Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ja, ich weiß«, sagte ich und streckte die Hand nach ihm aus, doch er war noch nicht fertig. Er behielt seinen Abstand bei, und sein Gesicht war bestürzt.
»Aber das … diese Lust, so würde man es wohl bezeichnen … sie war … dem zu ähnlich, was ich manchmal für dich empfinde, und das … nun, es kommt mir nicht richtig vor.«
Er wandte sich ab und rubbelte sich mit dem Handtuch das Haar, so dass seine Stimme gedämpft klang.
»Ich dachte immer, es würde eine simple Sache sein, mit einer Frau zu schlafen«, sagte er leise. »Und doch … möchte ich dir zu Füßen fallen und dich anbeten«, er ließ das Handtuch fallen und streckte die Hand aus, um mich bei den Schultern zu nehmen, »und gleichzeitig möchte ich dich vor mir auf die Knie zwingen und dich dort festhalten, meine Hände in dein Haar gekrallt und deinen Mund zu meinen Diensten … und ich will beides gleichzeitig, Sassenach.« Er fuhr mit den Fingern in mein Haar und nahm mein Gesicht fest zwischen beide Hände.
»Ich verstehe mich selbst nicht, Sassenach! Oder vielleicht doch?« Er ließ mich los und wandte sich ab. Sein Gesicht war zwar schon lange trocken, doch er hob das Handtuch vom Boden auf und wischte sich wieder und wieder damit über das Kinn. Die Bartstoppeln kratzten leise unter dem feinen Leinen. Seine Stimme war immer noch so leise, dass ich sie kaum hören konnte.
»Solche Dinge … das Wissen, dass sie möglich sind … das habe ich kurz nach … nach Wentworth begriffen.« Wentworth. Wo er seine Seele geopfert hatte, um mir das Leben zu retten, und später Höllenqualen erlitten hatte, um sie zurückzuerlangen.
»Erst dachte ich, Jack Randall hätte mir ein Stück meiner Seele gestohlen, und dann habe ich begriffen, dass es noch schlimmer war. Es war alles in mir, war immer schon da gewesen; er hat es mir nur gezeigt und es mir bewusst gemacht. Das ist es, was er getan hat, was ich ihm nicht vergeben kann, möge seine Seele dafür verrotten!«
Er ließ das Handtuch sinken und sah mich an. Die Anstrengung der Nacht stand ihm ins Gesicht geschrieben, doch seine Augen brannten drängend.
»Claire. Die kleinen Knochen in deinem Genick unter meinen Händen zu spüren und diese feine, dünne Haut auf deinen Brüsten und Armen … Gott, du bist meine Frau, die ich mit meinem ganzen Leben liebe und ehre, und doch will ich dich küssen, dass dich die Lippen schmerzen, und ich will die Spuren meiner Finger auf deiner Haut sehen.«
Er ließ das Handtuch fallen. Dann hob er die Hände und hielt sie sich zitternd vor das Gesicht, ehe er sie mir langsam und wie segnend auf den Kopf senkte.
»Ich will dich wie ein Kätzchen in meinem Hemd halten, a nighean donn, und doch will ich dir die Beine spreizen und mich auf dich stürzen wie ein brünstiger Bulle.« Seine Finger schlangen sich in mein Haar. »Ich verstehe mich selber nicht!«
Ich zog den Kopf zurück, um mich zu befreien, und trat einen halben Schritt zurück. Mein ganzes Blut schien sich dicht unter der Oberfläche meiner Haut gesammelt zu haben, und mir lief ein Schauder über den Körper, als ich mich von ihm löste.
»Meinst du, für mich ist es anders? Meinst du nicht, dass ich das Gleiche empfinde?«, fragte ich. »Dass ich dich manchmal beißen möchte, bis ich Blut schmecke, oder dich kratzen möchte, bis du schreist?«
Ich streckte langsam die Hand aus, um ihn zu berühren. Die Haut auf seiner Brust war feucht und warm. Nur der Nagel meines Zeigefingers berührte ihn, knapp unter der Brustwarze, sacht und leicht. Ich bewegte den Nagel aufwärts, abwärts, im Kreis, und sah zu, wie sich die Brustwarze zwischen den roten Locken versteifte.
Der Nagel drückte etwas fester zu, glitt abwärts, hinterließ einen schwachen roten Streifen auf der hellen Haut seiner Brust. Inzwischen zitterte ich am ganzen Körper, doch ich wandte mich nicht ab.
