Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Würden die Götter uns für zerstörerische Zwecke benutzen?« Sie hatte ihre Kinder nicht mitgebracht — um der Geschwindigkeit oder um der Einfachheit willen? Oder wegen der Sicherheit? Der Kinder. Nicht ihrer.
»Kann sein.« Ihre Stimme war vollkommen ruhig.
»Ihr seid nicht sehr beruhigend, Hochwürden.«
Mancher hätte das Lächeln, mit dem sie ihn daraufhin bedachte, als geheimnisvoll bezeichnet. Doch Ingrey fand es eher bitter. Er erwiderte ihren Abschiedsgruß auf dieselbe Weise und blickte hinten aus dem Wagen, ob jemand sie beobachtete. Über die Schulter sagte er noch zu ihr: »Wenn Ihr gleich zu Lewko geht, findet Ihr dort vielleicht noch Euren Gatten vor. Und womöglich einen rothaarigen Inselbewohner, dessen Zunge wahlweise von üblem Gesöff oder den Segensküssen der Frühlingsherrin benetzt ist, oder von beidem.«
»Ah-ha!«, sagte Hallana und setzte sich in plötzlicher Begeisterung auf. »Das ist ein Teil meines Traumes, bei dem ich nichts dagegen hätte, wenn er sich als prophetisch erwiese. Ist er wirklich so goldig, wie er wirkte?«
»Ich … glaube nicht, dass ich dazu etwas sagen kann«, erwiderte Ingrey nach einem Augenblick der Verwirrung. Er schwang sich aus dem Wagen, schlüpfte an der Seite vorbei und nahm die Abkürzung durch die Gasse auf das Anwesen der Rossflutens zu.
Der Pförtner des Grafen ließ ihn ein, mit einem gemurmelten: »Meine Herrin und der Fürstmarschall erwarten Euch bereits im Birkensaal, Lord Ingrey.«
Ingrey nahm den Hinweis mit einem Nicken entgegen und stieg sofort die Treppen hinauf. Es war dasselbe Gemach wie das, in dem er am ersten Tag seines so genannten Dienstes Fara überrascht hatte. Vielleicht machten es die ruhigen Farben und die nüchterne Einrichtung zu einem ihrer bevorzugten Zufluchtsorte. Dort fand er die kleine Gesellschaft versammelt. Biast und Symark unterhielten sich bei einem Tablett mit Brot und Käse. Fara lag halb auf einem Kanapee, während eine ihrer Damen ihr ein feuchtes Tuch gegen die Stirn presste. Kühler Lavendelduft stand in der Luft.
Als Ingrey eintrat, fasste Fara sich wieder und setzte sich auf. Sie bedachte ihn mit einem besorgten Blick. Ihr Gesicht war bleich, die Haut um die Augen grau. Er erinnerte sich wieder an Ijadas Bericht, dass die Prinzessin zu Kopfschmerzen neigte.
»Lord Ingrey.« Biast bedeutete ihm liebenswürdig, Platz zu nehmen. »Der gelehrte Geistliche hat Euch lange aufgehalten.«
Ingrey ließ diese Bemerkung mit einem Nicken durchgehen. Er hatte keine Lust, etwas von Hallana zu erzählen.
Fara hatte nicht die Geduld für diplomatisches Vorgeplänkel. »Was hat er Euch gefragt? Hat er noch etwas über mich wissen wollen?«
»Er hat nichts mehr über Euch gefragt, Herrin, und auch nicht über die Geschehnisse auf Burg Keilerkopf«, versicherte Ingrey. In offensichtlicher Erleichterung lehnte Fara sich wieder zurück.
