Der Medicus
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:
Der Medicus
Roman
Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon
Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
Wir werden euch dieses Buch geben. Zweifellos enthält es vielerlei Theorien und Maßnahmen von geringem Wert, aber darunter könnte es auch zweckdienliche Informationen geben.« Ibn Sina strich sich den Bart.
»Angesichts der Möglichkeit, daß der Schwarze Tod eine Folge atmosphärischer Verseuchung durch faulige Ausdünstungen ist, müßt ihr meiner Ansicht nach mit aromatischen Hölzern große Feuer in der Nähe sowohl der Kranken als auch der Gesunden unterhalten. Die Gesunden sollten sich mit Wein oder Essig waschen und ihre Häuser mit Essig bespritzen, und sie sollten Kampfer und andere flüchtige Substanzen einatmen. Auch ihr, die ihr die Kranken behandeln werdet, solltet das tun. Es wäre gut, wenn ihr euch, sobald ihr euch den Kranken nähert, in Essig getauchte Schwämme vor die Nasen haltet
und jegliches Wasser kocht, bevor ihr es trinkt, um es von allen Verunreinigungen zu befreien. Und ihr müßt jeden Tag eure Hände pflegen, denn der Qu'ran lehrt, daß sich der Teufel unter den Fingernägeln versteckt.« Ibn Sina räusperte sich.
»Wer diese Seuche überlebt, darf nicht sofort nach Isfahan zurückkehren, sonst bringt er sie auch noch hierher.
Ihr sucht ein Haus auf, das eine Tagereise östlich von der Stadt Nain und drei Tagereisen östlich von hier auf Ibrahims Felsen steht. Dort werdet ihr euch einen Monat lang ausruhen, bevor ihr zurückkommt. Verstanden?«
Sie nickten. »Ja, Herr«, antwortete hakim Fadil Ibn Parviz mit unsicherer Stimme, wobei er in einer neuen Stellung für alle sprach. Der junge Ali weinte leise vor sich hin. Karim Haruns Gesicht war von düsterer Vorahnung erfüllt. Schließlich sagte Mirdin Askari: »Meine Frau und die Kinder... Ich muß Vorkehrungen treffen, um sicher zu sein, daß es ihnen an nichts mangelt, wenn...«
Ibn Sina nickte. »Denjenigen von euch, die Verpflichtungen haben, stehen nur wenige Stunden Zeit zur Verfügung, um die entsprechenden Dinge zu erledigen.«
Rob hatte nicht gewußt, daß Mirdin verheiratet war und Kinder hatte. Der jüdische Student war stets verschlossen und selbstbewußt gewesen. Doch nun waren seine Lippen blutleer und bewegten sich in stummem Gebet.
Rob hatte ebensolche Angst wie die anderen vor dieser Aufgabe, von der es vielleicht keine Rückkehr gab, aber er bemühte sich um Beherztheit. Er würde nun wenigstens nicht mehr im Gefängnis als Hilfsarzt dienen müssen, sagte er sich.
»Noch etwas«, ergänzte Ibn Sina, der sie väterlich betrachtete. »Ihr müßt sorgfältig Aufzeichnungen führen, für diejenigen, welche die nächste Seuche zu bekämpfen haben. Und ihr müßt sie an einer Stelle hinterlegen, an der sie gefunden werden können, falls euch etwas zustoßen sollte.«
Als am nächsten Morgen die Sonne die Baumkronen rot färbte, trabten sie über die Brücke, die den Fluß des Lebens überquerte. Jeder hatte ein gutes Pferd und war entweder von einem Packpferd oder einem Maultier begleitet.
Nach einer Weile schlug Rob Fadil vor, daß ein Mann als Kundschafter vorausreiten und ein zweiter als Nachhut zurückbleiben solle. Der junge hakim tat, als überlegte er, dann gab er die entsprechenden Befehle.
Am selben Abend war Fadil sofort einverstanden, als Rob jenes System einander abwechselnder Wachtposten vorschlug, das in Karl Frittas Karawane angewendet worden war. Sie saßen um das Feuer aus Dornbüschen und schwankten zwischen lustiger und düsterer Stimmung.
»Galens bester Einfall war seine Äußerung darüber, was ein Medicus während der Pest tun soll«, behauptete Suleiman-al-Gamal finster. »Er sagte, ein Medicus sollte vor der Pest fliehen, um am Leben zu bleiben und die Kranken behandeln zu können, und genau das tat er auch.« »Der große Arzt Rhazes hat es besser formuliert«, meinte Karim:
»Drei kleine Wörter vertreiben die Pest, Schnell, weit und spät, so man dich nur läßt. Schnell kannst du fort, so weit es nur geht, Und wenn du zurückkehrst, dann möglichst spät. «•
Ihr Gelächter war zu laut. Den ersten Wachtposten machte Suleiman. Es hätte daher die anderen am nächsten Morgen nicht so zu überraschen brauchen, als sie beim Erwachen feststellten, daß er sich während der Nacht aus dem Staub gemacht und seine Pferde mitgenommen hatte. Als sie am folgenden Abend ihr Lager aufschlugen, bestimmte Fadil Mirdin Askari zum Wachtposten, was sich als gute Wahl erwies: Askari bewachte sie gut.
