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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Gehen wir, Argor«, flüsterte er. »Ich kann doch nichts für sie tun.«

Aber ganz stimmte das nicht. Etwas gab es, das er für seine Freunde noch tun konnte, selbst wenn sie starben. Er konnte dafür sorgen, daß sie ein würdevolles Grab bekamen.

Zum Beispiel eine ganze Stadt.

»Gehen wir«, sagte er, und mit einem Male verspürte er weder Zorn noch Schmerz. Nur noch Kälte. Und eine Entschlossenheit, die ihn fast selbst erschreckte.

Mit einem beinahe zornigen Ruck wandte er sich um und folgte dem Cra’thal.

Der Weg hinab zum Herz der Katakomben war weit; sehr viel weiter, als Torian geglaubt hatte. Sie brachen noch in derselben Stunde auf; er selbst, Argor, sein Sohn Ygan und gut zwei Dutzend weitere weitere augenlose Gestalten, deren Namen ihm Argor nannte, die er aber gleich wieder vergaß.

Es war schwer, das Verstreichen der Zeit hier unten zu schätzen, denn es gab weder einen Wechsel von Hell nach Dunkel oder zurück oder eine Sonne, deren Stand ihm die Zeit verraten konnte. Der Himmel über ihnen war aus Stein, und das einzige Licht, das sie hatten – nur seinetwegen –, war ein glimmender Span, der trübe rote Helligkeit und Schatten verbreitete, die sie lautlos flankierten. Aber es vergingen Stunden, Stunden und Stunden und Stunden, in denen sie monoton weitergingen, durch scheinbar immer gleiche, scheinbar endlose Korridore, manchmal über Treppen oder jäh in die Tiefe führende Rampen, manchmal auch über schmale steinerne Brücken, unter denen bodenlose Abgründe klafften und die niemals so etwas wie ein Geländer gehabt hatten. Torian begann die Cra’thal schon bald zu beneiden, daß sie nicht sahen, wo sie entlanggingen, denn manchmal waren es nur halbe Fingerbreiten, die sie zwischen sich und dem Sturz ins Nichts hatten.

Sie rasteten dreimal. Einmal, um zu schlafen, die beiden anderen Male, um etwas zu essen. Torian schätzte, daß oben auf der Erde ein ganzer Tag vergangen sein mußte, als sie das dritte Mal aufbrachen. Sie mußten sich meilenweit unter Armar befinden; vielleicht sogar schon unter dem Meer.

Dann – wieder waren sie Stunden um Stunden gelaufen – begann sich etwas zu ändern. Torian vermochte im ersten Moment nicht einmal zu sagen, was – aber ihre Umgebung war plötzlich anders.

Etwas lag in der Luft, das er nicht hörte oder sah, aber dafür um so deutlicher fühlte. Vielleicht waren es die Instinkte der Spinne, die ihn warnten, vielleicht auch die Magie der Schwarzen, die gegen seinen Willen in ihm war, aber gleich, was es sein mochte – sie näherten sich dem Herz.

Und etwas später – nicht sehr viel – begriff er, warum die Cra’thal das Zentrum dieser Anlage so genannt hatten.

Er hörte es.

Das Geräusch war im ersten Moment so leise, daß er es wohl eher spürte, aber es wuchs rasch an: ein dumpfes, sehr langsames Dröhnen, das sich wirklich anhörte wie das Schlagen eines ungeheuerlichen dumpfen Herzens, das tief unter seinen Füßen im gewachsenen Fels der Erde hämmerte.

Dann sah er das Licht.

Es war ein Lichtschein, wie er ihn niemals zuvor erblickt hatte: ein sehr helles, fast schattenloses Licht von silberner Farbe, das wie eine leuchtende Flüssigkeit aus der Tiefe zu ihnen heraufquoll und jede noch so winzige Ritze, jede Spalte und jeden Winkel erreichte und ausfüllte. Vermutlich war es ein Licht, das er mit seinen normalen menschlichen Augen gar nicht wahrgenommen hätte, denn selbst jetzt erschien es ihm mild und fast wohltuend, und er konnte so gut sehen wie schon seit Tagen nicht mehr. Der Lichtschein pulsierte, und nach einer Weile fiel ihm auf, daß er es im gleichen Rhythmus tat wie das dumpfe Hämmern unter seinen Füßen.

Als sie in den Bereich des silbernen Lichtes eindrangen, blieben die Cra’thal stehen. Torian war nicht sonderlich überrascht – schließlich hatten sie es ihm gesagt-, aber er erschrak. Der Gedanke, sich der Quelle dieses Leuchtens und des dumpfen Hämmerns allein zu nähern, trieb ihm den kalten Angstschweiß auf die Stirn. Was, zum Teufel, sollte er gegen das Herz tun?

Eine Gestalt trat auf ihn zu, die im silbernen Widerschein des unheimlichen Lichtes nur als Umriß zu erkennen war; ihr Gesicht war wie eine Ebene aus gehämmertem Metall, in die die Schatten die Illusion nicht vorhandener Augen zauberten. Es war Argor, aber Torian erkannte ihn erst, als er sprach. Das unheimliche Licht ließ alle Dinge anders aussehen. Fremd. Falsch.

