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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Hallana fuhr herum. Ihr Gesicht hellte sich auf. »Ah! Lord Ingrey!« Sie klopfte Bernan auf die andere Schulter. »Siehst du, habe ich es nicht gesagt?« Der Schmied nickte müde, eine Geste irgendwo zwischen Zustimmung und Verzweiflung. Hallana stieg über ihn hinweg, sprang auf die Straße und stand vor Ingrey.

Sie hatte sich von ihren lockeren, abgewetzten Roben getrennt und trug stattdessen ein kleidsames Reisegewand, ein dunkelgrüner Mantel über einem hellen Kleid, das in der Taille deutlich spannte. Ihre Tressen fehlten — reiste sie inkognito? Immer noch war sie klein und rundlich, wirkte aber deutlich gepflegter, die Haare zu ordentlichen Kränzen um den Kopf geflochten. Es gab keine sichtbaren Anzeichen von Kindern oder anderem Chaos in ihrem Kielwasser.

Ingrey deutete eine höfliche Verbeugung an. Sie antwortete mit einem Segen, obwohl das heilige Zeichen bei ihr ein hastiges Abhaken am Oberkörper war, »Ich bin so froh, Euch zu sehen«, ließ sie ihn wissen. »Ich suche Ijada.«

»Und wie?«, fragte Ingrey unwillkürlich. Offenbar hatte sie ihre Kräfte wieder unter Kontrolle.

»Für gewöhnlich fahre ich einfach nur herum, bis irgendwas passiert.«

»Das klingt nicht sonderlich effizient.«

»Ihr redet wie Oswin. Er hätte natürlich ein Raster über einen Stadtplan gelegt und dann jeden Sektor in genauer Reihenfolge abgearbeitet. Euch aufzuspüren ging deutlich schneller.«

Ingrey dachte darüber nach, besann sich aber eines Besseren. »Wenn wir gerade vom Gelehrten Oswin reden: Er trug mir auf, Euch auszurichten, dass er Gemach für euch alle im Gasthaus Lilienhof gegenüber dem Siechenhaus der Mutter auf dem Tempelberg angemietet hat.«

Diese Neuigkeit rief ein leises Stöhnen Bernans hervor.

»Oh!« Hallana wirkte noch erfreuter. »Ihr seid euch begegnet? Wie nett!«

»Und es überrascht Euch nicht, dass er Euch erwartet hat?«

»Oswin kann mitunter schrecklich schwerfällig sein, aber er ist nicht dumm. Natürlich konnte er sich denken, dass wir kommen. Irgendwann.«

»Der gelehrte Herr wird nicht sehr zufrieden mit uns sein«, prophezeite Hergi besorgt. »Das war schon in der Vergangenheit so.«

»Papperlapapp«, sagte Oswins Angetraute. »Ihr habt es überlebt.« Sie wandte sich wieder Ingrey zu, und ihre Stimme wurde ernst. »Hat er Euch von unserem Traum erzählt?«

»Nur kurz.«

»Wo ist eigentlich Ijada?«

»Ich sollte nicht gesehen werden, wie ich mit Euch spreche, und schon gar nicht belauscht.«

Hallana blickte zu dem überdachten Wagen, und Ingrey nickte. Er schwang sich hinter ihr ins düstere Innere, kletterte über Packstücke und ließ sich auf einem Schrankkoffer nieder. Voller Unbehagen schob er sein Schwert zurecht. Hallana nahm im Schneidersitz auf einer Pritsche Platz, die dick mit Decken ausgepolstert war, und blickte ihn erwartungsvoll an.

»Ijada ist in einem privaten Gebäude unweit des Hafendamms untergebracht.« Ingrey sprach leise. »Ritter Gesca trägt derzeit die Verantwortung für sie. Er ist Hetwars Mann, aber das Haus gehört dem Grafen von Rossfluten. Die Dienstboten dort sind Spione des Grafen, und auch auf Gescas Verschwiegenheit kann man sich nicht verlassen. Ihr solltet dort nicht auftauchen, ohne Euch als jemand anders ausgeben zu können. Lasst Euch vom Gelehrten Lewko dort einführen, womöglich getarnt als Heilkundige, die im Rahmen der gerichtlichen Befragungen Untersuchungen vornehmen soll. Dann hättet Ihr auch einen Vorwand, die Diener auszuschließen und mit Ijada unter vier Augen zu reden.«

Hallana kniff die Augen zusammen. »Interessant. Ist Faras Gemahl Ijada etwa doch nicht freundlich gesonnen — oder vielleicht allzu freundlich? Oder ist diese verzogene Prinzessin das Problem?«

»Fara ist ein ganzes Knäuel von Problemen, doch Wenzels Interesse an ihrer Zofe beruhte nicht auf Lüsternheit, wie Ihr es unterstellt hattet. Wenzel besitzt geheime Kräfte und verfolgt undurchschaubare Ziele. Hetwar hat mich gerade als Spion in seinem Haushalt untergebracht, damit ich diese Ziele ausfindig mache. Ich möchte nicht, dass dort noch mehr Schlamm aufgewühlt wird und mir den Blick trübt, als ohnehin schon im Wasser treibt.«

»Ihr haltet ihn für gefährlich?«

»Ja.«

»Für Euch?« Sie runzelte die Stirn.

