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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Wie ich gesagt habe, ich habe mich eine Weile mit Lewko unterhalten«, fuhr Biast fort. Er setzte sich wieder an das niedrige Tischchen mit dem Tablett und bedeutete Ingrey, dasselbe zu tun. Ingrey zog einen Stuhl heran und wartete aufmerksam ab. »Die Kirche des Bastards — und ich glaube, damit meinte Lewko sich selbst und eine Hand voll mächtiger Tempelzauberer — hat Cumril endlich genauer befragt.«

»Gut. Ich hoffe, sie haben ihm die Füße ins Feuer gehalten.«

»Etwas in der Art. Wie ich hörte, haben sie es nicht gewagt, ihn zu sehr unter Druck zu setzen, damit sein Dämon nicht wieder die Oberhand gewinnt. Allein die Furcht davor, so versicherte mir Lewko, war für Cumril ein größerer Ansporn als jede Drohung, die seine Befrager gegen den Körper ausüben konnten.« Er runzelte zweifelnd die Stirn.

»Das kann ich verstehen.«

»Vielleicht.« Biast lehnte sich zurück. »Mich hat viel mehr Cumrils Beteuerung erschreckt, dass mein Bruder tatsächlich meine Ermordung plante, wie Ihr bereits vermutet hattet. Woher wusstet Ihr das?«

Deshalb also hatte er Fara zum Gehen gedrängt, damit er frei über diese schmerzhaften Angelegenheiten reden konnte. Ingrey zuckte die Achseln. »Ich bin kein Hellseher. Wenn jemand die Krone des Geheiligten Königs erstrebt und dabei eine geringere Anhängerschaft hat, als Ihr bereits hinter Euch versammeln konntet, wäre das ein folgerichtiger Schritt.«

»Ja, aber mein eigener …« Biast unterbrach sich und biss sich auf die Lippe.

Ingrey nutzte die Gelegenheit, einen weiteren Faden einzuflechten. »Dann hat es ja den Anschein, als hätte Lady Ijada nicht nur ihr eigenes, sondern auch Euer Leben gerettet. Und die Seele Eures Bruders vor einer größeren Sünde und einem schweren Verbrechen bewahrt. Oder Euer Gott hat es durch sie getan.«

Biast schwieg eine Weile und dachte voll Unbehagen über diesen Einwand nach. Schließlich sagte er: »Ich weiß nicht, womit ich mir den Hass meines Bruders zugezogen habe.«

»Ich vermute, dass sein Verstand am Ende vollkommen aus den Fugen geraten ist. Bolesos wahnwitzige Phantastereien scheinen mir der Ansporn für sein Verhalten zu sein.«

»Ich habe nicht erkannt, dass er so … verirrt war. Nach diesem ersten schrecklichen Zwischenfall mit dem Diener habe ich meinem Vater geschrieben, dass ich nach Hause kommen würde. Er aber schickte mir die Antwort, ich solle auf meinem Posten bleiben. Der Niederwurf einer aufsässigen, aber schlecht ausgestatteten Grenzfestung und einiger Räuberbanden scheinen mir nun eine weit weniger wichtige Lehre zu sein als das, was ich in derselben Zeit an Erfahrungen in Ostheim hätte sammeln können. Ich nehme an, mein Vater wollte mich aus dem Skandal heraushalten.«

Oder ihn womöglich vor schlimmeren und weniger offensichtlichen Dingen beschützen? Oder waren Einflüsterungen von ganz anderer Seite dafür verantwortlich, dass Biast während dieser Krise an der Grenze und aus dem Verkehr gezogen blieb? War auch hier irgendwo der Abdruck von Rossflutens Hufen zu finden?

Biast seufzte. »Ich hatte erwartet, die Krone aus den Händen meines Vaters noch zu Lebzeiten zu empfangen, wenn die Zeit gekommen ist, wie jeder andere Hirschendorn-König vor mir. Die Wahl und Krönung meines älteren Bruders Byza hatte er schon vor drei Jahren geplant, vor Byzas vorzeitigem Tod. Jetzt muss ich mit meinen eigenen Händen zupacken oder die Krone fallen lassen.«

»Byza starb an einer plötzlichen Krankheit, nicht wahr?« Ingrey war zu diesem Zeitpunkt nicht in Ostheim gewesen, sondern auf einem frühen Botengang für Hetwar zu den unteren Häfen unterwegs, und er hatte die königliche Bestattung versäumt. Biast hatte das Banner des Fürstmarschalls, das vor ihm seinem Bruder gehört hatte, nur wenige Wochen später empfangen. Hatte dieser Präzedenzfall bei Boleso allzu ungesunde Grübeleien ausgelöst?

