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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Es ist auch nicht dein Schwanz, für den ich mich interessiere, sondern, wo du ihn reinsteckst. Im Gegensatz zu dir muss ich mich nicht voll und ganz auf den Eunuchen verlassen; ich habe eigene Mittel und Wege, bestimmte Dinge herauszufinden … vor allem jene, die man vor mir verschweigen will.«

»Und was versuchst du mir damit zu sagen?«

»Nur dies – ich habe deine kleine Hure.«

Tyrion griff nach seinem Weinkelch und verschaffte sich so einen Augenblick Zeit, um seine Gedanken zu sammeln. »Ich dachte immer, du hättest eher eine Vorliebe für Männer. «

»Was für ein drolliger kleiner Scherzbold du bist. Erzähclass="underline" Hast du die hier schon geheiratet?« Da er darauf nicht antwortete, lachte sie. »Vater wird sehr erleichtert sein.«

Sein Bauch fühlte sich an, als würden sich Aale darin winden. Wie hatte sie Shae gefunden? Hatte Varys ihn verraten? Oder war alle Vorsicht umsonst gewesen, weil er in jener Nacht voller Ungeduld ohne Umschweife zu dem Anwesen geritten war? »Was geht es dich an, wer mir das Bett wärmt?«

»Ein Lennister bezahlt stets seine Schulden«, erwiderte sie. »Du schmiedest Komplotte gegen mich, seit du in Königsmund angekommen bist. Myrcella hast du verkauft, Tommen gestohlen, und jetzt willst du Joff töten lassen. Du willst seinen Tod, damit du mit Tommens Hilfe regieren kannst.«

Nun, der Gedanke wäre schon verlockend. »Das ist doch Wahnsinn, Cersei. In wenigen Tagen wird Stannis hier sein. Du brauchst mich.«

»Wofür? Damit du deine Tapferkeit in der Schlacht beweisen kannst?«

»Bronns Söldner werden ohne mich niemals kämpfen«, log er.

»Oh, ich vermute doch. Sie lieben dein Gold, nicht deinen gnomenhaften Witz. Aber keine Angst, sie werden dich nicht verlieren. Ich will nicht behaupten, dass ich nicht von Zeit zu Zeit daran gedacht hätte, dir die Kehle aufzuschlitzen, allerdings würde mir Jaime das nie verzeihen.«

»Und die Hure?« Er wagte es nicht, sie beim Namen zu nennen. Wenn ich sie überzeugen kann, dass Shae mir nichts bedeutet, vielleicht …

»Sie wird anständig behandelt, solange meinen Söhnen kein Leid widerfährt. Sollte Joff sterben oder Tommen dem Feind in die Hände fallen, wird deine kleine Hure allerdings qualvoller sterben, als du dir auszumalen vermagst.«

Sie glaubt tatsächlich, ich wolle meinen eigenen Neffen umbringen. »Die Jungen sind in Sicherheit«, versprach er ihr müde. »Bei den guten Göttern, Cersei, sie sind von meinem eigenen Blut. Für was für einen Mann hältst du mich eigentlich?«

»Für einen kleinen und verrückten.«

Tyrion starrte in die Neige am Boden seines Weinkelchs. Was würde Jaime an meiner Stelle tun? Höchstwahrscheinlich würde er das Miststück umbringen und sich erst hinterher Gedanken über die Folgen machen. Bloß hatte Tyrion weder ein goldenes Schwert noch die Fähigkeit, es zu führen. Er liebte den hemmungslosen Zorn seines Bruders, leider jedoch musste er seinem Vater nacheifern. Stein, ich muss wie Stein sein, ich muss der Fels von Casterlystein sein, hart und ohne Regung. Wenn ich diese Prüfung nicht bestehe, kann ich mich gleich der nächsten Menagerie anschließen. »Vielleicht hast du sie bereits getötet«, sagte er.

»Möchtest du sie sehen? Das habe ich erwartet.« Cersei durchquerte das Zimmer und stieß die schwere Eichentür auf. »Bringt die Hure meines Bruders herein.«

Ser Osmunds Brüder Osney und Osfryd glichen sich wie ein Ei dem anderen. Beide waren große Männer mit Hakennasen, dunklem Haar und grausamem Lächeln. Das Mädchen hing zwischen ihnen, und in ihrem dunklen Gesicht leuchteten ihre weit aufgerissenen Augen weiß. Blut rann von ihrer aufgeplatzten Lippe, und durch die zerrissenen Kleider konnte er blaue Flecken sehen. Man hatte sie geknebelt und ihr die Hände mit einem Seil gefesselt.

