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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Hilfe!«, kreischte ich. »Lasst ihn in Ruhe! Hilfe! Banditen! Mörder! HILFE!«

»Ruhe!« Ich bekam eine schallende Ohrfeige, und alles drehte sich. Als meine Augen wieder aufgehört hatten zu tränen, konnte ich einen länglichen, wurstähnlichen Umriss in der Gosse ausmachen; Murtagh, fest in eine Hülle aus Segeltuch gewickelt. Der falsche Nachtwächter stand über ihn gebeugt. Jetzt erhob er sich grinsend, und ich konnte sehen, dass er maskiert war; ein dunkler Stoffstreifen bedeckte sein Gesicht von der Stirn bis zur Oberlippe.

Ein schmaler Lichtstreifen fiel aus dem benachbarten Krämerladen auf seine Gestalt, als er sich erhob. Trotz der Abendkälte trug er nicht mehr als ein Hemd, das in dem flüchtigen Licht smaragdgrün aufleuchtete. Eine Kniehose mit Schnallen am Knie und etwas, was erstaunlicherweise Seidenstrümpfe und Lederschuhe zu sein schienen, nicht die nackten Füße oder Holzschuhe, die ich erwartet hatte. Also keine gewöhnlichen Banditen.

Eine Sekunde lang konnte ich Mary neben mir sehen. Eine der maskierten Gestalten hatte sie fest von hinten gepackt und ihr einen Arm um die Taille geschlungen, während sich der andere wie eine Wühlmaus unter ihre Röcke vorarbeitete.

Der Mann, der vor mir stand, legte mir mit gespielter Liebenswürdigkeit die Hand in den Nacken und zog mich an sich. Die Maske hatte seinen Mund aus offensichtlichen Gründen ausgespart. Seine Zunge fuhr mir in den Mund. Sie schmeckte kräftig nach Alkohol und Zwiebeln; ich würgte, biss zu und spuckte aus, als sie herausgezogen wurde. Er schlug mich so fest, dass ich in der Gosse auf die Knie ging.

Marys silberbeschlagene Schuhe traten gefährlich dicht vor meiner Nase um sich, als ihr jetzt der Grobian, der sie festhielt, ohne Umschweife den Rock über die Taille riss. Ich hörte Satin reißen, und über mir ertönte ein lauter Schrei, als sich seine Finger zwischen ihre widerstrebenden Oberschenkel schoben.

»Eine Jungfrau! Ich habe eine Jungfrau!«, krähte er. Einer der Männer verbeugte sich spöttisch vor Mary.

»Mademoiselle, meine Gratulation! Euer Mann wird Grund haben, uns in Eurer Hochzeitsnacht zu danken, da er keine lästigen Hindernisse vorfinden wird, die seinem Vergnügen im Weg sein könnten. Doch wir sind selbstlos – wir erwarten keinen Dank für unsere Dienste. Anderen zu helfen, ist uns Vergnügen genug.«

Wenn noch etwas anderes als die Seidenstrümpfe nötig gewesen wäre, um mir zu sagen, dass die Angreifer kein Gesindel von der Straße waren, so hätte diese kleine Rede – die mit brüllendem Gelächter aufgenommen wurde – diesen Zweck erfüllt. Den maskierten Gesichtern Namen zuzuordnen, war etwas ganz anderes.

Die Hände, die jetzt meinen Arm packten, um mich hochzuzerren, waren gepflegt und hatten einen kleinen Schönheitsfleck just über dem Daumenansatz. Das musste ich mir merken, dachte ich grimmig. Falls sie uns hinterher am Leben ließen, konnte es sich als nützlich erweisen.

Jemand anders packte von hinten meine Arme und riss sie mit solcher Gewalt zurück, dass ich aufschrie. In der Haltung, die ich so einnahm, ragten meine Brüste aus dem tiefen Ausschnitt des Mieders, als würden sie auf dem Serviertablett präsentiert.

Der Mann, der der Anführer zu sein schien, trug ein loses Hemd in einem hellen Farbton, das mit dunkleren Flecken verziert war – Stickerei vielleicht. Dadurch war sein Umriss in der Dunkelheit verschwommen, und es war schwer, ihn genauer zu betrachten. Doch als er sich vorbeugte und mir abschätzend mit den Fingern über die Rundungen der Brüste fuhr, konnte ich sein dunkles Haar sehen, das er sich flach an den Kopf geschmiert hatte, und seine schwülstige Pomade riechen. Er hatte große Ohren, die die Halterungen seiner Maske umso besser trugen.

»Sorgt Euch nicht, Mesdames«, sagte Fleckenhemd. »Wir wollen Euch nichts Böses; uns ist nur nach einer kleinen, harmlosen Etüde zumute – Eure Ehemänner oder Verlobten brauchen es gar nicht zu erfahren –, dann lassen wir Euch gehen.«

»Zunächst dürft Ihr uns mit Euren süßen Lippen die Ehre erweisen, Mesdames«, verkündete er, während er zurücktrat und an den Schnüren seiner Hose zupfte.