»Manchmal möchte ich dich reiten wie ein Wildpferd und dich zähmen – hast du das gewusst? Ich kann es tun, das weißt du genau. Es so weit mit dir treiben, dass du nur noch eine keuchende Hülle bist. Ich kann dich an den Rand des Zusammenbruchs bringen, und manchmal genieße ich es, Jamie! Und doch will ich so oft«, meine Stimme überschlug sich, und ich musste krampfhaft schlucken, ehe ich fortfuhr, »ich will deinen Kopf an meiner Brust halten und dich in den Schlaf wiegen wie ein Kind.«
Meine Augen waren so voller Tränen, dass ich sein Gesicht nur undeutlich sah, dass ich nicht sehen konnte, ob er ebenfalls weinte. Seine Arme legten sich fest um mich, und seine feuchte Hitze umfing mich wie der Atem des Monsuns.
»Claire, du bringst mich auch ohne Messer um«, flüsterte er, das Gesicht in meinem Haar vergraben. Er bückte sich und hob mich auf, um mich zum Bett zu tragen. Er sank auf die Knie und legte mich auf die zerwühlte Bettwäsche.
»Du wirst jetzt mit mir schlafen«, sagte er leise. »Und ich werde dich nehmen, wie ich muss, und wenn du dafür Rache nehmen willst, tu das, denn meine Seele ist dein, mit all ihren finsteren Ecken.«
Die Haut seiner Schultern war warm von der Hitze des Bades, doch er erschauerte vor Kälte, als meine Hände zu seinem Hals hinaufwanderten und ich ihn zu mir hinunterzog.
Und als ich schließlich meine Rache an ihm genommen hatte, wiegte ich ihn und strich ihm die zerwühlten, halbtrockenen Locken zurück.
»Und manchmal«, flüsterte ich ihm zu, »wünschte ich, du könntest es sein, der in mir ist. Dass ich dich in mich aufnehmen und dich immer beschützen könnte.«
Seine Hand, groß und warm, hob sich langsam vom Bett und legte sich um die kleine Rundung meines Bauchs, schützend, liebkosend.
»Das tust du doch, mein Herz«, sagte er. »Das tust du doch.«
Zum ersten Mal spürte ich es, als ich am nächsten Morgen im Bett lag und Jamie beim Ankleiden zusah. Ein winziges Flattern, ganz vertraut und vollkommen neu. Jamie stand mit dem Rücken zu mir und wand sich in sein knielanges Hemd. Dann streckte der die Arme aus, um sich die weißen Leinenmassen auf den breiten Schultern zurechtzurücken.
Ich lag ganz still da und wartete, hoffte, dass es noch einmal kommen würde. Das tat es, diesmal als ganze Serie kaum spürbarer, schneller Bewegungen wie die Bläschen, die beim Öffnen der Flasche an die Oberfläche eines kohlensäurehaltigen Getränks rasen.
Ich musste plötzlich an Coca-Cola denken, diese merkwürdige, dunkle amerikanische Brause. Ich hatte sie einmal beim Abendessen mit einem amerikanischen Oberst getrunken, der sie als Delikatesse servierte – was sie im Krieg gewesen war. Sie kam in dicken grünlichen Flaschen mit einer Art Rippenmuster und einer Verengung, so dass die Form der Flasche fast an eine Frau erinnerte mit einer Rundung just unter dem Hals und einer breiteren am Fuß.
Ich wusste noch, wie die Millionen winziger Bläschen in den schmalen Hals geschossen waren, als die Flasche geöffnet wurde, kleiner und feiner als Champagnerperlen, ehe sie an der Luft fröhlich platzten. Ganz sacht legte ich eine Hand auf meinen Bauch, genau über der Gebärmutter.
Da war es. Ich hatte zwar nicht das Gefühl, dass da ein Junge oder ein Mädchen war, wie ich es erwartet hatte – doch es war auf jeden Fall jemand da. Ich fragte mich, ob Babys vielleicht – trotz der körperlichen Ausprägung – gar kein Geschlecht hatten, bis es bei der Geburt durch die Begegnung mit der Außenwelt definiert wurde.
»Jamie«, sagte ich. Er war dabei, sich das Haar zu einem Zopf zu binden, indem er es mit der Hand im Nacken zusammenfasste und einen Lederriemen darum schnürte. Er hatte dazu den Kopf gesenkt, sah mich aber unter den Augenbrauen hinweg an und lächelte.
»Bist du schon wach? Es ist noch früh, a nighean donn. Schlaf doch noch ein bisschen.«
Ich war im Begriff gewesen, es ihm zu erzählen, doch irgendetwas hinderte mich daran. Er konnte es natürlich nicht fühlen, noch nicht. Nicht, dass ich glaubte, es würde ihm nichts bedeuten, doch diese erste körperliche Wahrnehmung hatte etwas an sich, das mir plötzlich sehr intim erschien. Es war das zweite gemeinsame Geheimnis zwischen mir und dem Kind. Das erste war der Moment gewesen, in dem ich begriffen hatte, dass es da war – in dem sein simples Sein für mich zum bewussten Gedanken wurde. Dieses geteilte Wissen hatte uns genauso verbunden wie das Blut, das uns beide durchströmte.