Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Das... was?«
Argor machte eine weit ausholende Geste.
»Schau dich um. Das alte Armar hätte längst aufhören müssen zu existieren, aber es besteht immer noch, weil es durch die Magie der Alten geschützt wird. Frag nicht, was dieses Herz Armars ist. Wir wissen nur, wo es liegt und daß die Schwarzen ihre Kraft von dort beziehen. Aber es ist uns unmöglich, bis dorthin vorzudringen. Du hingegen kannst es. Wirst du es tun?«
»Tun?« Torian unterdrückte ein hysterisches Lachen. »Und wie?«
Es dauerte einen Moment, bis Argor antwortete, und als er es tat, hatte Torian erneut das unangenehme Gefühl, von etwas in diesem augenlosen Gesicht angestarrt und durchdringend gemustert zu werden.
»Wir wissen es nicht«, antwortete der alte Cra’thal leise. »Oh«, sagte Torian.
Und das war für eine ganze Weile das letzte, was er sagte.
Falsch, dachte Torian. Irgend etwas war falsch, ganz entsetzlich falsch, aber er wußte nicht, was, und er wußte nicht einmal, woher dieses Gefühl kam.
Vielleicht war er einfach verwirrt. Zuviel war geschehen, seit sie Armar erreicht hatten. Er hatte ja nicht einmal Gelegenheit bekommen, auch nur einmal richtig Atem zu schöpfen, ehe die Hetzjagd weiterging, die vor Wochen in Rador im Herzen der Staubwüste ihren Anfang genommen hatte. Und Boron...
Etwas in ihm sträubte sich einfach gegen die Vorstellung, daß der Magier tot sein sollte. Es war... zu einfach gewesen.
Ja, vielleicht war es das, überlegte er, während er Argor durch die niedrigen Gänge des lichtlosen Labyrinthes folgte. Der Gedanke, daß Boron wirklich tot sein sollte, erschien ihm absurd. Ein Mann wie er wurde nicht einfach von ein paar Aufständischen erschossen.
Lächerlich.
Vielleicht...
Er kam nicht dazu, den Gedanken weiterzuverfolgen, denn in diesem Moment erreichten sie eine Stelle, an der mehrere niedrige Türen von dem halbrunden Gang abzweigten, und der Cra’thal blieb stehen und bedeutete ihm mit einer Geste, still zu sein und ihm zu folgen. Torian nickte, zum Zeichen, daß er verstanden hatte, bückte sich hinter Argor unter der niedrigen Tür hindurch und blinzelte, als grelles Licht schmerzhaft in seine Augen stach.
Dann bemerkte er, daß es nur eine winzige Fackel war, kaum mehr als ein Span, die in der niedrigen Höhle brannte und deren Licht noch zusätzlich durch einen Schirm aus dickem Ölpapier gedämpft wurde, und erst jetzt, im nachhinein, begriff er, daß er dem Cra’thal durch absolute Finsternis gefolgt war. Wieso hatte er sehen können?
Torian schauderte. Großer Gott, dachte er, wie weit geht die Veränderung bereits, die mit meinem Körper stattfindet?
Eine entsetzliche Vorstellung stieg in ihm hoch: Wie in einer gräßlichen Vision sah er sich selbst, wie er mehr und mehr seine Menschlichkeit verlor, schließlich selbst zum Tier wurde, einem grauenhaften Etwas, das eine absurde Mischung aus Mensch und Spinne war, bis der Parasit in seinem Körper ihn schließlich ausgehöhlt hatte, innerlich aufgefressen; er war nur noch eine leere Hülle, ein Kokon, aus dem die Brut der Spinne hervorbrechen würde.
Er verscheuchte die Vorstellung, aber er war machtlos gegen die Bewegung, als seine Hand unter sein Gewand kroch und nach der Schwellung über seinem Herzen tastete. Natürlich war sie nicht gewachsen in den letzten Stunden. Es würde noch Wochen dauern, vielleicht Monate, bis er so weit geschwächt war, daß er sich nicht mehr bewegen konnte. Aber was mochte mit ihm geschehen in all dieser Zeit, wenn das Ungeheuer sein Denken jetzt schon zu beeinflussen begann, nach wenigen Tagen?
Er versuchte, auch diese Frage zu ignorieren, aber er konnte es nicht.
»Wir werden dir beistehen, wenn es soweit ist«, sagte Argor plötzlich.
