Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er war groß, dachte ich. Da ich so viel Zeit in seiner Nähe verbrachte, vergaß ich seine Körpergröße normalerweise, bis ich ihn plötzlich aus einiger Entfernung sah und er andere Männer überragte – und mich seine Anmut und körperliche Schönheit aufs Neue erstaunten. Doch jetzt saß er mit den Knien fast unter dem Kinn im Wasser, und seine Schultern füllten die Wanne von einer Seite bis zur anderen aus. Er beugte sich ein wenig vor, um mir zu helfen, und die grauenvollen Narben auf seinem Rücken kamen zum Vorschein. Die dicken roten Wülste, die Jack Randalls Weihnachtsgeschenk gewesen waren, zogen sich frisch über die dünnen weißen Linien der älteren Peitschennarben.
Sacht berührte ich die Narben, und der Anblick zog mir das Herz zusammen. Ich hatte diese Verletzungen gesehen, als sie frisch waren, hatte erlebt, wie ihn Folter und Missbrauch an den Rand des Wahnsinns getrieben hatten. Doch ich hatte ihn geheilt, und er hatte mit der ganzen Kraft seines tapferen Herzens darum gekämpft, nicht länger versehrt zu sein, zu mir zurückzukommen. Von Zärtlichkeit überwältigt, schob ich seine losen Haarspitzen beiseite und beugte mich vor, um seinen Nacken zu küssen.
Abrupt richtete ich mich auf. Er spürte meine Bewegung und drehte den Kopf.
»Was ist denn, Sassenach?«, fragte er langsam und schläfrig.
»Gar nichts«, sagte ich und starrte auf die dunkelroten Flecken an seinem Hals. Die Schwestern in Pembroke verdeckten so etwas am Morgen nach ihren Verabredungen mit den Soldaten der nahegelegenen Kaserne mit fröhlichen Schals. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Schals eher dazu dienten, etwas herauszuposaunen, statt es zu vertuschen.
»Nein, gar nichts«, sagte ich erneut und griff nach dem Krug auf dem Waschtisch. Da er dicht am Fenster stand, war er eiskalt. Ich stellte mich hinter Jamie und schüttete ihm das Wasser über den Kopf.
Ich hob den Seidenrock meines Nachthemds, um der plötzlichen Woge auszuweichen, die über die Kante der Wanne schwappte. Er schnaufte vor Kälte, war aber noch zu schockiert, um die Worte auszusprechen, die ich auf seinen Lippen Fahrtwind aufnehmen sehen konnte. Ich kam ihm zuvor.
»Du hast also nur zugesehen, ja?«, fragte ich kalt. »Und es hat dir vermutlich auch nicht die geringste Freude gemacht, oder, du Armer?«
Er warf sich so heftig zurück in die Wanne, dass das Wasser erneut überschwappte und auf den Steinboden spritzte. Dann drehte er sich, um zu mir aufzublicken.
»Was möchtest du denn hören?«, wollte er wissen. »Wollte ich es mit ihnen treiben? Aye, das wollte ich. So sehr, dass es schmerzte, es nicht zu tun. So sehr, dass mir übel wurde bei dem bloßen Gedanken, eine dieser Schlampen anzurühren.«
Er schob sich die nassen Haare aus den Augen und funkelte mich an.
»Ist es das, was du wissen wolltest? Bist du jetzt zufrieden?«
»Eigentlich nicht«, sagte ich. Mein Gesicht war heiß, und ich drückte es an die eisige Fensterscheibe, während meine Hände die Fensterbank umklammerten.
»Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Ist das die Art, wie du es siehst?«
»Ist es die Art, wie du es siehst?«
»Nein«, sagte er knapp. »Ich sehe es nicht so. Und was würdest du tun, wenn ich mit einer Hure geschlafen hätte, Sassenach? Mich ohrfeigen? Mich aus deinem Zimmer verbannen? Dich von meinem Bett fernhalten?«
Ich drehte mich um und sah ihn an.
»Ich würde dich umbringen«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
Seine Augenbrauen fuhren in die Höhe, und sein Mund öffnete sich ungläubig.
»Mich umbringen? Gott, wenn ich dich mit einem anderen Mann anträfe, würde ich ihn umbringen.« Er hielt inne, und sein Mundwinkel zuckte ironisch.
»Versteh mich nicht falsch«, sagte er, »von dir wäre ich auch nicht sonderlich begeistert, aber trotzdem ist er es, den ich umbringen würde.«
»Typisch Mann«, sagte ich. »Du verstehst gar nichts.«
Er prustete, doch sein Humor war bitter.
