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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Ich würde jedoch bis zur letzten möglichen Sekunde warten müssen, und ich hatte meine Zweifel, ob sich Jamie noch so lange beherrschen konnte. Ich konnte den Blutdurst in seinem Gesicht sehen; bald würde der Gedanke an die möglichen Konsequenzen nicht mehr reichen, um ihn zurückzuhalten.

Ich hütete mich, meinem Gesicht zu viel anmerken zu lassen, doch ich kniff die Augen zusammen und beschwor ihn mit einem Blick, sich nicht zu bewegen. An seinem Hals zeichneten sich die Sehnen ab, und das Blut war ihm ins Gesicht gestiegen, doch ich sah sein kaum merkliches Nicken als Zeichen, dass er mich verstanden hatte.

Ich wand mich, als mich Harry auf den Boden drückte und versuchte, mir die Röcke hochzuschieben, jedoch mehr, um den Dolchgriff in die Hand zu bekommen, als um mich zu wehren. Er schlug mir ins Gesicht und befahl mir stillzuhalten. Meine Wange brannte, und mir tränten die Augen, doch ich hatte den Dolch jetzt in der Hand, verborgen in meinen Rockfalten.

Schwer atmend legte ich mich zurück, konzentrierte mich auf mein Ziel und versuchte, alles andere aus meinen Gedanken auszublenden. Es würde ein Stoß in den Rücken sein müssen; ich hatte nicht genug Platz, um nach seiner Kehle zu zielen.

Seine schmutzigen Finger krallten sich jetzt in meine Oberschenkel und drückten sie mit Gewalt auseinander. In Gedanken konnte ich sehen, wie Ruperts stumpfer Finger unter Murtaghs Rippen bohrte, und hörte seine Stimme: »Hier, Kleine, unter den tiefsten Rippen, dicht neben dem Rückgrat. Stich fest zu, aufwärts in die Niere, und er bricht zusammen wie ein Stein.«

Es war fast Zeit; Harrys schlechter Atem wehte mir ekelhaft warm über das Gesicht, und er fummelte mir zwischen den entblößten Beinen herum, um an sein Ziel zu gelangen.

»Sieh gut hin, du geiler Bock, und schau dir an, wie das geht«, keuchte er. »Deine Schlampe wird gleich um mehr betteln, und …«

Ich schlang ihm den linken Arm um den Hals, um ihn festzuhalten, dann hob ich die Messerhand und stieß zu, so fest ich konnte. Der Zusammenprall setzte sich in meinem Arm fort, und ich hätte den Dolch um ein Haar verloren. Harry kreischte auf und wand sich, um sich zu befreien. Da ich nichts sehen konnte, hatte ich zu hoch gezielt, und das Messer war an einer Rippe abgerutscht.

Ich konnte ihn jetzt nicht loslassen. Zum Glück waren meine Beine vom Gewirr der Röcke befreit; ich schlang sie Harry fest um die verschwitzten Hüften und gewann so die kostbaren Sekunden, die ich für einen zweiten Versuch brauchte. Mit der Kraft der Verzweiflung stieß ich erneut zu, und diesmal traf ich die Stelle.

Rupert hatte recht gehabt. Harry bäumte sich zu einer grauenvollen Parodie des Liebesaktes auf und brach dann lautlos auf mir zusammen, während ihm das Blut in pulsierenden Stößen aus der Wunde im Rücken spritzte.

Arnold hatte sich eine Sekunde von dem Spektakel am Boden ablenken lassen, und eine Sekunde war mehr als genug für den rasenden Schotten, den er in Schach hielt. Bis ich meinen Verstand wieder so weit beisammen hatte, dass ich mich unter dem verstorbenen Harry hervorwinden konnte, war Arnold seinem Kameraden in den Tod gefolgt, denn Jamie hatte ihm die Kehle von einem Ohr zum anderen mit dem Sgian dhu durchgeschnitten, den er im Strumpf trug.

Jamie kniete sich neben mich und zog mich unter dem Toten hervor. Wir zitterten beide vor Schrecken und klammerten uns minutenlang aneinander, ohne etwas zu sagen. Immer noch wortlos hob er mich auf und trug mich von den beiden Leichen fort zu einer grasbewachsenen Stelle hinter einigen Eschen.

Dort setzte er mich behutsam auf den Boden und ließ sich ungeschickt neben mich fallen, als hätten seine Knie plötzlich nachgegeben. Ich empfand ein eisiges Gefühl der Isolation, als sei mir der Winter in die Knochen gefahren, und ich streckte die Hand nach ihm aus. Er hob den Kopf von den Knien. Sein Gesicht war eingefallen, und er starrte mich an, als hätte er mich noch nie gesehen. Als ich ihm die Hände auf die Schultern legte, zog er mich fest an sich und stieß einen Laut aus, der weder Stöhnen noch Schluchzen war.

