grubenrand.

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