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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Plötzlich trat der Behüter leise aus der Dunkelheit in den Saal. Moiraine erwachte und setzte sich auf, als habe er eine Glocke geläutet. Lan öffnete die Hand; drei kleine Gegenstände fielen vor ihr auf die Fußbodenplatten. Das Klicken ihres Aufpralls hörte sich nach Eisen an. Es waren drei blutrote Abzeichen in Form gehörnter Schädel.

»Es sind Trollocs innerhalb der Stadtmauern«, sagte Lan. »Sie werden in wenig mehr als einer Stunde hier sein. Und die Dha'vol sind die schlimmsten unter ihnen.« Er weckte die anderen auf.

Moiraine fing ungerührt an, ihre Decken zusammenzufalten. »Wie viele? Wissen sie, daß wir hier sind?« Sie klang, als habe sie es gar nicht eilig.

»Ich glaube nicht«, antwortete Lan. »Es sind gut hundert, und sie haben solche Angst, daß sie alles töten würden, was sich bewegt, einschließlich anderer Trollocs. Die Halbmenschen müssen sie mühsam vorwärts treiben -vier, um nur eine Handvoll zu befehligen -, und selbst die Myrddraal scheinen sich nichts sehnlicher zu wünschen, als die Stadt so schnell wie möglich zu durchqueren und dann wieder zu verlassen. Sie weichen nicht von ihrem eingeschlagenen Weg ab, um nach uns zu suchen, und sie sind so nachlässig! Wenn sie nicht geradewegs auf uns zumarschierten, würde ich sagen, wir müßten uns keinerlei Sorgen machen.« Er zögerte.

»Gibt es noch etwas?«

»Nur soviel«, sagte Lan bedächtig. »Die Myrddraal zwangen die Trollocs in die Stadt hinein. Was hat die Myrddraal gezwungen?«

Alle hatten schweigend gelauscht. Jetzt fluchte Thom leise vor sich hin, und Egwene hauchte eine Frage: »Der Dunkle König?«

»Sei kein Narr, Mädchen«, fauchte Nynaeve. »Der Dunkle König liegt in Shayol Ghul in Ketten, wo ihn der Schöpfer gefangennahm.«

»Im Augenblick jedenfalls«, stimmte Moiraine zu. »Nein, der Vater der Lügen ist nicht dort draußen, aber wir müssen in jedem Fall fort.«

Nynaeve blickte sie scharf an. »Den Schutz der Amulette verlassen und Shadar Logoth bei Nacht durchqueren.«

»Oder hier bleiben und uns den Trollocs stellen«, sagte Moiraine. »Sie von hier fernzuhalten, das könnte nur mit Hilfe der Einen Macht geschehen. Das würde die Amulette zerstören und genau das anlocken, wogegen sie uns schützen sollen. Außerdem könnten wir dann gleich auf einem der Türme ein Leuchtfeuer entzünden, das jeder Halbmensch auf zwanzig Meilen Umkreis sieht. Ich renne nicht gern weg, doch wir sind die Hasen, und die Hunde bestimmen die Jagd.«

»Was ist, wenn außerhalb der Mauern noch mehr warten?« fragte Mat. »Was machen wir dann?«

»Wir werden uns an meinen ursprünglichen Plan halten«, sagte Moiraine. Lan sah sie an. Sie hob eine Hand und fügte hinzu: »Ich war nur zu müde, um mich vorher schon daran zu halten. Aber nun bin ich dank der Seherin ausgeruht. Wir machen uns auf den Weg zum Fluß. Dort wird uns das Wasser den Rücken decken, und ich kann ein kleineres Amulett anfertigen, das die Trollocs und Halbmenschen abhält, bis wir Flöße gebaut und den Fluß überquert haben. Oder was noch besser wäre: Vielleicht können wir uns einem Händlerboot bemerkbar machen, das von Saldaea herunterkommt, und mitfahren.«

Die Gesichter der Emondsfelder drückten Unverständnis aus. Lan bemerkte das.

»Trollocs und Myrddraal verabscheuen tiefes Wasser. Trollocs haben schreckliche Angst davor. Keiner von ihnen allen kann schwimmen. Ein Halbmensch watet höchstens durch hüfthohes Wasser, vor allem, falls eine Strömung herrscht. Trollocs machen noch nicht einmal das, wenn sie es vermeiden können.«

»Also sind wir in Sicherheit, sobald wir über den Fluß kommen«, sagte Rand, und der Behüter nickte.

