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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Sie rannten in den Saal oben, rutschten und stürzten auf dem staubigen Marmorboden, krabbelten zwischen den Säulen hindurch nach draußen und landeten in einem aufgeschürften Gewirr auf der Straße. Rand befreite sich und hob Tams Schwert vom Pflaster auf, wobei er sich mißtrauisch umblickte. Weniger als die halbe Sonnenscheibe zeigte sich noch über den Dächern. Schatten griffen wie dunkle Hände nach ihnen, erschienen im noch vorhandenen Licht noch dunkler. Sie füllten die Straße. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Die Schatten sahen wie Mordeth aus, als griffe er nach ihnen. »Wenigstens sind wir draußen.« Mat stand auf und klopfte sich in einer zittrigen Imitation seiner üblichen Geste den Staub aus der Kleidung. »Und zumindest ich... «

»Tatsächlich?« fragte Perrin.

Rand wußte, daß es diesmal nicht seine Einbildung war. Sein Nacken prickelte. Irgend etwas beobachtete sie aus dem Schatten der Säulen heraus. Er fuhr herum und betrachtete die Gebäude auf der anderen Straßenseite. Auch von dort her konnte er Blicke auf sich ruhen fühlen. Sein Griff um den Schwertknauf festigte sich, obwohl er sich fragte, was das wohl bringen würde. Von überall her schienen sie beobachtet zu werden. Die anderen sahen sich mißtrauisch um; er wußte, daß auch sie dasselbe fühlten.

»Wir bleiben in der Straßenmitte«, sagte er heiser. Sie suchten seinen Blick und sahen dabei genauso verängstigt aus, wie er sich fühlte. Er schluckte schwer. »Wir bleiben in der Straßenmitte, halten uns soweit wie möglich von den Schatten fern und gehen schnell.«

»Gehen sehr schnell«, stimmte ihm Mat leidenschaftlich zu.

Die Beobachter folgten ihnen. Oder aber es gab große Mengen an Beobachtern, denn aus beinahe jedem Gebäude wurden sie von vielen Augen angestarrt. Rand konnte beim besten Willen keine Bewegung entdecken, aber er fühlte die Augen, gierige, hungrige Augen. Er wußte nicht, was schlimmer war: Tausende von Augen oder nur wenige, die ihnen folgten.

An offenen Stellen, wo der Sonnenschein sie noch erreichte, gingen sie etwas langsamer, allerdings nur ein wenig, und blinzelten nervös in die Dunkelheit, die fortwährend vor ihnen lag. Keiner von ihnen hatte es eilig, in die Schatten zu treten; keiner war sich ganz sicher, ob nicht doch etwas dort auf sie lauerte. Wann immer Schatten die ganze Straße bedeckten und ihren Weg versperrten, war die Vorfreude der Beobachter beinahe greifbar zu spüren. Sie rannten schreiend über diese dunklen Stellen. Rand bildete sich ein, trockenes, raschelndes Lachen zu hören.

Endlich — die Dämmerung neigte sich schon ihrem Ende zu — kam das weiße Steingebäude in Sicht, das sie scheinbar vor Tagen verlassen hatten. Plötzlich waren die Augen der Beobachter weg. Von einem Schritt auf den anderen verschwanden sie in einem Wimpernschlag.

Wortlos begann Rand zu laufen, von seinen Freunden gefolgt, und dann rannten sie aus Leibeskräften, bis sie durch die Tür hetzten und schnaufend zusammensanken.

Mitten auf dem geplättelten Fußboden brannte ein kleines Feuer. Der Rauch verschwand durch ein Loch in der Decke, und zwar auf solche Weise, daß es Rand unangenehm an Mordeth erinnerte. Alle außer Lan waren da und um das Feuer herum versammelt. Ihre Reaktionen unterschieden sich allerdings erheblich. Egwene, die sich die Hände am Feuer wärmte, erschrak, als die drei in den Raum platzten. Sie umklammerte erschrocken ihren Hals, aber als sie sah, wer es war, verdarb ein Seufzer der Erleichterung ihren Versuch eines tödlich wirkenden Blickes. Thom murmelte nur etwas mit der Pfeife im Mund, doch Rand konnte das Wort ›Narren‹ heraushören, bevor der Gaukler wieder dazu zurückkehrte, mit einem Stock in den Flammen herumzustochern.

