Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Ich hoffe, du bist zufrieden«, sagte er, während sie las. »Du wolltest doch den Tod des Starkjungen, glaube ich.«
Cersei schnitt ein säuerliches Gesicht. »Jaime war es, der ihn aus dem Fenster geworfen hat, nicht ich. Aus Liebe, behauptete er, als würde mir das gefallen. Trotzdem war es eine Dummheit, und eine gefährliche dazu, aber wann hat unser lieber Bruder schon einmal erst nachgedacht und dann gehandelt? «
»Der Junge hat euch gesehen«, sagte Tyrion.
»Er war noch ein Kind. Ich hätte ihn einschüchtern und damit sein Schweigen erzwingen können.« Nachdenklich betrachtete sie den Brief. »Warum wirft man es immer mir vor, wenn sich ein Stark den großen Zeh anstößt? Das war Graufreuds Werk, ich habe nichts damit zu tun.«
»Hoffen wir nur, dass Lady Catelyn das ebenso sieht.«
Die Königin riss die Augen auf. »Sie wird doch nicht …«
»… Jaime töten? Warum nicht? Was würdest du tun, wenn Joffrey und Tommen ermordet würden?«
»Ich habe immer noch Sansa!«, erwiderte die Königin.
»Wir haben Sansa«, berichtigte er sie, »und wir sollten sehr gut auf sie aufpassen. Nun, wo ist das Essen, das du mir versprochen hast, süße Schwester?«
Cersei hatte ein wunderbares Menü ausgewählt. Sie begannen mit Kastaniencremesuppe, knusprigem warmem Brot und Grüngemüse mit Äpfeln und Pinienkernen. Darauf folgte Neunaugenpastete, Honigschinken, Karotten in Butter, weiße Bohnen mit Speck und gebratener Schwan, der mit Pilzen und Austern gefüllt war. Tyrion war überaus höflich und bot seiner Schwester jeweils die beste Portion jeder Speise an, wodurch er sich gleichzeitig versicherte, dass er nur das aß, was sie ebenfalls zu sich nahm. Zwar glaubte er nicht ernsthaft, sie könne ihn vergiften wollen, allerdings konnte ein wenig Vorsicht nicht schaden.
Die Nachricht über die Starks hatte ihr die Laune verdorben, das entging ihm nicht. »Ist noch keine Nachricht aus Bitterbrück eingetroffen?«, fragte sie neugierig, während sie mit ihrem Dolch ein Stück Apfel aufspießte und gereizt daran knabberte.
»Nein.«
»Kleinfinger habe ich noch nie vertraut. Für genug Gold würde er von einem Augenblick zum nächsten zu Stannis überlaufen.«
»Stannis Baratheon ist zu verflucht rechtschaffen, um Männer zu kaufen. Außerdem wäre er für einen Mann wie Petyr nicht gerade der angenehmste Lehnsherr. Dieser Krieg hat schon die seltsamsten Bettgefährten zusammengeführt, das stimmt, aber diese beiden? Nein.«
Während er ein paar Scheiben von dem Schinken abschnitt, sagte sie: »Das Schwein verdanken wir Lady Tanda.«
»Ein Zeichen ihrer Liebe?«
»Ein Bestechungsversuch. Sie möchte gern zu ihrer Burg zurückkehren. Dazu braucht sie deine und meine Erlaubnis. Vermutlich befürchtet sie, du würdest sie wie Lord Gil unterwegs verhaften lassen.«
»Plant sie denn, sich mit dem Thronerben davonzumachen? « Tyrion legte seiner Schwester eine Scheibe Schinken auf und nahm eine für sich selbst. »Mir wäre es lieber, wenn sie bliebe. Falls sie sich dann sicherer fühlt, mag sie ihre Soldaten von Schurwerth hierherholen. So viele sie nur hat.«
»Wenn wir so dringend Männer brauchen, warum hast du dann deine Wilden fortgeschickt?« Cersei klang ein wenig gereizt.
»So konnte ich sie am besten einsetzen«, erklärte er ihr wahrheitsgemäß. »Sie sind wilde Krieger, aber keine Soldaten. In der Schlacht ist Disziplin wichtiger als Mut. Im Königswald haben sie uns schon mehr eingebracht, als sie innerhalb der Stadtmauern jemals erreichen könnten.«
Während der Schwan serviert wurde, fragte die Königin ihn über die Verschwörung der Geweihmänner aus. Sie wirkte eher verärgert als verängstigt. »Warum werden wir ständig verraten? Auf welche Weise hat das Haus Lennister diese Kreaturen je beleidigt?«
»Auf gar keine«, antwortete Tyrion, »sie glauben, sie hätten sich auf die Seite des Siegers gestellt … und demnach sind sie nicht nur Verräter, sondern zudem noch Narren.«
»Bist du sicher, dass du sie alle gefunden hast?«
»Varys meint, ja.« Der Schwan war für seinen Geschmack zu fett.
