Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Sie hatten jetzt beide ihre Schwerter gezogen und kamen mit langsamen, wiegenden Bewegungen näher. Ihre augenlosen Gesichter starrten ihn an, und obwohl sie blind waren, war Torian doch sicher, daß sie jede noch so winzige’Bewegung wahrnahmen, die er machte. Vorsichtig glitt er einen Schritt nach links. Argor vollzog die Bewegung getreulich nach, und der zweite Cra’thal tat einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Ihre Schwerter waren unverrückbar auf sein Gesicht gerichtet.
Torian duckte sich instinktiv.
Die Schwerter blieben oben.
Torian keuchte überrascht, und fast sofort senkten sich die Klingen der beiden Cra’thal wieder.
Und eine phantastische Idee begann in Torian zu reifen. Es war schierer Wahnsinn, völlig unmöglich- aber er hatte gar keine andere Chance, als es zu versuchen. Mit seinen normalen, menschlichen Kräften war er nicht einmal einem der Cra’thal gewachsen, geschweige denn gleich zwei.
Torian rückte einen Schritt nach rechts, setzte den Fuß hörbar auf und zog ihn lautlos wieder zurück. Argor erstarrte mitten in der Bewegung, und der zweite Cra’thal machte einen Schritt in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war.
Torian erstarrte zur Salzsäule. Er bewegte sich nicht mehr, ja, er atmete nicht einmal mehr. Die beiden Cra’thal zögerten, kamen wieder näher, zögerten wieder. Sie wirkten verwirrt, unsicher, aber nicht ängstlich. Ein angespannter, lauschender Ausdruck lag auf Argors Zügen. Das Schwert in seiner Hand bewegte sich von rechts nach links und wieder zurück.
Torians Lungen begannen zu schmerzen. Er hatte nicht besonders viel Übung darin, den Atem anzuhalten, aber er mußte es, denn er war im selben Augenblick verloren, in dem er Luft holte. Er erinnerte sich gut daran, wie unglaublich scharf das Gehör der Jünger entwickelt war. Solange er nicht atmete, war er unsichtbar für sie – aber wie lange noch?
Als wäre allein der Gedanke ein Auslöser gewesen, begannen seine Lungen stärker zu schmerzen. Ein dumpfer, rhythmisch klopfender Schmerz erwachte in seiner Brust. Noch eine Minute, schätzte er, dann würde er atmen müssen, sehr laut atmen.
Der Kampflärm vom gegenüberliegenden Rand der Grube verstärkte sich. Torian drehte millimeterweise den Kopf, um der bizarren Auseinandersetzung zuzusehen. Der Kampf schien eine Art Unentschieden erreicht zu haben, in dem keine Seite so recht weiterkam : die Spinne, die – eine andere Erklärung fand Torian nicht – aus Sorge um ihre Brut hier heruntergekommen war, thronte wie ein häßlich aufgedunsener wagengroßer Panzersack über dem bewußtlosen Magier. Ihre Augen flammten vor Zorn, und ihr vorderes Beinpaar und die tödlichen Scheren peitschten immer wieder nach den Angreifern. Aber die Cra’thal waren schnell, und sie waren zäh genug, selbst einen Hieb der mörderischen Spinnenbeine zu verkraften.
Torian wußte nicht so recht, welcher Seite er den Sieg gönnen sollte, und vermutlich war es für ihn ohnehin egal – der Tod, der ihm als lebende Vorratskammer für die Spinne bevorstand, war wahrscheinlich weit qualvoller als der im Herzen, und die Cra’thal waren trotz allem noch Menschen oder waren es wenigstens einmal gewesen.
Sein Luftvorrat war aufgebraucht. Torian hatte das Gefühl, daß seine Lungen platzen wollten. Noch Sekunden, und er würde die Besinnung verlieren.
Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Argor und dem zweiten Cra’thal zu. Die beiden waren nicht näher gekommen, sondern standen wie er reglos da, mit erhobenen Schwertern und wie lauschend zur Seite gelegten Köpfen. Sie wußten ganz genau, was er tat, dachte er erschrocken. Sie wußten auch genau, daß er es nur noch wenige Sekunden durchhalten konnte.
Er griff an, ohne vorher Atem zu schöpfen. All seine Kraft und Schnelligkeit lag in diesem einen, geraden Stich, einer Bewegung, die der Cra’thal zwar noch hörte, die aber selbst für seine überschnellen Reflexe zu rasch kam. Torians Klinge schrammte an seinem Arm entlang, riß eine breite blutige Wunde hinein und biß tief in seine Schulter. Der Cra’thal schrie auf und brach zusammen. Torian holte mit einem erstickten Keuchen Luft, und Argor schlug zu.
