Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er brauchte drei Versuche, ehe es ihm gelang, denn er war vollkommen erschöpft, aber auch dies erschreckte ihn nicht. Er fühlte sich...
Leer.
Kalt.
Ausgebrannt. Das war es. Das Ungeheuer in ihm war verstummt, aber es war, als wäre alles Menschliche mit ihm aus Torian herausgerissen worden. Er fühlte sich ein bißchen so, wie die Cra’thal ausgesehen hatten: kalt und ohne Empfindungen, lebendig, aber vielleicht nicht mehr ganz menschlich.
Selbst diese Erkenntnis erschreckte ihn nicht mehr, und das war vielleicht das Schlimmste von allem.
Er richtete sich auf, sah sich sehr ruhig um und entdeckte ein weiteres dunkles Lumpenbündel am entgegengesetzten Rand der Grube. Von den Cra’thal war nichts mehr zu entdecken. Sie mußten geflohen sein, als Borons Zauberbann brach.
Langsam näherte sich Torian dem reglosen Magier, sah einen Moment nachdenklich auf ihn hinab und drehte ihn schließlich mit dem Fuß herum. Der Körper unter dem schwarzen Umhang fühlte sich erstaunlich leicht an.
Dann sah er, warum das so war.
Boron war tot, so tot, wie ein Wesen nur sein konnte, und das seit mindestens hundert Jahren.
Vor ihm lag eine Mumie, ein ausgemergeltes Etwas, kaum mehr als ein mit papierner Haut überzogenes Skelett, das der wahre Boron gewesen sein mußte. Alles andere war Lug und Trug, Illusion, die einzige, aber zugleich furchtbare Waffe der Schwarzen Magier.
Es war nicht schwer zu erraten, was geschehen war. Boron hatte eine Heimtücke zuviel ersonnen. Vielleicht hatte er die Spinne einzig zu dem Zweck herbeizitiert, Torians Qual noch ein bißchen zu verlängern, aber er hatte nicht damit gerechnet, daß ihre Mutterinstinkte stärker sein konnten als seine Magie.
Sie waren es gewesen. Das Tier (war es wirklich nur ein Tier gewesen? überlegte Torian) hatte die Gefahr gespürt, die seiner Brut drohte, und sein eigenes Leben geopfert, um die Nachkommenschaft zu sichern. Ein Urinstinkt, so alt wie das Leben selbst. Und stärker als alle Magie der Welt.
Torian empfand keinen Triumph. Nicht einmal Zufriedenheit.
Seine Hand glitt vorsichtig an der Schulter hinauf und fühlte nach der kleinen, hornharten Erhebung über seinem Herzen. Sie war noch da, aber er spürte kein Leben mehr dann. Vielleicht – nur vielleicht – war der Parasit gestorben, im selben Moment, in dem die magische Energie erlosch, mit der Boron und die zwölf anderen Magier ihn vollgepumpt hatten.
Das würde er später herausfinden.
Jetzt gab es Wichtigeres zu tun.
Torian überlegte einen Moment, ob er dem verschrumpelten Etwas zu seinen Füßen einen Tritt versetzen und es in die Grube hinabschleudern sollte, dann fand er, daß es der Mühe einfach nicht wert war, und wandte sich in die Richtung, aus der er gekommen war.
Er wußte jetzt, was er tun mußte.
Es war ganz einfach – und zugleich so absurd, daß er hell aufgelacht hätte, wäre er in diesem Moment dazu fähig gewesen, so etwas wie Sarkasmus zu empfinden:
Sie würden ihn nie in Ruhe lassen. Ganz egal, wie weit er floh, der Fluch der Magier würde ihn einholen, vielleicht morgen, vielleicht in fünfzig Jahren erst.
Aber er würde nicht mehr fliehen. Er würde hinaufgehen und Garth und Shyleen holen – falls sie noch lebten –, sich um die Spinne in seiner Schulter kümmern und – falls er das überlebte – sich nach Scrooth wenden.
Dorthin, wo die Magier regierten.
Die Welt war nicht groß genug für sie und ihn.
Die Strasse der Ungeheuer
Prolog
Der Raum war eine eigene Welt aus Nebel und Dunkelheit. Ein Stück Unendlichkeit: ohne Form, ohne feste Körper, nur von tanzenden Schatten erfüllt, die unstet hin und her huschten und doch wieder eine Winzigkeit zu stofflich waren, um nur aus dem Fehlen von Licht zu bestehen.
