Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er wußte hinterher nicht, wie lange sie durch die untergegangene Stadt gingen, aber je tiefer sie kamen, desto deutlicher war zu erkennen, daß es sich nicht um ein Labyrinth aus Stollen und Grotten handelte. Es waren Gebäude und Straßen, wenn auch von absoluter Fremdartigkeit und begraben unter Tausenden und Abertausenden Tonnen von Gestein. Die Last des Felsenhimmels hatte die Gebäude wie die Faustschläge eines zornigen Riesen zusammengestaucht. Es war ein Wunder, daß sie überhaupt noch existierten, aber gerade dieser Umstand unterstrich ihre Fremdartigkeit noch. Der Lichtschein der Fackel reichte nicht weit, aber was er sah, weckte in Torian nicht die Neugier auf mehr. Diese Welt war nicht für Menschen bestimmt. Sie war nicht von Menschen gebaut und nicht dafür gedacht, von Menschen bewohnt zu werden. Es erschien ihm undenkbar, daß hier unten ein ganzes Volk leben sollte, aber vielleicht waren die Jünger der Letzten Nacht ja auch längst keine Menschen mehr, auch wenn sie so aussahen.
Irgendwann – nach Stunden, wie es Torian vorkam, aber sicher war er sich nicht, denn auch die Zeit schien in dieser lichtlosen Welt unter der Welt anderen Gesetzen zu gehorchen – gelangten sie in den bewohnten Teil der Katakomben. Es gab nur vereinzelte Hinweise: die Überreste eines Lagerfeuers oder einer Mahlzeit. Die Anzeichen eines normalen, alltäglichen Lebens hätten ihn beruhigen müssen, aber sie verstärkten in Torian nur den Eindruck der Fremdartigkeit. Keiner der Jünger war zu sehen, aber er spürte, daß sie da waren, daß sie irgendwo außerhalb des kleinen Lichtkreises lautlos wie Schatten durch die Finsternis schlichen.
Vor ihnen schälte sich ein gewaltiges Portal aus der Dunkelheit. Auf jeder Seite standen zwei der Blinden. Auf eine Handbewegung Borons hin sprangen sie vor und öffneten einen Flügel des Portals. Torian trat in eine große Halle, die von zahlreichen Fackeln beleuchtet wurde. Zwölf Gestalten, in die gleichen dunklen Kutten wie Boron gehüllt, saßen an einem langen halbrunden Tisch. Ein Platz in ihrer Mitte war noch frei. Zögernd trat Torian näher. Boron ging an ihm vorbei und setzte sich auf den freien Platz zwischen den anderen Magiern.
Minutenlang herrschte Schweigen, aber es war ein Schweigen sehr unangenehmer, beinahe beredter Art; eine Stille, als unterhielten sich die Magier auf eine ihm verschlossene Art. Torian ließ seinen Blick über die Reihe der versammelten Magier gleiten. Zumeist entdeckte er nur brodelnde Schwärze unter den Kapuzen, wo Gesichter sein sollten; gelegentlich, wenn das Licht der Fackeln dazu ausreichte, ein dunkles Augenpaar oder faltige, an altes Pergament erinnernde Haut. Eine Aura unsichtbarer, aber dafür um so deutlicher spürbarer Macht erfüllte die Luft.
Torian fühlte nur Leere in sich. Er kam sich vor, als wäre er in einem besonders realistischen Alptraum gefangen, hatte das Gefühl, in einen endlos tiefen Schacht zu stürzen. Vor wenigen Wochen erst hatte er zum ersten Mal einen Schwarzen Magier gesehen, und wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre dies auch die einzige Begegnung geblieben.
Leider ging es nicht nach ihm. Statt dessen stand er nun gleich dreizehn Magiern gegenüber, Wesen mit einer Macht, die der von Göttern gleichkam, die durch einen Wink ganze Städte in Schutt und Asche legen konnten, mit einem Lidzucken ein Leben auslöschen. Er hatte zwei ihrer Brüder und eine ihrer dämonischen Götzenkreaturen getötet. Sie mußten ihn hassen, ganz gleich, was Boron behauptete, doch er spürte, daß die Blicke, die sie ihm unter den Kapuzen hervor zuwarfen, nicht feindselig waren. Sie betrachteten ihn eher auf die Art, auf die man ein besonders seltenes und interessantes Tier mustert.
Meistens, kurz bevor man es zertrat, fügte Torian in Gedanken düster hinzu.
Trotzdem hatte er keine Angst.
