Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Soll ich dir das Haar flechten?«, fragte ich. Wenn er zu den Docks ging, bat er mich manchmal, ihm die rote Mähne zu einem festen Zopf zu flechten, der dem Zerren des Windes an Deck und auf dem Kai standhalten würde. Er zog mich immer wieder damit auf, dass er den Zopf eines Tages in Teer tauchen würde, wie es die Seeleute taten, um das Problem ein für alle Mal zu lösen.
Er schüttelte den Kopf und griff nach seinem Kilt.
»Nein, heute statte ich Seiner Hoheit, Prinz Charles, einen Besuch ab. In seinem Haus mag es zwar ziehen, aber ich glaube nicht, dass es mir die Haare in die Augen wehen wird.« Er lächelte mich an und kam zum Bett. Er sah meine Hand auf meinem Bauch liegen und legte die seine sacht darüber.
»Fühlst du dich gut, Sassenach? Die Übelkeit ist besser?«
»Viel besser.« Eigentlich war die Morgenübelkeit vorüber, auch wenn mir hin und wieder noch schlagartig schlecht wurde. Ich stellte fest, dass ich den Geruch gebratener Kutteln mit Zwiebeln nicht ertragen konnte, und musste dieses populäre Gericht vom Speiseplan der Dienstboten verbannen, da sich der Geruch wie ein Gespenst aus der im Keller gelegenen Küche über die Hintertreppe schlich, um mich unerwartet anzufallen, wenn ich die Wohnzimmertür öffnete.
»Gut.« Er hob meine Hand und beugte sich darüber, um mir zum Abschied die Fingerknöchel zu küssen. »Schlaf wieder ein, a nighean donn«, wiederholte er.
Er schloss die Tür so leise hinter sich, als schliefe ich schon. Ich blieb in der frühmorgendlichen Stille des Schlafzimmers allein, und die Eichentür sperrte die kleinen geschäftigen Geräusche des Haushalts aus.
Auf der gegenüberliegenden Wand leuchteten Rechtecke aus blassem Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel. Ich konnte jetzt schon sagen, dass es ein herrlicher Tag werden würde; in der Frühlingsluft reifte die Wärme heran, und in den Gärten von Versailles öffneten sich die Pflaumenblüten rosa und weiß und von Bienen umschwärmt. Die Höflinge würden heute genauso in die Gärten gehen und sich des Wetters erfreuen wie die Straßenverkäufer mit ihren Karren voller Ware.
Und auch ich erfreute mich, allein und nicht allein, in meinem friedvollen Kokon aus Wärme und Stille.
»Hallo«, sagte ich leise, eine Hand über den Schmetterlingsflügeln, die in meinem Inneren schlugen.
Dritter Teil
Malchance
Kapitel 18
Schande in Paris
Anfang Mai gab es eine Explosion im Königlichen Arsenal. Später erfuhr ich, dass ein Pförtner achtlos mit einer Fackel hantiert hatte, und eine Minute später war der größte Vorrat an Pulver und Schusswaffen in Paris mit einem Krach losgegangen, der die Tauben von Notre Dame aufschreckte.
Bei der Arbeit im Hôpital des Anges hörte ich zwar die Explosion nicht, doch ihre Echos kamen bei mir an. Obwohl sich das Hôpital am anderen Ende der Stadt befand, forderte die Explosion so viele Opfer, dass viele von ihnen keinen Platz in den anderen Krankenhäusern fanden und zu uns gebracht wurden, verstümmelt, verbrannt und stöhnend, in Wagen oder von Freunden auf Bahren durch die Straßen getragen.
Bis die letzten Opfer versorgt waren und wir den letzten frisch verbundenen Körper sanft unter den anonymen, schmutzigen Patienten des Hôpitals einreihten, war es vollständig dunkel.
Als ich sah, wie gewaltig die Aufgabe war, die auf die Schwestern zukam, hatte ich Fergus mit der Nachricht heimgeschickt, dass es spät werden würde. Er war mit Murtagh zurückgekehrt, und die beiden saßen draußen auf den Eingangsstufen und warteten darauf, uns nach Hause begleiten zu können.
Als Mary und ich erschöpft durch die Flügeltür kamen, trafen wir Murtagh dabei an, wie er Fergus die Kunst des Messerwerfens demonstrierte.
»Also los«, sagte er mit dem Rücken zu uns. »So gerade du kannst, bei drei. Eins … zwei … drei!« Bei »drei« ließ Fergus eine große weiße Zwiebel aus seiner Hand rollen, die hüpfend über den unebenen Boden kollerte.
