Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Moiraine nickte kurz, doch ihre Augen ruhten weiter auf Rand und seinen beiden Freunden. »Gegen Ende der Trolloc-Kriege lagerte eine Armee in diesen Ruinen -Trollocs, Schattenfreunde, Myrddraal, Schattenlords, viele Tausende. Als sie nicht mehr herauskamen, schickte man Kundschafter hinter die Mauern. Die Kundschafter fanden Waffen, Teile von Rüstungen und überall Blutspritzer. Und Botschaften in der Trolloc-Sprache, die in die Wände gekratzt waren, Gebete an den Dunklen König, er möge ihnen in ihrer letzten Stunde helfen. Männer, die später dorthin kamen, fanden keine Spur mehr von Blut oder von den Botschaften. Alles war entfernt worden. Halbmenschen und Trollocs denken noch immer daran. Das hält sie von diesem Ort fern.«
»Und den habt Ihr erwählt, um uns zu verstecken?« fragte Rand ungläubig. »Wir wären sicherer dort draußen bei dem Versuch, ihnen davonzulaufen.«
»Wenn ihr nicht davongerannt wärt«, sagte Moiraine geduldig, »hättet ihr erfahren, daß ich um dieses Gebäude herum Amulette plaziert habe. Ein Myrddraal würde noch nicht einmal wissen, daß sich diese Amulette hier befinden, denn sie sollen eine andere Form des Bösen aufhalten, aber was sich hier in Shadar Logoth befindet, wird sie nicht überschreiten oder ihnen auch nur nahe kommen. Am Morgen wird es sicher genug sein, daß wir gehen können — diese Dinge können das Sonnenlicht nicht ertragen. Sie werden sich tief in der Erde verstecken.«
»Shadar Logoth?« sagte Egwene unsicher. »Ich glaubte, Ihr hättet gesagt, diese Stadt hieße Aridhol.«
»Einst wurde sie Aridhol genannt«, antwortete Moiraine, »und war eine der Zehn Nationen, der Länder des Zweiten Paktes, der Länder, die sich von den ersten Tagen nach der Zerstörung der Welt an gegen den Dunklen König stellten. In den Tagen, da Thorin al Toren al Ban König von Manetheren war, war Balwen Mayel, Balwen Eisenhand, König von Aridhol. Im Aufdämmern der Verzweiflung während der Trolloc-Kriege schien es, daß der Vater der Lügen sicher gewinnen würde, und in jener Zeit kam ein Mann namens Mordeth an Balwens Hof.«
»Derselbe Mann?« rief Rand, und Mat sagte: »Das kann nicht sein!« Ein Blick Moiraines brachte sie zum Schweigen. Stille erfüllte den Raum, und die Stimme der Aes Sedai erklang wieder. »Mordeth war noch nicht lange in der Stadt, da lieh ihm der König sein Ohr, und bald war er der zweite Mann im Staat nach Balwen. Mordeths Stimme war wie Gift für Balwen, und Aridhol veränderte sich allmählich. Aridhol zog sich in sich selbst zurück und verhärtete. Man sagte, viele sähen noch lieber Trollocs kommen als die Männer aus Aridhol. Der Sieg des Lichts ist alles, was zählt. Das war der Schlachtruf, den Mordeth ihnen mitgab, und die Männer von Aridhol schrien ihn hinaus, während ihre Taten dem Licht Hohn sprachen.
Die Geschichte ist zu lang, um sie ganz zu erzählen, und auch zu grausig. Nur Bruchstücke davon sind bekannt, sogar in Tar Valon. Wie Thorins Sohn Caar kam, um Aridhol wieder für den Zweiten Pakt zurückzugewinnen, und wie Balwen auf seinem Thron saß, eine ausgelaugte Hülle mit dem Licht des Wahnsinns, das aus den Augen leuchtete, wie er lachte und Mordeth an seiner Seite lächelte und den Tod Caars und der Abgesandten als Freunde der Dunkelheit befahl. Wie Prinz Caar den Namen Caar Einhand erhielt. Wie er aus den Verließen von Aridhol entkam und allein in die Grenzlande flüchtete mit Mordeths unnatürlichen Mördern auf den Fersen. Wie er dort Rhea traf, die nicht wußte, wer er war, und sie heiratete und damit den Faden in das Muster verwebte, der zu seinem Tod durch ihre Hand und zu ihrem eigenen durch ihre Tat vor seiner Gruft führte, und zum Fall von Aleth-Loriel. Wie die Armee von Manetheren anrückte, um Caar zu rächen, und die Tore von Aridhol niedergerissen fand, kein Leben mehr in seinen Mauern, aber dafür etwas, das schlimmer war als der Tod. Kein Feind war nach Aridhol gekommen, Aridhol hatte sich selbst zerstört. Aus Mißtrauen und Haß war etwas geboren worden, das die verzehrte, die es erschaffen hatten, und das im Muttergestein unter der Stadt lebte. Mashadar wartet immer noch dort und ist hungrig. Die Menschen sprachen nicht mehr von Aridhol. Sie nannten es Shadar Logoth, den Ort An-Dem-Der-Schatten-Wartet, oder einfacher: Wartende Schatten.
