Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Ganz gewiss nicht, Königsmörder.«
»Wieder dieser Name. Ich glaube, ich werde Euch nun doch nicht mehr ficken. Kleinfinger hat Euch als Erster gehabt, stimmt’s? Ich esse nie vom Teller eines anderen. Außerdem seid Ihr nicht halb so schön wie meine Schwester.« Sein Lächeln war grausam. »Ich habe mich nie zu einer anderen Frau als Cersei gelegt. Auf meine Weise war ich treuer, als Euer Ned es je war. Der arme, alte, tote Ned. Wessen Ehre ist nun einen Scheißdreck wert, frage ich Euch? Wie hieß doch gleich der Bastard, den er gezeugt hat?«
Catelyn trat einen Schritt zurück. »Brienne.«
»Nein, so hieß er nicht.« Jaime Lennister stellte den Krug auf den Kopf. Ein Rinnsal, rot wie Blut, lief ihm übers Gesicht. »Schnee, das war es. Schnee. So ein weißer Name … wie die hübschen Umhänge, die wir von der Königsgarde bekommen, wenn wir unsere hübschen Eide ablegen.«
Brienne schob die Tür auf und betrat die Zelle. »Ihr habt gerufen, Mylady?«
Catelyn streckte die Hand aus. »Gebt mir Euer Schwert.«
THEON
Der Himmel hing voll düsterer Wolken, die Wälder lagen tot und gefroren da. Wurzeln griffen nach Theons Füßen, während er rannte, kahle Zweige schlugen ihm ins Gesicht und hinterließen dünne Blutstreifen auf seinen Wangen. Atemlos stürzte er durch die Sträucher, und Eiszapfen brachen von Ästen. Gnade, schluchzte er. Hinter sich hörte er ein schauderhaftes Heulen, das ihm das Blut gerinnen ließ. Gnade, Gnade. Als er über die Schulter blickte, sah er sie kommen, riesige Wölfe, so groß wie Pferde, mit den Köpfen kleiner Kinder. Oh, Gnade, Gnade. Blut, schwarz wie Pech, tropfte aus ihren Schnauzen und brannte Löcher in den Schnee, wo es hinfiel. Mit jedem Schritt kamen sie näher. Theon versuchte schneller zu rennen, doch seine Beine gehorchten ihm nicht. Alle Bäume hatten Gesichter, und sie lachten ihn aus, lachten, und dann war da wieder das Heulen. Er konnte den heißen Atem der Tiere hinter sich riechen, den Gestank nach Schwefel und Fäulnis. Sie sind tot, tot, ich habe mit angesehen, wie sie umgebracht wurden, wollte er schreien, ich habe gesehen, wie man ihre Köpfe in Teer getaucht hat, doch als er den Mund öffnete, brachte er nur ein Stöhnen hervor, dann berührte ihn etwas, und er fuhr herum und brüllte …
… und griff nach dem Dolch, den er neben seinem Bett aufbewahrte, stieß ihn jedoch lediglich zu Boden. Wex sprang zurück. Stinker stand hinter dem Stummen, sein Gesicht wurde von der Kerze erhellt, die er in der Hand hielt. »Was?«, rief Theon. Gnade. »Was willst du? Warum bist du in meinem Schlafzimmer? Warum?«
»Mylord Prinz«, sagte Stinker, »Eure Schwester ist nach Winterfell gekommen. Ihr habt angeordnet, dass man es Euch unverzüglich mitteilt, wenn sie eintrifft.«
»Das wurde auch Zeit«, murmelte Theon und strich sich mit den Fingern durchs Haar. Er hatte schon angefangen zu fürchten, Asha wolle ihn seinem Schicksal überlassen. Gnade. Er blickte aus dem Fenster, wo das erste schwache Licht der Dämmerung die Türme von Winterfell berührte. »Wo ist sie?«
»Lorren hat sie und ihre Männer zum Frühstück in die Große Halle geführt. Werdet Ihr sie jetzt begrüßen?«
»Ja.« Theon warf die Decke zurück. Das Feuer war herabgebrannt. »Wex, heißes Wasser.« Er konnte Asha nicht so zerzaust und durchgeschwitzt gegenübertreten. Wölfe mit Kindergesichtern … Er schauderte. »Schließt die Fensterläden. « Im Zimmer war es so kalt wie in dem Wald aus seinem Traum.
In letzter Zeit waren alle seine Träume kalt, und einer scheußlicher als der andere. Gestern Nacht war er wieder in der Mühle gewesen, hatte auf den Knien gelegen und die Toten angezogen. Ihre Glieder wurden bereits steif, sie schienen Widerstand zu leisten, während er mit halberfrorenen Fingern an ihnen herumfummelte, Hosen hochzog und Bänder verschnürte, pelzbesetzte Stiefel über die unbeweglichen Füße stülpte, einen nietenbesetzten Ledergürtel um eine Taille schnallte, die er mit den Händen hätte umfassen können. »Das habe ich nie gewollt«, erklärte er ihnen. »Aber sie haben mir keine Wahl gelassen.« Die Leichen gaben keine Antwort, wurden nur kälter und schwerer.
