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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Nicht, um ihnen nahe zu sein«, erwiderte Arane fest. »Um ihre Kraft zu benutzen – oder, besser gesagt, ihre Schwäche.«

Auch jetzt schwieg Scapa. Arane atmete tief ein und blickte wieder ins Land hinaus. »Ich muss das Mädchen und den Elfenprinz wiederfinden. Allein schon, weil sie wissen, dass es mich gibt.«

»Wieso willst du dich eigentlich verbergen? Wenn jeder gewusst hätte, dass es dich gibt, dann wäre das alles nicht geschehen. Dann wäre ich zu dir gekommen und hätte gewusst, dass du noch lebst und es dir gut geht. Schon früher hast du immer Angst gehabt, dass jemand weiß, wer du wirklich bist.«

»Angst? Ich hatte keine Angst! Aber glaubst du, mir hätte damals jemand zugehört? All diese dummen Straßenkinder in Kesselstadt?« Sie wandte sich ihm zu. Sanft strich sie ihm über die Wange, doch ihre Stimme klang bitter. »Du bist so verträumt, Scapa. Für dich war die Welt immer nur in einer Hinsicht ungerecht: dass man arm oder reich geboren wird. Aber es ist mehr, viel mehr. Wie hättest du das auch wissen können? Du weißt nicht, wie es ist, etwas sagen zu wollen und nicht gehört zu werden. Wenn du etwas kannst und weißt und niemand es dir zutrauen will – niemand davon wissen will. Dir hat man immer zugehört. Und vertraut. Siehst du, es gibt Dinge, die weiß jeder: Arme brauchen einen Herrscher, der für sie entscheidet. Frauen können nicht regieren. Kinder können nicht die Macht über eine Stadt ergreifen ... Und wenn du alles auf einmal bist, Kind und Mädchen und arm, dann wirst du bestimmt auch nicht die Welt erobern können. Wer würde schon ein kleines Mädchen fürchten? Selbst wenn es die Steinkrone trägt, wenn es über ein Heer von fünfzigtausend gebietet, ist es in den Augen der Welt doch nur ein Mädchen. Ein Kind ...«

Als der Wind ihr Gesicht umflüsterte, ihre Augen älter und schöner wirkten denn je, konnte Scapa nur schwer glauben, dass sie ein Mensch aus Fleisch und Blut war. Sie war viel mehr. Sie war sogar mehr als eine Königin.

»Du bist nicht nur ein Mädchen.«

»Eben doch, das bin ich!«, brauste sie auf. »Selbst du begreifst es nicht! Selbst du denkst noch, dass ich mehr als ein Mädchen sein muss, ein Mädchen könnte all dies ja nicht erreicht haben! Scapa, ich bin nur das, was ich bin, und das ist einfach. Alles, was ich getan habe, war, mir von der Welt keinen Namen geben zu lassen! Ich habe mich selbst benannt. Ich habe selbst bestimmt, zu was ich fähig bin! Ich habe nicht daran geglaubt, dass Arme da sind, um beherrscht zu werden, Frauen nur die Frauen von Männern sind, Kinder nicht besitzen können! Ich habe selbst bestimmt, was ein Mädchen ist.« Sie sah ihn aus schmalen Augen an. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. »Mädchen sind klug und ehrgeizig, sie träumen und begehren und sie arbeiten, wenn es sein muss, sie kämpfen und hassen und sie lieben ...« Ihr Kopf hob sich und sie blickte dem Wind entgegen.

»Wenn ich alles erreicht habe, Scapa, dann werde ich mich offenbaren. Dann wird mein Name der Name aller Menschen. Dann wird jeder sich selbst erschaffen können, und wir werden uns nicht mehr Kind nennen, nicht mehr Mann und Frau – unsere Namen werden die, die uns wirklich zustehen. Dann werde ich die Welt verändern, wie es mir gefällt!« Sie öffnete seine Hand und strich mit behutsamen Fingern hindurch. »Und dann wird man sehen, ich bin nur so wenig. Und man wird sehen, ich bin alles.«

Als sie zu Mittag aßen, traf Scapa Fesco wieder. Er sah ganz anders aus, war sauber und hatte gekämmte Haare. Und seine Kleider waren so fein, dass ein Prinz sie tragen könnte. Dabei fiel Scapa auf, dass er selbst nicht anders aussah, mit seinem bestickten Wams und dem sauberen Hemd.

Sie schwiegen die meiste Zeit, denn Scapa war nicht danach, zu sprechen. Es gab auch nichts zu sagen. Er war in so vielen Gedanken versunken, dass er selbst nicht mehr richtig verstand. Einerseits glaubte er Arane und bewunderte sie. Und dann wieder kehrten Scapas Erinnerungen zurück. Und er dachte an Nill, an die Elfen, an die Minen und das Leid, das die Grauen Krieger verbreiteten ...