Nur Mordeth wurde nicht von Mashadar verzehrt, doch er wurde von ihm in die Falle gelockt, und so hat auch er in diesen Mauern jahrhundertelang gewartet. Andere haben ihn gesehen. Einige hat er durch Geschenke beeinflußt, die den Verstand verdrehen und den Geist verderben. Diese Verderbnis nimmt zu und scheint wieder zu verschwinden, wieder und wieder, bis sie herrscht... oder tötet. Wenn er jemanden dazu bringt, ihn zu den Mauern zu begleiten, zur Grenze von Mashadars Machtbereich, ist er in der Lage, die Seele dieser Person zu verzehren. Mordeth kann dann die Stadt im Körper dessen verlassen, den er nicht nur einfach getötet hat, um wieder Unheil in der Welt anzurichten.«
»Der Schatz«, stammelte Perrin, als sie schwieg. »Er wollte, daß wir ihm helfen, den Schatz zu seinen Pferden zu tragen.« Sein Gesicht trug einen gequälten Ausdruck. »Ich wette, sie sollten irgendwo außerhalb der Stadt angeblich auf ihn warten.« Rand lief es kalt den Rücken hinunter. »Aber jetzt sind wir sicher, nicht wahr?« fragte Mat. »Er hat uns nichts gegeben und uns auch nicht berührt. Wir sind durch die Amulette, die Ihr hinterlassen habt, in Sicherheit, ja?«
»Wir sind sicher«, stimmte Moiraine zu. »Er kann die Abwehrlinie nicht überschreiten, genau wie die anderen Bewohner dieses Orts. Und sie müssen sich vor dem Sonnenlicht hüten, so daß wir hier gefahrlos weg können, sobald es Tag ist. Versucht jetzt zu schlafen. Die Amulette werden uns beschützen, bis Lan zurückkehrt.«
»Er ist aber schon lange weg.« Nynaeve blickte besorgt in die Nacht hinaus. Es war jetzt vollkommen dunkel -pechschwarz.
»Lan geht es gut«, sagte Moiraine beruhigend und breitete ihre Decken beim Sprechen neben dem Feuer aus. »Für ihn wurde ein Gelübde abgelegt, daß er gegen den Dunklen König kämpfen müsse, noch bevor er die Wiege verließ. Ein Schwert wurde in seine Kinderhände gelegt. Außerdem wüßte ich es im selben Augenblick, wenn er stirbt, und auch, wie er ums Leben kommt. Genauso wüßte er es von mir. Ruhe dich jetzt aus, Nynaeve. Alles wird gut.« Doch als sie sich in die Decken rollte, hielt sie einen Moment lang inne und blickte auf die Straße hinaus, als hätte auch sie gern gewußt, was den Behüter so lange aufhielt.
Rands Arme und Beine waren bleischwer, und seine Augen wollten sich immer wieder von allein schließen, und doch dauerte es eine Weile, bis er einschlief, und als es soweit war, träumte er, redete im Schlaf und strampelte seine Decken weg. Er erwachte dann ganz unvermittelt und sah sich einen Augenblick lang um, bevor er sich daran erinnerte, wo er sich befand. Der Mond stand am Himmel. Es war die letzte dünne Sichel vor dem Neumond. Die Nacht besiegte seinen schwachen Schein. Alle anderen schliefen noch, wenn auch manche recht unruhig. Egwene und seine beiden Freunde wälzten sich herum und murmelten kaum hörbar im Schlaf. Thoms Schnarchen, ausnahmsweise einmal leise, wurde von Zeit zu Zeit durch halbgeformte Worte unterbrochen. Es war immer noch keine Spur von Lan zu sehen.
Plötzlich hatte er ein Gefühl, als seien die Amulette überhaupt kein Schutz. Alles konnte sich dort draußen in der Dunkelheit herumtreiben. Er sagte sich, das sei närrisch, und legte frisches Holz auf die letzten Kohlen des Feuers. Es war zu klein, um viel Wärme abzugeben, aber es erzeugte mehr Licht.
Er hatte keine Ahnung, was ihn aus seinem unangenehmen Traum gerissen hatte. Er war wieder ein kleiner Junge gewesen, der Tams Schwert trug und dem man eine Wiege auf den Rücken geschnallt hatte, und er rannte durch leere Straßen, von Mordeth verfolgt, und der schrie, er wolle nur seine Hand. Und dann war da noch ein alter Mann gewesen, der hatte sie beobachtet und die ganze Zeit wie ein Verrückter gelacht.
Er zog seine Decken zurecht, legte sich wieder hin und blickte die Decke an. Er hätte so gerne geschlafen, selbst auf die Gefahr hin, noch mehr solche Träume wie den letzten zu erleben, doch er konnte einfach die Augen nicht schließen.