Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
Rossflutens Grüppchen war unbeleuchtet, schwarz gekleidet und leise. Ingrey bezweifelte, dass irgendwer aus des Fürstmarschalls Gefolge sie überhaupt bemerkte. Sie wandten sich hügelab. Einige Straßen weiter bogen sie nicht in Richtung auf Rossflutens Anwesen ab, wie Ingrey erwartet hatte, sondern gingen weiter, bis die Stallungen sich in der Dunkelheit vor ihnen abzeichneten. Die Tore standen weit offen, und von den Dachsparren hingen einige Laternen herab und verbreiteten in dem von Stallgerüchen erfüllten Raum ein sanftes Licht.
Ein Stallknecht erhob sich hastig von einer Bank an der Außenwand und verneigte sich furchtsam, als der Graf herantrat. »Alles ist vorbereitet, Herr. Die Kleidungsstücke liegen in der Sattelkammer bereit.«
»Gut. Bleib noch einen Moment hier.«
Rossfluten schob Fara und Ingrey vor sich her. Ingrey bemerkte in den düsteren Pferdeständen zu seiner Linken, dass Rossflutens großer Brauner und der Graugescheckte namens Wolf gesattelt und aufgezäumt bereitstanden, mit aufgeschnallten Satteltaschen. Eine Fuchsstute gegenüber war ähnlich vorbereitet worden. Als sie an dem Verschlag mit dem Hirsch vorbeikamen, schnaubte dieser und schüttelte das Geweih. Spitze Hufe scharrten furchtsam im dichten Stroh.
Rossfluten wies auf eine Laterne, und Ingrey langte empor und holte sie herab. Dann führte er sie durch die offene Tür in die Sattelkammer. Zaumzeug schimmerte an den Wandhaken, das Leder poliert und die Metallteile funkelnd. Über einigen leeren Sattelböcken lagen drei Haufen mit Kleidung bereit. Ingrey erkannte die eigene Reitkleidung und die Stiefel darunter. Auf einem weiteren Sattelbock lag das Reitkleid einer Dame, aus weinrotem Tuch und mit Goldfaden durchwirkt. Rossfluten wies auf die Stapeclass="underline" »Zieht euch an«, befahl er Fara und Ingrey, »und macht euch reisefertig.«
Mit versteinertem Gesicht ließ Fara den fülligen Mantel fallen, der raschelnd auf den Holzboden glitt. »Ich brauche Hilfe bei den Knöpfen, Herr«, sagte sie tonlos.
»Oh, ja.« Rossfluten verzog das Gesicht und löste mit geübten Fingern die Reihe kleiner Perlenknöpfe an ihrem Rücken aus den Samtschlaufen. Ingrey legte den höfischen Mantel ab, die Stadtschuhe und das silberbestickte Wams und streifte sich die Gamaschen über. Er hatte sie schon festgemacht, ehe Faras Kleid und die Unterröcke noch in einem Haufen zu ihren Füßen lagen. Er nahm nicht an, dass einer von ihnen angesichts dieser ungewohnten Vertraulichkeit Verlegenheit empfand. Überschwang, Verwirrung und Entsetzen ließen keinen Raum für diese schwächeren Gefühle. Er zog sich die Stiefel an und richtete sich auf; dann befestigte er den Gürtel mit Messer und Schwertscheide. Sein ruchloser Lehnsherr war immer noch mit den Feinheiten der Garderobe seiner Gemahlin beschäftigt.
Als der Graf die Arme hob, um Fara in ihre Jacke zu helfen, sah Ingrey neues Leder von einer Messerscheide an Wenzels Hüfte schimmern. Eine neue Scheide, ein neues Messer? Still stahl er sich aus der Sattelkammer in den Mittelgang des Stalles. Konnte er sich Rossflutens hypnotischem Willen widersetzen? Wenn er an Widerstand denken konnte, konnte er ihn doch sicher auch ausüben? Wenn er nicht zu intensiv daran dachte? Ijada, wie geht es dir jetzt? Er wusste es nicht mehr. Dieser Augenblick war offenbar gut vorbereitet worden. Hatte der Graf, während Ingrey sicher angeleint war, auch einen Anschlag auf das schmale Haus vorbereitet?
Ingrey schob sich immer noch rückwärts. Er tastete nach dem Riegel am Verschlag des Hirsches und löste ihn. Dann zog er die Tür auf. Seine Finger fühlten sich taub an. »Fort«, flüsterte er. Das Tier sprang zweimal auf der Stelle, schnaubte mit einem Klang wie brechendes Eis und schoss dann an ihm vorüber. Die Hufe trommelten und rutschten über den farbigen Steinboden. Es fing sich wieder und war mit einer beinahe unwirklichen Geschwindigkeit in den finsteren Gassen der Stadt verschwunden. Ingrey erstarrte, als Rossfluten den Kopf aus der Sattelkammer schob und ihn finster anblickte. »Rühr dich nicht«, schnauzte der Graf, und Ingrey verharrte notgedrungen.