»Von hier ab mußt du allein weitergehen, Torian«, sagte der Cra’thal. »Wir können dir nicht folgen.«

Torian fragte nicht, warum. Er selbst spürte das Unheimliche, Fremde überdeutlich, das von jedem Atom seiner Umgebung Besitz ergriffen zu haben schien. Es kam aus der Tiefe, mit dem Licht und dem hämmernden Herzschlag, und es wurde stärker mit jeder Sekunde. Vermutlich war es nur die Macht der Spinne, die ihn schützte.

»Wir werden hier auf dich warten«, fuhr der Cra’thal fort, als Torian nicht antwortete. »Für eine Zeit, die einem Tag eurer Rechnung entspricht. Bist du bis dahin nicht zurück, gehen wir.«

Und das war dann sein Todesurteil, dachte Torian matt. Allein hatte er nicht die Spur einer Chance, den Weg zurück aus den Katakomben der Letzten Nacht zu finden.

Aber wenn er nach vierundzwanzig Stunden nicht zurück war, fügte er in Gedanken hinzu, dann bedeutete das ohnehin, daß er nicht mehr lebte. Er wollte noch etwas sagen, aber nicht zum ersten Mal, seit er diese Welt der Dunkelheit betreten hatte, fehlten ihm einfach die Worte.

»Meine Brüder und ich werden uns um deine Freunde kümmern, solltest du nicht zurückkommen«, sagte Argor, als hätte er seine Gedanken gelesen. Plötzlich lächelte er. »Ich weiß«, fuhr er fort, wobei er die Hand hob und Torians Schulter berührte, dicht über der Stelle, an der das Ei pulsierte, »daß es ein schwacher Trost ist, aber solltest du das Herz vernichten und dabei den Tod finden, dann wisse, daß du deine Freunde trotzdem rettest. Die Schwarzen beziehen ihre Macht aus dem Herz. Ist es zerstört, erlischt der Bann, der über Garths und Shyleens Geist liegt.«

Torian sah den Cra’thal sehr ernst an. »Ist dir klar, was du da sagst, Argor?« fragte er leise. »Wenn diese Katakomben nur noch existieren, weil das Herz da ist...«

»Kann es sein, daß wir alle den Tod finden, wenn es aufhört zu schlagen«, sagte Argor ruhig. »Wir wissen es. Aber wir sind vorbereitet. Es gibt große Höhlen in der Erde, die auf natürliche Weise entstanden sind. Unser Volk ist dort sicher, sollte die Verheerung über die Katakomben hereinbrechen. Außerdem«, er versuchte ein menschliches Lächeln nachzuahmen, aber es mißlang so kläglich wie beim ersten Mal, »wird es nicht so schnell gehen. Vielleicht dauert es Tage, bis die Katakomben zerstört werden. Vielleicht Jahre.«

»Vielleicht auch nur Sekunden«, sagte Torian ernst.

Argor nickte. »Vielleicht auch nur Sekunden. Unser Volk ist vorbereitet. Und nun geh, Torian Carr Conn.«

Torian ging. Es gab nichts mehr, was er noch hätte sagen können. Das Herz lag unter ihm, nur noch wenige Dutzend Schritte entfernt, und für länger als fünf Minuten konnte Torian nichts anderes tun, als wie gelähmt dazuhocken und das monströse Gebilde aus silberglänzendem Licht anzustarren. Der Anblick war so phantastisch – und zugleich erschreckend –, daß er nicht nur seine Gedanken, sondern ganz konkret auch seinen Körper lahmte.

Es war ein Herz.

Ein gigantisches, mehr als mannsgroßes Herz aus reinem Licht, das im Zentrum einer kreisrunden Grube drei Meter unter ihm schwebte, von nichts gehalten und aus nichts bestehend, aber real und schlagend und ungeheuer mächtig. Torian konnte die Ausstrahlung ungeheurer magischer Energien spüren wie das Knistern unsichtbarer Blitze rings um sich herum; sie machte das Atmen schwer, ließ jedes einzelne Härchen an seinem Körper sich aufstellen und hinderte ihn am Denken.

Mit aller Kraft versuchte er den lähmenden Einfluß zurückzudrängen, aber es gelang ihm nur zum Teil. Er konnte sich jetzt wieder bewegen, aber über seinen Gedanken schien eine erstickende Decke zu liegen, etwas, das verhinderte, daß er an irgend etwas anderes denken konnte als an das monströse Ding da unter ihm. Er erinnerte sich kaum daran, wie er den Abstieg geschafft hatte. Er war noch unerwartet weit gewesen, soviel wußte er, und unerwartet schwierig. Mehr als einmal hatte er sich, nur mit Finger- und Zehenspitzen Halt in winzigen Rissen und Felsspalten findend, über bodenlose Abgründe getastet, und einmal hatte er eine lotrecht in die Tiefe stürzende Felswand von gut hundert Manneslängen Höhe überwinden müssen. Er wußte nicht, wie, aber er glaubte sich vage zu erinnern, streckenweise kopfüber geklettert zu sein, wie eine menschliche Spinne mit weit ausgebreiteten Armen und Beinen, Halt an einer Fläche findend, an der es einfach keinen Halt gab.

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