Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Sowohl als auch, je nachdem.« Oswin legte die Stirn in Falten. »Und dann sind da noch die Träume, wo ich durch ein Haus streife, das gerade auseinanderfällt, und ich habe keine Werkzeuge dabei, um es zu reparieren … nun, wie auch immer.« Er atmete tief durch und beruhigte sich wieder. »In der Nacht, nachdem unsere Tochter geboren wurde, schlief ich mal wieder bei Hallana. Wir beide teilten denselben bedeutsamen Traum. Ich erwachte mit einem Entsetzensschrei. Sie hingegen war regelrecht ausgelassen. Sie hielt den Traum für ein Zeichen, dass wir nach Ostheim reisen müssten. Ich fragte sie, ob sie verrückt geworden sei. Sie könne noch nicht aufstehen und umherlaufen! Sie erwiderte, sie würde sich eine Liege hinten in den Wagen stellen und könne dann während des ganzen Weges ausruhen. Wir stritten den ganzen Tag darüber.
In der nächsten Nacht wiederholte sich der Traum. Hallana befand, damit sei die Sache bestätigt. Ich erinnerte sie an ihre Pflichten dem Neugeborenen und den anderen Kindern gegenüber, die sie weder zurücklassen noch mitschleppen könne. Sie gab nach. Ich triumphierte. An diesem Nachmittag stieg ich auf mein Pferd. Ich war schon zehn Meilen weit geritten, ehe ich erkannte, dass ich mich sauber hatte hinters Licht führen lassen.«
»Wie das?«
»Durch meine Abreise hatte ich keine Möglichkeit mehr, weiter auf sie einzureden. Oder sie aufzuhalten. Ich habe nicht den leisesten Zweifel daran, dass sie in diesem Augenblick schon unterwegs ist, höchstens einen Tag hinter mir. Ich frage mich, ob sie wohl die Kinder mitgebracht hat? Mir graut bei dem Gedanken. Wenn Ihr sie vor mir hier trefft, oder ihre treuen Diener, so lasst sie wissen, dass ich für uns alle Gemach im Lilienhof angemietet habe, gegenüber dem Siechenhaus der Mutter.«
»Ist sie … äh, mit denselben Dienern unterwegs wie in Rottwall?«
»O ja, Bernan und Hergi. Sie und Hallana sind unzertrennlich. Bernan war einer ihrer frühen Erfolge in der Zauberheilung, müsst Ihr wissen. Hergi brachte ihn zu ihr, als er von Gallen- oder Nierensteinen Todesqualen litt. Er krampfte seine Finger in den eigenen Leib und schrie von Selbstmord, war vor Schmerzen einem Herzschlag nahe, und um sein Leben wie um seine geistige Gesundheit schien es gleichermaßen hoffnungslos bestellt. Hallana ließ die Steine in seinem Leib zerplatzen, und er schied sie sogleich aus — schon nach einem Tag war er wieder auf den Beinen und konnte lächeln. Die beiden würden Hallana bei jeder Torheit folgen.« Oswin schnaubte. »Ich ersinne die raffiniertesten Argumente im Namen des Vaters, die mein Verstand und meine gründliche Ausbildung nur hervorbringen können, und doch kann ich mit all meiner Vernunft die Leute nicht so gut lenken, wie sie nur … nur indem sie dasteht und atmet! Das ist vollkommen ungerecht.« Er versuchte, empört zu klingen, bekam aber nur einen sehnsüchtigen Tonfall zustande.
»Der Traum«, erinnerte ihn Ingrey.
»Oh, verzeiht. Normalerweise schwatze ich nicht so viel. Das verrät vielleicht etwas über meine Hallana … ich habe es vorher schon dem Gelehrten Lewko dargelegt und jetzt Euch. In diesem Traum gab es fünf Leute: Hallana, mich, Lewko und zwei junge Männer, die ich nie zuvor gesehen hatte. Bis heute. Prinz Biast war einer von ihnen. Ich bin beinahe von der Bank gefallen, als er in den Saal trat und vorgestellt wurde. Der andere war ein noch fremdartigerer Bursche; ein hünenhafter Mann mit langem roten Haar, der in einer fremden Sprache redete.«
»Ah«, stellte Ingrey fest. »Das ist ohne Zweifel Fürst Jokol. Sagt ihm, er soll Fafa einen Fisch von mir geben, wenn Ihr ihm begegnet. Genau genommen könnt Ihr ihn jetzt noch einholen. Ich habe ihn vor kurzem erst zu Lewko gesandt. Womöglich ist er immer noch dort.«
Oswin riss die Augen auf und spannte sich an, als wolle er im nächsten Augenblick losrennen. Dann aber schüttelte er den Kopf und fuhr fort: »In diesem Traum … ich bin ein Mann der Worte, aber ich weiß kaum, wie ich es beschreiben soll. Alle fünf waren wir von den Göttern berührt. Schlimmer noch: Die Götter streiften uns über und trugen uns wie einen Handschuh. Wir zersprangen …«
Sie setzen mir inzwischen hart zu, hatte Rossfluten gesagt. Es hatte ganz den Anschein. »Nun, wenn Ihr herausfindet, was das alles bedeutet, so lasst es mich wissen. Kam sonst noch jemand in dem Traum vor?« Ich oder Ijada zum Beispiel?
