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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Einen Moment lang stand ich da und blickte über das unergründliche Wasser hinaus. »Leb wohl«, sagte ich schließlich zu den leeren Wellen. Ich schüttelte mich und wandte mich wieder dem Ufer zu.

Oben auf der Böschung stand ein Mann. Ich erschrak, doch dann erkannte ich einen unserer Wagenknechte. Ich erinnerte mich, dass er Peter hieß, und der Eimer in seiner Hand lieferte die Erklärung für seine Anwesenheit. Ich war schon im Begriff, ihn zu fragen, ob er das Tier auch gesehen hatte, doch seine Miene, als ich mich näherte, war Antwort genug. Sein Gesicht war weißer als die Gänseblümchen zu seinen Füßen, und Schweißtröpfchen liefen ihm in den Bart. Ich konnte das Weiße seiner Augen sehen wie bei einem verängstigten Pferd, und seine Hand zitterte so sehr, dass ihm der Eimer gegen das Bein schlug.

»Ist ja gut«, sagte ich beruhigend, als ich ihn erreichte. »Es ist fort.«

Statt ihn zu beruhigen, schienen diese Worte ihn nur noch mehr zu alarmieren. Er ließ den Eimer fallen, ging vor mir auf die Knie und bekreuzigte sich.

»Ha-habt Erbarmen mit mir«, stammelte er. Dann vergrößerte er meine Verlegenheit noch, indem er sich flach auf den Boden warf und den Saum meines Kleides umklammerte.

»Mach dich doch nicht lächerlich«, sagte ich gereizt. »Steh auf!« Ich stieß ihn vorsichtig mit dem Zeh an, doch er bibberte nur und blieb auf dem Boden liegen wie ein platt getretener Pilz. »Steh auf, es ist doch nur ein …« Ich hielt inne und dachte krampfhaft nach. Ihm den lateinischen Namen zu nennen würde wahrscheinlich nicht besonders hilfreich sein.

»Nur ein kleines Monster«, sagte ich schließlich. Ich packte seine Hand und zog ihn hoch. Ich musste ihm den Eimer füllen, weil er – verständlicherweise – nicht in die Nähe des Wassers gehen wollte. Er folgte mir in sicherem Abstand zurück zum Lager. Dort hastete er sofort zu seinen Maultieren, sah sich jedoch immer wieder nervös nach mir um.

Da er nicht vorzuhaben schien, den anderen von dem Ungeheuer zu erzählen, hielt ich es für besser, ebenfalls zu schweigen. Dougal, Jamie und Ned waren zwar gebildete Männer, doch die anderen waren Highlander aus den entlegensten Tälern des MacKenzie-Landes, wo sie weder lesen noch schreiben gelernt hatten. Sie waren zwar tapfere, unerschrockene Kämpfer, jedoch so abergläubisch wie die primitivsten Stammeskrieger in Afrika oder dem Nahen Osten.

Also aß ich schweigend zu Abend und ging zu Bett. Doch zu jeder Sekunde war mir bewusst, dass mich Peter, der Wagenknecht, voller Argwohn beäugte.

Kapitel 20

Allein auf weiter Flur

Zwei Tage nach dem Überfall wandten wir uns wieder nach Norden. Wir näherten uns jetzt dem Treffpunkt mit Horrocks, und Jamie machte hin und wieder einen geistesabwesenden Eindruck. Vermutlich beschäftigte ihn die mögliche Bedeutung der Aussage des englischen Deserteurs.

Ich selbst hatte Hugh Munro zwar nicht wiedergesehen, aber in der vorigen Nacht war ich erwacht, und Jamie hatte nicht neben mir auf der Decke gelegen. Zwar versuchte ich, wach zu bleiben und auf seine Rückkehr zu warten, doch mein Schlafbedürfnis war stärker. Am Morgen schlief er tief und fest neben mir, und auf meiner Decke lag ein kleines Päckchen, das in ein dünnes Blatt Papier gewickelt war, in dem eine Spechtfeder steckte. Als ich es vorsichtig öffnete, fand ich ein großes Stück Bernstein, das an einer Seite glatt poliert war. In diesem Fenster konnte ich den zierlichen Umriss einer kleinen Libelle sehen, die in ewigem Flug gefangen war.

Ich strich das Papier glatt. Auf der schmutzigen weißen Oberfläche stand in kleinen, überraschend eleganten Lettern eine Nachricht.

»Kannst du das entziffern?«, fragte ich Jamie, während ich die seltsamen Worte betrachtete. »Ich glaube, es ist Gälisch.«

Er stützte sich auf einen Ellbogen und warf blinzelnd einen Blick auf das Blatt.