»Ach nein? Du glaubst mir also nicht. Möchtest du, dass ich es dir beweise, Sassenach, dass ich in den letzten Stunden mit niemandem geschlafen habe?« Er stand auf, und das Wasser lief ihm in Kaskaden über die langen Beine. Das Licht, das durch das Fenster fiel, fing sich in seinen rötlich goldenen Körperhaaren, und der Dampf stieg in Schwaden von ihm auf. Er sah aus wie eine Figur aus frisch geschmolzenem Gold. Mein Blick wanderte kurz abwärts.
»Ha«, sagte ich, so verächtlich es in einer Silbe möglich war.
»Heißes Wasser«, sagte er kurz und stieg aus der Wanne. »Keine Sorge, das dauert nicht lange.«
»Das«, sagte ich mit geschliffener Präzision, »glaubst auch nur du.«
Sein Gesicht errötete noch tiefer, und seine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten.
»Man kann dich einfach nicht zur Vernunft bringen, oder?«, fragte er aufgebracht. »Gott, ich verbringe eine ganze Nacht hin- und hergerissen zwischen Ekel und Qual; meine Begleiter verhöhnen mich, weil ich unmännlich bin, und dann werde ich zu Hause verhöhnt, weil ich unkeusch bin! Ifrinn!«
Er blickte wild um sich, erspähte seine abgelegte Kleidung auf dem Boden vor dem Bett und bewegte sich mit einem Satz darauf zu.
»Also schön!«, sagte er und wühlte nach seinem Gürtel. »Hier! Wenn Lust schon Ehebruch ist und du mich wegen Ehebruchs umbringen würdest, tust du es doch am besten gleich, oder?« Er kam mit seinem Dolch, einem dreißig Zentimeter langen Stück dunklem Stahl, und hielt ihn mir am Heft entgegen. Er richtete sich auf, um mir seine breite Brust darzubieten, und funkelte mich kampflustig an.
»Los«, sagte er beharrlich. »Du willst doch hoffentlich keinen Meineid auf dich laden? Wo dir doch so viel an deiner Ehre als meiner Frau liegt?«
Ich war ernstlich versucht. Meine geballten Fäuste bebten an meinen Seiten vor Lust, den Dolch zu nehmen und ihn Jamie fest zwischen die Rippen zu stoßen. Allein das Wissen, dass er sich aller Theatralik zum Trotz mit Sicherheit nicht von mir erstechen lassen würde, hinderte mich daran, es zu versuchen. Ich kam mir schon lächerlich genug vor, ohne mich noch weiter zu erniedrigen. Ich wirbelte mit wehenden Seidenröcken davon.
Nach einem Moment hörte ich den Dolch auf die Dielen prallen. Ich stand reglos am Fenster und starrte auf den Hinterhof hinaus. Hinter mir hörte ich es leise rascheln, und ich blickte in das verschwommene Spiegelbild auf der Fensterscheibe. Mein Gesicht erschien dort als ovaler Fleck in einem Heiligenschein aus schlafzerzaustem braunem Haar. Jamies nackte Gestalt bewegte sich verschwommen auf dem Glas, als sähe ich ihn unter Wasser. Er suchte nach einem Handtuch.
»Das Handtuch ist unten im Waschtisch«, sagte ich und drehte mich um.
»Danke.« Er ließ das schmutzige Hemd fallen, mit dem er sich vorsichtig betupft hatte, und griff nach dem Handtuch, ohne mich anzusehen.
Er trocknete sich das Gesicht ab, dann schien er einen Entschluss zu fällen. Er ließ das Handtuch sinken und sah mich direkt an. Ich konnte sehen, wie die Gefühle in seinem Gesicht um die Vorherrschaft rangen, und fühlte mich, als blickte ich immer noch in den Spiegel des Fensters. Wir kamen beide im selben Moment zur Vernunft.
»Es tut mir leid«, sagten wir wie aus einem Munde. Und lachten.
Die Feuchtigkeit auf seiner Haut durchtränkte die dünne Seide, doch das kümmerte mich nicht.
Einige Minuten später murmelte er mir etwas ins Haar.
»Was?«
»Zu knapp«, wiederholte er und wich ein wenig zurück. »Es war zu verdammt knapp, Sassenach, und das hat mir Angst gemacht.«
Mein Blick fiel auf den Dolch, der vergessen am Boden lag.
»Angst? Ich habe im Leben noch nie jemanden gesehen, der weniger Angst hatte. Du wusstest doch ganz genau, dass ich es nicht tun würde.«
»Oh, das.« Er grinste. »Nein, ich habe nicht gedacht, dass du mich umbringst, so gern du es vielleicht getan hättest.« Seine Miene wurde wieder nüchtern. »Nein, es war … nun ja, diese Frauen. Was ich in ihrer Gegenwart empfunden habe. Ich wollte sie nicht, wirklich nicht …«