Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Kampf war ein solches Durcheinander, dass ich anfangs keine Ahnung hatte, was geschah. Die Lichtung war voller schreiender Menschen, die hin und her sprangen, sich über den Boden wälzten und umherrannten. Meine Zuflucht befand sich zum Glück am Rand des Geschehens, so dass ich vorerst nicht in Gefahr war. Als ich mich umsah, entdeckte ich eine kleine Gestalt, die in meiner Nähe dicht am Felsen hockte. Ich umklammerte den Dolch fester, erkannte aber im nächsten Moment, dass es Murtagh war.
Das war also der Grund für Jamies Blick gewesen. Er hatte Murtagh abgestellt, um mich zu bewachen. Jamie selbst war von hier aus nicht zu sehen. Der Kampf spielte sich zum Großteil im Felsschatten bei den Wagen ab.
Natürlich, das musste der Gegenstand des Überfalls sein; die Wagen und die Pferde. Die Angreifer waren gut organisiert, ordentlich bewaffnet und wohlgenährt, zumindest dem wenigen nach, was ich im Schein des erlöschenden Feuers erkennen konnte. Wenn es also Grants waren, wollten sie vielleicht Bezahlung oder Rache für die Rinder, die Rupert und seine Freunde vor ein paar Tagen hatten mitgehen lassen. Als sich Dougal mit dem Ergebnis des spontanen Raubzugs konfrontiert sah, war er etwas verärgert gewesen – nicht wegen der Tatsache an und für sich, sondern weil er meinte, dass die Rinder unser Vorankommen verlangsamen würden. Doch es war ihm beinahe umgehend gelungen, sie auf dem Markt in einem der Dörfer zu verkaufen.
Es wurde schnell klar, dass die Angreifer nicht darauf aus waren, unseren Männern an den Kragen zu gehen; sie interessierten sich ausschließlich für die Pferde und die Wagen. Einer oder zwei hatten auch Erfolg. Ich zog den Kopf ein, als ein ungesatteltes Pferd über das Feuer sprang und im dunklen Moor verschwand, während sich ein wild kreischender Mann an seine Mähne klammerte.
Zwei oder drei andere rannten zu Fuß davon, Colums Getreidesäcke im Arm und von wütenden MacKenzies verfolgt, die sie auf Gälisch verfluchten. Der Geräuschkulisse nach näherte sich der Überfall seinem Ende. Doch dann kam eine größere Gruppe von Männern in den Feuerschein gestolpert, und der Kampf wurde wieder intensiver.
Das hier schien ernst zu sein, denn ich sah Klingen blitzen, und die Beteiligten grunzten zwar heftig, schrien aber nicht. Schließlich konnte ich sie sehen. In der Mitte kämpften Jamie und Dougal Rücken an Rücken. Jeder von ihnen hatte das Breitschwert in der Linken und den Dolch in der Rechten, und soweit ich das beurteilen konnte, waren sie beide wirkungsvoll am Werk.
Sie waren von vier Männern umringt – oder fünf; ich verlor im Schatten den Überblick –, die mit kurzen Schwertern bewaffnet waren. Mindestens zwei von ihnen hatten auch Pistolen, die sie jedoch nicht gezogen hatten.
Es musste Dougal sein – oder Jamie, oder beide –, worauf sie aus waren. Vorzugsweise lebend. Vermutlich, um Lösegeld zu erpressen. Daher die kurzen Schwerter statt der tödlicheren Langschwerter oder Pistolen.
Dougal und Jamie kannten keine derartigen Skrupel und waren mit beträchtlichem Ingrimm zugange. Rücken an Rücken bildeten sie einen bedrohlichen Kreis, indem jeder die schwächere Seite des anderen deckte. Als Dougal dann machtvoll mit dem Dolch zustieß, kam mir der Gedanke, dass »schwächer« möglicherweise nicht ganz der passende Ausdruck war.
Das ganze unermüdliche, grunzende, fluchende Durcheinander bewegte sich jetzt auf mich zu. Ich wich zurück, so weit ich konnte, doch die Felsspalte war kaum mehr als einen halben Meter tief. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr. Murtagh hatte beschlossen, nun aktiver ins Geschehen einzugreifen.
Ich war zwar kaum imstande, meinen entsetzten Blick von Jamie abzuwenden, aber ich sah, wie der kleine Mann in aller Ruhe seine Pistole zog. Sorgfältig überprüfte er das Radschloss, rieb die Waffe an seinem Ärmel, legte sie auf seinem Unterarm ab und wartete.
