Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich hatte gehört, was er zu dem Regenpfeifer gesagt hatte, als er ihn freiließ. Ich verstand zwar nur ein paar Worte Gälisch, doch diesen Gruß hatte ich schon so oft gehört, dass er mir vertraut war. »Gott mit dir, Mutter«, hatte er gesagt.
Eine junge Mutter, die im Kindbett gestorben ist. Und ein Kind, das zurückgelassen wurde. Ich berührte seinen Arm, und er blickte auf mich hinunter.
»Wie alt warst du?«, fragte ich.
Er deutete ein Lächeln an. »Acht«, antwortete er. »Zumindest war ich aus den Windeln.«
Er verstummte und führte mich schweigend den Hügel hinauf. Die Hänge waren hier dicht mit Heidekraut bewachsen. Hinter dem Hügel änderte sich die Landschaft abrupt; gewaltige Granittürme erhoben sich aus der Erde, umgeben von Kiefern- und Lärchenwäldern. Wir erkletterten den Hügelkamm und ließen die Rufe der Regenpfeifer hinter uns.
Die Sonne brannte heiß, und nachdem wir uns eine Stunde durch dichtes Geäst geschoben hatten, war ich reif für eine Rast – auch wenn ich das Schieben zum Großteil Jamie überlassen hatte.
Wir fanden eine schattige Stelle am Fuß eines Granitvorsprungs, auf den wir uns setzten. Es erinnerte mich ein wenig an die Stelle, an der ich Murtagh begegnet war – und von Hauptmann Randall getrennt worden war. Dennoch war es schön hier. Jamie meinte, wir wären allein, weil die Vögel unablässig sangen. Wenn sich jemand näherte, würden die meisten Vögel verstummen, nur die Eichelhäher und Dohlen würden Warnrufe ausstoßen.
»Am besten versteckt man sich immer in einem Wald, Sassenach«, riet er mir. »Wenn man sich selbst nicht zu sehr bewegt, verraten einem die Vögel rechtzeitig, wenn jemand in die Nähe kommt.«
Er zeigte mir einen krakeelenden Eichelhäher auf dem Baum über uns. Dann sah er mich an, und wir saßen da wie erstarrt, zwar in Reichweite unserer Hände, doch ohne uns zu berühren. Wir atmeten kaum. Nach einer Weile wurden wir dem Eichelhäher zu langweilig, und er flog davon. Es war Jamie, der den Blick als Erster abwandte und dabei kaum merklich erschauerte, als wäre ihm kalt.
Spargelpilze lugten weiß aus dem zerfallenden Laub unter den Farnen. Jamies Zeigefinger schnippte einem den Kopf von seinem Stiel und zeichnete die Sporenständer nach, während er sich seine nächsten Worte zurechtlegte. Wenn er so bedacht sprach wie jetzt, verlor er seinen schottischen Akzent fast ganz.
»Ich möchte nicht … das heißt … ich will nicht andeuten …« Er blickte plötzlich auf und lächelte mit einer hilflosen Geste. »Ich will dich ja nicht beleidigen, indem ich es so klingen lasse, als würde ich glauben, dass du weitreichende Erfahrung mit Männern besitzt. Aber es wäre auch töricht, mir einzubilden, dass du nicht weitaus mehr über solche Dinge weißt als ich. Was ich fragen wollte, ist das … immer so? Was zwischen uns ist, wenn ich dich berühre, wenn wir … zusammen sind? Ist es immer so zwischen einem Mann und einer Frau?«
Trotz seiner Schwierigkeiten wusste ich genau, was er meinte. Sein Blick ließ nicht von meinen Augen ab, während er auf meine Antwort wartete. Ich hätte den Blick gern abgewandt, konnte es aber nicht.
»Es ist oft ähnlich«, sagte ich und musste mich unterbrechen, um mich zu räuspern. »Aber … nein. Nein, es ist … nicht immer so. Ich weiß auch nicht, warum, aber nein. Das hier ist … anders.«
Er entspannte sich ein wenig, als hätte ich ihm etwas bestätigt, worüber er sich große Gedanken machte.
»Ich dachte, dass es vielleicht nicht so ist. Ich habe zwar noch nie mit einer anderen geschlafen, aber ich … äh, habe schon andere Frauen angefasst.« Er lächelte unsicher und schüttelte den Kopf. »Es war nicht dasselbe. Ich meine, ich habe schon andere in den Armen gehabt und sie geküsst und … nun ja.« Er tat das und mit einer Handbewegung ab. »Es war wirklich schön. Ich hatte Herzklopfen und musste schneller atmen und all das. Aber es war völlig anders, als wenn ich dich in die Arme nehme und dich küsse.« Ich hatte das Gefühl, dass seine Augen die Farbe der Seen und des Himmels hatten und genauso unergründlich waren.
