Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
In den Wäldern fanden sie auch endlich wieder Nahrung. Mareju fing ein Rebhuhn, ansonsten aßen sie wilde Äpfel und die Wurzeln, die Bruno aufspürte. Es waren drei stille, ruhige Tage, in denen Nill das warme Sonnenlicht und das Rauschen der Bäume auf sich wirken ließ. Das Grün rings um sie erfüllte sie, klärte ihr aufgewühltes Inneres, es verschluckte für einige Augenblicke sogar ihre Vergangenheit und alles, was geschehen war ...
Aber nachts suchten Nill merkwürdige Träume heim, und morgens erwachte sie vom Rauschen der Bäume, die ihr unbestimmte, böse Ahnungen zuzuflüstern schienen.
Dann lagen auch die Gebirge hinter ihnen. Die Wälder lichteten sich und bald sahen die Gefährten Dörfer und Felder. Äcker überzogen das ganze Land bis zum Horizont mit einem buntscheckigen Teppich, auf dem nur hier und da braune Hütten saßen und gemütlich aus ihren Schornsteinen rauchten. Die schmalen Kiesstraßen säumten Obstbäume und goldene Weizenähren.
»Wie heißt dieses Land?«, fragte Nill erstaunt. So friedlich schienen die Dörfer und bunten Felder, als könne kein Unheil sie erschüttern. Und gleichzeitig wuchs kaum ein paar Tagesreisen entfernt das Grauen wie ein unheilvolles Geschwür! Die Zerstörung, die in den tiefen Marschen um sich griff, würde auch dieses Land überschwemmen ... Und niemand hier schien davon zu ahnen.
»Das ist das Königreich von Dhrana«, sagte Kaveh.
Auf einen fragenden Blick Nills hin fügte er hinzu:
»Dhrana ist so klein und unbedeutend, dass niemand es kennen muss. Trotzdem – ich hätte nicht gedacht, dass wir so weit nach Norden abgekommen sind.« In seinem Gesicht arbeitete es. »Andererseits ... nein, es ist gut, dass wir hier sind. Kommt.« Und er trieb sein Pferd an, ohne ein weiteres Wort der Erklärung.
Bei Sonnenuntergang färbte sich der Himmel leuchtend rot und übergoss die weiten Felder wie mit Glut. Rabenscharen schwebten über die Roggenfelder, ein sachter Wind kam auf und trug den Gefährten den Geruch der Mohnblumen in die Nasen, die ihren Weg säumten. Dort, wo die Sonne am Horizont verschwamm, blitzte ihnen bald etwas entgegen: Es waren die Zinnen einer Burg.
»Dort muss der König von Dhrana sein«, überlegte Kaveh. »Der König von – was hast du vor?« Arjas lenkte sein Pferd dicht neben Kavehs Rappen. Ohne den Blick von der Burg zu wenden, die auf einem sanften Hügel etwas über den umliegenden Häusern und Hütten thronte, antwortete Kaveh: »Der Krieg gegen die Königin von Korr wird kommen. Sie wird angreifen, das weiß ich, und zwar bald. Wir müssen Verbündete suchen.«
»Was?«, sagten Mareju und Arjas gleichzeitig. Die Brüder tauschten zweifelnde Blicke. Dann neigte Mareju den Kopf, um Kaveh ins Gesicht sehen zu können. »Das ist ein Menschenkönig! Es kann gut sein, dass er so ein neumodischer Spinner ist und uns als Zauberer auf irgendwelchen Scheiterhaufen verbrennen lässt! Oder er könnte ... na, alles Mögliche. Ganz zu schweigen davon, dass er uns an die Grauen Krieger verraten könnte!«
Kaveh lächelte. »An die Grauen Krieger verraten?« Er setzte sich die Kapuze seines grauen Mantels auf. Augenblicklich verschwand sein Gesicht darin. Nur seine Lippen waren noch zu sehen. »Wir sind die Grauen Krieger.«
Die Zwillinge schwiegen beklommen. Auch Nill wusste nicht recht, was sie von Kavehs Plan halten sollte – bei Kavehs Plänen wusste man nie, was man davon halten sollte. Sich jetzt schon auf einen Krieg gegen die Mächte von Korr vorzubereiten und Fremde einzuweihen, war entweder sehr vernünftig oder sehr wahnsinnig. König Ileofres war einsam. Ihm war, als hätte das Glück ihn schon lange verlassen, dabei waren kaum vier Jahre vergangen, seit es ihm entronnen war, so wie ein schöner Sommer. Ja, er war glücklich gewesen. Damals, vor vier Jahren, die ihm wie Jahrhunderte zurück zu liegen schienen, hatte er mit seinen beiden Söhnen zusammengelebt. Norfed, der ältere, sein Thronfolger, und der jüngere, Ifredes. Sie waren so glücklich gewesen, und dann ... König Ileofres hatte von den Mordplänen seines zweiten Sohnes erfahren und ihn für immer aus Dhrana verbannt.
