Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Als Murtagh fertig war, begann Rupert, Geschichten zu erzählen. Zwar fehlte ihm Gwyllyns Formulierungsgabe, doch er kannte einen unerschöpflichen Schatz an Geschichten über Feen, Gespenster, Tannaisg oder böse Geister und andere Highlandbewohner wie zum Beispiel Wasserpferde. Diese, so gab man mir zu verstehen, bewohnten beinahe alle Gewässer und kamen besonders häufig an Furten und anderen Querungen vor, doch viele lebten auch in den Tiefen der Seen.
»Es gibt da eine Stelle am östlichen Ende von Loch Garve«, sagte er und ließ den Blick über die Anwesenden hinwegschweifen, um sich zu vergewissern, dass ihm wirklich alle zuhörten, »die niemals zufriert. Das Wasser dort ist immer schwarz, selbst wenn der Rest des Sees zu Eis gefroren ist, denn dort befindet sich der Schornstein des Wasserpferds.«
Wie so viele seiner Artgenossen hatte auch das Wasserpferd von Loch Garve ein junges Mädchen gestohlen, das zum Wasserholen an den See gekommen war, und hatte es in die Tiefen des Sees verschleppt, um es zu seiner Frau zu machen. Wehe jedem Mädchen – oder auch jedem Mann –, das ein schönes Pferd am Ufer fand und darauf reiten wollte, denn einmal aufgestiegen, konnte der Reiter nicht mehr absteigen, und das Pferd ging ins Wasser, verwandelte sich in einen Fisch und schwamm mit dem arglosen Reiter auf dem Rücken heim.
»Im Wasser hat ein Wasserpferd nur Fischzähne«, sagte Rupert und bewegte die Hand in Wellen wie ein schwimmender Fisch, »und frisst Schnecken und Wasserpflanzen und alles, was sonst noch kalt und nass ist. Sein Blut ist kalt wie das Wasser, und es braucht kein Feuer, doch eine Menschenfrau ist etwas mehr Wärme gewohnt.« Er blinzelte mir zu und zog ein anzügliches Gesicht, sehr zur Belustigung der Zuhörer.
»Also fror die Frau des Wasserpferds und fühlte sich elend und hungrig in ihrem neuen Heim unter Wasser, weil sie nicht gern Schnecken und Wasserpest aß. Da das Wasserpferd eine gutmütige Seele war, begab es sich zum Haus eines Mannes, der ein guter Baumeister war. Als nun der Mann zum Wasser kam und das schöne goldene Pferd mit dem silbernen Zaumzeug in der Sonne glänzen sah, musste er einfach danach greifen und aufsteigen. Natürlich trug ihn das Wasserpferd geradewegs ins Wasser hinab zu seinem kalten fischigen Heim. Und dort sagte es dem Baumeister, wenn er wieder frei sein will, muss er eine schöne Feuerstelle bauen und einen Schornstein, damit sich die Frau des Wasserpferds am Feuer die Hände wärmen und ihren Fisch braten kann.«
Ich hatte den Kopf an Jamies Schulter liegen, fühlte mich angenehm schläfrig und freute mich auf das Bett, selbst wenn es nur eine über den Stein gebreitete Decke war. Plötzlich spürte ich, wie sich sein Körper anspannte. Er legte mir die Hand in den Nacken, um mich stillzuhalten. Ich schaute mich im Lager um, konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Doch ich spürte die Anspannung, die sich wie durch Radiowellen von einem Mann zum anderen übertrug.
Als ich in Ruperts Richtung blickte, sah ich, wie er Dougal kaum merklich zunickte, obwohl er ungerührt mit seiner Geschichte fortfuhr.
»Also tat der Baumeister, dem sowieso keine andere Wahl blieb, was ihm aufgetragen war. Und das Wasserpferd hielt sein Wort und brachte den Mann ans Ufer zurück. Von da an war der Frau des Wasserpferds warm, und sie war glücklich und wurde satt, weil sie sich Fisch zum Essen braten konnte. Seitdem friert das Wasser am östlichen Ende von Loch Garve niemals zu, weil die Wärme aus dem Schornstein des Wasserpferds das Eis zum Schmelzen bringt.«
Rupert saß auf einem Stein und hatte mir die rechte Seite zugewandt. Während er erzählte, beugte er sich vor, als wollte er sich am Bein kratzen. Mit einer fließenden Bewegung ergriff er das Messer, das vor ihm auf dem Boden lag, und legte es auf seinen Schoß, wo er es in den Falten seines Kilts versteckte.
Ich schmiegte mich dichter an Jamie und zog seinen Kopf zu mir, als hätte ich verliebte Anwandlungen. »Was ist?«, flüsterte ich ihm ins Ohr.
Er nahm mein Ohrläppchen zwischen die Zähne und flüsterte zurück: »Die Pferde sind unruhig. Es ist jemand in der Nähe.«
Ein Mann stand auf und schlenderte zum Rand des Felsens, um sich zu erleichtern. Als er zurückkehrte, setzte er sich an einen neuen Platz neben einen der Wagenknechte. Ein anderer erhob sich, warf einen Blick in den Kochtopf und bediente sich mit einem Stückchen Fleisch. Im ganzen Lager herrschte kaum merkliche Bewegung, während Rupert weiterredete.