Und wartete. Ich zitterte vor Angst um Jamie, der jetzt jede Raffinesse aufgegeben hatte und brutal um sich hieb, um die beiden Männer zurückzutreiben, die ihm blutrünstig gegenüberstanden. Warum zum Teufel feuerte der Mann denn nicht?, dachte ich hektisch. Und dann wurde mir klar, warum. Sowohl Jamie als auch Dougal standen in der Schusslinie. Und ich meinte mich zu erinnern, dass die Zielgenauigkeit von Steinschlosspistolen manchmal zu wünschen übrig ließ.
Diese Vermutung bestätigte sich im nächsten Moment, als einer von Dougals Gegnern einen unerwarteten Satz machte und ihn am Handgelenk erwischte. Die Klinge schlitzte ihm den ganzen Unterarm auf, und er sank auf sein Knie. Als Jamie spürte, wie sein Onkel fiel, zog er seinerseits die Klinge ein und trat zwei schnelle Schritte rückwärts. Damit stand er mit dem Rücken zum Fels, und Dougal kniete neben ihm, in Reichweite seiner schützenden Klinge. Außerdem hatte ich jetzt freien Blick auf die Angreifer – genau wie Murtagh mit seiner Pistole.
Aus der Nähe war der Knall der Pistole unerwartet laut. Er überraschte die Angreifer völlig, vor allem aber den Mann, der getroffen wurde. Im ersten Moment stand er still und schüttelte verwundert den Kopf, dann setzte er sich ganz langsam, sank erschlafft hintenüber und rollte über den abschüssigen Boden hinunter in die Glut des erlöschenden Feuers.
Jamie nutzte den Moment der Überraschung und schlug einem der Angreifer das Schwert aus der Hand. Dougal war jetzt wieder auf den Beinen, und Jamie trat beiseite, um ihm mehr Bewegungsfreiheit zu lassen. Einer der Kämpfer hatte sich davongemacht und war den Abhang hinuntergelaufen, um seinen verletzten Kameraden aus der heißen Asche zu retten. Er lud ihn sich auf den Rücken und verschwand mit ihm. Damit waren aber immer noch zwei der Angreifer übrig, und Dougal war verletzt. Ich konnte dunkle Tropfen auf den Felsen fliegen sehen, als er sein Schwert schwang.
Die Kämpfer waren jetzt so nah, dass ich Jamies Gesicht sehen konnte, ruhig und konzentriert, gefangen in der Euphorie des Schwertkampfes. Plötzlich rief ihm Dougal etwas zu. Jamie riss den Blick für den Bruchteil einer Sekunde vom Gesicht seines einen Gegners los und sah zu Boden. Er hob den Kopf gerade rechtzeitig wieder, um nicht zerhackt zu werden, duckte sich blitzschnell zur Seite und warf sein Schwert.
Sein zweiter Gegner blickte mit beträchtlicher Überraschung auf das Schwert, das in seinem Bein steckte. Verwundert berührte er die Klinge, dann packte er sie und zog. Sie ließ sich leicht bewegen, so dass ich vermutete, dass die Wunde nicht tief war. Der Mann machte immer noch einen etwas verblüfften Eindruck und blickte auf, als wollte er sich nach dem Zweck dieses unorthodoxen Verhaltens erkundigen.
Dann stieß er einen Schrei aus, ließ das Schwert fallen und rannte humpelnd davon. Durch das Geräusch aufgeschreckt, sah der noch verbliebene Angreifer zu ihm hinüber, machte kehrt und flüchtete ebenfalls. Jamie stürzte ihnen nach wie eine Lawine. Er hatte nun das gewaltige Claymore aus der Decke gezogen und schwang es mit beiden Händen im mörderischen Bogen. Hinter ihm kam Murtagh, der etwas höchst Unschmeichelhaftes auf Gälisch brüllte und sowohl sein Schwert als auch die nachgeladene Pistole schwang.
Danach kehrte schnell wieder Ruhe ein, und es dauerte kaum eine Viertelstunde, bis sich die MacKenzies wieder gesammelt und sich ein Bild von ihren Verlusten gemacht hatten.
Diese waren nicht sonderlich groß; es fehlten zwei Pferde und drei Säcke Getreide. Die Wagenknechte, die stets in der Nähe ihrer Ladung schliefen, hatten weitere Plünderungen der Wagen verhindert, und den bewaffneten Wachen war es gelungen, die Möchtegern-Pferdediebe zu verjagen. Der größte Verlust schien einer der Männer zu sein.