»Du wirst sehen«, hatte Ifredes gezischt. »Ich werde König! Ich werde noch ein Reich erobern, das größer ist als Dhrana!« König Ileofres hatte ihm mit Peitschenschlägen geantwortet.
Bald darauf erfuhren der König und sein ältester Sohn, dass es einem Menschen gelungen war, sich die Krone der Moorelfen anzueignen. Vom ersten Augenblick an wusste Ileofres, dass es sein verstoßener Sohn war. Er wusste, dass sein Sohn in den tiefen Marschen einen Turm errichtete, von dem aus er den größten Krieg plante, den die Welt je gesehen hatte.
Er wusste, dass es sein verstoßener Sohn war, der einst alle Königreiche unterwerfen würde. Und Ileofres ergriff die Furcht. Ihn überkam Reue, hatte er doch seinen eigenen Sohn verbannt, ihn verjagt und verflucht! Wie würde sich der König von Korr an ihm, an Dhrana, rächen ...
Norfed, der ältere, beschwichtigte ihn. »Noch ist Ifredes dein Sohn. Und mein Bruder. Ich werde zu ihm gehen und ihn um Gnade bitten.«
In Wirklichkeit, das wusste Ileofres, loderte in Norfed dasselbe Verlangen nach Macht wie in seinem jüngeren Sohn. Norfed verließ Dhrana und ihn doch nur, um sich Korr und seinem mächtigeren Bruder anzuschließen! Dennoch ließ Ileofres seinen Sohn ziehen. Seitdem waren vier Jahre verstrichen.
Es gab keine Nachricht von ihnen. Kein Zeichen.
Bis jetzt.
Der schmale Weg, der sich zuvor durch die Felder geschlängelt hatte, wurde zu einer breiteren Pflasterstraße. Die Gefährten erreichten das Dorf, noch bevor die letzten Lichter des Tages im Westen schwanden. Die Hütten scharten sich um die Burg des Königs und rauchten aus schiefen Kaminen. Der Lärm lachender und schreiender Kinder lag in der Luft, als die Gefährten die Straße entlangritten. Ein junger Mann mit einem Ochsenkarren wich ihnen mit staunenden Augen aus, und eine Gruppe von Jungen und Mädchen, die mit beladenen Weidenkörben von den Obstbäumen heimkehrten, tuschelte aufgeregt.
Kurz bevor die Straße aus dem Dorf führte, machte sie eine elegante Kurve, so als solle jeder Besucher die Burg noch einmal von beiden Seiten betrachten.
Die Burg war ein schlichter, aber massiver Bau aus dunklem Stein. Aus einem kleinen Wachturm drang das Läuten einer Glocke. Direkt vor dem runden Tor, das kurz davor war, geschlossen zu werden, entzündeten mehrere Soldaten Fackeln für die Nacht. Als sie Nill, Kaveh, die Ritter und Bruno entdeckten, hielten sie inne und stellten sich vor dem Tor zusammen.
»Wer seid ihr? Was führt euch hierher?«, rief einer der Soldaten ihnen zu.
»Wir sind Boten aus Korr!«, rief Kaveh, und nach kurzem Zögern schob er sich schließlich die Kapuze zurück. Das beruhigte aber nicht das Misstrauen der Soldaten. Als sie erkannten, dass Kaveh ein Elf war, nahmen manche von ihnen ihre Lanzen fester in die Hand und starrten ihn mit unverhohlenem Argwohn an. »Wir sind Boten vom König der Moorelfen. Wir bitten um Erlaubnis, dem König von Dhrana unsere Nachricht zu überbringen.«
Die Soldaten tauschten Blicke. Erstauntes Gemurmel erhob sich zwischen ihnen; sie senkten die Waffen und traten zur Seite.
»Tretet ein!«
Die Gefährten ritten durch das Burgtor und kamen in einen engen Hof. Wagen voller Stroh, Gänse und Hühner und herumstehende Soldaten füllten den Platz. Von irgendwo ertönte das Schlagen eines Hammers. Ein junger Stallknecht führte zwei Pflugpferde hinter sich her.
»Stallbursche!«, rief ein Soldat, der neben die Gefährten getreten war, und winkte dem Jungen. »Bring die Pferde in den Stall und versorge sie.«
Der Knecht nickte und führte eilig die beiden Pflugpferde weg, um einen Augenblick später zurückzukehren. Nill und die Elfen stiegen von den Pferden und sahen zu, wie der Stallknecht sie fortführte.