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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Ich erstarrte. Viel zu ängstlich, um mich auch nur umzusehen, versuchte ich, mich noch flacher auf den Boden zu drücken. Jamie lag reglos an meiner Seite, so still, dass er selbst ein Stein hätte sein können. Selbst die Vögel und Insekten schienen in ihrem Gesang innegehalten zu haben, und die Luft wartete atemlos. Plötzlich fing Jamie an zu lachen.

Er setzte sich hin, packte den Pfeil am Schaft und drehte ihn vorsichtig aus dem Felsen. Er war mit den gespaltenen Schwanzfedern eines Spechts besetzt und mit einem blauen Faden umwickelt, der unterhalb der Federn einen etwa einen Zentimeter breiten Streifen bildete.

Jamie legte den Pfeil beiseite, hob die Hände an den Mund und ahmte täuschend echt den Ruf eines Grünspechts nach. Er ließ die Hände sinken und wartete. In der nächsten Sekunde wurde der Ruf aus dem Wald unter uns beantwortet, und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

»Ein Freund von dir?«, riet ich. Er nickte, während er den schmalen Pfad zu unserem Felsen beobachtete.

»Hugh Munro, es sei denn, neuerdings stellt noch jemand solche Pfeile her.«

Wir warteten gespannt, doch es erschien niemand auf dem Pfad.

»Ah«, sagte Jamie leise und fuhr gerade rechtzeitig herum, um zu sehen, wie sich ein Kopf langsam hinter uns über die Felskante hob.

Der Kopf brach in ein breites Grinsen aus, krummzahnig wie ein Halloweenkürbis, und strahlte vor Vergnügen, weil er uns überrascht hatte. Der Kopf war tatsächlich fast wie ein Kürbis geformt, ein Eindruck, der durch die orangebraune, ledrige Haut noch verstärkt wurde, die nicht nur das Gesicht bedeckte, sondern auch den kahlen runden Schädel. Allerdings konnten nur wenige Kürbisse einen derart reichlichen Bartwuchs oder solch leuchtende blaue Augen vorweisen. Rundliche Hände mit schmutzigen Nägeln stützten sich rechts und links des Kopfes auf und hievten den Rest des Kürbisses in Sicht.

Der Körper passte bestens zu dem Kopf, denn auch er erinnerte sehr an einen Halloweenkobold. Seine Schultern waren zwar breit, aber vornübergebeugt und krumm, und er trug die eine deutlich höher als die andere. Auch das eine Bein schien um einiges kürzer zu sein als das andere, so dass sich der Mann hüpfend voranbewegte.

Munro, wenn es denn tatsächlich Jamies Freund war, schien in mehrere Schichten von Lumpen gekleidet zu sein, denn durch die Risse eines formlosen Kleidungsstücks, das möglicherweise einmal ein Frauenhemd gewesen war, lugte ein verblichener, mit Beeren gefärbter Stoff.

Er trug keinen Sporran an seinem Gürtel, der ohnehin nicht mehr war als ein ausgefranster Strick, an dem kopfunter zwei pelzige Kadaver baumelten. Stattdessen hatte er sich eine fette Lederbörse quer über die Brust geschlungen – angesichts seiner restlichen Aufmachung war sie von überraschend guter Qualität. Am Trageriemen dieses Beutels hing ein ganzes Sammelsurium kleiner Metallornamente: Heiligenmedaillen, Militärorden, etwas, das nach alten Uniformknöpfen aussah, durchbohrte Münzen und drei oder vier kleine Metallrechtecke, in deren graue Oberflächen kryptische Zeichen eingraviert waren.

Jamie erhob sich, als das Wesen geschickt über die Steine gehüpft kam, und die beiden Männer umarmten sich herzlich und hämmerten sich gegenseitig fest auf den Rücken, wie es merkwürdigerweise unter Männern zur Begrüßung Sitte ist.

»Und wie steht es im Hause Munro?«, erkundigte sich Jamie, als er schließlich einen Schritt zurücktrat und seinen alten Kameraden betrachtete.

Munro zog den Kopf ein und stieß grinsend ein merkwürdiges Kollern aus. Dann wies er mit hochgezogenen Augenbrauen kopfnickend in meine Richtung, und seine Stummelhände vollführten eine seltsam elegante, fragende Geste.

»Meine Frau«, sagte Jamie und errötete, halb schüchtern, halb stolz, mich das erste Mal so vorzustellen. »Gerade zwei Tage verheiratet.«

Munros Lächeln wurde noch breiter, als er das hörte, und er verbeugte sich ebenso komplex wie elegant, indem er sich in rascher Folge an Kopf, Herz und Lippen fasste und dann beinahe im Liegen zu meinen Füßen aufkam. Nach dieser verblüffenden Turnübung sprang er mit der Anmut eines Akrobaten auf und hämmerte Jamie erneut auf den Rücken, diesmal anscheinend zur Gratulation.