Jamie hatte den Arm fest um mich gelegt, und schließlich begriff ich, dass die Männer dichter an die Stellen rückten, an denen sie ihre Waffen abgelegt hatten. Jeder schlief zwar mit seinem Dolch, doch ihre Schwerter, Pistolen und die runden, Tartschen genannten Lederschilde ließen sie normalerweise ordentlich aufeinandergestapelt am Rand des Lagers liegen.
Jamies Pistolen und sein Breitschwert lagen etwa anderthalb Meter weiter auf dem Boden.
Ich konnte den Feuerschein auf der Damaszenerklinge tanzen sehen. Seine Pistolen waren zwar nicht mehr als die üblichen, mit Horngriffen versehenen Radschlosspistolen, die die meisten der Männer trugen, doch Breitschwert und Claymore waren etwas ganz Besonderes. Er hatte mir beide Schwerter stolz gezeigt und die glänzenden Klingen liebevoll in der Hand gewendet.
Das Claymore war in Jamies Decke eingerollt; ich konnte den enormen, mit Sand griffig geschmirgelten T-Griff sehen. Einmal hatte ich es hochgehoben und es beinahe fallen gelassen. Es wog über fünf Kilo, wie mir Jamie erklärte.
Wo das Claymore nüchtern und todbringend aussah, war das Breitschwert wunderschön. Es war um ein Drittel leichter als die größere Waffe, eine glänzende Klinge aus blauem Stahl, die mit islamischen Mustern überzogen war, bis hin zu dem spiralförmigen Korbgriff mit seinen roten und blauen Emailleverzierungen. Ich hatte schon beobachtet, wie Jamie spielerisch damit übte, erst rechtshändig mit einem der Wachtposten, später linkshändig mit Dougal. Es war eine Freude, ihm unter diesen Bedingungen dabei zuzusehen: schnell und zielsicher und mit einer Eleganz, die angesichts seiner Körpergröße umso mehr beeindruckte. Doch mein Mund wurde trocken bei der Vorstellung, dieses Können im Ernstfall angewandt zu sehen.
Er beugte sich zu mir hinüber, drückte mir einen zärtlichen Kuss auf den Hals und nutzte die Gelegenheit, mich etwas zu drehen, so dass ich mich einem der wirren Felshaufen gegenübersah.
»Bald, denke ich«, murmelte er und küsste mich geschäftig. »Siehst du die schmale Lücke in den Felsen?« Ich sah sie; ein kleiner Unterschlupf von weniger als einem Meter Höhe, der durch zwei aneinanderlehnende Steinplatten gebildet wurde.
Er nahm mein Gesicht in die Hände und liebkoste es mit der Nase. »Wenn ich ›los‹ sage, schlüpfe hinein und bleib dort. Hast du den Dolch?«
Er hatte darauf bestanden, dass ich den Dolch behielt, den er mir an jenem Abend im Gasthaus zugeworfen hatte, obwohl ich meinerseits darauf bestanden hatte, dass ich ihn weder benutzen konnte noch wollte. Doch Dougal hatte recht gehabt – Jamie war stur.
Demzufolge befand sich der Dolch in einer der tiefen Taschen meines Kleids. Am ersten Tag war mir das Gewicht an meinem Oberschenkel noch unangenehm bewusst gewesen, doch inzwischen spürte ich ihn kaum noch. Jamie fuhr mir spielerisch mit der Hand über das Bein, um sich zu vergewissern, dass der Dolch da war.
Dann hob er den Kopf wie eine Katze, die die Witterung prüft. Als ich ihn ansah, bekam ich mit, dass er den Blick auf Murtagh richtete, dann wieder auf mich. Der kleine Mann ließ sich zwar nichts anmerken, erhob sich aber und räkelte sich ausführlich. Als er sich wieder setzte, war er mir ein ganzes Stück näher gekommen.
Hinter uns wieherte ein nervöses Pferd. Als wäre das ein Signal gewesen, kamen sie kreischend über die Felsen. Keine Engländer, wie es meine Befürchtung gewesen war, und auch keine Banditen. Es waren Highlander, die wie von Sinnen brüllten. Grants vermutlich. Oder Chisholms.
Ich kroch auf allen vieren auf die Felsen zu. Zwar stieß ich mir heftig den Kopf und zerkratzte mir die Knie, doch es gelang mir, mich in die Spalte zu zwängen. Hämmernden Herzens tastete ich nach dem Dolch in meiner Tasche und schnitt mir dabei beinahe selbst in die Hand. Ich hatte zwar keine Ahnung, was ich mit dem langen, gefährlich aussehenden Messer anstellen sollte, doch ich fühlte mich etwas besser damit. Ein Mondstein war in den Griff eingelassen, und es war beruhigend, die kleine Rundung in meiner Hand zu spüren; zumindest wusste ich auf diese Weise, dass ich im Dunkeln das richtige Ende des Dolchs erwischt hatte.