Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Wahrheitsgemäß?«
»Oh, seht Euch vor, Mylady. Tyrion sagt immer, die Menschen hungerten nach der Wahrheit, würden jedoch selten ihren Geschmack schätzen, wenn sie aufgetischt wird.«
»Ich bin stark genug, alles zu ertragen, was Ihr sagen werdet.«
»Wenn dem so ist, bitte. Aber zuerst, seid so freundlich … der Wein. Meine Kehle ist rau.«
Catelyn hängte die Lampe an die Tür und schob ihm Becher und Krug zu. Jaime ließ sich den Wein auf der Zunge zergehen, ehe er ihn hinunterschluckte. »Sauer und schlecht«, meinte er, »doch wird er seine Schuldigkeit tun.« Er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, zog die Knie an die Brust und starrte sie an. »Eure erste Frage, Lady Catelyn?«
Da sie nicht wusste, wie lange er diese Spielchen mitspielen würde, verlor sie keine Zeit. »Seid Ihr Joffreys Vater?«
»Ihr hättet nicht gefragt, wenn Ihr die Antwort nicht schon kennen würdet.«
»Ich möchte sie von Euren Lippen hören.«
Er zuckte die Achseln. »Joffrey ist von mir. Und der Rest von Cerseis Brut ebenso, nehme ich an.«
»Somit gebt Ihr zu, der Geliebte Eurer Schwester zu sein?«
»Ich habe meine Schwester stets geliebt, und Ihr schuldet mir zwei Antworten. Leben noch alle von meiner Familie?«
»Ser Steffert Lennister ist bei Ochsenfurt gefallen, wurde mir berichtet.«
Jaime zeigte keine Regung. »Onkel Tölpel hat ihn meine Schwester genannt. Nein, mir geht es um Cersei und Tyrion. Und um meinen Hohen Vater.«
»Sie leben, alle drei.« Doch nicht mehr lange, wenn die Götter gnädig sind.
Jaime trank von seinem Wein. »Weiter.«
Catelyn überlegte, ob er es wohl wagen würde, ihre nächste Frage mit der Wahrheit zu beantworten. »Wie ist mein Sohn Bran abgestürzt?«
»Ich habe ihn aus dem Fenster geworfen.«
Die Unbekümmertheit, mit der er das sagte, verschlug ihr die Sprache. Hätte ich ein Messer, würde ich ihn auf der Stelle umbringen, dachte sie, bis ihr die Mädchen einfielen. Ihre Kehle schnürte sich zu. »Ihr wart ein Ritter, der geschworen hat, die Schwachen und Unschuldigen zu beschützen.«
»Schwach war er gewiss, aber vielleicht nicht so unschuldig. Er hat uns nachspioniert.«
»Bran hat nie jemandem nachspioniert.«
»Dann gebt Euren gepriesenen Göttern die Schuld, weil sie den Jungen an unser Fenster geführt haben, wo er etwas gesehen hat, das nicht für seine Augen bestimmt war.«
»Die Götter beschuldigen?«, fragte sie ungläubig. »Eure Hand war es, die ihn hinuntergestoßen hat. Ihr wolltet, dass er stirbt.«
Seine Ketten klimperten leise. »Ich werfe selten Kinder von einem Turm, um ihre Gesundheit zu stärken. Ja, ich wollte, dass er stirbt.«
»Und als er nicht gestorben ist, wusstet Ihr, die Gefahr war größer denn je, und so habt Ihr Eurem gedungenen Handlanger einen Beutel Silber gegeben, damit er Bran für immer die Augen schließt.«
»Habe ich das tatsächlich getan?« Jaime hob den Becher und nahm einen großen Schluck. »Ich will nicht leugnen, dass wir darüber gesprochen haben, nur wart Ihr Tag und Nacht bei dem Jungen, und Euer Maester sowie Lord Eddard haben ihn häufig besucht, dazu die Wachen und die verdammten Schattenwölfe … ich hätte mich durch halb Winterfell schlagen müssen. Und wozu, wo es doch so aussah, als ob der Junge von selbst sterben würde?«
»Wenn Ihr mich anlügt, ist unser Treffen zu Ende.« Catelyn hielt ihm ihre Hände entgegen, um ihm die Narben zu zeigen. »Die habe ich von dem Kerl, der meinem Bran die Kehle durchschneiden wollte. Schwört Ihr, ihn nicht gesandt zu haben?«
»Bei meiner Ehre als Lennister.«
»Eure Lennister-Ehre ist nicht mehr wert als das hier.« Sie stieß den Eimer um. Eine übel stinkende Brühe ergoss sich über den Boden und sickerte ins Stroh.
