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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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Shae saß mit gekreuzten Beinen auf seinem Himmelbett und war bis auf die schwere Goldkette, die ihr um die Brüste hing, nackt: eine Kette, deren Glieder aus goldenen Händen bestanden, von denen eine in die andere griff.

Tyrion hatte sie nicht erwartet. »Was machst du denn hier?«

Lachend strich sie über die Kette. »Ich wollte Hände auf meinen Brüsten spüren … aber diese kleinen goldenen sind sehr kalt.«

Einen Augenblick lang wusste er nicht, was er sagen sollte. Wie sollte er ihr erklären, dass eine andere Frau die Prügel hatte einstecken müssen, die für sie bestimmt waren, und vielleicht an ihrer Stelle sterben würde, falls Joffrey in der Schlacht fiel? Er wischte sich Alayayas Blut von der Stirn. »Lady Lollys …«

»Sie schläft. Schlafen ist alles, was sie tun will, die große Kuh. Sie schläft und isst. Manchmal schläft sie ein, während sie isst. Das Essen fällt unter die Decke, und sie wälzt sich darin, und hinterher muss ich sie waschen.« Sie verzog angeekelt das Gesicht. »Dabei haben die sie doch nur gefickt.«

»Ihre Mutter sagt, sie sei krank.«

»Sie hat ein Kind im Bauch, mehr nicht.«

Tyrion blickte sich im Zimmer um. Alles schien so, wie er es verlassen hatte. »Wie bist du hereingekommen? Zeig mir die verborgene Tür.«

Sie zuckte die Achseln. »Lord Varys hat mein Gesicht verhüllt. Ich konnte nichts sehen, außer … an einer Stelle konnte ich durch einen Schlitz den Boden erkennen. Da waren kleine Fliesen, solche, die man zu Bildern zusammensetzt.«

»Ein Mosaik?«

Shae nickte. »Sie waren rot und schwarz. Ich glaube, auf dem Bild war ein Drache. Wir sind eine Leiter hinuntergestiegen und lange Gänge entlanggegangen, bis ich mich nicht mehr orientieren konnte. Einmal sind wir stehen geblieben, da hat er ein Eisentor aufgeschlossen. Ich habe es berührt, als wir hindurchgingen. Der Drache war gleich hinter dem Tor. Dann kam noch eine Leiter, da stiegen wir wieder hinauf, dann folgte ein Tunnel. Ich musste mich bücken, und Lord Varys ist, glaube ich, halb gekrochen.«

Tyrion drehte eine Runde durch das Zimmer. Eine der Kerzenhalterungen wirkte locker. Er stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte sie zu drehen. Langsam ließ sie sich bewegen und kratzte über die Wand. Als sie verkehrt herum stand, fiel der Kerzenstummel heraus. Die Binsen auf dem kalten Steinboden lagen noch genauso da wie vorher. »Möchte Mylord nicht zu mir ins Bett kommen?«, fragte Shae.

»Gleich.« Tyrion öffnete den Schrank, schob die Kleider beiseite und drückte gegen die Rückwand. Was für ein Bordell gut war, konnte durchaus auch in Burgen eingesetzt werden … doch nein, das Holz war dick und gab nicht nach. Ein Stein neben dem Fenster zog seine Aufmerksamkeit auf sich, kein Zerren und Ziehen konnte ihn hingegen lockern. Tyrion wandte sich niedergeschlagen und verärgert dem Bett zu.

Shae schnürte seine Hose auf und legte die Arme um seinen Hals. »Eure Schultern fühlen sich hart wie Stein an«, murmelte sie. »Beeilt Euch, ich möchte Euch in mir spüren.« Doch während sie die Beine um seine Hüften schloss, ließ ihn seine Manneskraft im Stich. Shae bemerkte, dass er schlaff wurde, kroch unter die Decke und nahm ihn in den Mund, doch selbst das konnte ihn nicht wieder aufrichten.

Nach ein paar Augenblicken hielt er sie zurück. »Was ist denn los?«, fragte sie. Alle Unschuld der Welt stand in dieses liebliche junge Gesicht geschrieben.

Unschuld? Du Narr, sie ist eine Hure, Cersei hat Recht, du denkst mit deinem Schwanz, du Narr, du Narr, du Narr!

»Schlaf einfach, Liebling«, drängte er sie und strich ihr übers Haar. Lange nachdem Shae seinen Rat beherzigt hatte, lag Tyrion noch wach, und bedeckte eine ihrer kleinen Brüste mit der Hand, während er auf ihren Atem lauschte.

