Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Brienne starrte sie entsetzt an. »Mylady?«
»Bran und Rickon wollten fliehen, aber sie wurden in einer Mühle am Ahornwasser gefasst. Theon Graufreud hat ihre Köpfe auf den Mauern von Winterfell aufspießen lassen. Theon Graufreud, der an meinem Tisch gegessen hat, seit er zehn Jahre alt war.« Jetzt habe ich es ausgesprochen, mögen die Götter mir vergeben. Ich habe es gesagt und so zur Wahrheit gemacht.
Brienne standen die Tränen in den Augen. Sie griff über den Tisch, doch ihre Hand hielt kurz vor Catelyns inne, denn die Berührung könnte unwillkommen sein. »Ich … ich finde keine Worte, Mylady. Meine arme Lady. Eure Söhne, sie … sie sind jetzt bei den Göttern.«
»Wirklich?«, fragte Catelyn scharf. »Welcher Gott hat das zugelassen? Rickon war noch ein kleines Kind. Womit hat er einen solchen Tod verdient? Und Bran … als ich den Norden verlassen habe, hatte er seit seinem Sturz die Augen nicht mehr aufgeschlagen. Ich musste gehen, ehe er erwacht ist. Jetzt kann ich niemals zu ihm zurückkehren und sein Lachen hören.« Sie zeigte Brienne ihre Handflächen, ihre Finger. »Diese Narben … sie haben einen Mann geschickt, der Bran im Schlaf die Kehle durchschneiden sollte. Damals wäre er gestorben, und ich mit ihm, aber Brans Wolf hat dem Kerl die Kehle herausgerissen.« Einen Moment lang hielt sie inne. »Ich vermute, Theon hat auch die Wölfe umgebracht. Er muss es getan haben, sonst … ich war sicher, dass die Jungen in Sicherheit wären, solange die Schattenwölfe bei ihnen waren. So wie Robb mit seinem Grauwind. Aber meine Töchter haben keine Wölfe mehr.«
Der abrupte Themenwechsel verwirrte Brienne. »Eure Töchter …«
»Sansa war schon mit drei Jahren eine Dame, stets höflich und bemüht zu gefallen. Nichts hat sie so sehr geliebt wie Geschichten über ritterliche Tapferkeit. Die Männer sagten immer, sie sei mir ähnlich, aber sie wird zu einer viel schöneren Frau heranwachsen, als ich je war, das kann man bereits sehen. Oft habe ich ihr Mädchen fortgeschickt, damit ich ihr das Haar selbst bürsten konnte. Sie hatte rötlich braunes Haar, heller als meins, und so voll und weich … das Rot leuchtete im Fackelschein wie Kupfer.
Und Arya, nun … Neds Besucher haben sie oft mit einem Stalljungen verwechselt, wenn sie unangekündigt in den Hof einritten. Arya war eine Plage, das kann ich nicht anders ausdrücken. Halb ein Junge und halb ein Wolfsjunges. Wenn man ihr etwas verbot, wurde es zu ihrer Herzensangelegenheit. Sie hatte Neds langes Gesicht und braunes Haar, das immer aussah wie ein Vogelnest. Ich bin schier daran verzweifelt, eine Dame aus ihr zu machen. Sie hat Schrammen gesammelt wie andere Mädchen Puppen, und sie hat alles gesagt, was ihr in den Kopf kam. Ich glaube, sie ist bestimmt auch längst tot.« Als sie das sagte, war ihr, als zerquetschte die Hand eines Riesen ihre Brust. »Ich will sie alle tot sehen, Brienne. Theon Graufreud zuerst, dann Jaime Lennister und Cersei und den Gnom, einen nach dem anderen. Aber meine Mädchen … meine Mädchen werden …«
»Die Königin … sie hat auch ein kleines Mädchen«, meinte Brienne unbeholfen. »Und zwei Söhne im Alter von Euren. Wenn sie davon hört … vielleicht kennt sie Erbarmen und …«
»Und schickt mir meine Töchter unversehrt zurück?« Catelyn lächelte traurig. »Ihr seid manchmal so unschuldig, Kind. Ich wünschte … aber nein. Robb wird seine Brüder rächen. Eis kann ebenso töten wie Feuer. Eis war Neds Schwert. Valyrischer Stahl, tausendfach gefaltet und so scharf, dass ich mich nicht getraute, es zu berühren. Robbs Schwert ist ein stumpfes Ding dagegen. Damit wird es ihm nicht leicht fallen, Theon den Kopf abzuschlagen, fürchte ich. Die Starks setzen keine Henker ein. Ned hat immer gesagt, wer das Urteil fällt, soll auch die Klinge schwingen, obwohl er diese Pflicht niemals mit Freude ausgeübt hat. Aber ich würde mich freuen, oh ja.« Sie starrte auf ihre vernarbten Hände, öffnete und schloss sie und hob langsam den Blick. »Ich habe ihm Wein geschickt.«
»Wein?« Brienne verstand nicht. »Robb? oder … Theon Graufreud?«
»Dem Königsmörder.« Bei Cleos Frey hat dieser Trick gewirkt. Hoffentlich seid ihr durstig, Jaime. Hoffentlich ist Eure Kehle ausgetrocknet. »Würdet Ihr mich begleiten?«
»Ich stehe zu Eurer Verfügung, Mylady.«
»Gut.« Abrupt erhob sich Catelyn. »Bleibt und beendet Euer Mahl in aller Ruh. Ich werde später nach Euch schicken. Um Mitternacht.«
»So spät, Mylady?«
»Die Kerker haben keine Fenster. Dort unten ist eine Stunde wie die andere, und für mich ist immer Mitternacht.« Beim Verlassen des großen Saals hallten ihre Schritte hohl von den Wänden wider. Während sie zu Lord Hosters Solar hinaufstieg, konnte sie draußen Rufe hören: »Tully!« und »Einen Becher! Einen Becher auf den tapferen jungen Lord!« Mein Vater ist noch nicht tot, wollte sie hinunterschreien. Meine Söhne sind tot, aber mein Vater lebt, möget ihr alle verflucht sein, und noch ist er Euer Lord.