Ingrey biss sich auf die Lippe. »Es ist der Verdacht aufgekommen, dass er einen Tiergeist in sich trägt. So wie den meinen. Das ist richtig, aber nicht die ganze Wahrheit.« Er zögerte. »Der Bann, den wir in Rottwall gebrochen haben — er ging von ihm aus.«

Hallana stieß die Luft aus. »Warum wurde er nicht festgenommen?«

»Nein!«, widersprach Ingrey scharf. Als sie ihn anstarrte, fügte er ruhiger hinzu: »Nein. Zunächst einmal bin ich mir noch nicht sicher, wie man diese Anschuldigung beweisen kann, und zweitens könnte eine voreilige Verhaftung eine Katastrophe auslösen.« Für mich zumindest.

Sie zwinkerte ihm aufmunternd zu. »Nun kommt schon, Lord Ingrey. Mir könnt Ihr doch mehr erzählen.«

Er fühlte sich ernsthaft in Versuchung geführt. »Ich glaube … noch nicht. Im Augenblick befinde ich mich in einem Stadium der Ereignisse … ich habe noch nicht … ich drehe mich immer noch im Kreis und warte darauf, dass etwas geschieht.«

»Oh.« Ein Ausdruck des Verständnisses trat auf ihr Gesicht. »Dieses Stadium. Das kenne ich gut.« Nach einer kurzen Pause setzte sie hinzu: »Mein Beileid.«

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Rund um die Naht fing es wieder zu wachsen an; es wurde allmählich Zeit, die Fäden zu ziehen. »Ich kann hier nicht verweilen. Ich muss Prinz Biast und Prinzessin Fara einholen. Euer Gemahl war bei der gerichtlichen Anhörung von Ijadas Fall zugegen. Vermutlich kann er Euch mehr berichten als ich. Lewko weiß auch einiges. Ich frage mich«, Ingrey versagte die Stimme, »ob ich Euch vertrauen kann.«

Ihr Kopf fuhr hoch und neigte sich ein wenig zur Seite. Trocken stellte sie fest: »Ich nehme an, das war nicht als Beleidigung gemeint.«

Ingrey schüttelte den Kopf. »Zur Zeit stolpere ich durch einen Morast von Lügen und Halbwahrheiten und noch seltsameren Geschichten. Das rechtmäßige Vorgehen, das offensichtliche Vorgehen — beispielsweise Wenzel festzusetzen — wäre im Augenblick nicht das Richtige, auch wenn ich es nicht näher erklären kann. Alles scheint im Fluss zu sein. Als würden die Götter selbst den Atem anhalten. Irgendetwas steht bevor.«

»Und was?«

»Wenn ich das wüsste, wenn ich das nur wüsste …« Ingrey hörte die wachsende Anspannung aus seiner Stimme heraus und verstummte abrupt.

»Pssst, ruhig«, beschwichtigte ihn Hallana, als würde sie ein nervöses Reittier beruhigen. »Vertraut Ihr mir zumindest insoweit, dass ich Vorsicht walten lassen kann, wenig sagen, zuhören und abwarten …«

»Könnt Ihr das?«

»Solange meine Götter mich nicht zu etwas anderem zwingen.«

»Eure Götter. Nicht Eure kirchlichen Vorgesetzten.«

»Ich habe es gesagt.«

Ingrey nickte und atmete tief durch. »Dann fragt Ijada. Sie ist die Einzige, der ich alles anvertraut habe, was ich bisher erfahren konnte. Alle anderen kennen nur Teile, Bruchstücke. Sie und ich sind in dieser Angelegenheit durch mehr als …«, seine Stimme geriet ins Stocken, »… Zuneigung verbunden. Wir hatten bereits zwei gemeinsame Visionen. Sie kann Euch mehr erzählen.«

»Gut. Ich werde sie so unauffällig aufsuchen, wie Ihr mir geraten habt.«

»Ich bin mir nicht sicher, ob die Götter und ich dieselben Ziele verfolgen. Ich bin mir jedoch absolut sicher, dass die Götter und Wenzel nicht dieselben Ziele haben.« Er legte die Stirn in Falten. »Oswin sagte, Ihr wäret zersprungen. In Eurem Traum. Ich habe nicht verstanden, was er damit gemeint hat.«

»Wir ebenso wenig.«

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