»Kein Gälisch. Latein. Munro war einmal Schulmeister, ehe ihn die Türken erwischt haben. Das Gedicht ist von Catull«, sagte er.

da mi basia mille, deinde centum,

dein mille altera, dein secunda centum …

Seine Ohren färbten sich rötlich, als er übersetzte:

Gib mir eintausend Küsse, darauf noch einmal hundert,

darauf noch einmal tausend, und nochmals hundert mehr.

»Oh, das hat ja viel mehr Klasse als der gewöhnliche Glückskeks«, stellte ich belustigt fest.

»Was?«, fragte Jamie verblüfft.

»Nicht wichtig«, sagte ich hastig. »Hat Munro Horrocks für dich gefunden?«

»Oh, aye. Es ist alles arrangiert. Der Treffpunkt ist eine Stelle in den Hügeln ein oder zwei Meilen oberhalb von Lag Cruime. In vier Tagen, falls bis dahin nichts schiefgeht.«

Die Erwähnung von Dingen, die schiefgehen könnten, machte mich etwas nervös.

»Meinst du, es besteht keine Gefahr? Ich meine, traust du diesem Horrocks?«

Er setzte sich, rieb sich den letzten Schlaf aus den Augen und blinzelte.

»Einem englischen Deserteur? Himmel, nein. Er würde mich mit Sicherheit am liebsten an Randall verkaufen, nur, dass er ja kaum selbst zu den Engländern gehen kann. Sie hängen Deserteure. Nein, ich traue ihm nicht. Deshalb habe ich Dougal ja auf seiner Reise begleitet, statt Horrocks allein aufzusuchen. Wenn der Mann etwas im Schilde führt, werde ich wenigstens in Begleitung sein.«

»Oh.« So, wie die Dinge zwischen Jamie und seinen beiden intrigierenden Onkeln standen, war ich mir nicht sicher, ob Dougals Anwesenheit tatsächlich so beruhigend war.

»Nun, wenn du meinst«, sagte ich skeptisch. »Ich gehe zumindest nicht davon aus, dass Dougal die Gelegenheit nutzen und dich erschießen würde.«

»Er hat schon auf mich geschossen«, entgegnete Jamie fröhlich und verschloss sein Hemd. »Das solltest du doch wissen; schließlich hast du die Verletzung verbunden.«

Mir fiel der Kamm aus der Hand.

»Dougal! Ich dachte, die Engländer hätten auf dich geschossen!«

»Die haben ebenfalls auf mich geschossen«, sagte er. »Und ich sollte vielleicht nicht sagen, dass es Dougal war, der mich getroffen hat, es war wahrscheinlich Rupert – er ist der beste Schütze unter Dougals Männern. Nein, als wir auf der Flucht vor den Engländern waren, ist mir klargeworden, dass wir uns fast an der Grenze zum Gebiet der Frasers befanden, und ich dachte, ich versuche da mein Glück. Also habe ich meinem Pferd die Sporen gegeben und einen Bogen um Dougal und den Rest geschlagen. Natürlich wurde zu diesem Zeitpunkt viel geschossen, aber die Kugel, die mich getroffen hat, kam von hinten. Und nur Dougal, Rupert und Murtagh waren hinter mir. Die Engländer waren alle vor mir. Als ich vom Pferd gefallen bin, bin ich den Hügel hinuntergerollt und wäre ihnen fast in den Schoß gekullert.« Er beugte sich über das Wasser, das ich in einem Eimer geholt hatte, und spritzte es sich mit beiden Händen ins Gesicht. Er schüttelte den Kopf und blinzelte mich dann grinsend an. Die Tropfen hingen ihm glänzend an den dichten Wimpern und Augenbrauen.

»Dougal hatte es danach schwer genug, mich zurückzubekommen. Ich lag auf dem Boden und war zu nichts nutze, und er stand über mir und riss mit einer Hand an meinem Gürtel, um mich hochzuziehen. In der anderen hatte er das Schwert und war mit einem Dragoner zugange, der meinte, ein todsicheres Heilmittel für meine Schmerzen zu haben. Dougal hat ihn umgebracht und mich auf sein eigenes Pferd bugsiert.« Er schüttelte den Kopf. »Danach war für mich alles ein bisschen verschwommen; ich habe nur die ganze Zeit gedacht, wie schwer es doch für das Pferd sein musste, mit hundertneunzig Kilo auf dem Rücken einen Hügel zu erklettern.«

Ich lehnte mich verblüfft zurück.

»Aber … da hätte Dougal dich doch umbringen können, wenn er gewollt hätte.«

Jamie schüttelte den Kopf und griff nach dem Rasiermesser, das er sich von Dougal geliehen hatte. Er schob den Eimer so zurecht, dass er sich darin spiegeln konnte. Dann verzog er das Gesicht zu der gequälten Grimasse, die Männer beim Rasieren aufsetzen, und begann, sich die Wangen glatt zu schaben.

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