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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Sie haben sich mir widersetzt!«, schrie er ihr ins Gesicht. »Und außerdem war es Blut um Blut; zwei Söhne musste Eddard Stark für Rodrik und Maron bezahlen.« Die Worte sprudelten aus ihm hervor, und sein Vater würde sie gutheißen, dessen war er sicher. »Ich habe den Geistern meiner Brüder Frieden gegeben.«

»Unserer Brüder«, erinnerte ihn Asha und lächelte schief; anscheinend nahm sie sein Gerede über Rache nicht ernst. »Hast du ihre Geister von Peik mitgebracht, Bruder? Und ich dachte immer, sie würden nur Vater heimsuchen.«

»Wann hat ein Mädchen je den Durst eines Mannes nach Rache verstanden?« Selbst wenn seinem Vater das Geschenk, das Theon ihm mit Winterfell machte, nicht gefiel, so musste Theons Rache für seine Brüder seine Zustimmung finden!

Asha lachte schnaubend. »Dieser Ser Rodrik wird vermutlich den gleichen männlichen Durst verspüren, hast du daran auch schon einmal gedacht? Du bist Blut von meinem Blut, Theon, gleichgültig, was du sonst bist. Um der Mutter willen, die uns geboren hat, kehre mit mir nach Tiefwald Motte zurück. Brenne Winterfell nieder und ziehe dich zurück, solange du noch kannst.«

»Nein.« Theon rückte seine Krone zurecht. »Ich habe diese Burg eingenommen, und ich beabsichtige, sie zu halten.«

Seine Schwester sah ihn eine Zeit lang an. »Dann magst du sie halten«, sagte sie, »bis zum Ende deines Lebens.« Sie seufzte. »Es riecht nach Torheit, aber was versteht ein schüchternes Mädchen schon von solchen Dingen?« An der Tür schenkte sie ihm noch ein letztes spöttisches Lächeln. »Du sollst nur eins wissen: Das ist die hässlichste Krone, die ich je zu Gesicht bekommen habe. Hast du die selbst geschmiedet? «

Sie ließ ihn rauchend vor Zorn stehen und blieb nicht länger, als notwendig war, um die Pferde zu tränken und zu füttern. Die Hälfte der Männer, die mit ihr eingetroffen waren, nahm sie wie angedroht wieder mit, und sie ritt zum Jägertor hinaus, dem gleichen Tor, durch das Bran und Rickon geflohen waren.

Theon beobachtete sie von der Mauer aus. Während seine Schwester im Nebel des Wolfswaldes verschwand, fragte er sich, warum er nicht auf sie gehört hatte und mit ihr gegangen war.

»Ist sie fort?« Stinker stand neben ihm.

Theon hatte sein Kommen nicht gehört und ihn auch nicht gerochen. Es gab kaum jemanden, der ihm jetzt hätte ungelegener kommen können. Er hatte ein unbehagliches Gefühl dabei, wenn er diesen Mann lebend herumlaufen sah, angesichts dessen, was der Kerl wusste. Ich hätte ihn töten lassen sollen, nachdem er die anderen erledigt hat, schoss es ihm durch den Kopf, doch dieser Gedanke machte ihn nervös. Wenn es auch unwahrscheinlich erschien, Stinker konnte lesen und schreiben, und er war verschlagen genug, dass er vermutlich seine Taten irgendwo schriftlich niedergelegt hatte.

»M’lord Prinz, wenn Ihr verzeiht, aber es ist nicht recht, dass sie Euch im Stich lässt. Und zehn Männer werden nicht genügen. Bei weitem nicht genügen.«

»Dessen bin ich mir bewusst«, sagte Theon. Und Asha ebenfalls.

»Nun, ich könnte Euch vielleicht helfen«, sagte Stinker. »Gebt mir ein Pferd und einen Beutel Münzen, dann suche ich ein paar gute Kerle für Euch.«

Theon kniff die Augen zusammen. »Wie viele?«

»Hundert vielleicht. Möglicherweise zweihundert und mehr.« Er lächelte, dabei leuchteten seine hellen Augen. »Ich wurde nördlich von hier geboren und kenne viele Männer, und viele Männer kennen Stinker.«

Zweihundert Mann waren keine Armee, doch man brauchte keine Tausende, um eine so starke Burg wie Winterfell zu verteidigen. Solange sie wussten, mit welchem Ende des Speers man einen Mann tötete, würden sie vielleicht das Zünglein an der Waage sein. »Tu, was du sagst, und ich werde mich erkenntlich zeigen. Dann darfst du dir deine Belohnung selbst aussuchen.«

»Nun, M’lord, ich habe keine Frau mehr gehabt, seit ich bei Lord Ramsay war«, sagte Stinker. »Ich habe ein Auge auf diese Palla geworfen, und ich höre, dass sie auch nicht mehr unschuldig ist, da …«

Er war mit Stinker zu weit gegangen, um jetzt einen Rückzieher zu machen. »Zweihundert Mann, und sie gehört dir. Aber ein Mann weniger, und du kannst es weiter mit den Schweinen treiben.«

Stinker brach noch vor Sonnenuntergang auf und nahm einen Beutel Silber der Starks und Theons letzte Hoffnung mit sich. Wahrscheinlich werde ich den Kerl nie wiedersehen, dachte er verbittert, nichtsdestotrotz musste er nach diesem Strohhalm greifen.