Er streckte die Hand aus und berührte kaum spürbar meine Unterlippe. »Es beginnt zwar ähnlich, aber dann, nach einem Moment«, sagte er leise, »ist es plötzlich so, als hätte ich lebendiges Feuer in den Armen.« Seine Berührung wurde fester, zeichnete die Umrisse meiner Lippen nach und liebkoste mein Kinn. »Und alles, was ich will, ist, mich hineinzustürzen und verzehrt zu werden.«
Ich dachte daran, ihm zu sagen, dass auch seine Berührung mir die Haut verbrannte und mir Flammen durch die Adern jagte. Doch ich war bereits entzündet und glühte lichterloh. Ich schloss die Augen und spürte, wie das Brennen meine Wange und meine Schläfe, mein Ohr und meinen Hals berührte, und erschauerte, als seine Hände auf meine Taille sanken und mich an ihn zogen.
Jamie schien genau zu wissen, wohin er wollte. Irgendwann blieb er am Fuß eines hohen Felsens stehen, der vielleicht sieben Meter hoch war und mit Vorsprüngen und Furchen übersät war. Rainfarn und Zaunrosen hatten in den Spalten Wurzeln geschlagen und wogten in lichter Höhe über den Stein. Er nahm meine Hand und wies kopfnickend auf die Felswand.
»Siehst du die Trittstufen, Sassenach? Glaubst du, du schaffst das?« Der Stein hatte tatsächlich schwach erkennbare Vorsprünge, die sich wie eine Treppe über seine Oberfläche zogen. Manche waren richtige Stufen, manche boten höchstens den Flechten Halt. Ich konnte nicht sagen, ob sie so gewachsen waren oder ob jemand nachgeholfen hatte, doch ich glaubte, dass ich sie erklettern konnte, selbst mit langen Röcken und einem engen Mieder.
Ich rutschte zwar ein paarmal aus und bekam den einen oder anderen Schreck, und Jamie schob gelegentlich von hinten, doch ich schaffte es tatsächlich auf den Gipfel des Felsens. Dort blieb ich stehen, um mich umzusehen. Der Ausblick war spektakulär. Im Osten erhob sich die dunkle Masse eines Bergs, und im Süden gingen die flacheren Hügel allmählich in eine weite Moorlandschaft über. Die Spitze des Felsens neigte sich auf allen Seiten nach innen, so dass sie eine flache Mulde bildete. In ihrer Mitte befand sich ein geschwärzter Kreis mit den rußigen Überresten verkohlter Äste. Wir waren also nicht die ersten Besucher hier.
»Du kanntest die Stelle?«, fragte ich. Jamie stand neben mir. Er beobachtete mich und freute sich, weil ich so hingerissen war. Bescheiden zuckte er mit den Schultern.
»Oh, aye. Ich kenne diesen Teil der Highlands wie meine Westentasche. Komm her, hier ist eine Stelle, wo du sitzen und unten auf die Straße sehen kannst.« Auch das Gasthaus war von hier aus zu sehen, aus der Entfernung kaum größer als ein Kinderbauklotz. An der Straße standen ein paar Pferde unter den Bäumen angebunden, von hier aus nur kleine schwarze und braune Flecken.
Wir setzten uns nebeneinander, ließen die Beine über die Kante baumeln und teilten uns kameradschaftlich eine der Aleflaschen, die Jamie bei unserem Aufbruch in weiser Voraussicht aus dem Brunnen des Gasthauses mitgenommen hatte.
Auf der Felsspitze wuchsen keine Bäume, doch hier und dort war es kleineren Pflanzen gelungen, in dem mageren Boden Wurzeln zu schlagen, und sie streckten tapfer die Gesichter der heißen Sonne entgegen. Neben mir wuchs ein Büschel Gänseblümchen im Schutz eines Steins, und ich streckte die Hand aus, um eins zu pflücken.
Im selben Moment hörte ich ein leises Surren, und das Gänseblümchen flog von seinem Stiel und landete auf meinem Knie. Ich starrte es verständnislos an, weil sich mein Kopf keinen Reim auf dieses bizarre Verhalten machen konnte. Jamie, der um einiges schneller begriff als ich, hatte sich schon flach auf den Felsen geworfen.
»Auf den Boden!«, zischte er. Eine große Hand fasste meinen Ellbogen und riss mich hinunter. Als ich im Moos landete, sah ich den Schaft eines Pfeils, der in einer Spalte des Steins aufgetroffen war.