Der Wachtposten bei ihrem dritten Lager war Omar Nivahend, der es Suleiman nachmachte und während der Nacht mit seinen Tieren floh. Als die zweite Flucht entdeckt wurde, hielt Fadil eine Beratung ab. »Es ist keine Sünde, vor dem Schwarzen Tod Angst zu haben, sonst wäre jeder von uns auf ewig verdammt«, begann er. »Und wenn ihr Galens und Rhazes' Ansichten beipflichtet, ist es auch keine Sünde zu fliehen-obgleich ich Ibn Sinas Meinung bin und glaube, daß ein Medicus die Pest bekämpfen sollte, statt Fersengeld zu geben. Doch es ist eine Sünde, seine Gefährten unbewacht zurückzulassen. Und es ist noch schlimmer, sich mit einem Packtier davonzustehlen, das Vorräte trägt,
die von den Kranken und Sterbenden benötigt werden.« Er sah sie ruhig an. »Deshalb meine ich, wenn uns noch jemand verlassen will, dann möge er jetzt gehen. Und ich verspreche bei meiner Ehre, daß er das ohne Schande oder Vorhaltungen tun kann.« Sie konnten einander atmen hören. Keiner trat vor. Da meldete sich Rob zu Wort.
»Ja, jeder sollte gehen dürfen, aber wenn er uns dadurch ohne Wachtposten zurückläßt, oder wenn er Vorräte mitnimmt, die von den Kranken, zu denen wir reisen, gebraucht werden, müssen wir einem solchen Deserteur nachreiten und ihn töten.«
Wieder herrschte Stille.
Mirdin fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Ich stimme zu.« »Ja«, bestätigte Fadil.
»Ich stimme gleichfalls zu«, sage Abbas Sefi. »Und ich auch«, flüsterte Ali. »Und ich ebenfalls«, sagte Karim.
Jeder von ihnen wußte, daß dies kein leeres Versprechen, sondern ein feierliches Gelübde war.
Zwei Nächte später war Rob als Wachtposten an der Reihe. Gegen Morgen stand er im Schatten eines großen Felsens nicht weit von den schlafenden Männern, als er merkte, daß einer von ihnen wach war und Vorbereitungen für den Aufbruch traf.
Karim Harun schlich durch das Lager und achtete darauf, die Schlafenden nicht zu wecken. Als er draußen war, begann er leichtfüßig den Weg hinunterzulaufen und war bald außer Sichtweite. Harun hatte weder Vorräte mitgenommen noch die Gruppe unbewacht gelassen, und Rob unternahm keinen Versuch, ihn aufzuhalten. Aber er war enttäuscht, denn allmählich hatte er den gutaussehenden, verbitterten Studenten, der seit so vielen Jahren studierte, ins Herz geschlossen.
Etwa eine Stunde später zog er sein Schwert, weil er laute Schritte vernahm, die im grauen Morgenlicht auf ihn zukamen. Da tauchte Karim auf, der vor ihm stehenblieb und auf die blanke Klinge starrte, während seine Brust sich hob und senkte und sein Gesicht und das Hemd schweißnaß waren. »Ich habe gesehen, wie du fortgingst.
Ich dachte, daß du davonläufst.«
»Das bin ich auch.« Karim rang nach Luft. »Ich bin weggelaufen... und ich bin wieder zurückgelaufen. Ich laufe jeden Tag«, sagte er lächelnd, während Rob das Schwert in die Scheide steckte.
Karim lief jeden Morgen und kam immer schweißnaß zurück. Abbas Sefi dagegen erzählte komische Geschichten, sang schlüpfrige Lieder und war ein ironischer Spötter. Hakim Fadil rang gern, und wenn sie abends lagerten, warf ihr Anführer sie alle in den Sand. Nur Rob und Karim machten es ihm schwer. Mirdin war der beste Koch unter ihnen und erklärte sich gutgelaunt bereit, die Abendmahlzeiten zuzubereiten. Der junge Ali, der Beduinenblut in den Adern hatte, war ein gewandter Reiter und tat nichts lieber, als den Kundschafter zu machen und der Abordnung weit voranzureiten. Bald glänzten seine Augen vor Begeisterung statt vor Tränen, und er legte einen jugendlichen Schwung an den Tag, der ihm die Zuneigung seiner Kameraden sicherte.