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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Er hat mich überrascht. Mit der List eines Feiglings.«

»Ihr wagt es, von feigen Listen zu sprechen? Euer Bruder Tyrion hat uns Meuchelmörder im Gewand von Gesandten geschickt, noch dazu unter dem Banner des Friedens.«

»Falls einer Eurer Söhne in dieser Zelle säße, würden seine Brüder nicht das Gleiche für ihn tun?«

Mein Sohn hat keine Brüder, dachte sie, doch mit einem solchen Menschen würde sie ihren Schmerz nicht teilen.

Jaime trank einen Schluck Wein. »Was ist das Leben eines Bruders, wenn die Ehre auf dem Spiel steht, wie?« Wieder ein Schluck. »Tyrion ist klug genug einzusehen, dass Euer Sohn mich niemals gegen ein Lösegeld freilassen wird.«

Diese Vermutung konnte Catelyn nicht widerlegen. »Robbs Gefolgsleute würden Euch lieber tot sehen. Vor allem Rickard Karstark. Im Wisperwald habt Ihr zwei seiner Söhne erschlagen.«

»Die beiden mit der weißen Sonne, nicht wahr?« Jaime zog die Schultern hoch. »Um bei der Wahrheit zu bleiben, wollte ich eigentlich Euren Sohn erschlagen. Die anderen sind mir nur in den Weg gekommen. Ich habe sie in gerechtem Kampf getötet im Gewühl der Schlacht. Jeder Ritter hätte ebenso gehandelt. «

»Ihr nennt Euch noch einen Ritter, obwohl Ihr jeden Eid, den Ihr geschworen habt, gebrochen habt?«

Jaime griff nach dem Krug und füllte seinen Becher. »So viele Eide … sie lassen einen schwören und schwören. Verteidige den König. Gehorche dem König. Bewahre seine Geheimnisse. Erfülle seine Befehle. Gib dein Leben für seines. Aber gehorche deinem Vater. Liebe deine Schwester. Beschütze die Unschuldigen. Verteidige die Schwachen. Achte die Götter. Gehorche den Gesetzen. Das ist zu viel. Egal, was man tut, man ist gezwungen, den einen oder den anderen Schwur zu brechen.« Wieder trank er einen großen Schluck von seinem Wein und schloss dann die Augen einen Moment lang, lehnte den Kopf an den Salpeterfleck auf der Wand. »Ich war der Jüngste, der je den weißen Mantel angelegt hat.«

»Und der Jüngste, der alles verraten hat, wofür er steht, Königsmörder.«

»Königsmörder«, sagte er und betonte die Silben sorgfältig. »Und was für ein König er war!« Er hob den Becher. »Auf Aerys Targaryen, den Zweiten Seines Namens, den Herrn der Sieben Königslande und Protektor des Reiches. Und auf das Schwert, das ihm die Kehle durchschnitt. Ein goldenes Schwert, wisst Ihr? Bis das Blut rot an seiner Klinge entlanglief. Das sind die Farben der Lennisters, Rot und Gold.«

Als er lachte, bemerkte sie, dass der Wein sein Werk getan hatte; Jaime hatte fast den ganzen Krug geleert, und nun war er betrunken. »Nur ein Mann wie Ihr kann stolz auf eine solche Tat sein.«

»Ich habe Euch schon gesagt, es gibt keine Männer wie mich. Antwortet mir, Lady Stark – hat Euch Euer Ned je erzählt, wie sein Vater starb? Oder sein Bruder?«

»Brandon haben sie erwürgt, während sein Vater zusehen musste, und anschließend haben sie Lord Rickard getötet.« Eine hässliche Geschichte, die sechzehn Jahre zurücklag. Warum fragte er jetzt danach?

»Getötet ja, aber wie

»Mit der Schlinge oder der Axt, nehme ich an.«

Jaime nippte am Wein und wischte sich den Mund ab. »Zweifelsohne wollte Ned es Euch ersparen. Seiner süßen jungen Braut, wenn auch keiner Jungfrau. Ihr wolltet die Wahrheit erfahren. Fragt mich. Wir haben eine Abmachung getroffen, ich kann Euch nichts versagen. Fragt.«

»Tot ist tot.« Ich will es gar nicht wissen.

»Brandon war anders als sein Bruder, nicht wahr? Er hatte Blut in den Adern und nicht nur kaltes Wasser. Eher so wie ich.«

»Brandon war Euch in keiner Weise ähnlich.«

»Wenn Ihr das sagt. Ihr wart ihm versprochen.«

»Er war auf dem Weg nach Schnellwasser, als …« Eigenartig, wie sich ihr der Hals nach all den Jahren noch immer zuschnürte, wenn sie davon sprach. »… als er von Lyanna hörte und stattdessen nach Königsmund zog. Das war voreilig. « Sie erinnerte sich daran, wie ihr Vater getobt hatte, nachdem die Nachricht auf Schnellwasser eingetroffen war. Dieser galante Narr hatte er Brandon genannt.