»Die Myrddraal werden beinahe genauso große Schwierigkeiten damit haben, die Trollocs Flöße bauen zu lassen, wie damit, sie nach Shadar Logoth hineinzubringen, und wenn sie trotzdem versuchen, sie auf diesem Weg über den Arinelle zu bringen, dann läuft ihnen die Hälfte weg, und der Rest wird vermutlich ertrinken.«

»Auf die Pferde«, sagte Moiraine. »Wir sind noch nicht über den Fluß.«

20

Wie Staub im Wind

Als sie das weiße Steingebäude auf ihren nervös tänzelnden Pferden verließen, kam der eisige Wind in Böen, seufzte über die Dächer, peitschte Umhänge wie Flaggen und trieb dünne Wolkenfetzen über die feine Sichel des Mondes. Nach einem leisen Befehl, nahe beieinander zu bleiben, führte Lan sie die Straße hinunter an. Die Pferde bewegten sich unruhig und zogen an ihren Zügeln. Sie wollten schnell weg von diesem Ort.

Rand lugte mißtrauisch hinauf zu den Gebäuden, an denen sie vorbeikamen. Sie ragten hoch in die Nacht hinein, und ihre leeren Fenster wirkten wie die Augenhöhlen eines Schädels. Schatten schienen sich zu bewegen. Gelegentlich hörte man etwas klappern — Schutt, den der Wind zum Abrutschen gebracht hatte. Wenigstens sind die Augen weg. Es war nur eine kurze Erleichterung, die er da spürte. Warum sind sie weg?

Thom und die Emondsfelder hielten sich dicht beieinander. Sie waren sich so nahe, daß sie sich fast berühren konnten. Egwenes Schultern waren eingezogen, als bemühe sie sich, den Hufschlag Belas auf dem Pflaster noch leichter zu machen. Rand hätte am liebsten gar nicht geatmet. Geräusche könnten die Aufmerksamkeit auf sie lenken. Plötzlich wurde ihm klar, daß sich vor ihnen eine Lücke aufgetan hatte, die sie von dem Behüter und der Aes Sedai trennte. Die beiden waren nur als undeutliche Gestalten gute dreißig Schritte vor ihnen zu erkennen.

»Wir bleiben zurück«, murmelte er und klatschte mit den Stiefeln auf Wolkes Flanken, um diesen zu einer schnelleren Gangart zu bewegen. Ein dünner, silbergrauer Nebelfaden trieb in geringer Höhe über die Straße vor ihm. »Halt!« Das kam als ein unterdrückter Schrei von Moiraine, scharf und dringlich, aber so gehalten, daß er nicht weit hörbar war.

Unsicher hielt er Wolke an. Der Nebelsplitter lag nun quer über der Straße und wurde langsam dicker, als quölle immer mehr davon aus den Gebäuden zu beiden Seiten der Straße. Jetzt war er so dick wie der Arm eines ausgewachsenen Mannes. Wolke wieherte leise und versuchte, nach hinten auszuweichen, während Egwene und Thom und die anderen sie einholten. Auch ihre Pferde warfen die Köpfe hoch und wehrten sich dagegen, dem Nebel zu nahe zu kommen.

Lan und Moiraine ritten langsam auf den Nebel zu, der mittlerweile so stark wie ein Bein geworden war, und hielten dann auf der gegenüberliegenden Seite in einigem Abstand an. Die Aes Sedai betrachtete den Nebelarm, der sie trennte, ganz genau. Rand zuckte nervös, als sich zwischen seinen Schulterblättern ein Juckreiz, wohl aus Angst, bemerkbar machte. Der Nebel wurde von einem schwachen Leuchten umgeben, dessen Helligkeit zunahm, als der neblige Tentakel fetter wurde. Aber das Leuchten war trotzdem nicht viel stärker als der Mondschein. Die Pferde waren unruhig; sogar Aldieb und Mandarb.

»Was ist das?« fragte Nynaeve.

»Das Böse an Shadar Logoth«, antwortete Moiraine. »Mashadar. Es sieht nichts, denkt nicht und bewegt sich genauso ziellos durch die Stadt wie ein Wurm sich durch den Boden bohrt. Wenn es dich berührt, mußt du sterben.« Rand und die anderen ließen schnell ihre Pferde ein paar Schritte rückwärtstänzeln, aber nicht zu weit. So sehr sich Rand auch wünschte, die Aes Sedai los zu sein: Verglichen mit dem, was da vor ihnen lag, wirkte sie wie ein Hort der Sicherheit.

»Wie sollen wir dann zu Euch hinüberkommen?« fragte Egwene. »Könnt Ihr es töten... den Weg freimachen?«

Moiraines Lachen klang bitter und war kurz. »Mashadar ist riesengroß, Mädchen, so groß wie Shadar Logoth selbst. Der ganze Weiße Turm könnte es nicht töten. Wenn ich es in dem Maße verletze, wie es nötig ist, um Euch herüberkommen zu lassen, dann würde die verbrauchte Menge der Einen Macht wie ein Signalfeuer die Halbmenschen anlocken. Und Mashadar würde herbeistürzen, um den Schaden, den ich angerichtet hätte, zu heilen und uns vielleicht in seinem Netz zu fangen.«

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