Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Ich diene schon von Kindheit an in der Wache, und ich bin so weit gekommen wie wenige andere«, erwiderte Ebben. »Die Knochen von Riesen habe ich schon gesehen und viele seltsame Geschichten über sie gehört, aber mehr nicht. Ich möchte sie endlich mit eigenen Augen sehen.«
»Pass nur auf, dass sie dich nicht erwischen«, warnte Steinschlange.
Geist war noch nicht zurück, als sie wieder aufbrachen. Die Schatten bedeckten inzwischen den Boden des Passes, und die Sonne sank rasch auf den zerklüfteten Doppelgipfel zu, den die Grenzer Gabelspitze genannt hatten. Wenn der Traum wahr wäre … Allein der Gedanke erschreckte ihn. Hatte der Adler Geist verletzt oder ihn in den Abgrund gestoßen? Und was war mit dem Wehrholzbaum, der das Gesicht seines Bruders trug und der nach Tod und Düsternis roch?
Die letzten Sonnenstrahlen verschwanden hinter der Gabelspitze. Dämmerung breitete sich im Klagenden Pass aus. Fast augenblicklich schien es kälter zu werden. Der Weg stieg nicht länger an, sondern führte leicht abwärts. Er war übersät mit Spalten und zerbrochenen Felsen und Geröllhaufen. Bald wird es dunkel sein, und noch immer ist Geist nicht in Sicht. Es zerriss Jon innerlich, dennoch wagte er nicht, nach dem Schattenwolf zu rufen, obwohl er es gern getan hätte. Andere Wesen würden ihn vielleicht ebenfalls hören.
»Qhorin«, rief Knappe Dalbrück mit gesenkter Stimme. »Dort. Seht.«
Der Adler hockte auf einem Stein weit über ihnen, und gegen den dämmerigen Himmel waren nur seine Umrisse zu erkennen. Wir haben doch schon mehrere Adler gesehen, dachte Jon. Das muss nicht der sein, von dem ich geträumt habe.
Trotzdem wollte Ebben einen Pfeil nach ihm abschießen, der Knappe hielt ihn jedoch zurück. »Der Vogel ist außer Schussweite.«
»Es gefällt mir nicht, wie er uns beobachtet.«
Der Knappe zuckte mit den Schultern. »Mir auch nicht, aber hindern kannst du ihn nicht daran. Du verschwendest nur einen Pfeil.«
Qhorin saß im Sattel und betrachtete den Adler eine Weile lang. »Wir ziehen weiter«, sagte er schließlich. Die Grenzer setzten den Abstieg fort.
Geist, hätte Jon am liebsten geschrien, wo bist du?
Er wollte gerade Qhorin und den anderen folgen, da erblickte er etwas Weißes zwischen zwei Felsen. Ein alter Schneehaufen, dachte er, bis es sich bewegte. Sofort war er aus dem Sattel. Als er auf die Knie ging, hob Geist den Kopf. Sein Nacken glänzte feucht, doch der Wolf gab keinen Laut von sich, als Jon einen Handschuh auszog und die Wunde untersuchte. Die Krallen hatten Fell und Fleisch aufgerissen, doch dem Vogel war es nicht gelungen, das Genick zu brechen.
Qhorin Halbhand stand plötzlich neben ihm. »Wie schlimm ist es?«
Als wolle er antworten, kämpfte sich Geist mühsam auf die Beine.
»Der Wolf ist stark«, sagte der Grenzer. »Ebben, Wasser. Steinschlange, gib mir den Weinschlauch. Halt ihn still, Jon.«
Gemeinsam wuschen sie das angetrocknete Blut aus dem Pelz des Schattenwolfs. Geist strampelte und fletschte die Zähne, als Qhorin den Wein in die roten Wunden goss, die der Adler hinterlassen hatte, doch Jon legte die Arme um seinen Leib, flüsterte ihm tröstende Worte zu, und der Wolf beruhigte sich rasch. Nachdem sie einen Streifen von Jons Mantel abgerissen und die Verletzung damit verbunden hatten, war es vollständig dunkel. Nur anhand der Sterne konnte man den schwarzen Himmel vom schwarzen Fels unterscheiden. »Ziehen wir weiter?«, wollte Steinschlange wissen.
Qhorin ging zu seinem Pferd. »Zurück, nicht weiter.«
»Zurück?«, fragte Jon überrascht.
»Adler haben schärfere Augen als Menschen. Wir sind entdeckt worden, deshalb fliehen wir jetzt.« Halbhand band sich einen langen schwarzen Schal vors Gesicht und schwang sich aufs Pferd.
Die Grenzer wechselten einen Blick, doch keiner widersprach. Einer nach dem anderen wendeten sie ihre Tiere in Richtung Heimat. »Geist, komm«, rief Jon, und der Schattenwolf folgte ihnen wie ein heller Schatten, der durch die Nacht glitt.