Oswin schüttelte den Kopf. »Nur diese fünf. Bisher. Der Traum wirkte unvollendet, was mich beunruhigte. Aber Hallana ging ohne Umschweife darüber hinweg. Ich sehne den Schlaf herbei und fürchte ihn gleichermaßen, weil ich dann mehr herausfinden könnte. Aber jetzt leide ich unter Schlaflosigkeit. Hallana ist vielleicht bereit dazu, ins Ungewisse hinauszulaufen, aber ich wüsste gern, wo die Trittsteine zu finden sind.«
Ingrey lächelte bei diesen Worten grimmig. »Vor kurzem erst wurde mir nahegelegt, von einem Mann, der schon länger mit den Göttern Erfahrung hat, als ich es mir überhaupt vorstellen kann, dass die Götter uns unseren Weg einfach deshalb nicht deutlicher zeigen, weil sie ihn selbst nicht kennen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das tröstlich finden soll oder eher das Gegenteil. Zumindest würde es bedeuten, dass sie uns nicht nur zur eigenen Belustigung quälen.«
Oswin klopfte mit der Hand auf das Geländer. »Hallana und ich haben uns über diesen Punkt schon oft gestritten — über den Weitblick der Götter. Es sind die Götter. Wenn überhaupt jemand Bescheid weiß, dann sie.«
»Vielleicht weiß niemand Bescheid«, wandte Ingrey leichthin ein.
Oswin verzog das Gesicht wie jemand, der gezwungen ist, eine bittere Medizin von zweifelhaftem Nutzen zu schlucken. »Ich versuche es dann mal bei Lewko. Womöglich weiß dieser Jokol mehr.«
»Das bezweifle ich, aber viel Glück.«
»Ich bin mir sicher, wir werden uns bald wiedersehen.«
»Mich würde zurzeit gar nichts mehr überraschen.«
»Wo kann ich Euch erreichen? Lewko meinte, Ihr wäret als Spion beim Grafen von Rossfluten untergebracht, der auch irgendwie in diese Sache verwickelt zu sein scheint.«
»Vermutlich ist es ein Glück«, zischte Ingrey zwischen den Zähnen hervor, »dass Rossfluten schon weiß, dass ich ihn ausspionieren soll, wenn es sowieso jeder weitertratscht.«
Oswin schüttelte heftig den Kopf. »Weder jeder noch Tratsch. Es ist ein enger Kreis. Lewko hatte auch so etwas wie diesen Traum, wie er meinte.«
Irgendwie in diese Sache verwickelt, allerdings. »Haltet Euch von Rossfluten fern. Er ist gefährlich. Wenn Ihr mich sprechen wollt, dann schickt eine Nachricht dorthin, aber schreibt nichts von Bedeutung. Geht davon aus, dass sie abgefangen und von unfreundlichen Augen gelesen wird, ehe ich sie bekomme.«
Oswin nickte düster. Gemeinsam stiegen sie die umlaufende Treppe hinunter und traten auf die Straße. Ingrey verabschiedete sich von dem Geistlichen und wandte sich mit schnellen Schritten hügelab der Königsstadt zu.
Kapitel Zwanzig
Nachdem er den überbauten Bach überquert und in die Unterstadt gelangt war, überraschte es Ingrey nicht allzu sehr, als er um eine Ecke bog und den Weg unversehens von Hallanas Kutsche versperrt fand.
Die beiden stämmigen Pferde, staubig und verschwitzt von der Reise, standen mit dampfendem Fell da, und Bernan saß mit schlaff herabhängenden Zügeln auf dem Kutschbock, den Ellbogen auf die Knie gestützt. Ein ungesatteltes Reitpferd war mit einem Strick am Halfter hinter dem Wagen angebunden. Hergi kauerte hinter Bernans Schulter. Hallana hing mit einer Hand am vorderen Rahmen der Überdachung, beschirmte mit der anderen Hand die Augen und blickte unsicher durch eine Gasse, die für die Kutsche zu eng war.
Hergi klopfte Bernan auf die Schulter, wies auf Ingrey und rief: »Schaut! Schaut!«