Er stand immer noch da und kämpfte … nicht so sehr darum, sich zu bewegen, sondern sich überhaupt bewegen zu wollen, als der Graf wieder auftauchte. Dieser hatte die eigenen höfischen Gewänder gegen Lederkleidung und Stiefel getauscht und schob Fara entschlossen mit einer Hand am Oberarm vorwärts. Rossfluten blickte in den leeren Verschlag und lächelte zu Ingreys Enttäuschung nur säuerlich. »Fast macht Ihr mir Angst«, merkte er im Vorübergehen an. »Das war ausgezeichnet. Womöglich sollte ich Euch knebeln.«
Er sagte nichts weiter, sondern schickte Fara in den einfachen Verschlag, wo Ijadas braune Stute unruhig tänzelte.
»Ich fürchte mich vor diesem Pferd, Herr«, sagte Fara mit zitternder Stimme.
»Nicht mehr lange, das verspreche ich dir«, erwiderte er halblaut. Ingrey konnte über die Bretterwand hinweg und durch die rankengeschmückten Gitterstäbe hindurch nicht mehr sehen als die zuckenden Ohren des Pferdes und die obere Hälfte von Rossflutens blondem und Faras dunklem Kopf. Aber er hörte ein ledriges Scharren, als ein Messer gezogen wurde. Ein leises Flüstern des Grafen und Worte, die er halb verstand, ließen ihm das Blut aufwallen und alle Haare auf den Armen zu Berge stehen. Dann folgte ein dumpfer Laut, ein abgeschnittenes Kreischen, ein Rucken an einem Anbinderiemen, das die Wände des Verschlages erzittern ließ — dann ein Aufprall und das Zappeln eines schweren Leibes und dann nichts mehr.
Die beiden Köpfe kehrten in den zentralen Korridor zurück. Fara stützte sich gegen Rossfluten und zitterte heftig. Wenn Blut auf ihr Reitkleid gespritzt war, konnte man es im Dunkeln nicht erkennen.
»Was habt Ihr mir angetan …?«, jammerte sie.
In ihrem Innern sahen Ingreys Schamanensinne einen machtvollen, aber verängstigten Schatten umherspringen und zerren.
»Pssst«, beruhigte sie Rossfluten. Er berührte sie wieder mit dem Daumen an der Stirn und ließ ihre Augen erneut glasig werden. Auch der Pferdeschatten wurde ruhiger, wenn er auch eher benommen als beschwichtigt aussah. »Alles wird gut. Komm mit, sofort.«
Der ängstliche Stallbursche tauchte wieder auf. »Herr? Was war …«
»Bring die Pferde.«
Die drei gesattelten Pferde wurden in den düsteren Hof vor den Stallungen geführt. Der Stallbursche und Rossfluten halfen gemeinsam Fara auf die braune Stute. Rossfluten selbst prüfte ihren Sattelgurt und stellte die Steigbügel richtig ein, strich ihr Kleid glatt, schloss ihre zitternden, behandschuhten Hände fest um die Zügel.
»Aufsitzen«, wies Rossfluten Ingrey an und reichte ihm die Zügel des grauen Wallachs. Ingrey folgte dem Befehl, auch wenn das Pferd unter ihm scheute und hüpfte und versuchte, den Kopf hinunterzukriegen und zu buckeln. Rossfluten blickte über die Schulter zurück und gab in leicht gereiztem Tonfall ein »Ruhig!« von sich. Ingreys Tier beruhigte sich, wirkte aber immer noch angespannt. Der Graf schloss die Stalltore hinter ihnen.
Der Stallbursche half Rossfluten in den Sattel, und der Graf ertastete die Steigbügel mit den Zehen, ohne hinzuschauen. Er ließ sich im Sattel nieder, langte nach unten und legte gütig die Handfläche auf die Stirn des Stallburschen. »Geh heim. Schlafe. Vergiss. «
Die Augen des Knechts wurden ausdruckslos, und er wandte sich gähnend ab.
Rossfluten hob die Hand und rief Ingrey und Fara zu: »Folgt mir.« Er wendete sein Pferd und ritt im Schritt in die nebelverhangene Nacht hinaus. Hufe scharrten über die schrägen Pflastersteine. Der Klang hallte von den Wänden der umliegenden Gebäude wider, während sie sich ihren Weg durch die Straßen der Königsstadt suchten.