Dann nahmen wir einander in wildem, drängendem Schweigen, mit harten Stößen, die innerhalb von Momenten vorüber waren, getrieben von einem Drang, den ich nicht verstand, von dem ich aber wusste, dass wir ihm gehorchen mussten, wenn wir einander nicht für immer verlieren wollten. Es war kein Akt der Liebe, sondern der Notwendigkeit, als wüssten wir, dass keiner von uns allein überleben konnte. Unsere Kraft lag einzig in der Vereinigung, die die Erinnerung an die tödliche Bedrohung und die verhinderte Vergewaltigung mit allen Sinnen ertränkte.

Dann lagen wir aneinandergeklammert im Gras, mit wirren Haaren und Kleidern, und zitterten in der Sonne. Jamie murmelte etwas, doch seine Stimme war so leise, dass ich nur das Wort »Entschuldigung« auffing.

»Nicht deine Schuld«, murmelte ich und strich ihm über das Haar. »Ist alles gut, es ist ja nichts passiert.« Ich fühlte mich wie im Traum, als wäre rings um mich nichts real, und ich erkannte dumpf die Symptome des verspätet einsetzenden Schocks.

»Nicht das«, sagte er. »Nicht das. Es war meine Schuld … wie dumm, hierherzukommen, ohne auf der Hut zu sein. Und zuzulassen, dass du … aber das war es nicht, was ich gemeint habe. Ich entschuldige mich, weil ich dich gerade so benutzt habe. Dich so zu nehmen, so kurz nachdem … als wäre ich ein Tier. Es tut mir leid, Claire … ich weiß nicht, was … ich konnte nichts dagegen tun, aber … Gott, du bist so kalt, a nighean donn, deine Hände sind wie Eis. Komm her, damit ich dich wärme.«

Auch er stand unter Schock, dachte ich benommen. Seltsam, wie es manche Leute zum Reden zwingt. Andere zittern nur stumm vor sich hin. So wie ich. Ich drückte seinen Mund an meine Schulter, um ihn zum Schweigen zu bringen.

»Ist ja gut«, sagte ich wieder und wieder, »ist ja gut.«

Plötzlich legte sich ein Schatten über uns, und wir fuhren beide zusammen. Dougal stand mit verschränkten Armen über uns und betrachtete uns finster. Er wandte sich höflich ab, während ich mir hastig das Mieder schnürte, und richtete den Blick stattdessen stirnrunzelnd auf Jamie.

»Jetzt hör mir gut zu, Junge, es ist ja schön, wenn du dich mit deiner Frau vergnügst, aber wenn es so weit kommt, dass du uns alle über eine Stunde warten lässt und ihr euch so vergesst, dass du mich nicht einmal kommen hörst – dann wird dich das eines Tages in Schwierigkeiten bringen. Da könnte schließlich jeder von hinten kommen und dir eine Pistole an den Kopf halten, ehe du dich versiehst …«

Er hielt mitten in seiner Tirade inne, um mich ungläubig anzustarren, während ich mich hysterisch lachend im Gras wälzte. Puterrot führte Jamie Dougal beiseite und erklärte ihm leise, was geschehen war. Ich johlte und kicherte weiter unkontrolliert vor mich hin, bis ich mir selbst ein Taschentuch in den Mund stopfte, um die Geräusche zu dämpfen. Dougals Worte hatten meinen Gefühlsausbruch so auf die Spitze getrieben, dass ich Jamies auf frischer Tat ertapptes Gesicht vor mir sah, und das war einfach zu komisch. Ich lachte und ächzte, bis ich Seitenstiche bekam. Als ich mich endlich setzte und mir mit dem Taschentuch die Augen trocknete, sah ich Dougal und Jamie mit identischen Mienen der Missbilligung über mir stehen. Jamie zog mich hoch. Ich gluckste und kicherte immer noch hin und wieder, während er mich zu der Stelle führte, wo die anderen ungeduldig mit den Pferden warteten.

Abgesehen von einer hartnäckigen Tendenz, ohne Grund hysterisch loszulachen, schien unsere Begegnung mit den Deserteuren keine schlimmen Nachwirkungen bei mir hinterlassen zu haben, obwohl ich das Lager nur noch mit äußerster Vorsicht verließ. Dougal versicherte mir zwar, dass Banditen auf den Straßen der Highlands eigentlich selten waren, einfach weil es hier kaum Reisende gab, die einen Überfall lohnten. Doch ich ertappte mich dabei, dass ich bei Geräuschen im Wald nervös zusammenfuhr und mich beeilte, von einfachen Arbeiten wie dem Holz- oder Wasserholen so schnell wie möglich zurückzukehren, weil ich die schützende Gesellschaft der MacKenzies keinesfalls zu lange missen wollte. Außerdem spendeten mir ihre nächtlichen Schnarchgeräusche eine ganz neue Art von Beruhigung, und ich verlor jedes Schamgefühl, das ich in Bezug auf die diskreten Bewegungen unter unseren Decken irgendwann einmal besessen haben mochte.

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