Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich bückte mich, um den Dolch aufzuheben.
»Das würde dir recht geschehen«, verkündete ich. »Unverschämter Kerl.«
Das Grinsen unter seinem Ellbogen wurde noch breiter.
»Sassenach?«
Ich hielt inne, den Dolch immer noch in der Hand.
»Was?«
»Ich würde glücklich sterben.«
Kapitel 17
Wir begegnen einem Bettler
Am nächsten Morgen schliefen wir ziemlich lange, und die Sonne stand hoch am Himmel, als wir das Gasthaus verließen, diesmal Richtung Süden. Die meisten Pferde waren verschwunden, und von den Männern unserer Truppe schien auch niemand da zu sein. Ich fragte mich laut, wo sie wohl waren.
Jamie grinste. »Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich könnte raten. Die Wache ist gestern in diese Richtung geritten …« Er zeigte nach Westen. »Also nehme ich an, Rupert und die anderen haben diese Richtung eingeschlagen.« Und zeigte nach Osten.
»Rinder«, erklärte er, als er sah, dass ich immer noch nichts verstand. »Die Landbesitzer und Bauern bezahlen die Wache dafür, ein Auge offen zu halten und ihr Vieh zurückzuholen, wenn es gestohlen wird. Aber wenn die Wache auf dem Weg nach Westen ist, Richtung Lag Cruime, sind die Herden östlich von hier schutzlos – zumindest im Moment. Dort ist das Land der Grants, und Rupert ist einer der besten Rinderdiebe, die ich je erlebt habe. Die Tiere folgen ihm, wohin auch immer er geht. Und das so gut wie ohne einen Laut. Und da hier die Abwechslung allmählich rar wird, ist er wahrscheinlich unruhig geworden.«
Jamie schien ebenfalls ziemlich unruhig zu sein und schlug ein ordentliches Tempo ein. Ein Wildwechsel führte durch das Heidekraut, und das Terrain war nicht schwierig, so dass ich problemlos mit ihm Schritt halten konnte. Nach einer Weile erreichten wir ein Stück Moorlandschaft, wo wir nebeneinander hergehen konnten.
»Was ist mit Horrocks?«, fragte ich plötzlich. Als er den Ort Lag Cruime erwähnte, waren mir der englische Deserteur und seine möglichen Neuigkeiten wieder eingefallen. »Du solltest ihn doch in Lag Cruime treffen, nicht wahr?«
Er nickte. »Aye. Aber jetzt kann ich nicht mehr dorthin, denn Randall und die Wache sind in diese Richtung unterwegs. Zu gefährlich.«
»Könnte das nicht jemand anderer für dich übernehmen? Jemand, dem du vertraust?«
Er blickte auf mich hinunter und lächelte. »Nun, ich habe dich. Da du mich ja letzte Nacht doch nicht umgebracht hast, kann ich dir vermutlich trauen. Aber du könntest ja leider nicht allein nach Lag Cruime reiten. Nein, wenn es nötig ist, wird Murtagh das für mich erledigen. Aber vielleicht kann ich auch etwas anderes einrichten – wir werden sehen.«
»Du vertraust Murtagh?«, fragte ich neugierig. Ich war dem zerlumpten kleinen Mann nicht besonders freundlich gesonnen – schließlich war er es, der mich verschleppt hatte und daher mehr oder weniger für meine gegenwärtige Lage verantwortlich war. Doch es bestand eindeutig eine Art Freundschaft zwischen ihm und Jamie.
»Oh, aye.« Er sah mich überrascht an. »Murtagh kennt mich schon seit meiner Geburt – mein Vater war sein Vetter zweiten Grades, glaube ich. Sein Vater war mein …«
»Du meinst, er ist ein Fraser«, unterbrach ich ihn hastig. »Ich dachte, er gehört zu den MacKenzies. Er war doch bei Dougal, als ich dir das erste Mal begegnet bin.«
Jamie nickte. »Aye. Als ich beschlossen habe, aus Frankreich zurückzukehren, habe ich ihm eine Nachricht geschickt und ihn gebeten, mich an der Küste abzuholen.« Er lächelte ironisch. »Schließlich wusste ich nicht mit Gewissheit, ob es nicht doch Dougal war, der versucht hatte, mich umzubringen. Und die Vorstellung, mich allein mit mehreren MacKenzies zu treffen, war mir nicht geheuer. Ich wollte nicht vor Skye in der Brandung enden, falls es das war, was sie im Sinn hatten.«
»Ich verstehe. Dougal ist also nicht der Einzige, der Zeugen zu schätzen weiß.«
Er nickte. »Zeugen sind eine nützliche Sache.«
Am anderen Ende der Moorlandschaft befand sich ein zerklüftetes Geröllfeld, das von längst verschwundenen Gletschern geformt worden war. Die tieferen Mulden waren mit Regenwasser gefüllt, deren Ränder dicht mit Disteln, Rainfarnen und Mädesüß bewachsen waren. Die Blüten spiegelten sich im stillen Wasser.