Torians Abwehrbewegung kam zu spät. Argors Klinge traf sein Schwert, prellte ihm die Waffe aus der Hand und berührte ganz flüchtig seinen Arm, aber schon dieses fast sanfte Streicheln reichte aus, einen entsetzlichen Schmerz durch Torians Arm zucken zu lassen. Er schrie, brach in die Knie und fiel kraftlos nach vorne, als seine Arme unter dem Gewicht seines Körpers nachgaben. Er konnte nicht mehr richtig sehen. Rote Nebel aus Schmerz verschleierten seinen Blick.
Das Ding in ihm erwachte wieder.
Torian konnte spüren, wie sich tief in ihm etwas regte, etwas Körperloses und ungemein Finsteres, etwas, das sich von seiner Angst nährte wie ein Vampir von seinem Blut. Torian versuchte den geistigen Einfluß der Spinne mit verzweifelter Macht zurückzudrängen, aber seine Anstrengungen bewirkten eher das Gegenteil. Das Ding in ihm würde nicht zulassen, daß er getötet würde.
Aber er wußte auch, daß er nie wieder er selbst werden würde, wenn er nachgab. Der fremde Geist in ihm war zu stark geworden. Er würde nicht zulassen, daß Torian noch einmal die Kontrolle über seinen Willen zurückerlangte.
Alles ging unglaublich schnell, und doch schien die Zeit stehenzubleiben. Argor bewegte sich plötzlich lächerlich langsam; so träge, als wären sie unter Wasser, und die spitzen Kampfschreie der Cra’thal wurden dumpf und zu einem langgezogenen Heulen. Torian fühlte... Kraft. Eine Kraft von nie gekanntem Ausmaß, eine im wahrsten Sinne des Wortes übermenschliche Stärke, die ihn durchpulste und jeden Schmerz, jede Schwäche aus seinen Gliedern vertrieb.
Mit einer Bewegung, die eigentlich vollkommen unmöglich war, sprang er auf die Beine, tauchte fast gemächlich unter Argors Schwerthieb hindurch und entriß dem Cra’thal die Waffe. Er fühlte nicht einmal Widerstand, als er das Schwert mit beiden Händen ergriff und in zwei Teile zerbrach. Alles war wie in einem Alptraum, in dem er nur Zuschauer war, ein unbeteiligter Gast, der keinen Einfluß mehr auf das Geschehen hatte. Er sah, wie sich Argors augenloses Gesicht vor Schrecken und Furcht verzerrte, spürte ein neuerliches Aufwallen dieser ungeheuren, gnadenlosen Stärke in sich und begriff, daß es zu spät war. Sein Wille war bereits ausgelöscht. Die Spinne war erwacht, und sie würde sich nicht wieder vertreiben lassen. Voller Entsetzen sah er, wie seine Hände vorzuckten, den Cra’thal ergriffen und wie ein Spielzeug in die Höhe hoben. Argor schrie, aber sein Brüllen ging im lautlosen Triumphgeschrei des Ungeheuers in Torian unter.
Mit einer einzigen wütenden Bewegung fuhr er herum und schleuderte Argor in die Grube hinab.
Der Cra’thal schrie. Schwer prallte er auf dem Boden auf, versuchte in die Höhe zu federn und wurde von seinem eigenen Schwung weitergerissen.
Direkt in das silberne Licht des Herzens hinein.
Es ging ganz schnell; so rasch, daß Torian nicht einmal richtig sah, was geschah. Argors Körper schien für den Bruchteil einer Sekunde durchsichtig zu werden, bestand plötzlich auch nur noch aus Licht und kaltem silbernem Feuer – und war verschwunden.
Zweierlei geschah: Das Ding in Torian zog sich noch einmal zurück, wie ein Raubtier, das seine Beute geschlagen hatte und für einen Moment seinen Triumph genießt, und der Kampf auf der anderen Seite der Grube kam zum Stillstand.
Die Blutspinne zog sich mit einem rasselnden Zischen zurück, und auch die Cra’thal ließen wie auf ein geheimes Kommando hin ihre Waffen sinken. Der Blick der Spinne war starr auf Torian gerichtet. In den Augen des riesigen Tieres glomm noch immer dieses unheimliche Feuer, aber es waren jetzt keine Furcht und kein Zorn mehr, die er in ihrem Blick las, sondern... etwas anderes. Etwas, das er gar nicht genau erkennen wollte und das ihn mit purem Entsetzen erfüllte.