»Wundstarrkrampf.« Biast erschauderte bei der Erinnerung. »Ich war zu dieser Zeit in Byzas Tross bei seinem Schiffslager in der Nähe von Remshaven. Er bereitete neue Schiffe für Manöver vor. Mehrere Männer wurden befallen. Die fünf Götter mögen mir ein solches Schicksal ersparen. Ich habe seitdem eine Abneigung gegen Sterbebetten. Wenn ich nur daran denke, dass ich bald an ein weiteres treten muss … Ich bete fünfmal am Tag für die Genesung meines Vaters.«

Ingrey hatte den sterbenden Geheiligten König vor einigen Wochen das letzte Mal persönlich gesehen, unmittelbar vor seinem Schlaganfall. Damals schon hatte er eine gelbliche Hautfarbe gehabt, einen aufgetriebenen Leib und eingefallene Wangen. Seine Bewegungen waren schwerfällig gewesen, seine Stimme leise und undeutlich. »Ich glaube, wir müssen für ihn nun andere Gnaden erbitten.«

Biast blickte beiseite, widersprach aber nicht. »Die Anschuldigung gegen Boleso, wenn es nicht nur eine Verleumdung von Cumril ist, lässt mich daran zweifeln, wem ich noch trauen kann.« Sein Blick, der zu Ingrey zurückkehrte, ließ in diesem ein eigenartiges Gefühl aufsteigen.

»Jedem, so weit es ihm gebührt.«

»Dies setzt aber die Fähigkeit voraus, Menschen richtig einzuschätzen, und damit wären wir wieder am Anfang. Habt Ihr schon die Einschätzung meines Schwagers abgeschlossen?«

»Nicht vollständig.«

»Ist er eine Gefahr wie Boleso?«

»Er ist … schlauer.« Und das galt auch für Biast, davon war Ingrey allmählich überzeugt. »Ohne jemanden kränken zu wollen«, fügte er in einem verspäteten Versuch der Höflichkeit hinzu.

Biast verzog das Gesicht. »Zumindest kann man wohl davon ausgehen, dass er nicht so verrückt ist.«

Schweigen.

»Darauf kann man sich doch verlassen, oder?«

»Ich verlasse mich auf niemanden«, wich Ingrey der Frage aus.

»Nicht einmal auf die Götter?«

»Auf die am wenigsten.«

»Hm.« Biast rieb sich den Nacken. »Nun, unter den gegebenen Umständen bereitet mir die anstehende Königswürde wenig Freude. Aber ich bin auch nicht bereit, sie über meine Leiche hinweg in die Hände von Ungeheuern fallen zu lassen.«

»Gut, Hoheit«, meinte Ingrey. »Das ist doch schon mal eine Richtschnur.«

Symark hatte dem Wortwechsel mit verschränkten Armen zugehört. Nun erhob er sich und ging zum Fenster hinüber, anscheinend um den Stand der Sonne zu prüfen, denn er wandte sich um und bedachte seinen Herrn mit einem fragenden Blick. Biast antwortete mit einem Nicken und stand mit einem müden Ächzer auf. Ingrey erhob sich ebenfalls.

Biast fuhr sich mit der Hand durchs Haar, in einer Geste, die er mit ziemlicher Sicherheit von Hetwar abgeschaut oder aufgeschnappt hatte. »Habt Ihr heute sonst noch einen Rat für mich, Lord Ingrey?«

Ingrey war nur ein oder zwei Jahre älter als Biast. Das konnte also nicht der Grund sein, warum der Prinz seinem Rat eine besondere Bedeutung zumaß. »In allen Fragen der Politik seid Ihr von Hetwar besser beraten, Hoheit.«

»Und in anderen Fragen?«

Ingrey zögerte. »Was politische Fragen der Kirche angeht, ist Fritine am besten informiert; aber behaltet im Auge, dass er stets auch im Sinne seiner Familie urteilt. Für … äh, angewandte Theologie solltet Ihr Lewko aufsuchen.«

Biast schien einen Augenblick über die beunruhigenden Implikationen dieses angewandt nachzugrübeln. »Warum?«

Ingrey streckte die Finger aus und tippte dann damit auf den Daumenballen. »Weil der Daumen alle vier anderen Finger berührt.« Diese Worte schienen aus dem Nichts über seine Lippen zu kommen und ließen ihn beinahe erschrocken zurückzucken.

Biast bedachte Ingrey mit einem seltsamen Blick und ballte unbewusst die Hand. »Das werde ich im Gedächtnis behalten. Passt auf meine Schwester auf.«

»Ich werde mein Bestes tun, Hoheit.«

Biast nickte ihm zu, bedeutete Symark, voranzugehen, und trat hinter ihm aus dem Gemach.

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