»Nicht die da«, protestierte Grünhemd und zeigte auf mich. »Sie beißt.«

»Nicht, wenn sie ihre Zähne behalten möchte«, erwiderte sein Begleiter. »Auf die Knie, Madame, wenn Ihr so freundlich wärt.« Er drückte mir die Schultern fest nach unten, und ich fuhr stolpernd zurück. Er packte mich, um zu verhindern, dass ich entwischte, und die weite Kapuze meines Umhangs fiel zurück und gab mein Haar frei. Da sich die Haarnadeln in dem Handgemenge gelöst hatten, fiel es mir über die Schultern. Einzelne Strähnen wehten im Abendwind wie Banner und peitschten mir das Gesicht.

Ich stolperte rückwärts, entwand mich dem Angreifer, schüttelte den Kopf, um meine Augen von den Haaren zu befreien. Die Straße war zwar dunkel, doch im schwachen Laternenschein, der durch die Fensterläden fiel, und im Schimmer der Sterne konnte ich dennoch ein wenig sehen.

Mary trat immer noch um sich; ihre silbernen Schuhschnallen fingen das Licht. Sie lag auf dem Rücken und wehrte sich gegen einen der Männer, der darum kämpfte, sich die Hose herunterzuziehen und sie gleichzeitig im Griff zu behalten. Ich hörte Stoff zerreißen, und seine Gesäßbacken glänzten weiß im Lichtstrahl einer Vorgartenpforte auf.

Arme packten mich um die Taille und zerrten mich rückwärts, so dass ich den Boden unter den Füßen verlor. Ich fuhr ihm mit dem Absatz über das Schienbein, und er kreischte entrüstet auf.

»Halt sie fest!«, befahl Fleckenhemd, der jetzt aus dem Schatten kam.

»Halt sie doch selber fest!« Mein Häscher schubste mich ohne Umschweife in die Arme seines Freundes, und die Vorgartenbeleuchtung schien mir in die Augen, so dass ich vorübergehend geblendet wurde.

»Mutter Gottes!« Die Hände, die meine Arme umklammerten, erschlafften, und als ich mich losriss, sah ich, dass Monsieur Fleckenhemd unter der Maske der Mund in entsetztem Erstaunen offen stand. Er wich vor mir zurück und bekreuzigte sich.

»In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti«, faselte er und bekreuzigte sich nach wie vor unablässig. »La Dame Blanche!«

»La Dame Blanche!« Der Mann hinter mir wiederholte den Ausruf im Tonfall des Horrors.

Fleckenhemd wich weiter zurück, und seine Hände beschrieben jetzt Zeichen, die zwar um einiges weniger christlich waren als das Kreuzzeichen, die aber vermutlich denselben Zweck verfolgten. Während er mir Zeige- und kleinen Finger in Form des alten Hörnerzeichens gegen das Böse entgegenhielt, arbeitete er eine Liste spiritueller Autoritäten ab, von der Dreifaltigkeit hin zu deutlich niedriger gestellten Mächten, deren lateinische Namen er so schnell vor sich hin murmelte, dass die Silben ineinanderliefen.

Erschüttert und benommen stand ich auf der Straße, bis mich ein furchtbarer Aufschrei am Boden wieder zu mir brachte. Der Mann, der auf Mary lag und zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, um auf die Vorgänge über ihm zu achten, stieß einen tiefen Laut der Befriedigung aus und begann, rhythmisch die Hüften zu bewegen, begleitet von Marys ohrenbetäubendem Kreischen.

Aus purem Instinkt trat ich einen Schritt auf sie zu, holte mit dem Bein aus und trat ihn in die Rippen, so fest ich konnte. Die Luft fuhr ihm mit einem verblüfften »Uff!« aus den Lungen, und er kippte zur Seite.

Einer seiner Freunde rannte zu ihm, nahm ihn beim Arm und rief drängend: »Hoch! Hoch! Es ist La Dame Blanche! Nichts wie weg!«

Der Mann, der immer noch im Rausch der Vergewaltigung gefangen war, starrte verständnislos vor sich hin und versuchte, sich wieder zu Mary umzudrehen, die sich panisch wand und zappelte, um ihre Röcke unter dem Gewicht zu befreien, das sie am Boden hielt. Sowohl Grünhemd als auch Fleckenhemd zerrten Marys Peiniger jetzt an den Armen, und es gelang ihnen, ihn hochzuziehen. Die zerrissene Hose hing ihm um die Oberschenkel, und seine blutverschmierte Erektion bebte in blindwütigem Eifer zwischen seinen baumelnden Hemdschößen.

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