Die ganze Nacht lang ritten sie durch den gewundenen Pass. Der Wind nahm zu. Manchmal war es so dunkel, dass sie abstiegen, zu Fuß weitergingen und ihre Pferde am Zügel führten. Einmal schlug Ebben vor, Fackeln anzuzünden, doch Qhorin sagte nur: »Kein Feuer«, und damit war die Sache erledigt. Sie erreichten die Steinbrücke am höchsten Punkt, und dann begann erneut der Abstieg. In der Dunkelheit schrie eine wütende Schattenkatze, deren Stimme von den Felswänden widerhallte, sodass es klang, als würden andere Katzen ihr antworten. Einmal glaubte Jon, auf einem Vorsprung über ihnen zwei Augen leuchten zu sehen, so groß wie Erntemonde.
In der schwarzen Stunde vor der Morgendämmerung hielten sie an, tränkten die Pferde und fütterten sie mit einer Hand voll Hafer und ein wenig Heu. »Wir sind nicht mehr weit von dem Platz entfernt, wo die Wildlinge gestorben sind«, verkündete Qhorin. »Dort kann ein Mann Hunderte abwehren. Der richtige Mann jedenfalls.« Er blickte den Knappen Dalbrück an.
Der Knappe neigte den Kopf. »Lasst mir so viele Pfeile da, wie ihr entbehren könnt, Brüder.« Er streichelte seinen Langbogen. »Und gebt meinem Pferd einen Apfel, wenn ihr daheim angekommen seid. Den hat es sich verdient, das arme Tier.«
Er bleibt hier, um zu sterben, begriff Jon.
Qhorin ergriff den Unterarm des Knappen mit der behandschuhten Hand. »Falls der Adler herunterkommt und nach dir Ausschau hält …«
»… verpasse ich ihm ein paar neue Federn.«
Das Letzte, was Jon vom Knappen Dalbrück zu sehen bekam, war sein Rücken, als der Mann den schmalen Pfad zu der Stelle über der Steilwand hinaufkletterte.
Im Morgengrauen sah Jon zu einem wolkenlosen Himmel hoch und bemerkte einen Punkt, der sich durch das Blau bewegte. Ebben sah ihn ebenfalls und fluchte, doch Qhorin befahl ihm, still zu sein. »Hört.«
Jon hielt den Atem an und lauschte. Weit, weit in der Ferne hinter ihnen hallte der Ruf eines Jagdhorns durch die Berge.
»Und jetzt kommen sie«, sagte Qhorin.
TYRION
Pod kleidete ihn für seine Feuerprobe in ein Samtgewand im Scharlachrot der Lennisters und brachte ihm seine Amtskette. Tyrion ließ sie auf dem Nachttisch liegen. Seine Schwester wurde nicht gern daran erinnert, dass er die Hand des Königs war, und er wollte das Verhältnis zwischen ihnen nicht noch stärker belasten.
Varys holte ihn ein, als er den Hof überquerte. »Mylord«, sagte der Eunuch ein wenig atemlos. »Dies solltet Ihr besser sofort lesen.« In der weichen weißen Hand hielt er ein Pergament. »Ein Bericht aus dem Norden.«
»Gute oder schlechte Neuigkeiten?«, fragte Tyrion.
»Das vermag ich nicht zu beurteilen.«
Tyrion entrollte das Pergament. Er musste die Augen zusammenkneifen, um die Wörter beim Fackellicht im Hof entziffern zu können. »Bei den Göttern«, sagte er leise. »Beide?«
»Ich fürchte, ja, Mylord. Es ist so traurig. So unglaublich traurig. Sie waren so jung und unschuldig.«
Tyrion erinnerte sich daran, wie die Wölfe geheult hatten, als der Starkjunge abgestürzt war. Ob sie jetzt auch heulen? »Habt Ihr schon jemandem davon erzählt?«
»Noch nicht, allerdings werde ich das natürlich müssen.«
Er rollte den Brief zusammen. »Meiner Schwester werde ich es selbst sagen.« Er wollte sehen, wie sie die Nachricht aufnahm. Das wollte er sehr gern sehen.
Die Königin sah heute Abend besonders liebreizend aus. Sie trug ein tief ausgeschnittenes Kleid aus dunkelgrünem Samt, das die Farbe ihrer Augen wunderbar betonte. Ihr goldenes Haar lockte sich über den bloßen Schultern, und um die Taille hatte sie einen geflochtenen, mit Smaragden besetzten Gürtel geschlungen. Tyrion wartete, bis er zu seinem Platz geleitet worden war und man ihm einen Kelch Wein serviert hatte, ehe er ihr den Brief hinhielt. Er sagte kein Wort. Cersei blinzelte ihn unschuldig an und nahm ihm das Pergament aus der Hand.