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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Ingrey verstand ihn. Wenn ich sage, ich kann ihre Seele läutern, so erlaubt ihnen dies, unbekümmert ihren Körper aufzuhängen. Wenn er sagte, er könne das nicht, wäre es eine Lüge. Aber was sonst? »Es war nur …«, flüsterte er, hielt inne und räusperte sich. Dann sprach er in normaler Lautstärke weiter: »Es war nur ein Traum, Hochwürden. Ihr baut zu viel darauf auf.«

Eine warme, herbstliche Stimme flüsterte irgendwo zwischen seinem Ohr und seinem Verstand: Wenn Ihr mich und Euch selbst in dieser kleinen Runde verleugnet, Bruder Wolf, wie wollt Ihr dann in einem sehr viel größerem Kreis zurechtkommen?

Ingrey wusste nicht, ob er erbleichte, auch wenn mehrere Richter ihn besorgt anstarrten. Mit Mühe verhinderte er, dass er ins Wanken geriet oder gar — mochten es die fünf Götter verhüten! — ohnmächtig wurde. Wäre das nicht eine dramatische Wende, genau passend nach seinen abwiegelnden Worten?

»Hm«, meinte der gelehrte Geistliche und kniff die Augen zusammen. »Aber dieser Punkt ist überaus wichtig.«

»Nun, wie wäre es dann, wenn ich die Sache für Euch einfacher mache? Wenn ich diese Fähigkeit nicht besitze, ist diese ganze Unterhaltung hier müßig. Wenn ich sie besitze … dann weigere ich mich, sie für diesen Zweck zu benutzen.« Was sagt ihr dazu!

»Kann man Euch zwingen?« Der Tonfall des Geistlichen zeigte keine Spur von Drohung, wirkte einfach nur neugierig.

Ingrey entblößte die Zähne zu einem Lächeln, in dem keine Spur von Belustigung lag … Einige der Anwesenden drückten sich instinktiv tiefer in ihre Stühle zurück. »Man könnte es versuchen«, hauchte er. Unter diesen Umständen — unter solchen Umständen, wenn Ijadas toter Körper vom Galgen geschnitten und zu seinen Füßen aufgebahrt wurde — mochte er durchaus im vollen Umfang lernen, wozu sein Wolf wirklich fähig war. Bis er selbst niedergestreckt wurde. »Hm.« Der gelehrte Geistliche zupfte sich an der Lippe. Seltsamerweise wirkte sein Gesichtsausdruck eher zufrieden als besorgt. »Sehr interessant.« Er blickte hinab zur Richterbank. »Gibt es noch weitere Fragen?«

Der Vorsitzende machte einen sehr beunruhigten Eindruck. »Nein … im Augenblick nicht. Ich danke Euch, Eure Gelehrsamkeit, für Eure … äh … stets zum Nachdenken anregenden Anmerkungen.«

»Ja«, bemerkte ein anderer Richter halblaut. »Es war ja zu erwarten, dass Ihr irgendeine unerfreuliche Komplikation zutage fördern musstet, an die niemand sonst auch nur gedacht hätte.«

Der Gelehrte neigte leicht den Kopf, und ein Glitzern in seinen Augen zeigte an, dass er diese Bemerkung ungeachtet des Tonfalls eher als Kompliment denn als Beschwerde ansah. »Dann danke ich Euch, Lord Ingrey.«

Damit war er offensichtlich entlassen, und keinen Augenblick zu früh. Ingrey brachte ein höfliches Nicken zustande und wandte sich ab. Er unterdrückte das Verlangen, davonzulaufen. Draußen auf der Galerie hielt er kurz inne und atmete tief durch. Aber bevor er sich noch vollends wieder beruhigt hatte, hörte er schon Schritte hinter sich. Er sah sich um und erkannte, dass der seltsame Geistliche ihm nach draußen gefolgt war.

Der hagere Bursche schlug das heilige Zeichen zum Gruß: Eine rasche Bewegung, aber sehr exakt, weder flüchtig noch nachlässig. Ingrey nickte wieder, und seine Hand beschrieb eine Bewegung zum Schwertgriff. Dann aber entschied er, dass diese Bewegung als allzu drohend empfunden werden konnte, und hielt die Hände auf dem Rücken umklammert. »Kann ich Euch helfen, Hochwürden?« Über das Geländer der Galerie vielleicht, mit dem Kopf voran?

