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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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Nach Farlens Tod hatten auch die Morde ein Ende, doch selbst das hellte die düstere Stimmung seiner Männer nicht auf. »In der offenen Schlacht fürchten sie keinen Gegner«, erklärte ihm der Schwarze Lorren, »aber es ist etwas anderes, unter Feinden zu leben und nicht zu wissen, ob die Waschfrau dich küssen oder töten will, ob der Dienstjunge dir Bier oder Gift einschenkt. Am besten sollten wir diesen Ort verlassen. «

»Ich bin der Prinz von Winterfell!«, hatte Theon geschrien. »Hier ist mein Sitz, und kein Mann wird mich von hier vertreiben. Und auch keine Frau!«

Asha. Das ist ihr Werk. Das Werk meiner eigenen Schwester, mögen die Anderen sie mit einem Schwert ficken. Sie wollte seinen Tod, damit sie ihm seinen Platz in der Thronfolge stehlen konnte. Deshalb hatte sie ihn hier warten lassen und die dringenden Befehle missachtet, die er ihr geschickt hatte.

Sie saß auf dem hohen Stuhl der Starks und zerriss gerade einen Kapaun mit den Fingern. Die Halle war von den Stimmen ihrer Männer erfüllt, die mit Theons Leuten tranken und sich Geschichten erzählten. Sie machten einen solchen Lärm, dass man sein Eintreten nicht bemerkte. »Wo sind die anderen?«, wollte er von Stinker wissen. An den Tischen saßen kaum fünfzig Männer, die meisten davon gehörten ihm. In Winterfells großer Halle hätten leicht zehn Mal so viele Platz gefunden.

»Das sind alle, M’lord Prinz.«

»Alle? Wie viele Männer hat sie mitgebracht?«

»Zwanzig, wenn ich richtig gezählt habe.«

Theon Graufreud schritt zu seiner Schwester hinüber, die sich auf dem Stuhl flegelte. Asha lachte gerade über eine Geschichte, die einer ihrer Männer zum Besten gegeben hatte, verstummte jedoch, als er sich näherte. »Seht nur, der Prinz von Winterfell.« Sie warf den Hunden, die in der Halle herumschnüffelten, einen Knochen hin. Unter der Hakennase verzog sich der breite Mund zu einem spöttischen Grinsen. »Oder ist es der Prinz der Narren?«

»Neid steht einer Maid schlecht.«

Asha leckte sich das Fett von den Fingern. Eine schwarze Locke fiel ihr in die Augen. Ihre Männer riefen nach Brot und Speck. Wenn sie auch nur wenige waren, veranstalteten sie einen ziemlichen Lärm. »Neid, Theon?«

»Wie würdest du es sonst nennen? Mit dreißig Mann habe ich Winterfell in einer Nacht erobert. Du hast tausend und einen ganzen Mond gebraucht, um Tiefwald Motte einzunehmen. «

»Also bin ich wohl nicht so ein großer Krieger wie du.« Sie leerte ein Horn Bier und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab. »Über deinen Toren habe ich Köpfe gesehen. Sag mir, welcher hat sich den erbittertsten Kampf mit dir geliefert, der Krüppel oder der Säugling?«

Das Blut schoss Theon ins Gesicht. Diese Köpfe bereiteten ihm keine Freude, und es war auch kein Vergnügen gewesen, die enthaupteten Leiber der Kinder vor den Insassen der Burg zur Schau zu stellen. Die Alte Nan hatte dagestanden und den zahnlosen Mund geöffnet und geschlossen, ohne dass ein Laut herauskam, und Farlen hatte sich auf Theon geworfen und dabei geknurrt wie einer seiner Hunde. Urzen und Cadwyl hatten ihn mit ihren Speerschäften bewusstlos geschlagen. Wie konnte das alles nur geschehen?, hatte er sich gefragt, während er über den von Fliegen umschwärmten Leichen stand.

Lediglich Maester Luwin hatte den Mut aufgebracht, näher zu treten. Mit versteinertem Gesicht hatte der kleine graue Mann ihn um die Erlaubnis angefleht, den Jungen die Köpfe wieder anzunähen, damit man sie unten in der Gruft zu den anderen toten Starks legen konnte.

»Nein«, hatte Theon ihm erwidert. »Nicht in die Gruft.«

»Aber warum denn nicht, Mylord? Gewiss können sie Euch dort keinen Schaden zufügen. Das ist ihr angestammter Platz. Alle Gebeine der Starks …«

»Ich habe Nein gesagt.« Er brauchte die Köpfe für die Mauer, die enthaupteten Leiber hatte er jedoch noch am gleichen Tag verbrennen lassen, zusammen mit ihren Kleidern. Hinterher hatte er sich in die Knochen und die Asche gekniet und ein Klümpchen aus geschmolzenem Silber und gesprungenem Jett herausgesucht; das war alles, was von Brans Wolfskopfbrosche geblieben war. Dieses Stück besaß er noch immer.