Und sie waren auch mehr, wie jeder der acht wußte, die im Kreis auf dem Boden saßen. Dies war ihre ureigene, seit mehr als tausend Jahren versunkene Welt. Oder das, was davon geblieben war. Sie waren die Wächter der alten Zeit, die Mächtigsten des Ordens der Schwarzen Magier. Nur noch wenige, und längst nicht mehr so mächtig wie einst; und doch genug, und doch schrecklich.
»Im Namen Ch’tuons, des Herrn! Ihr wißt, was geschehen ist, meine Brüder. Einem unserer letzten Bollwerke droht Gefahr.« Es war Baarolam, der mächtigste der acht – vielleicht der mächtigste von allen –, der diese Worte in das bedrückende Schweigen hinein sprach. »Das magische Herz gerät außer Kontrolle. Uns bleibt keine andere Wahl, als es zu vernichten.«
Die Stille währte noch einige Sekunden, dann setzte das leise Summen wieder ein, mit dem der Kreis die Beschwörung begonnen hatte, steigerte sich zu einem tiefen, unangenehm dröhnenden Ton, der nach und nach den ganzen Saal zum Vibrieren brachte und schließlich in ihre Körper kroch, sich als dumpfer Schmerz einnistete. Sie schlossen ihre Hände noch fester zusammen.
Der Ring war stark, so stark wie lange nicht mehr, und trotzdem war sich Baarolam nicht sicher, ob er halten würde, denn auch das, was aus den Schatten herankroch und allmählich zwischen ihnen Gestalt anzunehmen begann, war stärker als alles, was er bislang erlebt hatte.
Mühsam verscheuchte er die Furcht und konzentrierte sich wieder auf seine Aufgabe. Was sie taten, stellte ein Risiko dar, aber es war unvermeidlich.
Die Schatten im Zentrum des Kreises bewegten sich deutlicher. Es war, als wolle sich ein Körper bilden, ein Ding aus Rauch und schwarzer wogender Bewegung, das immer wieder auseinandergerissen wurde, kurz bevor es wirklich Substanz annehmen konnte. Baarolam spürte, wie das blinde Suchen und Tasten des Kreises plötzlich zielgerichteter, fordernder wurde. Und wie Etwas antwortete. Nicht zögernd, sondern so hart und gierig, daß er sich wie unter einem Hieb krümmte. Er vernahm einen lautlosen Todesschrei, der über die Brücke durch das Nichts, die er bis zu den Katakomben Der Letzten Nacht geschlagen hatte, direkt in seine Gedanken drang und die Beschwörung für Bruchteile von Sekunden störte.
Sekundenbruchteile, welche die Katastrophe auslösten.
Ein sengender Blitz fuhr durch Baarolams Geist, als das Tor endgültig zwischen ihnen Gestalt annahm. Er fühlte, wie eine neue Macht nach ihm griff, eine Macht, die der seinen und der seiner Brüder grenzenlos überlegen war. Ein Schwall bösartiger, ungezügelter Kraft brach über sie herein und schien den Kreis zu sprengen. Plötzlich roch die Luft verbrannt. Etwas zischte, und dann sah Baarolam den aus dem Nichts entstehenden Flammenschlauch, der sich wie eine Schlange auf ihn zuwand und ihn zu packen versuchte. Er schrie auf, sank zu Boden und begann schreckliche, keuchende Laute auszustoßen. Der Flammenarm kroch weiter auf ihn zu, nicht mehr mit ungestümer Macht, sondern langsam und sich windend wie eine wirkliche Schlange, eine verbrannte, rauchende Spur hinterlassend. Etwas Schwarzes nahm dahinter Form an. Etwas, das zu gräßlich war, als daß er es wirklich erkennen konnte.
Er schrie. Verzweifelt versuchte er, sich mit seiner geistigen Macht irgendwo festzuklammern, aber seine Kräfte reichten nicht. Wie durch eine Wand aus grellem Licht spürte er die Ruhe der Ewigkeit und die Kraft der Sterne auf sich einwirken; doch nichts vermochte seinen rasenden Fall zu stoppen. Gleichzeitig steigerte sich der Schmerz in seinem Inneren zu purer Agonie. Er fühlte die rasende Wut der fremden Macht, ihren Hunger, ihre Gier nach Vernichtung und Leben und sträubte sich nicht länger.
Das Schreien erstickte in einem röchelnden Seufzen. Einen Augenblick später wurde es in der Halle der Beschwörung still wie in einer Gruft. Aber es war eine böse Stille, ein drohendes, schweres Schweigen, wie die Ruhe vor einem entsetzlichen Sturm. Das in den Farben des Wahnsinns schimmernde Ding, das aus dem Nichts entstanden war, hörte auf zu wachsen, als es keine neue Nahrung erhielt. Es zuckte, wand sich hin und her —