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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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»Dank der uns gemeinsamen Gabe, Jesse ben Benjamin, kann ich einen Mann erkennen, in dem ein Arzt steckt, und in dir spüre ich ein so starkes Bedürfnis zu heilen, daß es schmerzt. Aber das Bedürfnis allein genügt nicht.

Man wird nicht durch einen calaat zum Medicus, was ein Glück ist, denn es gibt schon zu viele unwissende Ärzte. Deshalb haben wir die Schule, um die Spreu vom Weizen zu sondern. Und wenn wir einen würdigen Studenten bemerken, prüfen wir ihn besonders streng. Wenn unsere Prüfungen zu schwer für dich sind, mußt du uns vergessen, wieder als Baderchirurg umherziehen und deine Quacksalbereien verkaufen...« »Arzneien«, verbesserte Rob scharf.

»Dann also deine angeblichen Arzneien. Den Titel hakim muß man verdienen. Wenn du ihn anstrebst, mußt du dich um des Lernens willen plagen und alle Fähigkeiten einsetzen, um mit den anderen Studenten Schritt zu halten und sie zu übertreffen. Du mußt mit dem Eifer des Begnadeten oder des Verfluchten studieren.« Rob holte Luft. Er blickte Ibn Sina noch immer leidenschaftlich in die Augen und sagte sich, daß er sich nicht durch die halbe Welt gekämpft hatte, um dann zu scheitern.

Er erhob sich, um sich zu verabschieden, doch da fiel ihm etwas ein.

»Besitzt Ihr Hunains >Zehn Abhandlungen über das Auge<, Arzt aller Ärzte?«

Nun lächelte Ibn Sina. »Ja.« Er holte eilig das Buch und übergab es seinem Studenten.

Der Maidan

Früh an einem Morgen, an dem Rob es eilig hatte, suchten ihn drei Soldaten auf. Er erschrak und machte sich auf alles Mögliche gefaßt, doch diesmal zeigten sie sich äußerst höflich und respektvoll. Ihr Führer, dessen Atem verriet, daß er zum Frühstück grüne Zwiebeln gegessen hatte, verbeugte sich tief.

»Wir wurden ausgesandt, um Euch zu benachrichtigen, Herr, daß morgen nach dem zweiten Gebet ein Empfang bei Hof stattfindet. Die Träger eines calaat werden dazu erwartet.«

Somit befand sich Rob am nächsten Morgen wieder unter den vergoldeten Gewölben der Halle der Säulen.

Diesmal waren keine Menschenmassen anwesend, was Rob bedauerte, denn der Shahansha strahlte in voller Pracht. Alä-al-Dawla trug einen Turban, ein fließendes Gewand, spitze, purpurne Schuhe, eine karmesinrote Hose mit Wickelgamaschen und eine schwere Krone aus getriebenem Gold. Der Großwesir Imam Mirza-abul Quandrasseh saß auf einem niedrigeren Thron neben ihm. Wie gewöhnlich war er in m«//a&-Schwarz gekleidet.

Die Empfänger eines calaat standen als Beobachter abseits vom Thron. Rob konnte Ibn Sina nirgends sehen und erkannte niemanden in der Nähe außer Khuff, den Stadthauptmann.

Der Boden in der Umgebung Aläs war mit Teppichen, in denen Seiden- und Goldfäden glänzten, bedeckt. Zu beiden Seiten der Throne und ihnen zugewandt saß eine Schar prächtig gekleideter Männer. Rob ging zu Khuff und berührte seinen Arm. »Wer sind sie?« flüsterte er.

Khuff blickte den fremden Hebräer verächtlich an, antwortete aber geduldig, wie es seine Pflicht war: »Das Reich ist in vierzehn Provin-zen unterteilt, in denen es fünfhundertvierundvierzig besondere Orte gibt: Städte, ummauerte Ortschaften und Burgen. Dies hier sind die mirzes, chawns, Sultane und beglerbegs, die dort regieren und unter der Herrschaft von Alä-al-Dawla Shahansha stehen.« Der Empfang sollte offenbar bald beginnen, denn Khuff eilte davon und postierte sich unter der Tür.

Der Botschafter Armeniens war der erste Gesandte, der in der Halle einritt. Er war ein noch junger Mann mit schwarzem Haar und Bart, seiner Erscheinung nach jedoch eine graue Eminenz, denn er ritt eine graue Stute und trug Silberfuchsschwänze auf einem grauen Seidengewand. Hundertfünfzig Schritte vor dem Thron wurde er von Khuff angehalten, der ihm beim Absteigen half und ihn den restlichen Weg führte, damit er Aläs Füße küßte.