Murtagh stand entspannt da, den Arm lässig angewinkelt, den Dolch an der Spitze zwischen zwei Fingern. Als die Zwiebel an ihm vorüberkreiselte, zuckte sein Handgelenk schnell und gezielt. Sonst bewegte sich nichts, nicht einmal sein Kilt schwang, doch die Zwiebel flog zur Seite und rollte tödlich verwundet vor seinen Füßen aus.
»B-Bravo, Mr. Murtagh!«, rief Mary und lächelte. Verblüfft drehte sich Murtagh um, und im Licht, das hinter uns durch die Tür fiel, konnte ich sehen, wie ihm die Röte in die hageren Wangen stieg.
»Mmmpfm«, sagte er.
»Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat«, entschuldigte ich mich. »Wir haben einige Zeit gebraucht, um alle zu versorgen und unterzubringen.«
»Och, aye«, sagte der schmale Schotte lakonisch. Er wandte sich an Fergus. »Wir sollten uns lieber eine Kutsche suchen, Junge; die Damen sollten so spät nicht mehr zu Fuß gehen.«
»Hier gibt es keine«, sagte Fergus achselzuckend. »Ich suche seit einer Stunde die ganze Straße ab; jede freie Kutsche in der Stadt ist zum Arsenal gefahren. Aber vielleicht finden wir ja an der Rue du Faubourg St.-Honoré etwas.« Er zeigte auf eine dunkle, enge Lücke zwischen zwei Gebäuden, die auf einen Durchgang zur nächsten Straße hindeutete. »Dort entlang geht es schnell.«
Nachdem er kurz stirnrunzelnd überlegt hatte, nickte Murtagh zustimmend. »Also schön, Junge. Gehen wir.«
Es war kalt in der Gasse, und trotz der mondlosen Nacht konnte ich meinen Atem in kleinen weißen Wölkchen aufsteigen sehen. Ganz gleich, wie dunkel es in Paris wurde, irgendwo brannte immer Licht; der Schimmer von Lampen und Kerzen sickerte durch die Fensterläden und die Ritzen in den Wänden hölzerner Gebäude; rings um die Stände der Straßenhändler sammelte sich Licht, und die kleinen Horn- oder Messinglampen, die an den Rückwänden der Karren oder den Kutschböcken befestigt waren, strahlten vor sich hin.
An der nächsten Straße gab es viele Kaufleute, und hier und dort hatten die Inhaber der diversen Geschäfte Laternen aus durchbohrtem Metall über ihren Türen und Eingängen hängen. Weil es ihnen nicht reichte, sich zum Schutz ihres Eigentums auf die Polizei zu verlassen, taten sich oft mehrere Geschäftsleute zusammen und heuerten einen Nachtwächter an, der ihre Läden hütete. Einen von ihnen sah ich vor der Segelmacherei zusammengekauert auf einem Berg aus zusammengefaltetem Segeltuch sitzen. Ich nickte als Antwort auf sein schroffes: »Bonsoir, Monsieur. Mesdames.«
Doch als wir fast an der Segelmacherei vorüber waren, hörte ich den Nachtwächter einen plötzlichen Alarmruf ausstoßen.
»Monsieur! Madame!«
Murtagh fuhr auf der Stelle mit gezogenem Schwert herum, um sich der Bedrohung zu stellen. Meine Reflexe waren langsamer, und ich war noch dabei, mich umzudrehen, als er schon den ersten Schritt tat. Mein Auge erhaschte die Bewegung im Türeingang hinter ihm. Der Hieb erwischte Murtagh von hinten, ehe ich einen Warnruf ausstoßen konnte, und er landete bäuchlings auf der Straße, alle viere erschlafft von sich gestreckt. Schwert und Dolch flogen ihm aus den Händen und landeten klappernd auf dem Pflaster.
Ich bückte mich hastig nach dem Dolch, als er an meinem Fuß vorüberglitt, doch zwei Hände packten von hinten meine Arme.
»Kümmert euch um den Mann«, befahl eine Stimme hinter mir. »Schnell!«
Ich zerrte am Griff meines Häschers; seine Hände fuhren an meine Handgelenke und verdrehten sie scharf, so dass ich aufschrie. Etwas Weißes blähte sich wie ein Gespenst auf der dunklen Straße, und der »Nachtwächter« beugte sich über Murtaghs hingestreckte Gestalt, ein Stück weißes Tuch in der Hand.