Jaime schenkte sich den letzten halben Becher Wein ein. »Er ist mit ein paar Gefährten in den Roten Bergfried geritten und hat Prinz Rhaegar aufgefordert, herauszukommen und zu sterben. Aber Rhaegar war gar nicht da. Aerys hat seine Garde geschickt, um sie alle gefangen zu nehmen, weil sie den Mord an seinem Sohn geplant hatten. Die anderen waren ebenfalls Söhne von Lords, scheint mir.«

»Etan Glauer war Brandons Knappe«, sagte Catelyn. »Er war der Einzige, der überlebt hat. Die anderen waren Jeffor Mallister, Kyl Rois und Elbert Arryn, Jon Arryns Neffe und Erbe.« Seltsamerweise erinnerte sie sich nach so vielen Jahren noch an die Namen. »Aerys hat sie des Hochverrats angeklagt und ihre Väter an den Hof gerufen, die sie gegen diesen Vorwurf verteidigen sollten. Die Söhne hielt er als Geiseln fest. Als die Väter eintrafen, ließ er sie alle ohne Gerichtsverfahren ermorden. Väter und Söhne.«

»Es gab Gerichtsverfahren. Wenn man es so nennen darf. Lord Rickard verlangte ein Gottesurteil durch einen Kampf, und der König gewährte ihm die Bitte. Stark rüstete sich für den Kampf und dachte, er würde ein Duell mit einem Mitglied der Königsgarde ausfechten. Mit mir, vielleicht. Stattdessen brachten sie ihn in den Thronsaal und hängten ihn an die Sparren, während zwei von Aerys’ Pyromantikern ein hübsches Feuerchen unter ihm entfachten. Der König erklärte ihm, dass Feuer der Recke sei, der für das Haus Targaryen streite. Demnach brauche Lord Rickard nur eins zu tun, um seine Unschuld zu beweisen: Er dürfe nicht brennen.

Während das Feuer brannte, wurde Brandon hereingeführt. Die Hände hatte man ihm auf den Rücken gefesselt, und um seinen Hals hatte man ihm ein nasses Lederband gelegt, das mit einem Gerät verbunden war, das der König aus Tyrosh mitgebracht hatte. Seine Beine waren frei, und sein Langschwert legte man ihm kurz außerhalb seiner Reichweite vor die Füße.

Die Pyromantiker rösteten Lord Rickard langsam und hielten das Feuer sorgsam bei gleichmäßiger Hitze. Zuerst ging der Mantel in Flammen auf, dann der Überwurf, und bald trug er nur noch Metall und Asche. In Kürze würde er zu kochen beginnen, versprach Aerys ihm … es sei denn, sein Sohn könne ihn befreien. Brandon versuchte es verzweifelt, doch je mehr er sich anstrengte, desto enger zog sich das Band um seinen Hals. Am Ende hat er sich selbst erwürgt.

Was Lord Rickard betrifft, so wurde kurz vor dem Ende sein Brustharnisch kirschrot, und das Gold schmolz ihm von den Sporen und tropfte hinunter ins Feuer. Ich habe am Fuße des Eisernen Throns gestanden, in meiner weißen Rüstung und meinem weißen Mantel, und habe versucht, nur an Cersei zu denken. Später nahm mich Gerold Hohenturm selbst zur Seite und sagte: ›Ihr habt einen Eid geschworen, den König zu beschützen, nicht, ein Urteil über ihn zu fällen. ‹ So war der Weiße Bulle, treu bis zum Ende und ein besserer Mann als ich, zugegeben.«

»Aerys …« Catelyn stieg die bittere Galle auf. Die Geschichte klang so widerlich, dass sie vermutlich der Wahrheit entsprach. »Aerys war wahnsinnig, das wusste das ganze Reich, aber wenn Ihr mich jetzt glauben machen wollt, Ihr hättet ihn erschlagen, um Brandon Stark zu rächen …«

»So etwas habe ich niemals behauptet. Die Starks haben mir nichts bedeutet. Ich will sagen, es ist schon höchst eigentümlich, dass ich von einem für einen Gefallen geliebt wurde, den ich ihm nie getan habe, und gleichzeitig von so vielen für meine beste Tat geschmäht wurde. Bei Roberts Krönung hat man mich neben Großmaester Pycelle und Varys dem Eunuchen zu Füßen des Königs knien lassen, damit er uns unsere Vergehen verzeihen konnte, bevor er uns in seine Dienste nahm. Euer Ned hätte die Hand küssen sollen, die Aerys erschlagen hat, aber er verhöhnte lieber den Hintern, den er auf Roberts Thron vorfand. Ich glaube, Ned Stark hat Robert mehr geliebt als seinen Bruder oder seinen Vater … sogar mehr als Euch, Mylady. Ihm war er niemals untreu, nicht wahr?« Jaime lachte betrunken. »Kommt schon, Lady Stark, erscheint Euch das nicht auch höchst amüsant?«

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