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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Ein Rascheln lief durch den Saal, als die Gesellschaft sich zum Gehen erhob. Ingrey wies den Pagen an, zu seinem Zwillingsbruder zu eilen und den Zelter der Prinzessin herbeizuholen. Der Junge verbeugte sich und erwiderte: »Jawohl, Lord Ingrey!«, in seiner hohen, hellen Stimme, ehe er davoneilte. Der Rechtsgelehrte blickte sich um. Er starrte Ingrey an, runzelte die Stirn und beugte sich dann über die Schulter eines der Geistlichen auf der Richterbank, wo er ihm etwas ins Ohr flüsterte. Der Richter horchte auf und nickte. Er warf einen Blick in Ingreys Richtung und flüsterte etwas zurück. Dann hob er die Hand und seine Stimme und rief: »Lord Ingrey! Würdet Ihr noch einen Moment bleiben?«

Trotz der höflichen Formulierung war es offensichtlich ein Befehl, keine Bitte und keine Einladung. Ingrey antwortete mit einem Nicken und blieb aufmerksam stehen. Biast, der soeben seine Schwester durch die Tür geleitete, runzelte verärgert die Stirn, anscheinend hin- und hergerissen zwischen seinem Bedürfnis, Faras Wünschen nachzukommen und sie so schnell wie möglich von hier fortzubringen, und dem eigenen Wunsch, zu erfahren, was man von dem Wolfsherren wollte.

»Ich hole Euch unterwegs ein, Hoheit«, ließ Ingrey ihn wissen. Biast bedachte ihn mit einem Gesichtsausdruck, der deutlich machte, dass sie später noch darüber reden würden, dann nickte er und folgte seiner Schwester nach draußen.

Ingrey nahm vor der Richterbank eine Haltung ein, die sehr an die von Ulkra erinnerte, wartete ab und verbarg sein Unbehagen. Er hatte nicht erwartet, heute befragt zu werden.

Der gelehrte Geistliche stand hinter seinem Kollegen und verschränkte die Arme. Mit herabhängenden Schultern und vorgerecktem Gesicht wandte er seine ganze Aufmerksamkeit Ingrey zu. Durch die schnabelartige Nase und das fliehende Kinn ähnelte er einem Storch, der in seichtem Wasser watete und irgendeinem Fisch oder Frosch unter der Oberfläche hinterherstöberte. »Ich habe mir sagen lassen, Lord Ingrey, dass Ihr bei Prinz Bolesos Bestattung ein Erlebnis hattet, das für diese Ermittlungen sehr sachdienlich ist.«

Der Mann hatte also mit Lewko geredet. Wie viel hatte der Geistliche des Bastards dem Gelehrten des Vaters verraten? Die beiden Kirchen waren für gewöhnlich nicht für ihre gute Zusammenarbeit bekannt. »Ich bin in der Hitze ohnmächtig geworden. Alles andere wäre keine Erfahrung, die vor Gericht zulässig ist, habe ich mir sagen lassen.«

Der Mann schürzte die Lippen, und zu Ingreys Überraschung nickte er dann zustimmend. Aber er sagte: »Das ist kein Prozess. Es ist eine Anhörung. Euch dürfte auffallen, dass ich Euch keinen Eid abverlangt habe.«

Hatte das etwa irgendeine geheimnisvolle juristische Bedeutung? Dem leichten Nicken einiger Richter nach zu urteilen, war das anscheinend so. Außerdem hatte die Schreiberin die Feder beiseite gelegt und machte keine Anstalten, sie wieder aufzunehmen, auch wenn sie Ingrey fasziniert anstarrte. Offenbar war diese Unterhaltung hier inoffiziell. Doch wenn man bedachte, wer daran teilnahm, so hatte Ingrey Zweifel, ob es ihm etwas nutzte.

»Seid Ihr je zuvor in der Hitze zusammengebrochen?«, wollte einer der königlichen Richter wissen.

»Nun … nein.«

»Bitte beschreibt Eure Vision«, sagte der gelehrte Geistliche.

Ingrey blinzelte langsam. Wenn er sich weigerte, hier zu reden, wie viel Druck würden sie dann auf ihn ausüben? Vermutlich würden sie ihn unter Eid stellen; und dann zogen möglicherweise sowohl Sprechen wie auch Schweigen noch schlimmere Folgen nach sich. Besser also auf diese Weise. »Ich fand mich, Lady Ijada und Prinz Bolesos verlorene Seele an einem … Ort wieder. Einem sehr unbestimmten Ort. Ich konnte durch Prinz Bolesos Körper hindurchsehen. Er war voll von den Geistern toter Tiere, die in Schmerz und Verwirrung durcheinanderstolperten. Der Herbstsohn kam hinzu.« Ingrey befeuchtete sich die Lippen und hielt seine Stimme so ausdruckslos wie möglich. »Der Gott bat mich, die Tiergeister aus Boleso herauszurufen. Lady Ijada unterstützte diese Bitte. Ich kam ihr nach. Der Gott nahm Bolesos Seele auf und ging davon. Ich erwachte auf dem Boden des Tempels.« So, gar nicht mal so schlecht. So glaubwürdig wie jeder andere Verrückte und unter Auslassung einiger problematischer Elemente.

