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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Ja, ja«, antwortete Mordeth. Der Mann schien in der Dunkelheit überhaupt keine Probleme zu haben. »Unten gibt es Lichter. Kommt.«

Tatsächlich mündete die Wendeltreppe plötzlich in einen Korridor, der durch verstreute, qualmende Fackeln in Eisenhaltern an den Wänden trübe beleuchtet wurde. Im Licht der flackernden Fackeln hatte Rand erstmals Gelegenheit, Mordeth, der ohne Unterbrechung weiterhastete, genauer zu betrachten. Er winkte ihnen zu, ihm zu folgen.

Er hatte etwas Eigenartiges an sich, dachte Rand, aber er konnte nicht genau sagen, was es war. Mordeth war ein gepflegter, etwas molliger Mann. Seine Augenlider waren halb geschlossen, und so schien es, als verstecke er sich hinter irgend etwas und blicke dahinter hervor. Er war klein und hatte eine vollständige Glatze, doch er ging einher, als sei er größer als sie alle. Seine Kleidung sah ganz sicher anders aus als jede, die Rand zuvor gesehen hatte. Enge schwarze Kniebundhosen und weiche rote Stiefel, deren Stulpen an den Knöcheln heruntergeschlagen waren. Eine lange, rote, mit Gold reich bestickte Weste und ein schneeweißes Hemd mit weiten Ärmeln. Die Enden seiner Manschetten hingen beinahe in Kniehöhe. Ganz bestimmt keine Kleidung, in der man eine Ruinenstadt nach Schätzen durchsucht. Aber das war es noch nicht einmal, was ihn so fremdartig wirken ließ. Dann mündete der Korridor in einen gekachelten Raum, und er vergaß alles Eigenartige, was er an Mordeth entdeckt hatte. Sein Keuchen glich dem seiner Freunde. Auch hier stammte das Licht von einigen Fackeln, die die Decke des Zimmers mit Ruß schwärzten und von jedem mehr als einen Schatten erzeugten, aber dieses Licht wurde tausendmal reflektiert von den Edelsteinen und dem Gold, die am Boden aufgehäuft lagen: Hügel von Münzen und Schmuck, Pokale und Teller und Platten, vergoldete, mit Edelsteinen verzierte Schwerter und Dolche, alles unachtsam hüfthoch aufgehäuft. Mit einem Aufschrei rannte Mat vor und fiel vor einem der Stapel auf die Knie nieder. »Säcke«, sagte er atemlos und steckte die Hände in all das Gold. »Wir werden Säcke brauchen, um all das zu tragen.«

»Wir können nicht alles tragen«, sagte Rand. Er blickte sich hilflos um; alle Schmuckhändler, die während eines Jahres nach Emondsfeld kamen, hätten nicht ein Tausendstel auch nur eines dieser Stapel zusammenbringen können. »Nicht jetzt. Es ist fast dunkel.«

Perrin zog eine Axt heraus und warf nichtachtend die Goldketten zurück, die sich darum verwickelt hatten.

Juwelen glitzerten an ihrem glänzendschwarzen Griff, und die Doppelschneide war mit feinen Goldgravuren verziert. »Also morgen«, sagte er und schwang grinsend die Axt. »Moiraine und Lan werden uns verstehen, wenn wir ihnen das zeigen.«

»Ihr seid nicht allein?« fragte Mordeth. Er hatte sie an sich vorbeigelassen, als sie in die Schatzkammer stürzten, doch nun folgte er ihnen. »Wer ist noch bei Euch?«

Mat, dessen Arme tief in den Reichtümern vor ihm steckten, antwortete abwesend: »Moiraine und Lan. Und dann noch Nynaeve und Egwene und Thom. Er ist Gaukler. Wir reiten nach Tar Valon.«

Rand hielt die Luft an. Dann ließ ihn Mordeths Schweigen den Mann anblicken. Wut und Angst verzerrten Mordeths Gesicht. Seine Lippen öffneten sich und gaben die Zähne frei. »Tar Valon!« Er schüttelte geballte Fäuste nach ihnen. »Tar Valon! Ihr habt gesagt, Ihr wolltet nach diesem... diesem... Caemlyn reiten! Ihr habt mich angelogen!«

»Wenn Ihr immer noch wollt«, sagte Perrin zu Mordeth, »dann kommen wir morgen zurück und helfen Euch.« Vorsichtig legte er die Axt auf den Stapel juwelengeschmückter Schalen und Ringe und Ketten zurück. »Wenn Ihr wollt.«

»Nein. Das heißt... « Schwer atmend schüttelte Mordeth den Kopf, als könne er sich nicht entscheiden. »Nehmt, was Ihr wollt. Außer... außer... «

Plötzlich war Rand klar, was ihn die ganze Zeit an dem Mann gestört hatte. Die verstreuten Fackeln in dem Korridor hatten jedem von ihnen einen Ring von Schatten verliehen, genau wie die Fackeln in der Schatzkammer. Nur... Er war so entsetzt, daß er es laut aussprach: »Ihr habt keinen Schatten!«

Ein Pokal fiel mit lautem Krach aus Mats Hand.