»Du hast gesagt, ihr würde kein Leid zugefügt.«

»Sie hat sich gewehrt.« Anders als seine Brüder war Osney Schwarzkessel sauber rasiert, und so konnte man die Kratzer auf seinen Wangen deutlich erkennen. »Sie hat Krallen wie eine Schattenkatze.«

»Blutergüsse und Schrammen verheilen«, sagte Cersei gelangweilt. »Die Hure wird sie überleben. Solange Joff nichts zustößt.«

Tyrion hätte am liebsten laut gelacht. Es wäre ein so süßes Lachen gewesen, so ungemein süß, doch damit hätte er den Sieg in diesem Spiel verschenkt. Du hast verloren, Cersei, und die Schwarzkessels sind noch größere Tölpel, als Bronn behauptet hat. Er brauchte nur die Worte zu sagen, das war alles.

Stattdessen blickte er dem Mädchen ins Gesicht. »Schwörst du, sie nach der Schlacht freizulassen?«

»Wenn du Tommen freilässt, ja.«

Er stemmte sich hoch und stand auf. »Dann behalt sie, aber pass gut auf sie auf. Falls diese Tiere glauben, sie dürften sich mit ihr vergnügen … also, süße Schwester, du weißt, eine Waage kann sich in beide Richtungen senken.« Seine Stimme klang ruhig, flach, unbeteiligt; er hatte seinen Vater nachahmen wollen, und das war ihm gelungen. »Was immer sie erleiden muss, wird Tommen ebenfalls über sich ergehen lassen, und das schließt Prügel und Vergewaltigung mit ein.« Wenn sie mich für ein solches Ungeheuer hält, will ich die Rolle gern für sie spielen.

Damit hatte Cersei nicht gerechnet. »Das würdest du nicht wagen.«

Tyrion zwang sich, träge und kalt zu lächeln. Sein grünes und sein schwarzes Auge lachten sie an. »Wagen? Ich würde es persönlich erledigen.«

Die Hand seiner Schwester schoss auf sein Gesicht zu, doch er packte sie am Gelenk und bog sie zurück, bis Cersei aufschrie. Osfryd setzte sich in Bewegung und wollte sie befreien. »Einen Schritt weiter, und ich breche ihr den Arm«, warnte der Zwerg ihn. Der Mann blieb stehen. »Du erinnerst dich vielleicht, Cersei, ich habe dir gesagt, du würdest mich nie wieder schlagen.« Er drückte sie auf den Boden und wandte sich an die Schwarzkessels. »Bindet sie los und nehmt ihr den Knebel ab.«

Das Seil war so fest gezogen, dass es Alayaya die Hände abgeschnürt hatte. Das Mädchen schrie vor Schmerz auf, als das Blut wieder hineinströmte. Tyrion massierte ihre Finger sanft, bis die Taubheit nachließ. »Liebes«, sagte er, »du musst jetzt tapfer sein. Es tut mir leid, dass sie dir wehgetan haben.«

»Ich weiß, Ihr werdet mich befreien, Mylord.«

»Das werde ich«, versprach er, und sie beugte sich vor und küsste ihn auf die Stirn. Die aufgeplatzte Lippe hinterließ einen Blutfleck. Ein blutiger Kuss ist mehr, als ich verdient habe, dachte Tyrion. Wenn ich nicht wäre, hätte man sie niemals misshandelt.

Das Blut zeichnete ihn noch immer, als er auf die Königin hinunterblickte. »Ich habe dich nie gemocht, Cersei, aber du warst meine Schwester, daher habe ich dir nie etwas zu Leide getan. Du hast diesen friedlichen Zustand selbst beendet. Für diese Angelegenheit wirst du leiden. Ich weiß noch nicht, wie, aber lass mir nur ein wenig Zeit. Der Tag wird kommen, an dem du dich in Sicherheit wiegst und glücklich bist, und plötzlich wird sich dein Frohsinn wie Asche in deinem Mund anfühlen, und dann wirst du wissen, dass ich meine Rechnung beglichen habe.«

Im Krieg, so hatte ihm sein Vater einst erklärt, ist die Schlacht vorbei, sobald eine Armee flieht. Gleichgültig wie zahlreich, gut gerüstet und bewaffnet sie dastand, suchte sie einmal das Heil in der Flucht, würde sie nicht mehr umkehren und sich erneut dem Kampf stellen. Genauso verhielt es sich mit Cersei. »Hinaus!«, war die einzige Antwort, die sie zu Stande brachte. »Geh mir aus den Augen.«

Tyrion verneigte sich. »Gute Nacht. Und angenehme Träume. «

Er begab sich auf den Rückweg zum Turm der Hand, und währenddessen marschierten tausend gepanzerte Stiefel durch seinen Schädel. Ich hätte es kommen sehen müssen, als ich zum ersten Mal durch Chatayas Kleiderschrank geschlichen bin. Vielleicht hatte er es nicht sehen wollen. Seine Beine schmerzten heftig, als er die Treppen hinter sich gebracht hatte. Er schickte Pod los, um eine Karaffe Wein zu holen, und ging in sein Schlafzimmer.

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