Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Dann war alles gelogen«, sagte er. »Die kleine Revolution war nichts als Lüge.«
»Natürlich«, sagte Boron beinahe freundlich. »Ich dachte mir, daß es dir Freude bereitet, gegen mich zu kämpfen. Torian gegen den Rest der Welt, das war doch immer dein Motto, oder?«
Torian ignorierte die Frage. »Warum? Verdammt noch mal, ich hätte es freiwillig getan!«
»So?« Boron schüttelte den Kopf. »Das bezweifle ich. Du hast gesehen, wie schwierig der Weg hier herab war, Torian. Es ist beinahe unmöglich, einen Mann gegen seinen Willen hier herunterzubringen, schon gar nicht einen Mann wie dich. Nein, nein, ich fürchte, du hättest bei der ersten sich bietenden Gelegenheit versucht, mich zu töten oder zumindest zu fliehen. Vor allem, wenn du gewußt hättest, was dich erwartet.«
Torian blickte rasch zum Herzen hinüber, ehe er sich wieder dem Magier zuwandte. Der lodernde Ball aus Licht war deutlich größer geworden. Keine zehn Minuten mehr, schätzte er, und er würde die Grube völlig ausfüllen. Torian fragte sich schaudernd, was geschehen würde, wenn das silberne Licht ihn berührte.
»Du wirst sterben, Torian Carr Conn«, sagte Boron, der seinem Blick gefolgt war. »Im selben Moment, in dem du das Herz berührst. Ich glaube kaum, daß du freiwillig hier herabgekommen wärst.«
Torians Blick irrte zwischen dem Gesicht des Magiers und dem Herzen hin und her. Borons Worte überraschten ihn nicht besonders – schließlich stand er auf einem Felsen, der von der Hitze des silbernen Lichts zu Glas zerschmolzen war. Obwohl er dem Herzen sehr nahe war, spürte er keine Wärme; aber der glasierte Stein, auf dem er stand, bewies das Gegenteil.
Nervös fuhr er sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Seine Gedanken überschlugen sich. Er hatte nicht mehr viel Zeit, und die Auswahl dessen, was er tun konnte, war reichlich bescheiden; um nicht zu sagen, gleich Null... Sicherlich war der Rand der Grube nicht zu hoch, daß er ihn nicht mit einem entschlossenen Satz ergreifen könnte – wären da nicht die Cra’thal gewesen. Selbst ein Kind mit leeren Händen hätte ihn daran hindern können, die Grube zu verlassen. Und Argor und seine Leute waren weder Kinder, noch waren ihre Hände leer.
»Wozu das alles, Boron?« fragte er. »Nur aus Grausamkeit?«
»Grausamkeit?« Boron wirkte ehrlich betroffen. »Du enttäuschst mich, Torian. Grausamkeit ist ein gutes Werkzeug, aber niemals Selbstzweck. Wir wollen nicht dich. Sieh es als Zufall an, daß ausgerechnet du der Überbringer der Macht sein wirst. Das Herz«, er deutete auf den pulsierenden Ball aus Licht, der schon wieder größer geworden war, »schlägt, aber es ist alt, seine Kraft ist verbraucht. Die Macht, die in dir ist, wird es zu neuem Leben erwecken. Armar wird wieder uns gehören.«
»Und bald die ganze Welt, wie?« knurrte Torian.
Boron zuckte gleichmütig mit den Achseln. »Möglich. Wer will schon die ganze Welt. Für dich spielt es keine Rolle. Du wirst sterben, sobald du das Herz berührst.« Er beugte sich vor und grinste hämisch. »Nimm einen guten Rat von mir an, Torian, und wehre dich nicht. Tritt hinein. Ein kurzer Schmerz, und du bist erlöst.«
Hinter ihm bewegte sich etwas. Etwas wie ein Schatten, aber größer, finsterer und voller glitzernder Panzerschuppen. Und gleichzeitig regte sich etwas in Torian. Was war das?
»Du hast Angst?« fragte Boron, der sein Erschrecken zwar bemerkte, aber völlig falsch verstand. Der Schatten hinter ihm wuchs weiter heran, ohne mehr Gestalt anzunehmen, aber plötzlich glaubte Torian zu wissen, was er bedeutete.
»Jeder hat Angst vor dem Tod«, sagte Torian lahm, nur um überhaupt zu antworten und Borons Aufmerksamkeit gefangenzuhalten. Er mußte Zeit gewinnen. Vielleicht hatte er doch noch eine winzige Chance.