Torian fuhr erschrocken hoch und blickte in das augenlose flache Gesicht des Cra’thal. »Liest du meine Gedanken?« fragte er scharf. Argor schüttelte den Kopf. »Nein. Ich habe die Bewegung gespürt, als du nach deiner Schulter gegriffen hast. Und du hast Angst.«
»So?« sagte Torian unsicher. »Spürt man das?«
»Man kann es riechen«, erwiderte Argor ernsthaft. »Und man hört es. Du bist ein Mann von großer Selbstbeherrschung, aber deine Stimme ist voller Angst.«
Torian lächelte, aber er wirkte immer noch sehr ernst.
»Ich bewundere deine Tapferkeit, Torian Carr Conn«, fuhr Argor fort. »Aber es ist nichts Schlechtes daran, Angst zu haben.«
Torian antwortete nicht. Es hatte wenig Zweck, mit einem Mann zu diskutieren, der am Klang seiner Stimme hörte, was er dachte! »Wir werden dir beistehen, wenn es soweit ist«, sagte Argor noch einmal. »Ich weiß nicht, ob wir dich retten können, Torian. Aber ich verspreche dir zumindest einen schnellen Tod – wenn dies der einzige Ausweg ist.«
Torian schauderte erneut. Und trotzdem empfand er plötzlich ein Gefühl sehr tiefer, warmer Dankbarkeit. Vielleicht war ein Tod ohne Qualen – und ohne daß er hilflos mit ansehen mußte, wie er sich in ein Ungeheuer verwandelte, sowohl körperlich als auch seelisch – schon mehr, als er eigentlich noch vom Schicksal erwarten konnte.
»Warum... warum schneidet ihr sie nicht einfach aus mir heraus?« fragte er mit zitternder Stimme, obwohl er die Antwort kannte, noch bevor Argor sie aussprach.
»Weil du sterben würdest, würden wir das versuchen«, sagte der Cra’thal traurig. »Die Brut der Spinne weiß sich zu schützen. Eher tötet sie dich und nistet weiter in einem Leichnam, statt daß sie stirbt.«
Torian schwieg. Warum hatte er überhaupt gefragt? Natürlich konnte es nicht so einfach sein.
Er seufzte, straffte sich sichtbar und lächelte, ehe ihm einfiel, daß sein Gegenüber die Geste ja nicht sehen konnte. »Wohin bringst du mich?« fragte er.
Argor machte eine Handbewegung, deren Bedeutung Torian nicht begriff. »Nach unten«, sagte er. »Die Männer sind bereit.«
Torian erschrak, obwohl er es hätte wissen müssen. »Wir... brechen gleich auf?« fragte er stockend.
Es war das erste Mal, daß er einen Cra’thal lächeln sah. Bei einem augenlosen Gesicht wie seinem wirkte es gespenstisch. »Gibt es einen Grund, noch zu warten?« fragte Argor.
Wieder schüttelte Torian erst den Kopf, ehe er sich darauf besann, daß er in einer Welt der Geräusche war, nicht mehr in einer der Bilder. »Eigentlich nicht«, seufzte er. »Du hast recht. Aber ich...«
»Du möchtest deine Freunde noch einmal sehen«, führte Argor den Satz zu Ende, als er nicht weitersprach. Torian nickte, und diesmal schien der Cra’thal die Bewegung zu spüren, denn er drehte sich um und deutete auf einen niedrigen Durchgang in der Wand, der zu einer weiteren, nur halbhohen Höhle führte. Torian folgte ihm wortlos.
Shyleen und Garth lagen nebeneinander auf einem einfachen Lager aus Stroh. Sie waren beide ohne Bewußtsein, und ihre Gesichter sahen aus wie die von Toten. Jedes Leben schien daraus gewichen. Zwei Cra’thal kümmerten sich um Garths Wunden, während ein weiblicher Jünger damit beschäftigt war, Shyleens Lippen mit einem wassergetränkten Tuch zu befeuchten.
Torian blieb zwei Schritte vor dem Lager stehen, blickte einen Moment lang auf die beiden reglosen Körper hinab und drehte sich dann mit einem Ruck um. Argor spürte die Bewegung und wandte ihm das Gesicht zu.
»Der Anblick tut weh, ich weiß«, sagte er. »Ich wollte ihn dir ersparen.«
»Werden sie...«
»Sterben?« fragte Argor, als Torian auch dieses Mal nicht weitersprach. »Ich weiß es nicht. Garth Die Hand sicher nicht. Er ist kräftig. Das Mädchen... ich weiß es nicht. Wir tun für sie, was wir können.«
Torian wollte noch mehr sagen, tausend Fragen stellen, aber seine Kehle war mit einem Male wie zugeschnürt. Und was hätte er schon sagen können?