Auf Cerseis weißer Stirn zeigte sich eine Falte. »Du vertraust dem Eunuchen zu sehr.«
»Er leistet mir gute Dienste.«
»Oder macht es dich glauben. Denkst du, du seist der Einzige, dem er seine Geheimnisse zuflüstert? Er lässt jedem von uns gerade so viel zukommen, dass wir meinen, ohne ihn hilflos zu sein. Mit mir hat er das gleiche Spiel getrieben, als ich Robert geheiratet habe. Jahrelang war ich überzeugt, am Hof keinen ehrlicheren Freund zu haben, aber jetzt …« Sie betrachtete sein Gesicht einen Moment lang. »Er sagt, du willst Joffrey den Bluthund wegnehmen.«
Verfluchter Varys. »Ich brauche Clegane für wichtigere Aufgaben. «
»Nichts ist wichtiger als das Leben des Königs.«
»Das Leben des Königs ist nicht in Gefahr. Joff hat außerdem seinen tapferen Ser Osmund, der ihn beschützt, und dazu Meryn Trant.« Für etwas anderes taugen die sowieso nicht. »Ich brauche Balon Swann und den Bluthund, um Ausfälle anzuführen und um sicherzustellen, dass Stannis auf dieser Seite des Schwarzwassers nicht Fuß fassen kann.«
»Jaime würde die Ausfälle selbst anführen.«
»Von Schnellwasser aus? Das wäre ein ziemlicher Ausfall. «
»Joff ist noch ein Junge.«
»Ein Junge, der an der Schlacht teilnehmen will, und endlich hat er einmal etwas Verstand gezeigt. Ich beabsichtige nicht, ihn mitten ins Gewühl zu schicken, trotzdem sollte er sich wenigstens blicken lassen. Männer kämpfen erbitterter für einen König, der die Gefahr mit ihnen teilt, als für einen, der sich an den Rockzipfeln seiner Mutter festhält.«
»Er ist dreizehn, Tyrion.«
»Kannst du dich erinnern, wie Jaime mit dreizehn war? Wenn der Junge in die Fußstapfen seines Vaters treten soll, lass ihn auch diese Rolle spielen. Joff trägt die beste Rüstung, die für Gold zu haben ist, und ständig wird ihn ein Dutzend Goldröcke umschwirren. Sobald es auch nur im Entferntesten aussieht, als könnte die Stadt fallen, werde ich ihn sofort zum Roten Bergfried zurückbringen lassen.«
Er hatte geglaubt, das würde sie trösten, sah jedoch keine Spur von Freude in ihren grünen Augen. »Wird die Stadt fallen?«
»Nein.« Aber falls doch, bete darum, dass wir den Roten Bergfried so lange halten können, bis unser Hoher Vater uns mit seinen Truppen erreicht hat.
»Du hast mich schon früher belogen, Tyrion.«
»Aber immer aus gutem Grund, liebe Schwester. Ich habe mir ein gutes Einvernehmen zwischen uns gewünscht, genau wie du. Daher habe ich mich entschieden, Lord Gil freizulassen. « Eigentlich hatte er ihn nur für diese Geste überhaupt gefangen genommen. »Und Ser Boros Blount kannst du ebenfalls zurückhaben.«
»Ser Boros Blount kann von mir aus auf Rosby verrecken«, sagte sie, »aber Tommen …«
»… bleibt, wo er ist. Unter Lord Jaslyns Schutz ist er sicherer, als er es je bei Lord Gil gewesen wäre.«
Diener trugen den Schwan ab, der kaum angerührt worden war. Cersei ließ den Nachtisch kommen. »Hoffentlich magst du Brombeertorte.«
»Ich mag alle Torten.«
»Oh, das weiß ich schon lange. Soll ich dir verraten, warum Varys so gefährlich ist?«
»Stellen wir uns nun gegenseitig Rätsel? Nein.«
»Er hat keinen Schwanz.«
»Du auch nicht.« Und das ist dir ein Gräuel, oder nicht, Cersei?
»Vielleicht bin ich ja auch gefährlich. Du dagegen bist ein ebenso großer Narr wie jeder andere Mann. Dieser Wurm zwischen deinen Beinen übernimmt die Hälfte des Denkens für dich.«
Tyrion leckte sich die Krümel von den Fingern. Das Lächeln seiner Schwester gefiel ihm nicht. »Ja, und gerade jetzt denkt ebendieser Wurm, es könnte an der Zeit sein, dich zu verlassen.«
»Fühlst du dich nicht wohl, Bruder?« Sie beugte sich vor und gestattete ihm so einen tiefen Blick in ihr Dekolleté. »Du wirkst plötzlich so nervös.«
»Nervös?« Tyrion sah zur Tür. Er meinte, von draußen ein Geräusch vernommen zu haben. Inzwischen bedauerte er, allein gekommen zu sein. »Bisher hast du nie viel Interesse an meinem Schwanz gezeigt.«