»Ich bitte um Vergebung, Lord Ingrey. Aber mir ist gerade bewusst geworden, dass ich vorgestellt wurde, ehe Eure Gesellschaft hier eintraf, anschließend aber nicht mehr. Ich bin der Gelehrte Oswin von Neresblatt.«

Ingrey blinzelte. Sein Verstand war einen kurzen Augenblick wie gelähmt und tat dann einen Satz in eine ganz neue Richtung. »Hallanas Oswin?«

Der Geistliche lächelte und wirkte dabei seltsam verlegen. »Von all meinen Titeln ist das der wahrste, fürchte ich. Ja, ich bin Hallanas Oswin, um meiner Sünden willen. Sie hat mir viel von der Begegnung mit Euch in Rottwall erzählt.«

»Geht es ihr gut?«

»Gut, und sie hat ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Ich bete zur Frühlingsherrin, dass sie ihrer Mutter ähnlicher sehen wird als mir, wenn sie heranwächst, ansonsten dürfte sie viel Grund zur Klage haben, wenn sie älter wird.«

»Ich bin froh, dass sie alles sicher überstanden hat. Sie beide. Die Gelehrte Hallana hat mir Sorge bereitet.« Auf mehr als eine Weise. Er betastete seine immer noch verbundene Rechte und dachte daran zurück, wie kurz er davor gestanden hatte, sein Schwert zu erreichen, während des blutroten Wahns in jener Stube im Obergeschoss.

»Hättet Ihr Zeit gefunden, sie besser kennen zu lernen, wäret Ihr nicht besorgt wegen ihr.«

»Ach?«

»Ihr wäret entsetzt, so wie wir anderen. Und doch haben wir alle ihre Gegenwart überlebt, wieder einmal. Sie hat mich hergeschickt, müsst Ihr wissen. Hat mich sozusagen von ihrer Bettkante vertrieben. Das machen viele Frauen mit den bedauernswerten Ehemännern, nachdem sie ein Kind zur Welt gebracht haben. Aber diesmal geschah es aus anderen Gründen.«

»Habt Ihr Euch mit dem Gelehrten Lewko unterhalten?«

»Ja, in aller Ausführlichkeit nach meiner Ankunft gestern Abend.«

Ingrey erwog die nächsten Worte sorgfältig. »Und um wessentwillen hat Hallana Euch hierhin geschickt?« Verspätet kam ihm in den Sinn, dass der beunruhigende theologische Einwand des Geistlichen im Sitzungssaal womöglich Ijadas Hinrichtung behindern, nicht beschleunigen sollte.

»Nun … nun, das ist schwer zu erklären.«

Ingrey dachte darüber nach. »Warum?«

Zum ersten Mal zögerte Oswin, bevor er antwortete. Er fasste Ingrey am Arm und führte ihn davon, um eine Ecke der Galerie herum und außer Hörweite von der Tür, wo bereits zwei weitere Personen — vermutlich ebenfalls Diener von Burg Keilerkopf — von einem grau gewandeten Novizen in den Raum geführt wurden. Oswin stützte sich auf das Geländer und blickte nachdenklich in die Halle hinab. Ingrey nahm dieselbe Haltung ein und wartete.

Als Oswin schließlich fortfuhr, klang seine Stimme seltsam zaghaft: »Ihr seid ein Mann von reichlicher Erfahrung mit dem Übersinnlichen und Göttlichen, so weit ich mitbekommen habe. Die Götter sprechen in Visionen zu Euch, von Angesicht zu Angesicht.«

»Nein …!«, setzte Ingrey an und hielt inne. Wollte er es wieder verleugnen? »Nun … auf gewisse Weise schon. Ich hatte in letzter Zeit viele bizarre Erlebnisse. Sie scheinen sich um mich zu versammeln. Das heißt nicht, dass ich in solchen Dingen geübt wäre.«

Oswin seufzte. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in solchen Sachen überhaupt Übung erlangen kann. Ihr müsst verstehen: Ich hatte noch nie im Leben unmittelbare Erfahrungen mit dem Heiligen, auch wenn ich nach bestem Gewissen versuchte, meinem Gott zu dienen, gemäß meiner Möglichkeiten, wie uns gelehrt wird. Abgesehen von Hallana. Sie war das einzige Wunder, das mir je widerfahren ist. Diese Frau scheint überreich versorgt mit göttlichen Erfahrungen. Einmal habe ich ihr vorgeworfen, dass sie mir meinen Anteil gestohlen hat, und sie beschuldigte mich, ich hätte sie nur geheiratet, um mir einen Anteil daran zu sichern. Die Götter spazieren durch ihre Träume wie durch einen Garten. Ich träume höchstens davon, dass ich durch meine alte Schule irre, ohne Kleidung und verspätet zu einer Prüfung in einem Fach, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es hatte, und Ähnliches.«

»Als Schüler oder als Prüfer?« Ingrey konnte sich die Frage nicht verkneifen.

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