Nach dem Essen führte Arane ihn in eine kleine Steinhalle, in der ein Puppentheater aufgebaut war. Er lächelte beim Anblick der roten Bühne: Sie sah genauso aus wie das Theater damals in Kesselstadt, und für einen Moment glaubte Scapa sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Er und Arane nahmen auf zwei roten Polsterstühlen Platz, und während das Theaterstück einzig und allein für sie aufgeführt wurde, legte sich Aranes Hand vorsichtig auf Scapas.

Für den Abend wurde ein Bankett vorbereitet. Sie speisten in einer Halle, die der Schein glitzernder Kronleuchter erfüllte, und auf der Tafel häuften sich die herrlichsten Speisen. Erst führten Akrobaten und Feuerspucker ihre Kunststücke auf, dann kamen Musikanten mit Flöten und Trommeln.

»Willst du mit mir tanzen?«, fragte Arane Scapa plötzlich.

Er runzelte die Stirn. »Ich kann doch nicht tanzen.«

Sie lachte. »Was soll das denn heißen? Glaubst du, eine Königin tanzt anders als ein Mädchen aus Kesselstadt? Wir tanzen so wie früher, Scapa! Ich kann mich gut daran erinnern, wie wir früher herumgehüpft sind, wenn aus den Schänken Musik auf die Straßen geweht ist.«

Sie standen auf und Arane raffte ihre Röcke. Während die Musik spielte, drehten sie sich im Kreis und stolperten häufiger über Aranes Rock, als dass sie wirklich tanzten. Also rief Arane ihre Dienerinnen und befahl ihnen, ihr das Kleid zu öffnen. Mitten in der Halle schlüpfte sie aus dem Stoffmeer und stand in weißen Unterkleidern da. Die Musik setzte wieder ein. Schneller und schneller drehten sich Scapa und Arane im Kreis. Sie wirbelten durch die Halle und prustend vor Lachen ließ Scapa sich rückwärts in Aranes Arme sinken. Sie drückte ihn fest an sich, dann wich sie zurück und reckte die Hände in die Höhe.

»Wir sind frei!« Die Musik übertönte beinahe ihre Stimme. »Wir sind frei zu tun, was wir wollen, für den Rest unserer Tage!«

Sie lachte hell und griff mit beiden Händen in eine Schale voller Rosinen. Lachend warf sie sie in die Luft und drehte sich unter dem Rosinenregen. Als sie herumwirbelte, stand Scapa vor ihr und sie schloss ihre Hände um sein Gesicht. »Mir ist, als sei mein ganzer Reichtum erst mit dir gekommen. Wir leben die Vergangenheit neu, hier und jetzt und in alle Ewigkeit!«

»Du bist vollkommen übergeschnappt«, bemerkte er lächelnd.

»War ich das nicht schon immer?« Sie nahm die Rosinenschale von der Tafel und schüttete sie langsam über seinen Kopf.

Unter den fallenden Rosinen nahm Scapa sie in die Arme. »Du warst es schon immer. Wir beide.« Er küsste erst ihre Wangen, dann die Lippen.

Die Tage verstrichen. Allmählich lernte Scapa den Turm kennen. Wenn er nicht mit Arane eine Theateraufführung ansah, mit ihr speiste, für neue Kleider Maß stehen musste oder den Musikern und Geschichtenerzählern der Königin lauschte, durchstreifte er die riesigen Hallen und Korridore. Er durfte sich überall frei bewegen und kein Grauer Krieger, noch sonst ein Untergebener der Königin, wagte ihm in den Weg zu treten.

Es gab so viele Räume, Zimmer, Gänge und verborgene Säle, dass man sie gar nicht alle erkunden konnte. Ganze Schlossflügel standen vollkommen leer; Arane war noch nicht dazu gekommen, den gesamten Turm zu füllen. Scapa konnte sich jedoch kaum vorstellen, dass man ihr genug Möbel, Teppiche und Statuen liefern konnte, um den Turm nach ihrem Geschmack einzurichten – denn sie wollte mit jedem Blick sehen, dass sie eine Königin war.

Für Scapa schienen Arane und ihre Macht in manchen Momenten noch immer so unglaublich, dass er kaum fassen konnte, dass all dies die Wirklichkeit war. Aranes Vergangenheit – Arane selbst – war so erstaunlich ...

Der Regen fiel in Strömen. Immer noch zuckten Blitze in der Schwärze der Nacht, der Donner erschütterte die Marschen, als rebellierte die geschwollene Erde gegen den Regen, der auf sie niederschlug.

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