Mordeth nickte, und zum erstenmal öffneten sich seine fleischigen Augenlider ganz. Sein schmales Gesicht erschien auf einmal eingefallen und hungrig. »Also.« Er richtete sich auf. Er schien nun größer als zuvor. »Die Entscheidung ist gefallen.« Plötzlich war aller Schein verschwunden. Mordeth schwoll wie ein Ballon an, verzerrte sich, der Kopf stieß an die Decke, die Schultern wurden von den Wänden aufgehalten, und so füllte er das eine Ende des Raums und schnitt ihnen den Fluchtweg ab. Mit eingefallenen Wangen und in einem starren Fauchen gebleckten Zähnen streckte er Hände nach ihnen aus, die groß genug waren, um den Kopf eines Mannes in ihnen zu halten.

Mit einem Schrei sprang Rand zurück. Seine Füße verfingen sich in einer Goldkette, und er stürzte zu Boden. Die Luft blieb ihm weg. Er versuchte, wieder zu Atem zu kommen, und gleichzeitig griff er nach seinem Schwert, wobei er seinen Umhang wegreißen mußte, der sich um die Scheide gewickelt hatte. Die Schreie seiner Freunde erfüllten den Raum, und dazu ertönte das Klappern von Goldtellern und Pokalen, die über den Fußboden rollten. Plötzlich gellte ein Schmerzensschrei in Rands Ohren.

Fast schon schluchzend brachte er es endlich fertig, tief Luft zu holen, gerade in dem Augenblick, als er auch das Schwert aus der Scheide gezogen hatte. Vorsichtig stand er auf und fragte sich, von welchem seiner Freunde der Schrei hergerührt hatte. Perrin sah ihn mit weit aufgerissenen Augen von der anderen Seite des Raums her an, wo er mit der Axt in seiner Hand kauerte, als wolle er einen Baum fällen. Mat blickte hinter der Seite eines Schatzhaufens hervor, und seine Hand umklammerte einen Dolch, den er aus dem Schatz herausgezogen hatte.

Etwas bewegte sich dort, wo der Schatten, den die Fackeln übriggelassen hatten, am tiefsten war. Sie fuhren alle herum. Es war Mordeth, der seine Knie an die Brust gezogen hatte und sich so weit wie möglich in die entfernteste Ecke drückte.

»Er hat uns betrogen«, keuchte Mat. »Es war alles eine Falle.«

Mordeth warf den Kopf zurück und schrie jammernd auf. Die Wände zitterten, und Staub rieselte herunter. »Ihr seid alle tot!« rief er. »Alle tot!« Und er sprang auf und hechtete durch den Raum.

Rands Unterkiefer klappte herab, und beinahe hätte er das Schwert fallen lassen. Als Mordeth durch die Luft schoß, streckte und verdünnte sich sein Körper wie eine Rauchfahne. So dünn wie ein Finger traf er auf einen Spalt zwischen den Kacheln an der Wand und verschwand darin. Ein letzter Schrei wehte noch durch den Raum, als er verschwand, und wurde langsam immer leiser, nachdem er weg war.

»Ihr seid alle tot!«

»Wir müssen hier raus«, sagte Perrin schwach. Er festigte seinen Griff um den Axtstiel und bemühte sich, gleichzeitig in alle Richtungen zu sehen. Goldzierat und Edelsteine knirschten unbeachtet unter seinen Füßen.

»Aber der Schatz«, protestierte Mat. »Wir können ihn nicht einfach so liegen lassen.«

»Ich will nichts davon«, sagte Perrin, der sich immer noch von einer Seite zur anderen drehte. Er erhob die Stimme und schrie die Wände an:

»Es ist Euer Schatz, hört Ihr mich? Wir nehmen nichts davon mit!«

Rand sah Mat zornig an. »Willst du, daß er uns nachkommt? Oder willst du hier warten und dir die Taschen vollstopfen, bis er mit zehn anderen von seiner Sorte zurückkommt?«

Mat deutete auf all das Gold und die Edelsteine. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, packte Rand einen seiner Arme und Perrin den anderen. Sie zerrten ihn aus dem Raum. Mat wehrte sich und rief etwas über den Schatz.

Bevor sie auch nur zehn Schritte den Gang hinunter getan hatten, erlosch das sowieso trübe Licht hinter ihnen allmählich. Die Fackeln in der Schatzkammer gingen aus. Mat hörte auf zu schreien. Sie beschleunigten ihre Schritte. Die erste Fackel außerhalb der Schatzkammer ging aus, dann die nächste. Als sie die Wendeltreppe erreicht hatten, mußten sie Mat nicht mehr zerren. Sie rannten alle, und hinter ihnen schloß sich die Dunkelheit. Sogar die pechschwarze Dunkelheit an der Treppe ließ sie keinen Moment zögern. Dann rannten sie hoch und schrien mit aller Kraft. Sie schrien, um alles wegzuscheuchen, was dort auf sie warten mochte, und um sich selbst daran zu erinnern, daß sie noch immer lebten.

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