Lord Hoster lag in tiefem Schlaf. »Er hat erst vor kurzem einen Becher Traumwein getrunken«, erklärte Maester Vyman. »Wegen der Schmerzen. Er wird nicht bemerken, dass Ihr da seid.«
»Das macht mir nichts aus«, erwiderte Catelyn. Er ist dem Tode näher als dem Leben, und trotzdem lebendiger als meine armen lieben Söhne.
»Mylady, gibt es etwas, das ich für Euch tun kann? Ein Schlaftrunk vielleicht?«
»Danke nein, Maester. Ich will vor meiner Trauer nicht in den Schlaf flüchten. Bran und Rickon haben Besseres von mir verdient. Geht und gesellt Euch zu den Feiernden, ich bleibe eine Weile bei meinem Vater sitzen.«
»Wie Ihr wünscht, Mylady.« Vyman verneigte sich und ließ sie allein.
Lord Hoster lag mit offenem Mund auf dem Rücken, und sein Atem ging wie schwache Seufzer. Eine Hand hing über die Kante der Matratze, blass und zerbrechlich und ohne Fleisch, doch warm, als Catelyn sie ergriff. Sie verschränkte ihre Finger mit seinen und hielt sie fest. Gleichgültig, wie fest ich ihn halte, er wird nicht hierbleiben, dachte sie traurig. Lass ihn gehen. Dennoch wollten ihre Finger ihn nicht loslassen.
»Ich habe niemanden, mit dem ich reden kann, Vater«, sagte sie zu ihm. »Ich bete, aber die Götter antworten mir nicht.« Sanft küsste sie seine Hand. Die durchscheinende Haut war warm, die blauen Venen verzweigten sich Flüssen gleich darunter. Draußen zogen die großen Flüsse vorüber, der Rote Arm und der Trommelstein, und sie würden ewig fließen, die Flüsse in der Hand ihres Vaters hingegen nicht. Nur zu bald würden diese Ströme zum Stillstand kommen. »Letzte Nacht habe ich von der Zeit geträumt, als Lysa und ich uns auf dem Rückweg von Seegart verirrt haben. Erinnerst du dich noch? Dieser seltsame Nebel war plötzlich da, und wir sind hinter der übrigen Gesellschaft zurückgeblieben. Alles war grau, und ich konnte kaum über die Nase meines Pferdes hinaussehen. Wir sind von der Straße abgekommen. Die Äste der Bäume waren lange, hagere Arme, die nach uns griffen. Lysa hat angefangen zu weinen, und ich habe gerufen, aber der Nebel hat alle Laute verschluckt. Aber Petyr wusste, wo wir waren, er ist zurückgeritten und hat uns gefunden …
Jetzt gibt es niemanden mehr, der mich finden könnte, nicht wahr? Diesmal muss ich mir den Weg allein suchen, und das ist schwer, so schwer.
Ständig erinnere ich mich an die Worte der Starks. Der Winter ist da, Vater. Für mich. Für mich. Robb muss jetzt nicht nur gegen die Lennisters, sondern auch gegen die Graufreuds kämpfen, und wofür? Für einen goldenen Kopfputz und einen eisernen Stuhl? Gewiss hat das Land doch genug geblutet. Ich will meine Mädchen zurückhaben. Robb soll das Schwert niederlegen und eine schöne Tochter von Walder Frey heiraten, die ihn glücklich macht und ihm Söhne schenkt. Bran und Rickon will ich auch wiederhaben, ich will …« Catelyn ließ den Kopf hängen. »Ich will«, sagte sie nochmals, dann gingen ihr die Worte aus.
Einige Zeit später flackerte die Kerze und erlosch. Das Mondlicht fiel durch die Schlitze der Fensterläden herein und warf bleiche silberne Linien über das Gesicht ihres Vaters. Sie konnte das leise Flüstern seines angestrengten Atmens hören, das endlose Rauschen des Wassers, die fernen Akkorde eines Liebesliedes, das traurig und süß zugleich vom Hof heraufschallte. »Ich liebte ein Mädchen, rot wie der Herbst«, sang Rymund, »der Sonnenuntergang in ihrem Haar.«