»Seine Fragen waren größtenteils …«, er zögerte, »theologischer Natur.«
Biast schien die Erleichterung seiner Schwester nicht zu teilen. In neuerlicher Besorgnis kniff er die Brauen zusammen. »Ging es um unseren Bruder?«
»Nur indirekt, Hoheit.« Es schien keinen Grund zu geben, mit Biast nicht offen über Oswins Fragen zu reden, obwohl Ingrey nicht sicher war, ob er jetzt schon seine anderen Verbindungen zu dem gelehrten Geistlichen enthüllen wollte. »Er wollte wissen, ob ich Lady Ijadas Seele von ihrem Leopardengeist befreien kann, wenn sie sterben sollte, wie ich es anscheinend für den verstorbenen Prinzen getan habe. Ich sagte, ich wüsste es nicht.«
Biast fuhr mit einem Stiefel über den Teppich, vor und zurück, blickte finster zu Boden, schien dabei auf die unwillkürliche Bewegung aufmerksam zu werden und hielt den Fuß still. Als er wieder aufblickte, klang seine Stimme ruhiger. »Habt Ihr tatsächlich den Gott gesehen? Von Angesicht zu Angesicht?«
»Er kam mir vor wie ein junger Edelmann auf der Jagd, von überwältigender Schönheit. Ich habe nicht den Eindruck gehabt …« Ingrey hielt inne; er wusste nicht recht, wie er es ausdrücken sollte. »Habt Ihr je gesehen, wie Kinder mit den Händen ein Schattenspiel auf einer Mauer ausführen? Der Schatten ist nicht die Hand, obwohl er von ihr hervorgerufen wird. Ich halte den jungen Mann, den ich gesehen habe, nur für den Schatten des Gottes, reduziert auf bloße Umrisse, die ich erfassen konnte … Umrisse, hinter denen sich unendlich viel mehr befand, das ich nicht sehen konnte, das aber nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem täuschenden Schatten gehabt hätte, wenn ich es hätte wahrnehmen können.«
»Hat Er Euch … irgendwelche Anleitungen für mich mitgegeben?« Biasts Tonfall zaghafter Hoffnung ließ diese Frage nicht überheblich klingen. Er schaute zu seiner aufmerksam zuhörenden Schwester hinüber. »Für irgendeinen von uns?«
»Nein, Hoheit. Habt Ihr denn das Gefühl, Ihr bräuchtet eine solche Anleitung?«
Biasts ließ ein freudloses Lachen vernehmen. »Vermutlich suche ich nach irgendeiner Sicherheit in einer unsicheren Zeit.«
»Dann sprecht Ihr mit dem falschen Krämer«, stellte Ingrey bitter fest. »Die Götter geben mir nichts als Andeutungen und Rätsel, die mich schier um den Verstand bringen. Was meine Vision angeht, wie ich es wohl nennen muss, so galt sie allein Bolesos Bestattung. In dieser Stunde besuchte der Gott nur seine Seele. Wenn unsere Stunde kommt, können wir auf dieselbe ungeteilte Aufmerksamkeit hoffen.«
Fara rieb mit der Hand über das Kleid an ihrem Oberschenkel in einer Anspannung, der ihres Bruders nicht unähnlich, und blickte auf. Die senkrechten Furchen zwischen ihren dichten Augenbrauen wurden tiefer, als sie über diesen düsteren Trost nachdachte, mit der Vorsicht eines gebrannten Kindes, das ein Feuer betrachtet.
»Ich habe gestern Abend eine ganze Weile mit dem Gelehrten Lewko gesprochen«, setzte Biast an und hielt wieder inne. Er schaute zu seiner Schwester hinüber. »Fara, du siehst wirklich nicht gut aus. Meinst du nicht, du solltest dich eine Weile hinlegen?«
Ihr Kammerfräulein nickte zustimmend. »Wir können auf Euren Gemächern die Vorhänge zuziehen, Herrin, und es ziemlich dunkel machen.«
»Das ist vielleicht besser.« Fara beugte sich vor und starrte eine Weile auf ihre Füße hinab, ehe sie sich zaghaft von ihrer Begleiterin hochziehen ließ. Auch Biast erhob sich.
Ingrey nutzte die Gelegenheit für ein wenig Höflichkeit, als Berechnung getarnt: »Tut mir Leid, dass Euch das so mitnimmt, Herrin. Aber wenn die Anhörung einen Akt der Selbstverteidigung ergibt, müsst Ihr Euch vielleicht nicht noch einmal derart bedrängen lassen.«
»Ich kann tun, was ich tun muss«, erwiderte sie kühl, wirkte aber so, als wäre es im Augenblick durchaus ein verlockender neuer Gedanke für sie, dass die Anklage fallen gelassen werden konnte. Sie bedachte ihn mit einem hinreichend höflichen Nicken, auch wenn sie gleich darauf die Hand gegen die Schläfe legen musste. Biasts Blick auf Ingrey war eher neugierig. Ingrey fragte sich, ob er doch noch einen Prozess von Ijada abwenden konnte, indem er zur rechten Zeit eine Bemerkung nach der anderen einflocht, wie Fäden in einem Netz, anstatt durch irgendeine plötzliche und spektakuläre Maßnahme. Wenn das so war, schön und gut. Die Ähnlichkeit zu Wenzels verwinkeltem Vorgehen entging ihm nicht.
Biast begleitete seine Schwester vor die Tür, überließ sie dort aber ihrer Kammerfrau. Kurz blickte er in beide Richtungen den Korridor entlang, ehe er in das Gemach zurücktrat und die Tür fest hinter sich schloss. Er musterte seinen Bannerträger Symark und dann Ingrey, als würde er irgendwelche Vergleiche anstellen. Ob es dabei allerdings um die körperliche Bedrohlichkeit oder persönliche Verschwiegenheit ging, konnte Ingrey nicht erraten. Symark war einige Jahre älter als sein Herr und ein gepriesener Schwertkämpfer. Vielleicht hielt Biast ihn für einen ausreichenden Schutz, sollte der Wolfsherr in Raserei verfallen und ihn angreifen. Oder er glaubte zumindest, dass Symark und Biast zusammen mit ihm fertig wurden. Ingrey legte keinen Wert darauf, den Fürstmarschall über diese beruhigende Fehleinschätzung aufzuklären.