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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Und Ihr habt um einen Termin gebeten?« Ingrey nickte in Richtung auf Jokols linkem Ärmel.

Jokol schlug mit der Rechten auf das blaue Band und lachte. »Das sollte ich vielleicht! Mich gleich an seine Vorgesetzten wenden.«

Ingrey hätte eigentlich angenommen, dass der Herbstsohn Jokols naturgemäßer Beschützer war, oder vielleicht, wenn man die jüngsten Ereignisse in Erwägung zog, der Bastard. Auch wenn es gewiss nicht die sicherste Sache war, zum Gott des Unglücks zu beten. »Die Frühlingsherrin ist doch gewiss nicht Eure übliche Schutzherrin?«

»Aber ja! Sie segnet mich sehr. Heute bete ich für Verse.«

»War nicht der Bastard der Gott der Dichtkunst?«

»Oh, der auch, ja, für Trinklieder und so was. Und für diese großartigen Lieder, wenn Mauern einstürzen und alles in Flammen aufgeht, o ja, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Die sind großartig!« Jokol schwenkte die Arme, um anzudeuten, welch schauerliche Tragödien würdig waren, in die epische Dichtkunst einzugehen. »Aber heute nicht. Heute möchte ich ein liebliches Lied für meine liebliche Breiga machen. Ich will sie wissen lassen, wie sehr ich sie in dieser Stadt aus Stein vermisse.«

Ottovin hinter ihm verdrehte die Augen. Ingrey hielt es für einen stillen Kommentar zum schwesterlichen Gegenstand des angekündigten Liedes, nicht zum Lied selbst. Er erinnerte sich, dass die Tochter nicht nur die Göttin der Jungfrauen war, sondern außerdem noch die Göttin jugendlichen Lerneifers, der bürgerlichen Ordnung und, ja, auch der lyrischen Dichtung.

Biast blickte zu Jokol auf und wirkte gegen seinen Willen beeindruckt. »Ist dies zufällig der Besitzer Eures Eisbären, Ingrey?«, fragte er.

Obwohl er nur zu gerne jede Verbindung zu dem Eisbären geleugnet hätte, jetzt und für alle Zeit, erinnerte diese Bemerkung Ingrey an seine gesellschaftlichen Pflichten. »Verzeiht mir, Hoheit. Wenn Ihr gestattet, möchte ich Euch Fürst Jokol von Arfrastpekka vorstellen und seinen Verwandten Ottovin. Jokol, dies hier ist Fürstmarschall Biast von Hirschendorn. Der Sohn des Geheiligten Königs«, fügte er noch hinzu für den Fall, dass Jokol einen einheimischen Führer durch den Sumpf der großen Politik von Ostheim benötigte.

Aber Jokol war weder unwissend noch übertrieben ehrfürchtig. Er schlug das heilige Zeichen und senkte das Haupt, und Biast erwiderte sowohl den Gruß wie auch den Segen, die selbstbewussten Oberhäupter zweier Völker, die weder voneinander abhängig noch miteinander verbündet waren, es in der Zukunft jedoch möglicherweise sein würden und diese Möglichkeit nicht vorschnell zunichte machen wollten.

Die vielversprechende gegenseitige Musterung der beiden Fürsten wurde von Symarks Rückkehr unterbrochen. Dieser umklammerte den Arm eines grau gewandeten Akolythen. Nachdem er sich so einen Führer durch das ausufernde Durcheinander an Gebäuden gesichert hatte, das den Tempelbezirk ausmachte, holte Biast seine Schwester vom Schrein der Mutter ab.

Jokol verstand die Andeutungen und verabschiedete sich von Ingrey. »Ich muss mir mehr Mühe geben bei diesem Erzprälaten. Das kann eine Weile dauern. Also sollte ich wohl besser anfangen, nicht?«

»Wartet«, sagte Ingrey. »Ich will Euch sagen, wen Ihr sprechen solltet. In einem Gebäude, zwei Straßen hinter dem Tempel, im ersten Stock … nein, ich habe eine bessere Idee.« Er lief über den Hof und fischte sich einen jungen Novizen im Weiß des Bastards aus dem unregelmäßigen Getröpfel von Leuten, die mit den verschiedensten Zielen den Innenhof überquerten. »Weißt du, wie man zur Schreibstube des Gelehrten Lewko kommt?«, wollte er wissen.

Der Junge nickte beunruhigt.

»Dann führe diesen Herrn zu ihm.« Er reichte den Novizen an den verwirrten Jokol weiter. »Sag Lewko, Lord Ingrey schickt ihm hier eine Schwierigkeit für seine Sammlung.«

»Wird dieser Lewko mir helfen, mit dem Erzprälaten zu reden?«, fragte Jokol hoffnungsvoll.