Jaime Lennister wich so weit davor zurück, wie es seine Ketten zuließen. »Vielleicht ist meine Ehre wirklich nur Scheiße wert, das will ich nicht bestreiten, trotzdem habe ich noch nie jemanden angeheuert, um einen anderen für mich zu töten. Glaubt, was Ihr wollt, Lady Stark, aber hätte ich Euren Bran tot sehen wollen, hätte ich es selbst erledigt.«
Die Götter mögen gnädig sein, er spricht die Wahrheit. »Wenn Ihr den Mörder nicht geschickt habt, dann war es Eure Schwester.«
»Dann hätte ich davon erfahren. Cersei hat keine Geheimnisse vor mir.«
»Dann war es der Gnom.«
»Tyrion ist genauso unschuldig wie Euer Bran. Er ist nicht vor fremden Fenstern herumgeklettert und hat gelauscht.«
»Warum hatte der Meuchelmörder dann seinen Dolch?«
»Und was für ein Dolch sollte das sein?«
»Er war so lang«, erklärte sie und zeigte es ihm mit den Händen, »einfach, aber gut verarbeitet, mit einer Klinge aus valyrischem Stahl und einem Heft aus Drachenknochen. Euer Bruder hat ihn von Lord Baelish gewonnen, bei dem Turnier zu Prinz Joffreys Namenstag.«
Lennister schenkte sich nach, trank, schenkte nach und starrte in seinen Weinbecher. »Dieser Wein wird immer besser, je mehr ich davon trinke. Stellt Euch das nur vor. Ich meine mich an diesen Dolch zu erinnern, jetzt wo Ihr ihn beschreibt. Gewonnen hat er ihn, sagt Ihr? Wie?«
»Er hat auf Euch gesetzt, als Ihr mit der Lanze gegen den Ritter der Blumen angetreten seid.« Doch als sie die Worte aussprach, wusste Catelyn, dass das nicht stimmte. »Nein … war es nicht andersherum?«
»Tyrion hat mir auf dem Turnierplatz immer den Rücken gestärkt«, sagte Jaime, »aber an diesem Tag hat mich Ser Loras aus dem Sattel gestoßen. Ein Missgeschick; ich hatte den Jungen unterschätzt, nun, was soll’s. Was immer mein Bruder gesetzt hat, hat er verloren … doch der Dolch hat den Besitzer gewechselt, wie ich mich jetzt erinnere. Robert hat ihn mir am Abend auf dem Fest gezeigt. Seine Gnaden streuten zu gern Salz in meine Wunden, vor allem, wenn er betrunken war. Und wann war er nicht betrunken?«
Auf dem Weg durch die Mondberge hatte Tyrion Lennister fast das Gleiche erzählt, erinnerte sich Catelyn. Sie hatte ihm nicht glauben wollen. Petyr hatte ihr etwas anderes geschworen, Petyr, der beinahe ein Bruder für sie gewesen war, Petyr, der sie so sehr geliebt hatte, dass er ein Duell um ihre Hand bestritten hatte … und dennoch, wenn Jaime und Tyrion dasselbe sagten, was bedeutete das? Die beiden Brüder waren sich nicht mehr begegnet, seit sie Winterfell vor über einem Jahr verlassen hatten. »Wollt Ihr mich täuschen?« Irgendwo musste es einen Haken geben.
»Ich habe zugegeben, Euren geliebten Bengel aus dem Fenster gestoßen zu haben, was würde mir also eine Lüge über diesen Dolch einbringen?« Er stürzte einen weiteren Becher Wein hinunter. »Glaubt, was Ihr wollt, mir ist es längst gleichgültig, was die Menschen über mich sagen. Und jetzt bin ich dran. Sind Roberts Brüder ins Feld gezogen?«
»Ja.«
»Nun, das ist eine sehr knappe Antwort. Führt sie ein wenig aus, sonst werde ich mich bei Eurer nächsten Frage genauso bescheiden.«
»Stannis marschiert nach Königsmund«, sagte sie widerwillig. »Renly ist tot, er wurde bei Sturmkap von seinem Bruder ermordet, durch irgendeine schwarze Kunst, die ich nicht verstehe.«
»Zu schade«, meinte Jaime. »Renly mochte ich recht gern, Stannis dagegen ist eine ganz andere Sache. Für welche Seite haben die Tyrells Partei ergriffen?«
»Zunächst für Renly. Wo sie jetzt stehen, weiß ich nicht.«
»Euer Junge muss sich einsam fühlen.«
»Robb ist vor ein paar Tagen sechzehn geworden … er ist erwachsen und ein König. Bisher hat er jede Schlacht gewonnen, in die er gezogen ist. Den letzten Nachrichten zufolge hat er den Westerlings Burg Bruch abgenommen.«
»Bisher hat er sich noch nicht meinem Vater gestellt, oder?«
»Wenn die Zeit gekommen ist, wird er ihn besiegen. Genauso wie Euch.«