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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Der Himmel war zwar bedeckt, aber es regnete nicht, und es war warm. Als das neue Lager aufgeschlagen war, die Pferde versorgt und alle Verletzungen einmal mehr kontrolliert waren, blieb es jedem selbst überlassen, im Gras zu schlafen, jagen oder angeln zu gehen oder sich nach mehreren Tagen im Sattel einfach nur die Beine zu vertreten.

Ich saß unter einem Baum und unterhielt mich mit Jamie und Ned Gowan, als einer der Wachtposten zu uns kam und Jamie etwas in den Schoß warf. Es war der Dolch mit dem Mondsteinknauf.

»Deiner, Junge?«, fragte er. »Hab’ ihn heute Morgen zwischen den Felsen gefunden.«

»Er muss mir in der Aufregung aus der Hand gefallen sein«, sagte ich. »Auch gut; ich habe sowieso keine Ahnung, was ich damit tun soll. Wahrscheinlich hätte ich mich nur selbst verletzt, wenn ich versucht hätte, ihn zu benutzen.«

Ned betrachtete Jamie tadelnd über seine Halbbrille hinweg.

»Du hast ihr ein Messer gegeben und ihr nicht beigebracht, wie man es benutzt?«

»Dazu hatte ich doch keine Zeit«, verteidigte sich Jamie. »Aber Ned hat recht, Sassenach. Du solltest lernen, mit einer Waffe umzugehen. Man weiß nie, was unterwegs passiert, wie du gestern Abend ja gesehen hast.«

Also führten sie mich in die Mitte einer Lichtung, und mein Unterricht begann. Einige der Männer kamen neugierig dazu und blieben, um uns ihren Rat anzubieten. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich ein halbes Dutzend Lehrer, die sich munter über technische Details stritten. Nach längerer kameradschaftlicher Diskussion einigten sie sich darauf, dass Rupert wohl derjenige war, der am besten mit einem Dolch umgehen konnte, und bereitwillig übernahm er meine Unterweisung.

Er fand eine hinreichend ebene Stelle, die frei von Steinen und Kiefernzapfen war. Dort demonstrierte er mir die Kunst des Dolchkampfes.

»Also, Kleine«, begann er und balancierte seinen Dolch auf dem Mittelfinger, vielleicht drei Zentimeter unterhalb des Heftes. »Du musst ihn am Balancepunkt festhalten, damit er dir gut in der Hand liegt.« Ich versuchte es mit meinem Dolch. Als ich ihn gut halten konnte, zeigte er mir den Unterschied zwischen einer Attacke von oben und von unten.

»Normalerweise macht man es von unten; von oben ist es nur dann sinnvoll, wenn du genug Schwung holen kannst.« Er betrachtete mich abschätzend, dann schüttelte er den Kopf.

»Nein, du bist zwar groß für eine Frau, aber selbst wenn du an den Hals deines Gegners gelangen könntest, hättest du nicht genug Kraft, mit der Klinge einzudringen, es sei denn, er sitzt. Bleib am besten beim Stoß von unten.« Er zog sich das Hemd hoch und entblößte seine pelzige Wampe, die schon jetzt vom Schweiß glänzte.

»Also. Hier«, erklärte er und zeigte in die Mitte genau unter dem Brustbein, »ist die Stelle, auf die du zielst, wenn du deinem Gegner gegenüberstehst. Du zielst gerade nach oben und nach innen, so fest du kannst. Der Stoß geht ins Herz und ist innerhalb von ein, zwei Minuten tödlich. Das einzige Problem dabei ist, nicht das Brustbein zu treffen; es reicht tiefer, als man denkt, und wenn dein Messer im Knorpel stecken bleibt, passiert deinem Opfer nicht viel, aber du hast kein Messer mehr, und er hat dich in der Hand. Murtagh! Dein Rücken ist nur Haut und Knochen, komm her, dann zeigen wir ihr, wie man jemanden von hinten ersticht.« Das schien Murtagh zwar nicht sonderlich zu gefallen, aber Rupert drehte ihn um und riss ihm das schmutzige Hemd hoch. Ich konnte jeden Wirbel einzeln sehen, und seine Rippen zeichneten sich spitz und deutlich ab. Rupert bohrte ihm den Zeigefinger rechts unter die letzte Rippe, und Murtagh stieß einen überraschten Ausruf aus.

»Das ist die Stelle im Rücken – rechts und links. Bei den ganzen Rippen ist es nicht leicht, mit einem Stich in den Rücken etwas Lebenswichtiges zu treffen. Gut, wenn es dir gelingt, das Messer zwischen die Rippen zu stoßen, ist das eine Sache, doch das ist schwerer, als du vielleicht denkst. Aber hier, unterhalb der letzten Rippe, kann man aufwärts in die Nieren stechen. Wenn du richtig triffst, fällt er um wie ein Stein.«

Dann ließ mich Rupert verschiedene Kampfpositionen ausprobieren. Als er müde wurde, wechselten sich die anderen Männer in der Rolle des Opfers ab – offenbar fanden sie meine Bemühungen zum Brüllen komisch. Sie legten sich geduldig auf den Boden oder drehten mir den Rücken zu, um sich von mir überfallen zu lassen, oder sprangen mich von hinten an oder taten so, als würgten sie mich, damit ich versuchen konnte, sie in den Bauch zu stechen.