In der Nacht davor war es die Müllersfrau gewesen. Theon hatte ihren Namen vergessen, erinnerte sich jedoch noch an ihren Körper, die großen, weichen Brüste und die Schwangerschaftsstreifen auf ihrem Bauch, daran, wie sie seinen Rücken zerkratzt hatte, während er sie nahm. Letzte Nacht war er im Traum abermals zu ihr ins Bett gestiegen, doch diesmal hatte sie oben und unten Zähne gehabt, und sie riss ihm die Kehle heraus, während sie seine Männlichkeit abbiss. Der reinste Wahnsinn. Auch ihren Tod hatte er mit angesehen. Gelmarr hatte sie mit einem Axthieb niedergestreckt, während sie Theon um Gnade angefleht hatte. Lass mich in Ruhe, Weib. Er hat dich getötet, nicht ich. Und er ist auch tot. Wenigstens Gelmarr spukte nicht durch Theons Schlaf.
Der Traum war fast vergessen, als Wex mit dem Wasser zurückkehrte. Theon wusch sich Schweiß und Schlaf vom Körper und ließ sich Zeit beim Ankleiden. Asha hatte ihn lange genug warten lassen; jetzt war die Reihe an ihm. Er wählte ein Seidengewand mit schwarzen und goldenen Streifen und ein Lederwams mit Silbernieten … erst da fiel ihm wieder ein, dass seine verdammte Schwester mehr Wert auf Klingen als auf Schönheit legte. Fluchend zog er sich aus und erneut an: in dichte schwarze Wolle und ein Kettenhemd. Um die Hüfte schnallte er den Gurt mit Schwert und Dolch und dachte an den Abend zurück, an dem sie ihn an der Tafel seines eigenen Vaters gedemütigt hatte. Ihr süßes kleines Kind, ja. Nun, ich habe auch ein Messer und weiß, wie man damit umgeht.
Zuletzt setzte er seine Krone auf, einen kalten, fingerstarken Eisenreif, der mit dicken schwarzen Diamanten und Goldklümpchen besetzt war. An der hässlichen Form konnte er nichts ändern. Mikken war tot, und der neue Schmied brachte kaum Nägel und Hufeisen zu Stande. Theon tröstete sich mit dem Gedanken, dass es nur die Krone eines Prinzen war. Sobald man ihn zum König krönte, würde er eine hübschere bekommen.
Vor der Tür wartete Stinker mit Urzen und Kromm. Theon ging mit ihnen hinunter. In den letzten Tagen ließ er sich überallhin von Wachen begleiten, selbst auf den Abtritt. Winterfell wollte seinen Tod. In der Nacht, in der er vom Ahornwasser zurückkehrte, war Gelmarr der Grimmige auf einer Treppe gestolpert und hatte sich das Genick gebrochen. Am nächsten Tag hatte man Aggar die Kehle von einem Ohr zum anderen durchgeschnitten. Gynir Rotnase wurde überaus vorsichtig, trank keinen Wein mehr, schlief in Halsberge, Harnisch und Helm, und holte sich den lautesten Hund aus den Zwingern, damit der ihn warnte, falls sich jemand an seinen Schlafplatz heranschlich. Trotzdem erwachte die Burg eines Nachts vom Gebell des kleinen Kläffers. Der Hund rannte im Kreis um den Brunnen herum, in dem Rotnase trieb – ertrunken.
Diese Morde durfte er nicht ungestraft lassen. Farlen war ebenso verdächtig wie jeder andere, daher saß Theon zu Gericht, erklärte ihn für schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Selbst das ging schief. Während er vor dem Richtblock kniete, sagte der Hundemeister: »M’lord Eddard hat seine Urteile immer selbst vollstreckt.« Theon musste die Axt nehmen, oder er hätte wie ein Feigling ausgesehen. Seine Hände schwitzten, deshalb drehte sich der Axtstiel in seinem Griff, und der erste Schlag landete zwischen Farlens Schultern. Drei weitere Hiebe brauchte er, bis er sich durch Knochen und Muskeln gehauen und den Kopf vom Rumpf getrennt hatte, und anschließend wurde ihm übel, als er daran dachte, wie oft er mit Farlen bei einem Becher Met über die Jagd und über Hunde gesprochen hatte. Was sollte ich denn sonst tun?, wollte er die Leiche anbrüllen. Die Eisenmänner können keine Geheimnisse bewahren, sie mussten sterben, und irgendwem musste ich die Schuld geben. Theon wünschte nur, er hätte ihn sauberer getötet. Ned Stark hatte immer nur einen einzigen Hieb benötigt, um einem Mann den Kopf abzuschlagen.