Das gesamte Geröllfeld war mit diesen fischlosen Tümpeln übersät, Fallen für arglose Reisende, die im Dunkeln leicht hineinstolpern und dann gezwungen sein konnten, eine nasse, ungemütliche Nacht im Moor zu verbringen. Wir setzten uns an einen solchen Teich, um Brot und Käse zu frühstücken.
Dieser Tümpel zog zumindest Vögel an; Schwalben stießen zum Trinken auf die Wasseroberfläche hinab, und am Ufer bohrten Regenpfeifer und Brachvögel ihre langen Schnäbel in den matschigen Boden, um nach Insekten zu graben.
Ich warf den Vögeln ein paar Brotkrumen auf den Schlamm. Ein Brachvogel beäugte sie argwöhnisch, doch während er noch überlegte, kam eine Schwalbe unter seinem Schnabel hindurchgesaust und machte sich mit dem Leckerbissen davon. Der Brachvogel plusterte sich beleidigt auf, buddelte dann aber unbeirrt weiter.
Jamie lenkte mein Augenmerk auf einen Regenpfeifer, der laute Rufe ausstieß und sich mit einem gebrochenen Flügel in unsere Richtung zu schleppen schien.
»Sie hat ein Nest in der Nähe«, sagte ich.
»Dort drüben.« Er musste es mir mehrmals zeigen, bis ich es endlich erspähte; eine flache, trockene Mulde, die zwar völlig ungeschützt war, deren vier gefleckte Eier dem mit Laub übersäten Ufer jedoch derart ähnlich sahen, dass ich das Nest sofort wieder aus den Augen verlor, als ich einmal blinzelte.
Jamie ergriff ein Stöckchen und verschob vorsichtig ein Ei. Die Mutter rannte ihm aufgeregt fast bis vor die Füße. Er saß vollkommen reglos da und ließ den zeternden Vogel vor sich auf und ab laufen. Eine schnelle Bewegung, und er hielt den Vogel in der Hand. Das Tier verstummte abrupt.
Er sprach leise auf Gälisch mit dem Vogel, während er ihm mit einem Finger über das weiche Gefieder strich. Der Vogel hockte wie hypnotisiert in seiner Hand, selbst das Spiegelbild in seinen runden schwarzen Augen schien erstarrt.
Jamie setzte den Vogel wieder vorsichtig auf den Boden, doch dieser entfernte sich erst, nachdem Jamie noch ein paar Worte gesagt und eine langsame Handbewegung hinter dem Tier gemacht hatte. Es fuhr kurz zusammen und rannte dann ins hohe Gras davon. Jamie blickte ihm nach und bekreuzigte sich unbewusst.
»Warum hast du das gemacht?«, fragte ich neugierig.
»Was denn?«, antwortete er verblüfft; ich glaube, er hatte vergessen, dass ich da war.
»Du hast dich bekreuzigt, als der Vogel fortgelaufen ist; ich habe mich gefragt, warum.«
Leicht verlegen zuckte er mit den Schultern.
»Ah, nun ja. Es ist eine alte Legende. Warum die Regenpfeifer so rufen und warum sie so aufgeregt um ihre Nester herumrennen.« Er zeigte auf die andere Seite des Tümpels, wo jetzt ein anderer Regenpfeifer genau das Gleiche tat. Ein paar Sekunden beobachtete er den Vogel geistesabwesend.
»Regenpfeifer haben die Seelen junger Mütter, die im Kindbett gestorben sind«, sagte er. Er warf mir einen schüchternen Blick aus den Augenwinkeln zu. »Es heißt, sie rufen und laufen um ihre Nester herum, weil sie nicht glauben können, dass die Jungen gesund geschlüpft sind; sie trauern immerfort um das verlorene Junge – oder halten Ausschau nach einem Kind, das zurückgelassen wurde.« Er hockte sich erneut neben das Nest und bewegte das längliche Ei zentimeterweise mit seinem Stöckchen, bis es mit der Spitze in die Mitte zeigte wie die anderen. Auch als das Ei wieder an Ort und Stelle lag, blieb er weiter dort hocken und blickte über das stille Wasser des Tümpels hinweg.
»Es ist nur eine Angewohnheit«, sagte er. »Aus der Zeit, als ich die Geschichte als Junge zum ersten Mal gehört habe. Natürlich habe ich damals schon nicht geglaubt, dass sie Seelen haben, aber, nun ja, als kleine Geste des Respekts …« Er blickte zu mir auf und lächelte plötzlich. »Ich habe es schon so oft getan, dass es mir gar nicht mehr auffällt. Es gibt ja ziemlich viele Regenpfeifer in Schottland.« Er erhob sich und warf das Stöckchen fort. »Gehen wir, ich möchte dir etwas zeigen, dort oben auf dem Hügel.« Er nahm meinen Ellbogen, um mir aus der Felsmulde zu helfen, und wir stiegen bergan.