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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Staatsakt gekleidet waren, einfache, weiße Kleidung. Er erwiderte den ravi zemin mit einem Nicken und nahm auf einem prächtigen Stuhl, der erhöht über den Kissen der anderen Gäste stand, Platz. Die Belustigung begann mit einer Darbietung der Schwertfechter, die ihre Krummsäbel mit solcher Kraft und Anmut schwangen, daß die Zuschauer gebannt den abgezirkelten Bewegungen einer Kampfübung folgten, die so ritualisiert war wie ein Tanz. Rob bemerkte, daß der Krummsäbel leichter war als das englische Schwert und schwerer als das französische; er erforderte beim Stoß die Geschicklichkeit eines Duellanten, beim Schlagen aber starke Handgelenke und Arme. Die aufregende Darbietung war für Rob viel zu früh zu Ende. Akrobatische Zauberer zogen als nächste eine große Schau ab. Sie pflanzten einen Samen in die Erde, bewässerten ihn und bedeckten ihn mit einem Tuch. Hinter einer Wand von durcheinanderwirbelnden Körpern, genau auf dem Höhepunkt ihrer akrobatischen Darbietung, zog einer von ihnen heimlich das Tuch weg, stieß einen belaubten Zweig in den Boden und bedeckte ihn wieder; Sowohl die Ablenkung als auch die Täuschung waren für Rob klar ersichtlich, weil er auf sie gewartet hatte, und so war er belustigt, als das Tuch schließlich entfernt wurde und die Zuschauer

»dem magisch wachsenden Baum« Beifall spendeten.

Alä Shahansha war sichtlich unruhig, als die Ringkämpfe begannen. »Meinen Langbogen«, rief er. Als der Bogen gebracht wurde, spannte und entspannte er ihn und zeigte seinen Höflingen, wie leicht er die schwere Waffe handhaben konnte. Die Menschen in seiner Umgebung bewunderten murmelnd seine Kraft, während andere die entspannte Stimmung nutzten und plauderten. Nun erst erfuhr Rob den Grund, weshalb er eingeladen war: Als Europäer stellte er wie die Tiere oder die Artisten eine zur Schau gestellte Kuriosität dar, und die Perser bestürmten ihn mit Fragen.

»Besitzt Ihr in Eurem Land - wie heißt es doch? - auch einen Schah?« »Es heißt England. Ja, wir haben einen König. Er heißt Knut.« »Sind die Männer Eures Landes Krieger und Reiter?« fragte ein alter Mann mit klugen Augen neugierig. »Ja, ja, große Krieger und hervorragende Reiter.« »Wie ist das Wetter und das Klima?«

»Kälter und feuchter als hier.«

»Und die Nahrung?«

»Anders als die Eure, nicht so stark gewürzt. Wir kennen keinen pilaw.«

Darüber waren alle entsetzt. »Keinen pilaiv!« wiederholte der Alte verächtlich.

Sie umringten ihn, aber eher aus Neugierde als aus Zuneigung, und er fühlte sich in ihrer Mitte allein.

Alä Shahansha erhob sich. »Laßt uns zu den Pferden gehen!« rief er ungeduldig, und die Menge strömte hinter ihm auf das nahe Feld, obwohl die Ringer immer noch knurrend miteinander kämpften.

»Ball-und-Stock, Ball-und-Stock!« rief jemand und wurde sofort mit Beifall belohnt.

»Laßt uns spielen!« stimmte der Schah zu, wählte drei Männer als seine Mannschaft aus und vier Männer als ihre Gegner.

Ihre Pferde, die auf das Feld geführt wurden, waren zähe Ponys, die ein ganzes Stück kleiner waren als die verwöhnten weißen Hengste. Als alle aufgesessen waren, erhielt jeder Spieler einen langen, elastischen Stock, der am Ende gekrümmt war.

An den beiden Schmalseiten des langen Spielfeldes befanden sich je zwei ungefähr acht Schritt voneinander entfernte Steinsäulen. Jede Mannschaft galoppierte auf ihren Pferden zu einem solchen Tor, stellte sich davor in einer Reihe auf, so daß sich die Reiter wie feindliche Armeen gegenüberstanden. Ein Offizier, der als Schiedsrichter eingesetzt war, stand abseits von ihnen und rollte einen Holzball von der Größe eines Apfels in die Mitte des Feldes. Die Zuschauer begannen zu schreien. Die Pferde stürmten in scharfem Galopp aufeinander zu, die Reiter schwenkten schreiend ihre Stöcke.

Mein Gott, dachte Rob entsetzt. Gebt acht, gebt acht! Drei Pferde stießen mit einem widerlichen Geräusch zusammen, eines von ihnen stürzte und überschlug sich, so daß sein Reiter in hohem Bogen davonflog. Der Schah riß seinen Stock herum, traf den Holzball voll, und die Pferde stürmten hinter ihm her, daß aus dem Rasen Fetzen flogen und die Hufe trommelten.