In dieser Nacht träumte er von dem Fest, das Ned Stark gegeben hatte, als König Robert Winterfell besucht hatte. Die Halle war von Musik und Lachen erfüllt, obwohl sich draußen die kalten Winde erhoben. Zuerst gab es Wein und gebratenes Fleisch, und Theon machte Scherze, zwinkerte den Mägden zu und genoss die Feier … bis er bemerkte, dass es im Raum immer dunkler wurde. Die Musik war plötzlich nicht mehr so fröhlich; er hörte Disharmonien und eigenartige Stille, und die Töne hingen blutend in der Luft. Dann wurde der Wein in seinem Mund sauer, und als er von seinem Becher aufsah, sah er, dass er mit Toten speiste.

König Roberts Bauch war aufgeschlitzt und seine Eingeweide quollen auf den Tisch, und Lord Eddard saß ohne Kopf neben ihm. Leichen hockten auf den Bänken, graubraunes Fleisch fiel ihnen von den Knochen, wenn sie die Becher zum Trinkspruch hoben, Würmer krochen aus den Löchern, wo sich ihre Augen befunden hatten. Er kannte sie, jeden von ihnen; Jory Cassel und den Dicken Tom, Porther und Cayn und Hallen, den Pferdemeister, und alle die übrigen, die mit in den Süden nach Königsmund geritten und niemals zurückgekehrt waren. Mikken und Chayle saßen nebeneinander, der eine tropfnass von Blut, der andere von Wasser. Benfred Tallhart und seine Wilden Hasen besetzten den größten Teil eines Tisches. Das Müllerweib war ebenfalls da, und Farlen, und sogar der Wildling, den Theon an dem Tag im Wolfswald getötet hatte, an dem er Bran gerettet hatte.

Und da waren noch viele andere, die er niemals kennengelernt hatte, Gesichter, die er nur in Stein gemeißelt gesehen hatte. Das schlanke, traurige Mädchen mit der Krone aus hellblauen Rosen und dem weißen Kleid, das über und über mit Blut besudelt war, konnte nur Lyanna sein. Ihr Bruder Brandon stand neben ihr, und Lord Rickard hinter ihnen. Entlang der Wände zogen Gestalten halb sichtbar durch die Schatten, bleiche Schemen mit langen, grimmigen Gesichtern. Ihr Anblick ließ Theon in kalter Furcht erschauern. Dann öffneten sich die hohen Türen mit einem Krachen, und ein eisiger Sturmwind wehte durch die Halle, und Robb kam aus der Nacht herein. Grauwind trottete mit grell leuchtenden Augen neben ihm her, und Mann und Wolf bluteten aus hundert schrecklichen Wunden.

Theon erwachte mit einem Schrei und erschreckte Wex so sehr, dass der Junge nackt aus dem Zimmer rannte. Die Wachen platzten mit gezogenen Schwertern herein, und Theon befahl ihnen, den Maester zu holen. Als Luwin zerzaust und verschlafen eintraf, hatte Theon das Zittern seiner Hände mit einem Becher Wein beruhigt, und seine Angst war ihm peinlich. »Ein Traum«, murmelte er, »es war nur ein Traum. Das hat nichts zu bedeuten.«

»Nichts«, stimmte Luwin ernst zu. Er ließ ihm einen Schlaftrunk da, doch Theon goss ihn in den Abtritt, nachdem der Maester gegangen war. Luwin war schließlich nicht nur Maester, sondern auch ein Mann, und dieser Mann konnte ihn nicht lieben. Er will, dass ich schlafe, ja … und nie wieder aufwache. Das würde ihm genauso gut gefallen wie Asha.

Er ließ Kyra holen, stieß die Tür mit dem Fuß zu, bestieg das Mädchen und nahm es mit einer Wut, die er nie in sich vermutet hätte. Als er fertig war, schluchzte sie, ihr Hals und ihre Brüste waren mit blauen Flecken und Bissstellen übersät. Theon stieß sie aus dem Bett und warf ihr eine Decke zu. »Raus mit dir.«

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