»Entweder das, oder er wendet sich gleich an Fritines Vorgesetzte. Droht ihm, dass Ihr ihm Fafa überlassen wollt; das wird ihn dazu bewegen, etwas für Euch zu tun.« Ingrey grinste. Für den Gott der üblen Scherze musste das beinahe ein Gebet sein, entschied er.

»Ist er ein Mächtiger hier im Tempel?«

Ingrey zuckte die Achseln. »Zumindest hat er die Macht eines Gottes hinter sich, der nicht lange auf einfältige Schreiber wartet.«

Jokol schürzte die Lippen; dann nickte er, und sein Gesicht hellte sich auf. »Sehr gut! Danke, Ingorry!« Er trottete hinter dem Jungen davon, gefolgt von dem unschlüssig wirkenden Ottovin.

Ingrey glaubte, ein Lachen im Ohr zu hören, aber Symark, der dastand und ein wenig verständnislos dreinschaute, war es nicht. Vielleicht nur ein Spiel der Akustik auf dem Hof. Ingrey schüttelte den Kopf, um störende Gedanken loszuwerden, und zwang sich dann zu einer Haltung ernster Aufmerksamkeit, als Biast mit den Damen zurückkehrte.

Nach einem raschen Blick über den Hof bedachte Biast Ingrey mit einem eigenartigen Blick, unsicher und prüfend zugleich. Es kam Ingrey in den Sinn, dass sämtliche anwesenden Personen zum letzten Mal vor zwei Tagen hier versammelt gewesen waren, zu Prinz Bolesos Bestattung. Grübelte Biast gerade darüber nach, ob er wirklich glauben sollte, dass dieser die Seele seines verstorbenen Bruders in einem Schamanenwunder geläutert hatte? Oder — ein beinahe noch verstörenderer Gedanke — wenn dieser Glaube vorhanden war, fragte er sich dann, was für weitere Folgen daraus erwachsen würden?

Auf jeden Fall führte sie der grau gewandete Akolyth um den Tempel herum und zwischen das Gewirr der unterschiedlichsten Gebäude, in denen die Skriptorien und die Arbeitsstätten sämtlicher religiöser Orden untergebracht waren. Einige der Bauten waren neu und ihrem Zweck entsprechend errichtet, aber die meisten waren alt und nur umgewidmet. Sie gingen zwischen zwei lauten und geschäftigen, wenn auch ein wenig baufällig wirkenden früheren Familienanwesen vorbei. Das eine war nun das Findelhaus, das von der Kirche des Bastards unterhalten wurde, das andere das Siechenhaus der Mutter, dessen Säulengänge von den Schritten der Heilkundigen und der grün gewandeten Tempelbrüder widerhallten und deren entrückte Gärten genesende Patienten und ihre Pfleger beherbergten.

In der nächsten Straße gelangten sie zu einem großen Bauwerk, drei Stockwerke hoch und aus denselben gelblichen Steinen errichtet wie Hetwars Palast. Hier waren die Bibliotheken und Ratszimmer der Kirche des Vaters untergebracht. Eine Treppe lief um eine weitläufige Halle herum und brachte sie schließlich zu einem stillen, holzgetäfelten Raum.

Anscheinend waren die Befragungen schon im Gange, denn Ingrey glaubte einige Diener von Burg Keilerkopf wiederzukennen. Diese kamen gerade durch die Tür heraus und wirkten eingeschüchtert, aber erleichtert. Sie erkannten den Fürstmarschall und die Prinzessin und machten ihnen eilig Platz, mit hastigen Gesten der Ehrerbietung. Biast rang sich ein höfliches Nicken ab, aber Fara hielt den Kopf steif emporgereckt, Hochmut, der von einem Gefühl der Demütigung noch verstärkt wurde. Mit einem leichten Schnauben wie eine erschrockene Stute schnappte Fara nach Luft, als sie als erste Person auf der anderen Seite der Tür den Haushofmeister Bolesos antrafen, Ritter Ulkra. Ulkra verbeugte sich und erweckte den Anschein, als wäre ihm mindestens ebenso unbehaglich zumute wie der Prinzessin.

Ein langer Tisch erstreckte sich entlang der Stirnseite des Zimmers, und dahinter saßen fünf Männer mit dem Rücken zu den verhangenen Fenstern. Zwei trugen die schwarz-grauen Roben und die roten Tressen von Geistlichen des Vaters, und die übrigen drei trugen die Amtsketten eines königlichen Richters. An einem kleineren Seitentisch hockte eine Schreiberin mit ihren Federn, Tintenfässern und Pergamenten. An den übrigen Wänden standen weitere Bänke. Neben der Schreiberin, auf der Bank auf der anderen Seite des Raumes, saß ein weiterer Geistlicher, ein schlaksiger Bursche mit wirrem, ergrauendem schwarzen Haar, das farblich an seine Priestertracht angeglichen zu sein schien. Seine rote Schultertresse zeigte eine goldene Schnur als Zeichen eines höheren Gelehrten der Rechte. Etwa ein Berater für die Justizräte?

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