CATELYN

Die Große Halle von Schnellwasser wirkte einsam und verlassen, wenn nur zwei Menschen darin speisten. Tiefe Schatten hingen über den Wänden. Eine der Fackeln war bereits erloschen, jetzt brannten nur noch drei. Catelyn saß da und starrte in ihren Kelch. Der Wein schmeckte dünn und sauer auf ihrer Zunge. Brienne hatte ihr gegenüber Platz genommen. Zwischen ihnen war der hohe Stuhl ihres Vaters ebenso leer wie der Rest der Halle. Sogar die Diener waren bereits gegangen. Sie hatte ihnen die Erlaubnis erteilt, das Fest zu besuchen.

Die Mauern des Bergfrieds waren dick, und trotzdem hörten sie den gedämpften Lärm des fröhlichen Treibens im Hof. Ser Desmond hatte zwanzig Fässer aus dem Keller gespendet, und das gemeine Volk feierte mit vollen Hörnern nussbraunen Biers Edmures bevorstehende Rückkehr und Robbs Eroberung von Burg Bruch.

Das kann ich ihnen nicht vorwerfen, dachte Catelyn. Sie wissen es nicht. Und falls doch, was würde es sie schon kümmern? Sie haben meine Söhne nicht gekannt. Niemals haben sie Bran mit klopfendem Herzen beim Klettern zugeschaut, wenn sich Stolz und Furcht mischten, niemals haben sie sein Lachen gehört, niemals darüber gelächelt, wenn Rickon so sehr versucht hat, sich wie seine älteren Brüder zu benehmen. Sie starrte auf das Essen vor sich auf dem Tisch; Forelle in Speck, Kohlrüben, roter Fenchel und Süßgras, Erbsen und Zwiebeln und warmes Brot. Brienne aß methodisch, als wäre das Abendessen eine lästige Pflicht, die man hinter sich bringen musste. Ich habe mich in eine verbitterte Frau verwandelt, ging es Catelyn durch den Sinn. Weder Met noch Fleisch bereiten mir Freude, und Lieder und Lachen sind mir verdächtig fremd geworden. Ich bin ein Geschöpf der Trauer und des Staubes und der bitteren Sehnsucht geworden. Der Platz, an dem sich einst mein Herz befand, ist leer.

Die Geräusche, die die andere Frau beim Essen verursachte, waren ihr unerträglich. »Brienne, mir ist nicht nach Gesellschaft zu Mute. Geht ruhig zum Fest, wenn Ihr möchtet. Trinkt ein Horn Bier und tanzt zu Rymunds Harfenspiel.«

»Feiern ist nicht meine Sache, Mylady.« Mit ihren großen Händen riss sie ein Stück Schwarzbrot auseinander. Sie starrte die beiden Teile an, als habe sie vergessen, wofür sie gut waren. »Wenn Ihr es befehlt, werde ich …«

Catelyn spürte ihr Unbehagen. »Ich dachte nur, in etwas fröhlicherer Gesellschaft als meiner würdet Ihr Euch wohler fühlen.«

»Ich bin sehr zufrieden.« Das Mädchen tunkte das Brot in das Fett, in dem die Forelle gebraten worden war.

»Heute Morgen ist wieder ein Vogel eingetroffen. Der Maester hat mich sofort geweckt. Das war sehr pflichtbewusst, aber nicht sehr gütig. Überhaupt nicht gütig.« Eigentlich hatte sie es Brienne nicht erzählen wollen. Außer ihr und Maester Vyman wusste es niemand, und dabei hatte sie es belassen wollen, bis … bis …

Bis was? Närrisches Weib, ist es weniger wahr, weil du es in deinem Herzen vergräbst? Wenn du es niemandem sagst, nie darüber sprichst, wird es dann zu einem Traum, einem Albtraum, der halb vergessen ist? Oh, könnten die Götter nur so gnädig sein.

»Nachrichten aus Königsmund?«, fragte Brienne.

»Ich wünschte, es wäre so. Der Vogel kam aus Burg Cerwyn, von Ser Rodrik, meinem Kastellan.« Dunkle Schwingen, dunkle Worte. »Er hat alle Männer, die er auftreiben konnte, versammelt und marschiert nach Winterfell, um die Burg zurückzuerobern. « Wie unwichtig das jetzt alles klang. »Aber er sagte … er schrieb … er hat mir mitgeteilt, dass …«

»Mylady, was ist denn? Neuigkeiten von Euren Söhnen?«

So einfach klang diese Frage; wäre nur die Antwort genauso leicht. Als Catelyn zu sprechen versuchte, blieben ihr die Worte fast im Hals stecken. »Außer Robb habe ich keinen Sohn mehr.« Sie brachte es ohne Schluchzen heraus, und dafür war sie dankbar.

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