»Ihr wollköpfigen Nichtsnutze!« schimpfte die Seherin. Sie schien von Kopf bis Fuß Funken zu sprühen, ihre Augen glitzerten, und auf ihren Wangen glühten dicke rote Flecken. »Warum, zum Licht noch mal, seid ihr so davongerannt? Stimmt's bei euch noch da oben? Habt ihr überhaupt kein Hirn mehr? Lan sucht jetzt nach euch, und ihr habt mehr Glück, als ihr verdient, wenn er euch bei seiner Rückkehr nicht die Vernunft in eure dicken Schädel prügelt!«

Das Gesicht der Aes Sedai verriet überhaupt keine Erregung, aber bei ihrem Anblick hatten sich die in ihr Kleid verkrampften Hände gelöst. Was Nynaeve ihr auch gegeben haben mochte, hatte geholfen, denn sie war wieder auf den Beinen. »Das hättet ihr nicht tun sollen«, sagte sie mit einer Stimme, die so klar und ruhig klang wie Oberfläche eines Sees im Wasserwald. »Wir werden später darüber sprechen. Dort draußen muß etwas geschehen sein, denn sonst würdet ihr nicht so über die eigenen Füße stolpern. Was war los?«

»Ihr habt gesagt, wir seien in Sicherheit«, beklagte sich Mat, wobei er sich wieder hochrappelte. »Ihr sagtet, Aridhol war ein Verbündeter von Manetheren und die Trollocs würden nicht in die Stadt kommen und... «

Moiraine trat so unvermittelt einen Schritt vor, daß Mat seinen Redefluß mit offenem Mund abbrach und Rand und Perrin mitten in der Bewegung des Aufstehens innehielten, der eine noch gebückt und der andere auf den Knien. »Trollocs? Habt ihr Trollocs innerhalb der Mauern gesehen?«

Rand schluckte. »Keine Trollocs«, sagte er, und dann begannen alle drei auf einmal, aufgeregt durcheinanderzusprechen.

Jeder begann an einem anderen Punkt. Mat erzählte zuerst davon, wie sie den Schatz gefunden hatten, und es klang fast so, als sei es allein sein Verdienst gewesen. Perrin erklärte zuerst, warum sie sich anfangs davongestohlen hatten, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Rand kam gleich zu dem Punkt, der ihm wichtig erschien. Er berichtete von ihrem Treffen mit dem Fremden unter den Säulen. Aber sie waren alle derart erregt, daß keiner die richtige Reihenfolge einhielt. Wann immer einem von ihnen etwas einfiel, sprudelte er es heraus, ohne darauf zu achten, was davor oder danach kam oder wer was sagte. Die Beobachter. Sie stammelten alle etwas von Beobachtern.

Die ganze Erzählung wirkte ziemlich zusammenhanglos, aber ihre Furcht wurde trotzdem deutlich. Egwene begann, unsicher zu den leeren Fenstern an der Straßenseite hinüberzublicken. Dort draußen verblaßten die letzten Reste der Dämmerung; das Feuer erschien ihnen nun sehr klein und düster. Thom nahm die Pfeife aus dem Mund und lauschte mit düsterer Miene und geneigtem Kopf. Moiraines Augen sahen besorgt drein, aber nicht zu sehr. Bis...

Plötzlich zischte die Aes Sedai und packte Rands Ellenbogen ganz fest. »Mordeth! Bist du sicher, daß er so hieß? Ihr müßt euch alle jetzt ganz sicher sein. Mordeth?«

Sie murmelten im Chor ihr ›Ja‹, durch die Erregung der Aes Sedai erschreckt.

»Hat er euch berührt?« fragte sie. »Hat er euch irgend etwas gegeben, oder habt ihr etwas für ihn getan? Ich muß das wissen!«

»Nein«, sagte Rand. »Niemand. Nichts von alledem.«

Perrin nickte zustimmend und fügte hinzu: »Alles, was er versuchte, war, uns umzubringen. Ist das nicht genug? Er schwoll an, bis er den halben Raum ausfüllte, schrie, wir seien alle tote Männer, und verschwand dann.« Er zeigte es mit einer Handbewegung an. »Wie Rauch.« Egwene kreischte auf. Mat drehte sich gereizt ab. »Sicher, habt Ihr gesagt! All das Gerede, die Trollocs kämen nicht hierher. Was sollten wir denn sonst denken?«

»Offensichtlich habt ihr überhaupt nicht gedacht«, sagte sie wieder ganz kühl und beherrscht. »Jeder mit ein bißchen Verstand würde sich an einem Ort vorsehen, den selbst Trollocs aus Angst nicht zu betreten wagen.«

»Mats Verdienst«, sagte Nynaeve mit Sicherheit in der Stimme. »Er überredet sie immer zu irgendwelchem Blödsinn, und die anderen schalten das bißchen Verstand, das sie haben, ab, wenn sie bei ihm sind.«

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