Es war seltsam – jeder der Schwarzen vermochte ihn schneller zu töten, als er sein Schwert ziehen könnte, und er hatte ihnen mehr als genug Gründe geliefert, es zu tun. Es war kein Zufall, daß man ihm die Waffe nicht einmal abgenommen hatte. Eine weitere Demonstration ihrer Überlegenheit.
Seine Ruhe erschreckte Torian beinahe selbst, wenn es auch eher eine Betäubung als echte Ruhe war. Es gab keinen Grund, Furcht zu empfinden, weil es keine Hoffnung mehr gab. Er war schon tot, auch wenn er es im Moment noch nicht merkte. Sein Todesurteil stand fest, seit Boron ihn in die Katakomben geführt hatte. Wenn man ihn noch nicht getötet hatte, dann nur, um ihn vor seinem Tode noch mehr zu demütigen. Nein, es konnte keine Hoffnung mehr geben. Selbst sein Haß war vergangen. Alles, was er noch wollte, waren Antworten.
»Also gut, hier bin ich«, sagte er, mühsam darum bemüht, das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. »Warum bringt ihr mich nicht endlich um?«
Er hatte eine wütende Reaktion auf seine provozierende Frage erwartet, doch erst nach Sekunden, die ihm wie Ewigkeiten vorkamen, schüttelte Boron fast mitleidig den Kopf.
»Wir haben geglaubt, du wärst anders als die übrigen Menschen, Torian, doch du bist ein mindestens ebensolcher Narr wie sie«, sagte er. »Wofür hältst du uns?« Er starrte Torian durchdringend an. Als er weitersprach, klang seine Stimme fast vorwurfsvoll. »Für eiskalte Killer, denen das Töten Spaß macht? Glaubst du, ein nach Jahrhunderten währendes Leben würde nicht auch Weisheit und eine geistige Reife hervorbringen? Keinem von uns macht das Töten Spaß. Wir sind schließlich keine Menschen.« Die letzten Worte sprach er mit einer so beiläufigen Betonung aus, daß Torian ihren Sinn im ersten Augenblick gar nicht begriff.
Verwirrt starrte Torian ihn an. Er wußte selbst nicht, was er erwartet hatte, aber jedenfalls keine Antwort wie diese. Es fiel ihm schwer, überhaupt zu sprechen. Und als er es tat, war es bloßer Trotz, der ihm die Worte diktierte. »Die Falle in Rador... Der Magier schwor, jeden Garianer zu töten. Ist das eure Reife?«
Boron machte eine abfällige Handbewegung.
»Sein Geist war verwirrt. Rache ist ein schlechtes Motiv. Du hast den Untergang Radors miterlebt. Hunderttausende von uns starben, wurden von den Garianern niedergemetzelt, gleich ob Frauen, Greise oder Kinder. Aber sollen wir jeden Menschen hassen, nur weil ihr von den Garianern abstammt und wir die letzten Überlebenden der Alten Rasse sind? Wir mögen hart erscheinen und müssen es wohl auch sein, aber wir sind nicht grausam. Manchmal müssen wir es sein, aber es bereitet uns sowenig Freude wie euch.«
»Nein«, sagte Torian mit einer Ruhe, von der er selbst nicht wußte, woher er sie nahm. »Grausam seid ihr nicht. Deshalb haben eure Jünger wohl auch Kaam die Kehle durchgeschnitten. Und deshalb mußten die beiden Diebe sterben. Und wahrscheinlich noch ein paar hundert andere Menschen.«
»Es war notwendig«, erklärte einer der Magier rechts neben Boron. Torian sog überrascht die Luft ein, als ihm bewußt wurde, daß es sich um eine Frau handelte. »Wir töten nicht aus Freude, sondern nur, wenn es nötig ist, und in diesem Fall war es nötig, denn wir mußten deinen Haß schüren, um das zu wecken, was du in dir trägst. Die Brut der Blutspinne.«
Die Brut der Blutspinne!
Dumpf hallten ihre Worte hinter Torians Stirn wider. Diesmal gab es nichts, was seine Gedanken beeinflußte und ablenkte, und doch dauerte es noch immer mehrere Sekunden, bis er endlich begriff.
Er hatte nie erfahren, wie Blutspinnen sich fortpflanzten – wozu auch? Nun wußte er es. Die Erklärung war so einfach wie gräßlich. Sie legten Eier.
In lebende Opfer.
Sie versenkten ihre Eier in die Körper ihrer Opfer. Hätte Garth ihn nicht befreit, wäre er hilflos im Netz der Spinne gefangen gewesen, bis ihre Brut herangewachsen war. Deshalb auch hatte ihn die Kreatur nicht getötet, als sie die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Sie brauchte ihn.