»Wie?«, fragte der Geistliche neugierig. »Wie habt Ihr sie herausgerufen?«

»Es war nur ein Traum, Hochwürden. Man kann nicht erwarten, dass Geschehnisse im Traum einen Sinn ergeben.«

»Trotzdem.«

»Mir war … eine Stimme verliehen.« Es gab keinen Grund, näher zu erklären wie oder von wem, oder?

»Die Zauberstimme? Wie die Stimme, mit der Ihr den wild gewordenen Bären zwei Tage zuvor unter Eure Herrschaft gezwungen habt?«

Bei diesen Worten hoben einige der Richter den Kopf.

Verflucht. »Ich habe gehört, dass sie so genannt wird.«

»Könnt Ihr sie erneut gebrauchen?«

Ingrey hatte Mühe, sie in diesem Moment nicht zu gebrauchen: alle Männer in diesem Zimmer zu lähmen und dann zu entfliehen. Oder seinen merkwürdig ausgedehnten Wolf zu einem kleinen Kügelchen unter dem Herzen zusammenzuziehen und zu verbergen. Dummkopf, sie können ihn ohnehin nicht sehen. »Ich weiß es nicht.«

»Um genauer zu werden«, fuhr der Geistliche zielstrebig fort: »Lady Ijada steht unter dem Verdacht, vom Geist eines toten Leoparden heimgesucht zu sein. Wie uns die Kirchengeschichte lehrt, und Eure Vision von dem verstorbenen Prinzen scheint das zu stützen, hält eine solche Heimsuchung eine Seele von den Göttern fern.«

»Eine tote Seele«, berichtigte Ingrey ihn vorsichtig. Sowohl er wie auch Ijada trugen Tiergeister in sich, und doch hatte der Gott zu beiden gesprochen. Aber nicht zu Boleso, erkannte Ingrey. Er hatte das Bedürfnis zu erklären, wie die Schamanen des Alten Weald die Seelen ihrer verschiedenen Kameraden geläutert hatten. Dann aber besann er sich eines Besseren: Er empfand nicht das geringste Bedürfnis, zu erklären, wie er das alles erfahren hatte.

»Ganz recht. Meine Frage ist nun: Wenn Lady Ijada infolge des zukünftigen Prozesses hingerichtet werden soll, könnt dann Ihr, Lord Ingrey, den Tiergeist, der sie heimsucht, von ihrer Seele lösen, wie Ihr es für Prinz Boleso getan habt?«

Ingrey erstarrte. In diesem Augenblick erinnerte er sich an Wenzels Sorge, dass Ijada wie ein Opferbote des Alten Weald den Ort am Heiligen Baum für die Götter öffnen sollte. Wenzel war der Ansicht gewesen, dass dieses Tor durch Ijadas Heimsuchung sicher verschlossen sei. Das war allerdings nicht so sicher und nicht so verschlossen, wenn Ingrey es einfach wieder öffnen konnte. Und das könnte ich. Bei den fünf Göttern, und verflucht sollen sie sein, war das etwa der unselige Plan, der für sie beide vorgesehen war? Habt ihr uns deshalb hierhin getrieben? Ingreys Gedanken gingen durcheinander, und er versuchte, Zeit zu gewinnen: »Weshalb fragt Ihr, Hochwürden?«

»Das ist ein theologisches Detail, das ich gerne geklärt hätte. Wenn man es genau betrachtet, ist eine Hinrichtung die Bestrafung des Leibes für Vergehen in der materiellen Welt. Die Frage nach Heil oder Verdammnis einer Seele wird davon nicht mehr beeinflusst als durch jeden anderen Tod, und das darf es auch nicht. Denn eine Seele bewusst der Verdammnis auszuliefern, wäre eine abscheuliche Sünde und eine Last für diejenigen, die mit der Ausführung einer solchen Pflicht betraut werden. Eine Hinrichtung, die eine solche unnötige Verdammnis nach sich zieht, muss verhindert werden. Eine solche Hinrichtung darf niemals stattfinden.« Stille folgte diesen Worten, und besorgt fügte der Geistliche hinzu: »Ihr versteht diesen Einwand, Lord Ingrey?«

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