Die Zuschauer ermunterten mich lautstark, und Rupert wies mich entschlossen an, keine Rückzieher in letzter Sekunde zu machen.

»Stoß zu, als ob du es ernst meinst, Kleine«, sagte er. »Im Kampf kannst du den Dolch auch nicht zurückziehen. Und wenn einer dieser Faulpelze sich nicht rechtzeitig wegdreht, hat er es nicht besser verdient.«

Anfangs war ich verschüchtert und extrem ungeschickt, doch Rupert war ein guter Lehrer. Er war sehr geduldig und demonstrierte mir bestimmte Bewegungen wieder und wieder. Er spielte zwar den Lüsternen, als er hinter mich trat und mir den Arm um die Taille legte, griff dann aber ganz sachlich nach meinem Handgelenk, um mir zu zeigen, wie man dem Feind mit der Klinge über die Augen fährt.

Dougal saß unter einem Baum, schonte seinen verletzten Arm und gab ironische Kommentare zu meiner Übungsstunde von sich. Er war es jedoch dann, der den Vorschlag mit der Attrappe machte.

»Gebt ihr etwas, auf das sie wirklich einstechen kann«, sagte er, als mir die ersten Sätze und Stöße gelangen. »Beim ersten Mal ist es ein Schock.«

»Das stimmt«, pflichtete ihm Jamie bei. »Ruh dich etwas aus, Sassenach, und ich kümmere mich darum.«

Er ging mit zweien unserer Wachtposten zu den Wagen hinüber, und ich konnte sehen, wie sie die Köpfe zusammensteckten, gestikulierten und verschiedene Gegenstände aus einem Wagen zogen. Erschöpft ließ ich mich neben Dougal unter dem Baum auf den Boden sinken.

Er nickte mit einem kleinen Lächeln. Wie die meisten der anderen Männer hatte auch er sich unterwegs nicht die Mühe gemacht, sich zu rasieren, und sein Mund war von einem dichten dunkelbraunen Bart eingerahmt, der seine volle Unterlippe betonte.

»Und, wie ist es?«, fragte er und meinte damit eindeutig nicht meine Fähigkeiten im Umgang mit einem Dolch.

»Nicht schlecht«, antwortete ich argwöhnisch, und auch ich sprach nicht von Messern. Dougals Blick huschte zu Jamie hinüber, der immer noch bei den Wagen beschäftigt war.

»Die Ehe scheint dem Jungen gutzutun«, stellte er fest.

»Ja, sie ist geradezu gesund für ihn – unter den Umständen«, pflichtete ich ihm mit kalter Stimme bei. Sein Mund verzog sich angesichts meines Tons.

»Und für dich auch. Ein gutes Arrangement für alle, wie es scheint.«

»Vor allem für dich und deinen Bruder. Und da wir gerade von ihm sprechen, was glaubst du, was Colum sagen wird, wenn er davon hört?«

Das Lächeln wurde breiter. »Colum? Ach. Ich glaube, eine solche Nichte wird er mit offenen Armen in die Familie aufnehmen.«

Die Attrappe war fertig, und ich setzte meine Übungsstunde fort. Sie hatten einen Wollsack von der Größe eines männlichen Oberkörpers genommen, ihn mit einem gegerbten Bullenfell umwickelt und das Ganze mit einem Strick befestigt. Darauf sollte ich einstechen – zunächst, wenn es auf Menschenhöhe an einen Baum gebunden war. Danach würden sie es auf mich zuwerfen oder an mir vorbeirollen.

Was Jamie nicht erwähnt hatte, war, dass sie mehrere flache Holzstücke zwischen den Wollsack und das Leder gesteckt hatten, um Knochen zu simulieren.

Die ersten paar Stöße verliefen ohne Zwischenfälle, obwohl ich mehrere Anläufe brauchte, um das Bullenleder zu durchdringen. Es war zäher, als es aussah – genau wie die Haut am Bauch eines Mannes, so teilte man mir mit. Beim nächsten Mal versuchte ich es mit Schwung von oben und traf eins der Holzstücke.

Im ersten Moment dachte ich, mir wäre plötzlich der Arm abgefallen. Der Aufprall vibrierte bis in meine Schulter, und der Dolch fiel mir aus den tauben Fingern. Unterhalb des Ellbogens fühlte ich gar nichts mehr, doch ein ominöses Kribbeln warnte mich bereits, dass das nicht lange dauern würde.

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