Das gestürzte Pferd wieherte schrill, als es versuchte, auf dem gebrochenen Sprunggelenk zu stehen. Ein paar Reitknechte kamen herbei, schnitten ihm die Kehle durch und schleppten es vom Feld, noch bevor sein Reiter auf die Füße gekommen war. Der hielt sich den linken Arm und lächelte mit zusammengebissenen Zähnen. Rob nahm an, daß der Arm gebrochen war, und näherte sich dem Verletzten.

»Soll ich Euch helfen?« »Seid Ihr ein Medicus?« »Ein Baderchirurg und Student im maristan.«

Der Adelige verzog erstaunt und empört das Gesicht. »Nein, nein! Wir müssen Abu Ubaid al-Juzjani rufen«, wehrte er ab, und sie führten ihn weg.

Sofort wurden ein anderes Pferd und ein frischer Mann ins Spiel genommen. Die acht Reiter hatten anscheinend vergessen, daß sie spielten. Sie trieben, als würden sie eine Schlacht austragen, ihre Pferde mit Peitschenhieben aufeinander zu, und beim Versuch, den Ball zu treffen und ihn zwischen die Torpfosten zu treiben, schlugen sie in gefährlicher Nähe ihrer Gegner und deren Pferden herum. Auf den Schah wurde keine Rücksicht genommen.

Männer, die sonst zweifellos getötet worden wären, wenn sie ihrem Herrscher einen verärgerten Blick zugeworfen hätten, taten jetzt ihr Bestes, um ihn zum Krüppel zu schlagen, und dem Murren und Flüstern der Zuschauer entnahm Rob, daß es ihnen nicht mißfallen hätte, wenn Alä Shah-ansha von einem Stockschlag getroffen oder abgeworfen worden wäre. Doch der Schah entging diesem Mißgeschick. Er ritt rücksichtslos wie die anderen, aber mit verblüffender Geschicklichkeit und lenkte sein Pony, ohne die Hände zu gebrauchen, die den Stock hielten, mit kaum erkennbarem Schenkeldruck. Er saß kräftig und selbstsicher im Sattel und ritt, als wäre er mit seinem Pferd verwachsen. Er beherrschte die Reitkunst auf eine Weise, wie Rob sie noch nie erlebt hatte. Verlegen dachte der an den alten Mann, der ihn nach der englischen Reitkunst gefragt und dem er versichert hatte, daß es um sie vortrefflich bestellt sei.

Die Luft war mit Staub erfüllt, und die Zuschauer schrien sich heiser. Trommeln dröhnten, und Zimbeln wurden ekstatisch aneinander geschlagen, wenn jemand einen Treffer erzielte, und schließlich hatte die Mannschaft des Schahs den Ball fünfmal zwischen die Pfosten getrieben, ihre Gegner jedoch nur dreimal. Das Spiel war zu Ende. Aläs Augen leuchteten zufrieden, als er abstieg, denn allein er hatte zwei Treffer erzielt. Während die Ponys weggeführt wurden, pflockte

man zwei junge Stiere in der Mitte des Feldes an, und zwei Löwen wurden auf sie losgelassen. Der Kampf war erstaunlich ungerecht, denn kaum waren die Großkatzen frei, wurden die Stiere von ihren Treibern niedergerissen. Man schlug ihnen Äxte über die Schädel und ließ dann die Raubtiere das noch zuckende Fleisch zerreißen. Doch Rob begriff, daß hier menschliche Hilfe gewährt wurde, weil Alä Shahansha der Löwe von Persien war. Es wäre ungehörig und ein schlimmes Vorzeichen gewesen, wenn durch einen unglücklichen Zufall während dieser Belustigung ein Stier den Sieg über das Symbol der unerschütterlichen Macht des Königs der Könige errungen hätte.

Im Garten wiegten sich jetzt vier verschleierte Frauen zur Musik von Pfeifen im Takt, während ein Dichter von den buri sang, den blühenden, sinnlichen Jungfrauen des Paradieses. Alä Shahansha erhob sich, verließ die Menschen am Teich, ging an dem Eunuchen mit dem bloßen Schwert vorbei und begab sich in den Harem. Rob starrte als einziger irritiert dem König nach, als Khuff, der Stadthauptmann, zu dem Eunuchen trat, um mit ihm das dritte Tor zu bewachen. Die fröhlichen Gespräche wurden lauter, in der Nähe lachte General Rotun ben Nasr, der Gastgeber der Belustigung des Schahs und Hausherr, laut über seine eigenen Scherze, als hätte Alä nicht soeben angesichts des halben Hofes seine Frauen aufgesucht. Hat man vom mächtigsten Herrn der Welt nichts anderes zu erwarten? fragte sich Rob.

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