Nachdem das erledigt war, überreichte der Gesandte dem Schah verschwenderische Geschenke von seinem Landesherrn, darunter eine große Kristallaterne, neun kleine Kristallspiegel mit Goldrahmen, hundertzwanzig Ellen Purpurstoff, zwanzig Flaschen feines Parfüm und fünfzig Zobelfelle.

Alä hieß den Armenier ohne sonderliches Interesse an seinem Hof willkommen und trug ihm auf, seinem gnädigen Herrn für die Geschenke zu danken.

Als nächster ritt der Gesandte der Khasaren ein, wurde von Khuff in Empfang genommen, und die gesamte Zeremonie wurde wiederholt. Das Geschenk des Khasarenkönigs bestand aus drei schönen Araberpferden und einem angeketteten jungen Löwen, der allerdings nicht gezähmt war, so daß das Tier in seiner Angst auf den Teppich mit den Gold- und Seidenfäden schiß.

Die Anwesenden warteten stumm auf die Reaktion des Schahs. Alä runzelte weder die Stirn noch lächelte er, sondern er wartete, bis Sklaven und Diener eilig die beleidigende Substanz, die Geschenke und den Khasaren entfernten. Die Höflinge zu Füßen des Schahs saßen wie leblose Statuen auf ihren Kissen, den Blick auf den König der Könige gerichtet. Sie waren wie Schatten, bereit, sich im Gleichklang mit Aläs Körper zu bewegen.

Endlich erfolgte ein kaum wahrnehmbares Signal, und alles atmete auf, als der nächste Gesandte, der des Emirs von Qarmatien, angekündigt wurde und auf einem rotbraunen Pferd in die Halle ritt.

Rob schaute weiterhin respektvoll zu, aber im Geist verließ er den Hof, um stumm seine Lektionen zu memorieren. Die vier Elemente: Erde, Wasser, Feuer und Luft; die durch Berührung erkennbaren Eigenschaften: Kälte, Hitze, Trockenheit und Feuchtigkeit; die Temperamente: sanguinisch, phlegmatisch, cholerisch und melancholisch; die Fähigkeiten: körperliche, seelische und geistige. Er stellte sich die einzelnen Teile des Auges vor, wie Hunain sie anführte, nannte sieben Heilkräuter und Medikamente, die für Wechselfieber, und achtzehn, die für Fieber empfohlen wurden, und sagte sogar im Geist mehrmals die neun ersten Strophen der dritten sura des Qu'ran mit dem Titel »Die Familie von Imran« auf. Seine Beschäftigung begann ihm eben zu gefallen, als er unterbrochen wurde, weil er sah, daß Khuff in einen Wortwechsel mit einem herrischen, weißhaarigen alten Mann auf einem nervösen dunklen Fuchs verstrickt war.

»Ich werde als letzter vorgestellt, weil ich ein Seldschukentürke bin. Das ist eine absichtliche Beleidigung meines Volkes.« »Jemand muß der letzte sein, Hadad Kahn, und an diesem Tag ist es Eure Exzellenz«, beruhigte ihn der Stadthauptmann. Wütend versuchte der Seldschuke, das große Pferd an Khuff vorbeizutreiben und bis zum Thron zu reiten. Der grauhaarige alte Soldat tat, als wäre der Hengst und nicht der Reiter schuld. »Ho!«

schrie er, packte den Zügel und versetzte dem Pferd mit seinem Stock mehrere kräftige Schläge auf die Nase, worauf das Tier wieherte und zurückwich.

Die Soldaten hielten den Hengst im Zaum, während Khuff dem khan beim Absteigen half, wobei seine Hände nicht übertrieben sanft mit ihm umgingen. Dann führte er den Gesandten zum Thron. Der Seldschuke führte den ravi zemin nur flüchtig aus und entbot mit zitternder Stimme die Grüße seines Fürsten, ohne Geschenke zu überreichen.

Alä-al Dawla vergeudete kein Wort, sondern entließ ihn kalt mit einem Wink seiner Hand, und die Audienz war zu Ende, die nach Ansicht Robs bis auf den Gesandten der Seldschuken und den scheißenden Löwen außerordentlich langweilig verlaufen war.

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