»Wir auch«, sagte Boron ernsthaft. »Willst du es uns übelnehmen, daß wir alles in unserer Macht Stehende tun, um zu überleben?«
»Ja«, antwortete Torian. »Wenn ihr bedenkenlos das Leben anderer opfert, um dies zu erreichen.« Der Schatten war Boron jetzt ganz nahe. Ein gewaltiges, fast mannslanges Spinnenbein schob sich in das silberne Licht, kaum eine Handspanne vom Arm eines der Cra’thal entfernt. Der Jünger bemerkte es nicht. Es war, dachte Torian schaudernd, als wisse die Spinne ganz genau, daß die Cra’thal blind waren, und bewege sich deshalb vollkommen lautlos. Boron seufzte. »Wie viele Männer hast du getötet, um zu überleben, Torian?«
»Das war etwas anderes«, widersprach Torian. »Ich habe niemals jemanden ermordet. Meine Gegner hatten eine faire Chance.«
»Gegen dich?« Boron lachte. »Narr! Welche Chance hat ein normaler Mensch in einem Schwertkampf mit dir f Wir tun nichts anderes als du, nur mit unseren Waffen. Du kämpfst mit dem Schwert, wir mit Zauberei.«
»Das ist nicht wahr!« behauptete Torian. Gleichzeitig preßte er sich so eng gegen die glasierte Wand in seinem Rücken, wie er nur konnte. Das Herz war weiter gewachsen. Der leuchtende Ball füllte jetzt mehr als die Hälfte der Grube aus, und in seinem Inneren glaubte Torian etwas Dunkles, hektisch Pulsierendes zu erkennen. Etwas wie Hitze, das aber nicht warm war, streifte sein Gesicht und ließ die feinen Härchen in seinem Nacken sich aufstellen. Nur noch Augenblicke, und dieses kalte tödliche Feuer hätte ihn erreicht. »Das ist nicht wahr!« sagte er noch einmal, nur um Zeit zu gewinnen und Borons Aufmerksamkeit irgendwie weiter zu fesseln. »Das war etwas anderes. Du...«
Die gigantische Blutspinne trat mit einer einzigen, ungeheuer kraftvollen Bewegung aus den Schatten heraus, und Torian sprang. Es war ein Satz, wie ihn nur die schiere Kraft der Verzweiflung möglich machte. Ohne Ansatz federte er aus dem Stand hoch, riß die Arme in die Höhe und bekam den oberen Rand der Grube zu fassen. Einer der Cra’thal trat mit erhobenem Speer auf ihn zu, aber plötzlich traf ihn ein Schlag in den Rücken; nicht hart genug, ihn zu töten oder in die Grube hinabzuschleudern, aber heftig genug, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und auf die Knie hinabfallen zu lassen. Die Speerspitze, die auf Torians Hände gezielt hatte, zerbrach klirrend unweit daneben auf dem Boden.
Torian zog sich mit einer verzweifelten Bewegung vollends aus der Grube heraus, kam mit einer Rolle auf die Füße und griff nach seinem Schwert.
Die Bewegung war zu langsam. Er sah Argors schlanke Gestalt wie einen braunschwarzen Schatten vor sich emporwachsen, duckte sich im allerletzten Moment unter der heranzischenden Klinge weg und trat automatisch nach den Beinen des Cra’thal. Er traf, aber er hatte die unheimliche Kraft dieser blinden Männer ja schon zur Genüge kennengelernt – Argor strauchelte, machte einen ungeschickten Schritt zurück und fand sein Gleichgewicht fast sofort wieder. Aber die kurze Pause reichte Torian immerhin, seine eigene Waffe zu ziehen und sich hastig ein paar Schritte weit vom Grubenrand zurückzuziehen. Gehetzt sah er sich um.
Es war ein bizarrer Anblick, der sich ihm bot. Argor und der andere Cra’thal waren allein auf dieser Seite der Herzgrube. Boron lag reglos auf der anderen Seite der Grube – bewußtlos oder tot –, und über ihm stand die Spinne, ein schwarzer Gigant, so häßlich wie die Nacht und doppelt so groß, wie sie Torian in Erinnerung hatte. Sie hatte sich auf die beiden hinteren ihrer drei Beinpaare aufgerichtet, die vorderen Gliedmaßen und die armlangen gefährlichen Zangen schlugen mit rasenden Bewegungen nach dem guten Dutzend Cra’thal, das sie mit Speeren und Schwertern attackierte. Die Jünger schienen nicht die mindeste Furcht vor der gigantischen Kreatur zu empfinden. Wieder – und nicht zum ersten Mal – mußte Torian an Maschinen denken, als er den kämpfenden braungekleideten Gestalten zusah; bizarren, menschenähnlichen, perfekten Maschinen, die weder Furcht noch sonst irgendein anderes menschliches Gefühl kannten.
Aber ihm blieb kaum eine Sekunde, um dem ungleichen Kampf zuzusehen, denn Argor und der zweite Cra’thal griffen fast sofort wieder an.