Dann begannen Munros Hände ein außergewöhnliches Ballett und wiesen zunächst auf ihn selbst, dann auf den Wald, auf mich und wieder auf sich selbst, all dies mit einer solchen Flut von Gesten und Bewegungen, dass ich seinen fliegenden Händen kaum folgen konnte. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich jemanden in Gebärdensprache kommunizieren sah, jedoch noch nie mit dieser Geschwindigkeit und Eleganz.

»Tatsächlich?«, rief Jamie aus. Jetzt war es an ihm, dem anderen Mann mit einem Fausthieb zu gratulieren. Kein Wunder, dass Männer so unempfindlich gegen oberflächlichen Schmerz waren, dachte ich. Es kam von dieser Angewohnheit, unablässig aufeinander einzuhämmern.

»Er ist auch verheiratet«, erklärte Jamie, an mich gewandt. »Seit sechs Monaten, mit einer Witwe – oh, natürlich, einer fetten Witwe«, verbesserte er sich auf eine nachdrückliche Geste Munros hin, »mit sechs Kindern, unten in Dubhlairn.«

»Wie schön«, sagte ich höflich. »Zumindest sieht es ja so aus, als müssten sie nicht hungern.« Ich zeigte auf die Kaninchen, die an seinem Gürtel hingen.

Augenblicklich band Munro eins der Tiere los und überreichte es mir mit einem derart wohlwollenden Strahlen, dass ich es einfach annehmen musste. Ich erwiderte sein Lächeln und hoffte insgeheim, dass das Kaninchen keine Flöhe hatte.

»Ein Hochzeitsgeschenk«, sagte Jamie. »Ein höchst willkommenes dazu, Munro. Du musst uns gestatten, dir den Gefallen zu erwidern.« Und damit zog er eine der Aleflaschen aus ihrem Moosbett und reichte sie seinem Freund.

Nachdem nun die gebührenden Höflichkeiten ausgetauscht waren, setzten wir uns alle wieder, um uns die dritte Flasche Bier zu teilen. Jamie und Munro tauschten die jüngsten Neuigkeiten und Gerüchte aus, und ihr Gespräch floss ungehindert dahin, obwohl nur einer von ihnen redete.

Ich beteiligte mich kaum an der Unterhaltung, da ich Munros Gebärden ja nicht verstand, obwohl sich Jamie bemühte, mich mit einzubeziehen, indem er mir dolmetschte.

An einem Punkt zeigte Jamie mit dem Daumen auf die rechteckigen Bleistückchen an Munros Riemen.

»Bist du unter die Offiziellen gegangen?«, fragte er. »Oder ist das nur für Zeiten, in denen das Wild knapp ist?« Munro nickte mit dem Kopf wie ein Schachtelteufel.

»Was ist das denn?«, fragte ich neugierig.

»Gaberlunzies.«

»Oh, natürlich«, sagte ich. »Entschuldige, dass ich gefragt habe.«

»Gaberlunzies sind Bettellizenzen, Sassenach«, erklärte Jamie. »Sie gelten innerhalb der Grenzen einer Gemeinde und auch das nur an dem einen Wochentag, an dem das Betteln gestattet ist. Jede Gemeinde hat ihre eigene Marke, so dass die Bettler aus dem einen Ort die Mildtätigkeit des anderen nicht ausnutzen können.«

»Ein System mit einen gewissen Maß an Spielraum, wie ich sehe«, sagte ich mit einem Blick auf Munros Sortiment.

»Ah, nun ja, Munro ist ein Sonderfall. Er ist auf See in türkische Gefangenschaft geraten. Hat viele Jahre auf einer Galeere verbracht und dann noch einige Zeit als Sklave in Algier. Dort hat er auch die Zunge verloren.«

»Sie haben sie … ihm abgeschnitten?« Mir wurde etwas mulmig.

Jamie schien dieser Gedanke nicht zu erschüttern, doch er kannte Munro ja anscheinend auch schon lange.

»Oh, aye. Und ihm das Bein gebrochen. Den Rücken ebenfalls, Munro? Nein«, verbesserte er sich auf einige Gebärden Munros hin. »Der Rücken war ein Unfall; das ist passiert, als er in Alexandria von einer Mauer gesprungen ist. Aber die Füße, das waren die Türken.«

Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, doch Munro und Jamie schienen beide davon besessen, es mir zu erzählen. »Also schön«, sagte ich resigniert. »Was ist denn mit seinen Füßen?«

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