»Ich habe Bran und Rickon großzügig behandelt«, erklärte er seiner Schwester. »An ihrem Schicksal tragen sie selbst die Schuld.«

»Das gilt für uns alle, kleiner Bruder.«

Er war mit seiner Geduld am Ende. »Wie soll ich eigentlich Winterfell halten, wenn du mir nur zwanzig Männer bringst?«

»Zehn«, berichtigte Asha ihn. »Die anderen kehren mit mir zurück. Du willst doch deine geliebte Schwester nicht ohne Eskorte den Gefahren des Waldes aussetzen, oder? Da drin gibt es Schattenwölfe, die durch die Dunkelheit schleichen.« Sie richtete sich auf und erhob sich von dem großen Steinsessel. »Komm, suchen wir uns ein Plätzchen, an dem wir uns unter vier Augen unterhalten können.«

Sie hat Recht, das wusste er, obwohl es ihn ärgerte, dass sie diese Entscheidung getroffen hatte. Ich hätte niemals in die Halle kommen sollen, erkannte er zu spät. Ich hätte sie zu mir rufen sollen.

Doch dafür war es nun zu spät. Theon blieb keine andere Wahl, als Asha in Ned Starks Solar zu führen. Dort platzte er vor der Asche im Kamin heraus: »Dagmer hat den Kampf bei Torrhenschanze verloren …«

»Der alte Kastellan hat seinen Schildwall durchbrochen, ja«, erwiderte Asha ruhig. »Was hast du denn erwartet? Dieser Ser Rodrik kennt das Land ganz genau, Spaltkinn dagegen nicht, und viele der Nordmannen waren beritten. Den Eisenmännern fehlt die Disziplin, um einem Angriff gepanzerter Reiterei standzuhalten. Dagmer ist nicht gefallen, und dafür solltest du dankbar sein. Er hat die Überlebenden zur Steinigen Küste zurückgeführt.«

Sie weiß mehr als ich, begriff Theon. Das fachte seinen Zorn nur noch mehr an. »Der Sieg hat Leobald Tallhart genug Mut gemacht, sich aus den Mauern zu wagen und sich zu Ser Rodrik zu gesellen. Den Berichten zufolge hat Lord Manderly ein Dutzend Boote mit Rittern, Streitrössern und Belagerungsmaschinen flussaufwärts geschickt. Die Umbers versammeln sich ebenfalls jenseits des Letzten Flusses. Noch vor der Mondwende wird eine Armee vor meinen Toren stehen, und du bringst mir nur zehn Mann?«

»Ich hätte dir gar keine bringen müssen.«

»Ich habe dir befohlen …«

»Vater hat mir befohlen, Tiefwald Motte einzunehmen«, fauchte sie ihn an. »Er hat nichts davon gesagt, meinen kleinen Bruder zu retten.«

»Vergiss Tiefwald«, sagte er. »Das ist ein hölzerner Pisspott auf einem Hügel. Winterfell ist das Herz des Landes, also wie soll ich es ohne Truppen halten?«

»Darüber hättest du dir vielleicht Gedanken machen sollen, bevor du es erobert hast. O ja, du hast es sehr klug angestellt, das will ich nicht bestreiten. Aber wenn du nur etwas Verstand gehabt hättest, hättest du die Burg dem Erdboden gleichgemacht und die beiden Prinzen als Geiseln nach Peik gebracht. Dann hättest du den Krieg mit einem Streich gewonnen. «

»Das hätte dir gefallen, ja? Meine Beute in Schutt und Asche zu sehen?«

»Deine Beute wird dein Verhängnis werden. Kraken erheben sich aus dem Meer, Theon, oder hast du das während deiner Jahre unter den Wölfen vergessen? Unsere Stärke sind unsere Langschiffe. Mein hölzerner Pisspott steht nahe genug am Meer, dass ich Nachschub und frische Männer bekommen kann, wann immer es notwendig ist. Aber Winterfell befindet sich Hunderte von Meilen im Inneren des Landes, es ist von Wäldern, Bergen und feindlichen Festungen und Burgen umgeben. Jetzt ist jeder Mann innerhalb eines Umkreises von tausend Meilen dein Feind, vergiss das nicht. Spätestens, seit du dein Torhaus mit diesen Köpfen verziert hast.« Asha schüttelte den Kopf. »Wie konntest du bloß so ein verdammter Narr sein? Kinder …«

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